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Krim-Krise: Das deutsche Desaster
DPA

Was hat der Westen erwartet? Wladimir Putin ist zwar ein Schurke, aber auf die Krim kann Russlands Präsident nicht verzichten. Kanzler Merkel und Außenminister Steinmeier hätten das wissen müssen. Wenn so die neue deutsche Rolle in der Welt aussieht - lieber nicht.

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Thorkh@n 03.03.2014, 15:46
20. Zu kurz gedacht ...

... denn ein Teil der westlichen Ukraine ist altes polnisches Kernland. Wie lange dürfte es dauern, bis Polen gegenüber diesem dann wirklich wirtschaftlich schwachen Nachbarn Begehrlichkeiten äußert? Ist das dann der Beginn einer neuen Grenzziehungsepidemie in Europa, womöglich hin zu den Grenzen von 1937? Prost Mahlzeit.

Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie behaupten, dass es dämlich war, russische Kern-Interessen zu missachten, aber der Westen ist letztlich nur auf den Zug der Ukrainer aufgesprungen, die die Nase voll hatten von ihrem korrupten gewählten Despoten. Was sie eine Putschregierung nennen, nenne ich eine Interimslösung hin zu stabilen Verhältnissen. Stabilen Verhältnissen zugunsten der Ukrainer, an denen aber offenbar weder der Westen noch Russland auch nur das geringste Interesse zeigen. Gegen Janokowitschs Politik bestand Handlungsbedarf und dass der einer echten Motivation entsprang, zeigt doch der Fakt, dass die Proteste konsequent den ganzen kalten Winter hindurch anhielten. So viel Einsatz ist, wie auch von vielen Foristen vorgeworfen, keine Frage von Geldzuwendungen, sondern entsprang einem inneren Bedürfnis der Ukrainer. Der Fehler liegt darin, dass nicht schon vor zwei Jahrzehnten die Krimregelung anders getroffen wurde und zwar durch friedliche Verhandlungen.

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bescheiden1 03.03.2014, 15:46
21. Chapeau

Herr Augstein,
sie werden immer besser.
Ehrliche Einschätzung der Lage ohne die standesgemäße scheinheilige Darstellung Ihrer ferngelenkten Kollegen von der (Standard) Meinungsmacher Journaille.

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Kontra 03.03.2014, 15:47
22. Geschichte hin oder her

Zitat von sysop
Was hat der Westen erwartet? Wladimir Putin ist zwar ein Schurke, aber auf die Krim kann Russlands Präsident nicht verzichten. Kanzler Merkel und Außenminister Steinmeier hätten das wissen müssen. Wenn so die neue deutsche Rolle in der Welt aussieht - lieber nicht.
Egal wie es kommen mag, die Russen werden nicht auf die Krim verzichten.
Das sollte klar sein.

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spon-facebook-10000007470 03.03.2014, 15:48
23. Kleine Naive vs. Big Boys

Lieber Herr Augstein, was Sie beschreiben, ist der ewige Konflikt zwischen den "Kleinen Naiven" - vornehmlich deutschen Idealisten - und den "Big Boys" - so wie Putin, die angeblich das Spiel richtig spielen können. Merkwürdig nur, dass sich die Spielfläche für den "Big Boy" Putin seit Jahrzehnten verkleinert. Da müssen langfristig die "Kleinen Naiven" doch was richtig machen.

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BjörnKleinert 03.03.2014, 15:49
24. Das trifft es ziemlich genau.

Das Putin einfach nur zusieht wie sein Taschendiktator vertrieben wird und die Krim Teil der NATO wird war eher unwahrscheinlich. Westliche Diplomaten hätten viel enger mit Russland zusammenarbeiten müssen um dieses Szenario was jetzt passiert ist zu verhindern.

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angularm 03.03.2014, 15:49
25. ?

