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Krise in der Ukraine: Präsident Janukowitsch verkündet Einigung mit Opposition
DPA/ Presidents Press Service

Sie verhandelten stundenlang bis in den Freitagmorgen: Nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts haben sich Vermittler der EU und Russlands mit Staatschef Janukowitsch und der Opposition auf eine Lösung der Krise geeinigt.

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sgtbeerhead 21.02.2014, 11:33
40. Ein wenig Hintergrund (1)

Liebe SPON-Foristen und solche, die es werden möchten,

ich bin selbst Ukrainer, der zwar seit vielen Jahren in Deutschland lebt, der aber nach wie vor intensive familiäre Kontakte in die Ukraine pflegt. Die Entwicklung, die zu den derzeitigen Ereignissen in Kiew und anderswo - auch in meiner Geburtsstadt, Zhitomir - geführt hat, habe ich nicht nur durch deutsche und russische/ukrainische Medien, sondern auch durch die Augen meiner Verwandtschaft und weiterer Kontakte in der Ukraine, etwa ehemaliger Schulkameraden und Kommilitonen meiner Eltern, mitbekommen. Dabei sind die Perspektiven sehr verschiedene: ein Familienzweig lebt in ländlich-bäuerlichen Verhältnissen (kein fließend Wasser, kein Strom, Hühner, zwei Schweine etc.), ein anderer in der Stadt (ehemalige Industriearbeiter, heute - wie so viele - Tagelöhner), noch ein Familienzweig lebt in Kiew, die Kinder studieren, eine gute Freundin ist Journalistin bei einer Kiewer Tageszeitung.
Die Informationslage darf ich also getrost als ziemlich gut und ausgewogen betrachten.

Zum besseren Verständnis möchte ich deshalb, ausgehend von dieser guten Informationslage, ein kleines Gedankenexperiment anstellen und die dortigen Verhältnisse mal so weit wie möglich auf Deutshland übertragen:

Stellen Sie sich mal vor, Frau Dr. Angela Merkel wäre mehrfach verurteilte Straftäterin. Sie hätte Verurteilungen wegen Raub, versuchter Vergewaltigung und diversen Vermögensdelikten auf dem Kerbholz. Stellen Sie sich weiter vor, sie sei nachweisbar vor ihrer politischen "Karriere" in kriminelle Organisationen eingebunden gewesen und hätte nach der deutschen Wiedervereinigung in großem Stil ehemaliges DDR-Volksvermögen (Fabriken, Grund und Boden, Rohstoff-Förderstätten) an sich gerissen und zu sehr sehr viel Geld gemacht. Stellen Sie sich vor, sie hätte dafür unzählige Beamte und Abgeordnete bestochen oder eingeschüchtert, Mitbewerber erpresst oder gleich "physisch" aus dem Weg geschafft. Mit dem so ergaunerten Geld hätte Frau Merkel sich einen Parteiapparat finanziert, über den sie sich in diverse Regionalparlamente wählen läßt. Kaum in Amt und Würden, würde Frau Merkel sich aus dem Haushalt je nach Bedarf Sonderzahlungen genehmigen, würde öffentliche Aufträge nur noch an eigene Firmen vergeben - oder an die Firmen von Abgeordneten, deren Stimmen sie braucht, um unter dem Feigenblatt der parlamentarischen Legitimation immer weitere öffentliche Aufträge vergeben zu können, und diese mit Steuergeld bezahlen zu können. Selbstverständlich würde Frau Merkel selbst keine Steuern zahlen; sie hätte die Exekutive und Judikative aber so vollständig unter Kontrolle, daß sie nichts zu befüchten hätte.

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putin666 21.02.2014, 11:55
41. @garzo

"Freiheitswille" und "Selbstbestimmung" und wieder mal leere Worte. Die Unterdrückung gab es auch bei Kuchma und Jushenko, alle Präsidenten der Ukraine waren korrupte Alleinherrscher, die ihren Familien und näheren Umkreis zum unermesslichen Reichtum verholfen haben. Die Julia Timoshenko, die binnen kürzester Zeit Milliarden Dollar angehäuft hat, stört aber die westlichen Moralprediger nicht. Man hat nicht vor, ihre Konten oder die Konten von Jushenko bei den Schweizer Banken zu sperren. Denn diese Politiker sind "pro-westlich". Janukowitch selbst ist kein pro-russisch eingestellter Politiker, sondern nichts weiter als ein korrupter Opportunist. Wenn Sie seine politischen Handlungen näher analysieren würden, würden Sie es erkennen können.

