Forum: Politik
Kreml-Chef im "Bild"-Interview: Putins doppelte Botschaft
REUTERS/ Sputnik/ Kremlin

Er mäßigt seine Rhetorik, wirbt für ein Anti-Terror-Bündnis mit dem Westen, hofft aufs Ende der Sanktionen: Russlands Präsident Putin gibt sich in einem Interview plötzlich entgegenkommend. Doch von ein paar Positionen rückt er nicht ab.

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pansatyr 12.01.2016, 20:01
80. @75 Entschuldigung

aber diese "Argumente" verfangen hier nicht mehr.
Mittlerweile hat sich in der deutschen Öffentlichkeit nämlich herumgesprochen, was hier sehr anschaulich niedergeschrieben ist:

https://volltext.merkur-zeitschrift.de/article/mr_2016_01_0089-0095_0089_01.pdf

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DieButter 12.01.2016, 21:15
81.

Und dann? Selbst wenn man Putin´s Russland wieder vertrauen würde, was hielte ihn davon ab, wiederum andere Länder in "seiner Einflusssphäre" zu überfallen und ihnen Land zu rauben, Konzerne zu verstaatlichen und militärisch Fakten zu schaffen?
Dass explizit die Ukraine und Georgien genannt wurden, lässt daran zweifeln, dass diese Länder fortan unbehelligt von urlaubenden, russischen Soldaten bleiben werden. Wobei kommt Russland eigentlich dem Westen entgegen? Die Krim will es nicht wieder rausrücken, das Verhältnis zwischen den Ukrainern und Russen ist dauerhaft zerrüttet.
Ist es nicht vielmehr der gescheiterte Versuch, Russland unabhängig von westlichen Technologien zu machen und eher der Erkenntnis geschuldet, dass man, wenn die Einnahmen aus Gas und Öl nicht mehr sprudeln, ganz schön ein Finanzierungsproblem für einen Staat hat, der hauptsächlich aus Rüstungs- und Militärunternehmen besteht?
Für mich sieht guter Wille anders aus.

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infox3000 12.01.2016, 21:57
82. Warum sollte Putin dem Westen überhaupt

Zitat von crma
Wenn mir jemand sagt, ich sei ehrlich stets behmüht nehme ich das nicht als Kompliment, SPON scheinbar schon. Putin macht, was für Putin und Russland das Beste ist - Überraschung! Glaubt wirklich einer, er sieht Russland nicht als Weltmacht? Glaubt wirklich einer er schätzt Merkel für ihre offene, bemühte Art? Verdummung auf einem neuen Level.
Wahrheiten mitteilen, die dieser ohnehin nicht hören kann bzw. will? Deshalb verkneift er sich auch in diesem Jahr die Teilnahme an der Münchner "Wehrkundetagung" (nach alter Nomenklatur - Nomen est Omen), deren Hauptfunktion es doch ist, den wichtigsten kalten Kriegern des Westens Selbstbestätigung in ihrer Weltsicht zu verschaffen. Was Frau Merkel betrifft, so hat sie doch seit Snowdens Enthüllungen immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie eigenständig und konstruktiv nicht mehr allzu viel ausrichten kann. Warum sollte er mit ihr also in einen Schlagabtausch über echte Politikpositionen eintreten und nicht stattdessen einfach Nettigkeiten verteilen? In einem anderen Interview, dem mit Th. Roth/ARD, hat Putin die Bedeutung dieser Behandlung erklärt: "Wenn Europa nicht willens ist, seine eigenen Interessen zu vertreten, dann müssen wir über Europa mit Washington reden." Im Übrigen: die Krim und der Syrien-Einsatz zeigen, dass Putin überhaupt nicht mehr vorhat, seine Pläne in irgendeiner Weise mit dem Westen zu besprechen. Vollendete Tatsachen sind das Gebot der Stunde.

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didohaun 12.01.2016, 22:17
83. Ich gebs nicht auf!

Insbesondere die USA sind für die wuchernde NATO verantwortlich, weil dies ihren Macht- und Wirtschaftsinteressen entspricht. Die Ukraine sollte ein besonderer Baustein dieser Strategie sein, was auch für die irregeleiteten EU Expansionisten gilt. Um dies voranzutreiben wurden diejenigen politischen Gruppen in der Ukraine unterstützt, die auf Konfrontation mit Russland, und damit mit einem beträchtlichen Teil der eigenen Bevölkerung, setzten. Letzteres musste zwangsläufig zum Bürgerkrieg führen, was aber von den treibenden Politikern in Kauf genommen wird, da sie eben andere Interessen verfolgen, wie von ihnen öffentlich propagiert wird. Dass Russland dann irgendwann mal reagiert, war unvermeidlich und hat wohl keinen westlichen Politiker wirklich überrascht, es sei denn er war grenzenlos naiv. Nun hat man wieder den, aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts bekannten, Stellvertreterkrieg, dieses Mal auf Kosten der Ukraine, oder präziser, der ukrainischen Bevölkerung. Da es die USA nicht tun werden, sollte die EU, vorneweg Deutschland, versuchen mit Putin nach einer vernünftigen Lösung zu suchen. Obwohl man das ohne Vorbedingungen beginnen sollte, steht wohl eine Rückkehr der Krim zur Ukraine nicht zur Debatte. Ziel sollte es sein, die Ukraine zur einer Brücke zwischen EU und Russland zu machen. Mit der gegenwärtigen ukrainischen Führung ist das wohl nicht zu machen, da man denen bereits zuviel Flausen, bezüglich der ach so tollen Zukunft ihres Landes im Schoße der EU und natürlich auch der NATO, in den Kopf gesetzt hat.