Zitat von Kurt2.1
Ich hatte den Eindruck, Steinmeier hat in dem Konflikt gut zwischen den Parteien vermittelt mit dem allseits akzeptiertem Ergebnis Neuwahlen. Man kann es schlechterdings Steinmeier zum Vorwurf machen, dass der amtierende Präsident ins Ausland flüchtet. Wie hätte Augstein dies verhindern wollen?
Man hätte die oppositionellen Kräfte eindringlich vor der Inklusion der ultranationalistischen Rechten warnen sollen - und damit der russischen Propaganda, die den Genozid an den russischen Bevölkerungsteilen an die Wand malte, einen Riegel vorschieben können.
Wenn man schon nicht verhindern konnte, dass Janukowitsch wegläuft, so hätte man der Opposition wenigstens umfangreiche Zugeständnisse gegenüber den russischen Bevölkerungsteilen abverlangen müssen, wie z.B. die Anerkennung von Russisch als Amtssprache in den östlichen Landesteilen, um Russland den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Zugeständnisse im Augenblick des Triumphs wären möglich gewesen. Stattdessen hat man überhaupt nicht mäßigend auf die Opposition eingewirkt und Russland damit Tür und Tor geöffnet. Die europäische Diplomatie hat versagt.

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static 03.03.2014, 15:49
26. sehr gut kommentiert

Endlich mal ein objektiver Beitrag, der die Problematik aus beiden Perspektiven betrachtet. Vielen Dank dafür Herr Augstein.

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Viktor Witkowski 03.03.2014, 15:49
27. Westen & Osten

Die Orangene Revolution hatte nicht erst mit McCain's Auftritt Ende letzten Jahres begonnen. Wenn wir uns auf die Anfaenge der Revolution besinnen, wird klar dass dieses Aufbegehren mittlerweile 10 Jahre zurueck liegt.
Es ist kaum anzunehmen, dass der Westen ahnungslos ist, wenn es um die Wichtigkeit der Krim fuer Putin geht. Spaetenstens seit bewaffnete und unmaskierte Soldaten wie aus dem Nichts auftauchten (gefolgt von pro-russischen Deonstranten), ist den Meisten klar, dass die Krim fuer Russland von ausserordentlicher Bedeutung ist.
Was in dieser Situation zu bedenken ist, ist nicht die Frage ob die Krim fuer Putin wichtig ist oder nicht und ob wir - im Westen - deren Bedeutung falsch eingeschaetzt haben. Es geht darum, dass man sich im 21. Jahrhundert als Staat nicht einfach nimmt, was man haben moechte. Wie sonst, Herr Augstein, zeigt man Putin Grenzen auf?

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Michael Leh 03.03.2014, 15:49
28. Reines Appeasement

Augstein vertritt also von A-Z reines Appeasement gegenüber Putin. Das Selbstbestimmungsrecht der Ukrainer ist ihm offensichtlich keinen Pfifferling wert. Solche Leute lieben Diktatoren. Putin wäre begeistert, wenn er Augstein lesen könnte.

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spiegelzelt 03.03.2014, 15:50
29. Guter Artikel

Genau so ist es. Wenn ich schon vor wenigen Tagen las: "Klitschko fordert totale Mobilmachung der Ukraine".
Die Welt ist kein Kindergarten - aahhm - Boxring.

Wer ist die neue Regierung überhaupt? Eigentlich gibt es die alte Ukraine seit ein paar Tagen gar nicht mehr. Diese neue Regierung bildete sich ja schneller als man darüber lesen konnte.

Es war doch SONNENKLAR, dass Russland solchen Unbekannten die Krim und insbesondere ihre Schwarzmeerflotte nicht einfach überlässt und dabei zuschaut.
Und die USA sollten sich in Schuldzuweiseungen bzgl. Aggression eher zurückhalten - denn sie wollen sich genauso in der Ukraine einnisten - unmittelbar vor den Toren Russlands! Interessanter Versuch ...
Ich frage mich, ob das absichtlich so provoziert wurde oder ob der Westen wirklich so blöd ist, um nun den Überraschten zu spielen.

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