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putin666 21.02.2014, 12:15
42. Janukowitch ist keine Marionette

Zitat von schneit2
Ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Das passt doch hervorragend in das Bild der russischen Marionette Janukowitsch.
Janukowitch ist keine Marionette Putins, weder jetzt noch war er das jemals in der Vergangenheit. Das kann er auch nicht, denn sein Geld und das Geld seiner Familie ist bei den europäischen Banken deponiert und nicht etwa bei den russischen.
Wenn er Geld und Preisnachlässe von Russland haben will, dann dreht er sein Gesicht gen Russland, ansonsten flirtet er gerne mal mit dem Westen. Das EU-Abkommen war von seiner Regierung! geschaffenes Abkommen. In der letzten Sekunde hatte er einen Rückzieher gemacht. Vielleicht, weil er eingesehen hatte, dass dieses Abkommen das wirtschaftliche Aus für die Ukraine bedeuten würde und er somit definitiv die nächsten Wahlen verlieren würde...Vielleicht, wollte er einfach nur die Zeit solange hinauszögern, wie nur möglich. Ich bezweifle auch stark, dass überhaupt jemals einer der auf dem Maidan aufmarschieren Demonstranten das Tausende-Seiten-lange Abkommen gelesen hat.

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lab61 21.02.2014, 15:22
43.

Zitat von radeberger78
das die Opposition absolutistische Forderungen stellt die erfüllt werden müssen.
Ich sehe darin keine absolutischtische Forderung.
Ein Präsident und eine Regierung, die auf das Volk schiessen lassen, sind schlichtweg untragbar geworden.
Andere müssen nun her. Janukowitschs Partei wird doch womöglich auch noch Kader haben, die auch noch einen Funken Vernunft im Kopf haben. 37 Abgeordnete haben in der letzten Nach zusammen mit der Opposition im Parlament den Beschluß zur sofortigen Einstellung der Gewalt - vor allem der Waffengewalt - beschlossen.
Janokuwitsch laufen langsam auch seine eigenen Leute von der Fahne weg.

Zitat von radeberger78
Janukowitsch verhält sich ähnlich wie Assad, er sitzt die Situation aus.
Deshalb will er ja auch erst im September die alte Verfassung in Kraft setzen und auch erst im Dezember wählen lassen.

Zitat von radeberger78
Nach 3 Monaten Revolution, ist die Bevölkerung genervt .... und versagt den Revolutionären die Gefolgschaft ... die sie vielleicht anfangs im Affekt noch leisten würde.
Sie verkennen die Stimmung in der Bevölkerung grundlegend.
Diese Bevölkerung hat der Zentralregierung in etliche Provinzen im Westen und Norden komplett den Gehorsam entzogen. Die dortigen Polizeieinheiten bekennen sich eine nach der anderen offen zur Bevölkerung, und dazu, diese zu schützen vor Einsätzen der Speizialeinheiten des Innenministeriums und des Geheimdienstes.

Die Soldaten in den Kasernen der westlichen und nördlichen Provinzen werden den Teufen tun, und ausrücken GEGEN die Bevölkerung. Der stellvertretende Armee-Chef ist heute zurückgetreten, verbunden mit dem Aufruf an seine Soldaten, dies bloß nicht zu tun.

Selbst in den östlichen und südöstlichen Provinzen verweigert die Bevölkerung der Regierung zunehmend die Unterstützung. In Dnjepopetrowsk haben gestern Hunderte von Bürgern einen Eisenbahnzug, der mehrere Hundert Berkut-Polizisten als Verstärkung nach Kiev bringen sollte, blockiert und an der Weiterfahrt gehindert.


Zitat von radeberger78
Ab diesem Zeitpunkt kann man dann auch die Demo mit Gewalt auflösen ... Janukowitsch wurde ja schon vom Militär aufgefordert Ordnung zu schaffen.
Er wurde von Moskau aufgefordert, Nicht vom Militär. Warum hat Janukowitsch gestern den Armeechef abgesetzt? Weil der ihn aufgefordert hat, die Demonstrationen niederzuschlagen?
Ich glaube eher, er hat ihn deshalb entlassen, weil der ihm mit dem Einsatz der Armee gedroht hat, falls die Berkut weiterhin auf die Bevölkerung schiesst. Oder weil er ihm zumindest den Einsatz der Armee zur Untertützung der Berkut versagt hat.

Zitat von radeberger78
..., da Russland hier ethnisch Heimvorteil hat und so auch direkt mit eingreifen kann.
Ethnischer Heimvorteil? Wie meinen sie das bei einen Anteil von 17% Russen an der Gesamtbevölkerung der Ukraine? Den Heimvorteil haben die Ukrainer. Selbst unter den 17% ethnischen Russen lehnen vele mittlerweile Janukowitsch ab.. Anders als damals bei der orangenen Revolution steht der Osten und Südosten mitnichten noch so stramm hinter der prorussischen Regierung.

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cyranodemadrid 21.02.2014, 20:33
44. Krise in der Ukraine

Ich muss mich nicht nur verneigen, sondern auch meinen hohen Respekt und Bewunderung für die ukrainischen Rebellen ausdrücken, und sie für ihre Courage und ihren Erfolg gegen die Tyranei und Staatskorruption zu beglüwünschen. Die Ukrainer sind ein gutes Beispiel und selbt für einige EU-Staaten, die auch mit ihren "demokratischen Regierungen" so verfahren sollten. Die Ukrainer vielleicht werden sich für den Eintritt in die Europäische Union entscheiden, und zumindest wird für sie das kleine Übel sein.

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