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pansatyr 12.01.2016, 22:19
84. es ist noch schlimmer

Zitat von DieButter
Und dann? Selbst wenn man Putin´s Russland wieder vertrauen würde, was hielte ihn davon ab, wiederum andere Länder in "seiner Einflusssphäre" zu überfallen und ihnen Land zu rauben, Konzerne zu verstaatlichen und militärisch Fakten zu schaffen? Dass explizit die Ukraine und Georgien genannt wurden, lässt daran zweifeln, dass diese Länder fortan unbehelligt von urlaubenden, russischen Soldaten bleiben werden. Wobei kommt Russland eigentlich dem Westen entgegen? Die Krim will es nicht wieder rausrücken, das Verhältnis zwischen den Ukrainern und Russen ist dauerhaft zerrüttet. Ist es nicht vielmehr der gescheiterte Versuch, Russland unabhängig von westlichen Technologien zu machen und eher der Erkenntnis geschuldet, dass man, wenn die Einnahmen aus Gas und Öl nicht mehr sprudeln, ganz schön ein Finanzierungsproblem für einen Staat hat, der hauptsächlich aus Rüstungs- und Militärunternehmen besteht? Für mich sieht guter Wille anders aus.
s. z.B.:
http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-06-29/putin-allies-aided-russian-mafia-in-spain-prosecutors-say
(ich bin mir allerdings nicht sicher, ob derartige unangenehme Wahrheiten in diesem Forum schon opportun sind)

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Ateles 12.01.2016, 22:35
85.

Zitat von didohaun
Insbesondere die USA sind für die wuchernde NATO verantwortlich, weil dies ihren Macht- und Wirtschaftsinteressen entspricht. Die Ukraine sollte ein besonderer Baustein dieser Strategie sein, was auch für die irregeleiteten EU Expansionisten gilt. Um ......
Aber wirkliche Beweise dafür haben Sie natürlich nicht!? Durch die anti-amerikanische Brille argumentiert es sich erstaunlich simpel...

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freeword 13.01.2016, 01:02
86. Putins Interview

Was sich in Putins Worten offenbart ist die unerträgliche Arroganz eines sog. Machtmenschen, der nicht bereit ist die völkerrechtlich anerkannten Grenzen und den freien Willen unabhängiger Staaten zu respektieren. Egon Bahr ist leider tot, man kann ihn nicht mehr befragen. Andererseits kann Egon Bahr oder sonstjemand den Russen versprochen haben, was er will, es gibt keinen Vertrag, keinen Fetzen Papier, in dem das (Verzicht auf eine Nato-Erweiterung nach Osten) festgelegt und mit Unterschrift bestätigt wurde. Es gibt nichts, außer diese angebliche Mitschrift eines Gespräches mit Egon Bahr. Putin sagt: "Es stand nirgendwo geschrieben, dass die NATO bestimmte Länder aufnehmen muß." Natürlich, es steht aber auch nirgendwo geschrieben, dass die NATO bestimmte Länder NICHT aufnimmt, wenn das deren freier Wille ist. Was mich am meisten erschreckt hat, ist Putins Mißachtung von völkerrechtlich anerkannten und garantierten Staatsgrenzen und -territorien. Hat er nicht mal gesagt, dass sich überall da, wo russische Minderheiten leben, Rußland geopolitische Einflußzone erstrecken würde. Was nichts gutes für die Zukunft der baltischen Staaten oder Moldawien bedeuten kann.

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Bernd.Brincken 13.01.2016, 01:19
87. Hegemonie

Zitat von HeisseLuft
Im Ernst also - sie werfen Russland nicht vor, dass es über seine Nachbarstaaten bestimmen will. Sondern dass es seine Hegemonialmachtträume nicht offensiv angekündigt hat?
Hegemonie streben die USA an, nicht Russland. Das will seine Grenzen schützen. Und die anhaltenden Destabiliserungs-Projekte, federführend der USA, haben leider gezeigt, dass die Grenzregion stets in den nächsten Nachbarstaat hinein ragt.
Das gilt in einem äußerst dünn besiedelten Land umso mehr - RF: 8 Einwohner pro km², Ukraine: 71, Deutschland: 227.

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Bernd.Brincken 13.01.2016, 01:28
88. Ungleichgewicht

Zitat von torquemada13
Fakt3: Im November 2015 hat der US think rank CSIS auf das gravierende Ungleichgewicht konventioneller Streitkräfte Russlands und der Nato hingewiesen ... Russland holt bei konventionellen Waffen technologisch stark auf und hält dabei die zahlenmäßige Überlegenheit im Vergleich zur Nato aufrecht.
Sorry, aber Fakt ist, dass in Russland seit 2008 eine Militärreform läuft, die deutliche Senkungen der Truppenstärken bewirkt:
https://en.wikipedia.org/wiki/2008_Russian_military_reform
Eine zahlenmäßige Überlegenheit besteht nur bei den Soldaten in Europa, nicht bei Gerätschaft, schon gar nicht beim Budget, nicht bei der Technologie - schon gar gar nicht im Verhältnis zur Fläche und Grenzlänge, die diese Truppen schützen müssen.

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stonecold 13.01.2016, 07:24
89.

Zitat von Ateles
Bitte erleuchten Sie uns! Nennen Sie Textstellen aus Scholl-Latours Buch, in denen er bereits 2007 den Ukraine-Krieg voraussah. Ich wette, auch Scholl-Latour hat keinerlei Beweise für eine angebliche NATO/US/EU-Urheberschaft der Krise - genauso wenig wie die anderen oft genannten Kronzeugen wie Brzezinski, Friedman oder wie sie nicht alle heißen.
Google: "Russland im Zangengriff PDF", vierter Link. Lesen Sie sich ein, es ist ungemein nützlich, seinen Horizont zu erweitern.

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