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Krim-Krise: Das deutsche Desaster
DPA

Was hat der Westen erwartet? Wladimir Putin ist zwar ein Schurke, aber auf die Krim kann Russlands Präsident nicht verzichten. Kanzler Merkel und Außenminister Steinmeier hätten das wissen müssen. Wenn so die neue deutsche Rolle in der Welt aussieht - lieber nicht.

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ThieryMZ 03.03.2014, 22:47
190. Dem Westen ist....

....doch völlig egal, wie die Ukraine regiert wird und von wem. Sie ist vor allem Montageort für Pipelines, die die EU mit Energie versorgen - die einen weniger, andere mehr. Geschäfte mit Putin sind nicht nur wirtschaftlich, sondern insbesonders politisch zu bewerten. Und da scheint Putin geschickter als alle EU-Präsiden zusammen. Ob in der jetzigen Situation Frau vdLeyen wirklich die Richtige für unsere Verteidigung ist, wird man bald wissen. Sehr bald!

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agua 03.03.2014, 22:54
191.

Zitat von lsrider
Soweit ich weiß hatte er ja unterschrieben, nur eben tags drauf alles hingeschmissen. Insofern wären die Zweifel an der Integrität ja wohl eher bei Janukowitsch angebracht. Btw.: wie vorher schon angedeutet würde ich in dieser Sache die EU und USA aber auch nicht unbedingt in einen Topf werfen.
Das habe ich anders verstanden.Er hatte im November gesagt, dass es zu früh sei für die Ukraine.
Am 13. Dezember hiess es, er würde unterschreiben, aber nicht jetzt.
Es wurde geäussert, dass Russland Druck gemacht habe .
Zu dem Zeitpunkt hätte man sich zum Gespräch mit Putin treffen sollen.
Aber daran bestand kein Interesse, denn es ging um die eigenen.
Und hier kommt auch Klitschko in's Spiel:http://www.google.pt/url?q=http://ww...eZoFObtGtotjnQ

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nic 03.03.2014, 22:55
192. Die

Keine Ahnung wo der Glaube entstanden ist, dass es sich bei Steinmeier um etwas anderes handeln soll als um einen Schwä..., aber es war "leider" auch der SPON der von einem 2. Coups Steinmeiers berichtete. Ergo sind es die Medien, die aus Steinmeier etwas machen, was er garantiert nicht ist.

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nic 03.03.2014, 23:02
193.

"Aber selbst wenn Putin der "lupenreine Demokrat" wäre, der er nie war - zumindest auf die Krim könnte er gar nicht verzichten. Und gerade die Deutschen sollten das wissen."

Gut, dann müssen wir das Völkerrecht abschaffen oder "Wir" vergessen solche Argumente. Ansonsten könnt Deutschland sich seiner alten Grenzen erinnern und auf die Idee kommen, dass Deutschland auf diese nicht verzichten kann. Aber Nein... Halt: Deutschland hat nicht das Waffenarsenal um ein "Nicht Verzichten können/wollen" mit Argumenten untermauern zu können.

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jochen1978 03.03.2014, 23:18
194. Nicht Desaster,

es ist die typisch deutsche naive Sicht auf die Welt. Der Putsch in der Ukraine kam für alle überraschend. Entscheidende Leute in Armee und Polizei müssen die Seiten gewechselt haben. Rubel werden nicht geflossen sein, eher Dollars als Euros. Mich würde ein pro-russischer Kleinstaat Krim nicht stören, solange die Ukrainer und Krimtataren dort gut behandelt werden.

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mamuschkaone 03.03.2014, 23:27
195. optional

sehr gut durchschaut und geschrieben mal wieder augstein. man muss eben auch mal aus sicht der russen denken, und dass die sich die anektion ihres schützenden grenzstaates nicht gefallen lassen werden, hätte man sich eigentlich denken können.
vor allem, wenn das durch einen putsch passiert, bei dem die putschisten offensichtlich politische unterstützung aus dem ausland bekommen

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stiip 03.03.2014, 23:29
196. Im Zweifel links? Ich habe meine Zweifel.

Zitat von Jakob Augstein
In Kiew hat Deutschland nicht nur kommentiert, sondern sich tätig eingemischt. Das Ergebnis ist ein diplomatisches Desaster.
Ein diplomatisches Desaster wäre gewesen, sich nicht um die Ukraine zu kümmern und kaltlächelnd zuzusehen, bis entweder Putins Panzer auf "Einladung" Janukowitschs Friedhofsruhe schaffen oder das Land in einem Bürgerkrieg versinkt. Wer auch immer aus einem solchen Konflikt als Sieger hervorgegangen wäre -- die russischen Imperialisten oder eine Mélange aus rechtsradikalen, altkommunistischen und vielleicht sogar islamistischen Warlords --, weder die Demokraten in der Ukraine noch Europa hätten irgendetwas erreicht.

Meinen Sie wirklich, Herr Augstein, es hätte nicht schlimmer kommen können? Dann schauen Sie sich mal Syrien an.

Zitat von Jakob Augstein
Was hat man im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt von Russland erwartet, als man das Angebot eines EU-Assoziierungsabkommens mit Kiew betrieb? Als man die ukrainische Opposition ermunterte, gegen den - immerhin gewählten - Despoten Janukowitsch aufzustehen?
Auch Sie folgen der Putinschen Propaganda, die Demokratiebewegung in der Ukraine sei eine vom Westen angestiftete und gelenkte False-Flag-Operation gewesen. Richtig ist: Auch der Westen hat Interessen. Übrigens durchaus unterschiedliche, fragen Sie mal Frau Nuland. Das ändert aber nichts daran, dass es zuvorderst die ukrainische Bevölkerung war, die vom schrittweisen Umbau ihres Landes (remember 2004?) in eine kleptokratische Diktatur genug hatte.

Was Sie den Einwohnern von Seattle, Kairo, Istanbul, ja selbst Bejing zugestehen, dürfen die Menschen in Kyjiv plötzlich nicht? Warum? Weil es zur russischen Einflusssphäre gehört? Herr Augstein, das ist nicht links, das ist, mit einem Wort: feige.

Zitat von Jakob Augstein
Als man die Putschregierung - so muss man die neuen Herren von Kiew wohl nennen - ohne Zögern anerkannte?
Ich höre immer "Putsch". Wikipedia sagt, ein Putsch sei eine oft überraschende, meist gewaltsame Aktion eines Teils der Staatsorgane (oder einer Gruppe davon; oft handelt es sich z. B. um das Militär oder einen Teil davon) mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen und die Macht im Staat zu übernehmen. Putschisten sind in der Regel hohe Militäroffiziere oder Führer paramilitärischer Organisationen. Passt irgendwie nicht ganz auf die Ereignisse in der Ukraine.

Wenn es schon große Worte braucht: Das, was vom Maidan ausging und zur Flucht Janukowitschs führte, war kein Putsch, sondern eine Revolution. Der Begriff dürfte Ihnen, als bekennendem Linken, doch geläufig sein.

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Yabanci Unsur 03.03.2014, 23:29
197. Verspekuliert

Was wollen Sie denn mit der Krim Herr Augstein? Ohne den Bosporus und die Dardanellen zu kontrollieren ist die Krim ein Landzipfel in einem Binnensee und die russische Flotte dort so nützlich wie ein amerikanischer Flugzeugträger auf dem Bodensee. Ohne die Ukraine hat Russland keine nennenswerten Verbündeten für sein eurasisches Großreich. Was bleibt sind Lukaschenko und eine Handvoll zentralasiatischer Kleptokratien, denen der große Bruder gerade vorexerziert, wie man sie im Handumdrehen beseitigen kann. Putin hat sich verspekuliert, die Ukraine lenkt nicht ein und - bei aller Zögerlichkeit - der Westen auch nicht. Das mag wie Schwäche aussehen, aber Demokratien haben nun einmal keine starken Männer. Die nächsten Phasen sind massive Kapitalflucht, Verschwendung der Devisenreserven zur Stützung eines abstürzenden Rubel, Unruhen im eigenen Land...

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wolfsu 03.03.2014, 23:31
198.

...was soll die Beschimpfung Putins als "Schurke"? - Das nimmt dem Artikel seine ansonsten wohltuende Sachlichkeit. Schade!!

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londonium 03.03.2014, 23:39
199. Guter Artikel, Her Augstein:

Sie bringen es auf den Punkt. Staaten haben Interessen, nicht Freunde. Natuerlich sind Menschenrechte und Demokratie wichtig. Aber niemand, auch nicht die USA koennen das gesamte Elend der Welt baendigen. Eine gesunde Dosis an Realismus ist wichtig. Eine Vereinbarung in Kiew kann doch nicht einfach ohne Russland gemacht werden, ausserdem hat irgendjemand die katastrophale wirtschaftliche Situation in der Ukraine beruecksichtigt, inklusive der massiven Korruption? Was genau kann Deutschland oder die EU tun, wenn der Bund noch nicht einmal einem kleinen Bundesland sagen kann wie es zu wirtschaften hat? Wichtiger ist dass wir uns von der Idee des uebermaechtigen Staates (und natuerlich des gigantischen Europaeischen Wasserkopfes) verabschieden, warum einen Europaeischen und viele nationale Diplomatische Dienste? Nationale Diplomatie genuegt doch, warum dieser rhetorische Groessenwahnsinn ohne Substanz?

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