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Krise in Mali: Islamisten überrennen Grenze zum Süden
AFP PHOTO / SITE Monitoring Service

Es gibt kaum noch Hoffnungen auf eine friedliche Lösung der Krise in Mali. Denn die Islamisten haben in dem westafrikanischen Land eine Offensive gestartet - ohne nennenswerte Gegenwehr des Militärs. Das Einflussgebiet der Rebellen wird immer größer.

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nafisa 11.01.2013, 09:43
40.

Zitat von bestpiet
wie die freiere Welt von einer Ideologie der Einschüchterung, der Unfreiheit und geistigen Primitivität überrannt wird, nicht zuletzt ist der Schutz unserer christlichen Glaubensbrüder auch ein Schutz unserer eigenen Menschenrechte. Auch dringend miltärische Hilfe muss geleistet werden. Dazu sind unsere Politiker aufgerufen. Frau Merkel, Herr Westwelle bitte helfen Sie - zum Schutz der Menschenrechte, am Ende auch unserer Rechte....
Die Sorge um "christliche Glaubensbrüder" in allen Ehren (als Atheistin halte ich mich da raus), aber angesichts der Bevölkerungsstruktur von Mali ein pauschales Islam-Bashing zu betreiben, ist wohl gewagt. Christen machen etwa 1% der Bevölkerung aus, indigene (animistische) Religionen etwa 9%. 80-90% der Menschen (die genauen Zahlenangaben schwanken je nach Quelle) sind ohnehin Muslime.

Es geht hier NICHT um Islam oder nicht Islam, sondern es geht um die Auslegung des Islam. Der Islam in Westafrika galt bislang meist als moderat und tolerant. Der benachbarte Senegal kann als gutes Beispiel herangezogen werden.

Inzwischen hat sich mit dem Umsturz in Libyen und dem Influx von Waffen und Geld einiges verändert. Aber auch saudische Salafistengruppen haben in Westafrika missioniert. Zudem ist relativ unklar, welche Rolle die AQIM (al Qaida in the Maghreb) spielt, und ob es zum Beispiel weiterreichende Verbindungen zwischen islamistischen Gruppen in der gesamten Region gibt.

Die Lage ist zu kompliziert für einfache Antworten.

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seine-et-marnais 11.01.2013, 09:44
41. Falsch

Zitat von A.Karl
Und vor allem: die bestens ausgerüsteten und ausgebildeten Tuareg-Söldner von Gaddafi sind samt Ausrüstung nach Süden gezogen und bilden nun das Rückrat der islamischen Rebellen in Mali. Unterstützung finden sie sicher zudem bei den saudischen Wahabiten, die mit ihrem Geld den Islamismus in Nordafrika stark fördern.
Die Tuareg wollten einen eigenen Staat in Nord-Mali, Azawad, Azawad , und wurden schon kurz nach der Ausrufung der Unabhängigkeit von Islamisten ausgebootet. Es waren nicht die Tuareg die die Scharia eingeführt haben, es waren nicht die Tuareg die die Gräber in Timbuktu geschändet haben, es sind die Islamisten, woher auch immer, die da die Grenze überrannt haben.

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nafisa 11.01.2013, 09:49
42.

Danke für den guten Beitrag!

Zitat von Ylex
So einfach ist das nicht. Die Fremdenlegion allein könnte in Mali nur wenig ausrichten, und selbst die geplante, etwa 3.000 Mann starke „UN-Friedenstruppe“ würde schnell an ihre Grenzen stoßen, denn es handelt sich um Wüstengebiete gewaltigen Ausmaßes, die kontrolliert werden müssten. Nur eine im Wüstenkrieg erfahrene Armee wäre vielleicht in der Lage, den Azawad, also den Norden Malis, einigermaßen zu stabilisieren.
Ich stimme hier vollkommen zu, aber selbst mit einer noch so erfahrenen Armee dürfte es schwierig werden. Möglicherweise ist die Geographie Malis eines der Haupthindernisse nicht nur für eine schnelle militärische Lösunge, sondern für die Regierbarkeit des Staates insgesamt.

Wenn man dann noch die Verstrickungen der Rebellen (und vermutlich auch Regierung) in internationale Drogenkartelle hinzurechnet, wird es noch komplizierter.

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rudi_1957 11.01.2013, 09:51
43. @ kolja.s

Das kann ich Ihnen sagen:
Die stärkste Gruppe ist Ancar Edine, dann gibt's die MUJAO, das läßt sich ins Französische mit 'Jihad en Afrique de l'Oeust' übersetzen. Dann gibt's die Touareg, MNLA, 'Mouvement National pour la Liberation de l'Azawad'. Als Unterstützer - Organisation wird immer die Gruppe Al Quaida au Maghreb aus Algerien genannt, obwohl das nicht nachgewiesen ist. Man schätzt in Militärkreisen, dass alle Gruppen zusammen ca 12 000 Mann unter Waffen haben. Die mit ein paar hundert Mann der Legion zurückzuwerfen, wird nix! Man hat es da nicht mit einer schwarzafrikanischen Armee zu tun, sondern mit knallharten Wüstenkämpfern im Jihad, d.h. die haben auch nicht unbedingt das westliche Todesverständnis, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Dieser deutsche Wikipedia Artikel erklärt die Lage ganz gut, obwohl die Franzosen da doch wesentlich bessere Einblicke haben: http://de.wikipedia.org/wiki/Azawad
Wie bei allen bewaffneten Konflikten in Afrika ist die Sache ständig im Fluß, wenn sich zB. ein hochrangiger Anführer sich irgendwie angegriffen oder übergangen fühlt, ist schnell die nächste Organisation gegründet.

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traurigewelt 11.01.2013, 09:57
44.

Zitat von Ylex
So einfach ist das nicht. Die Fremdenlegion allein könnte in Mali nur wenig ausrichten, und selbst die geplante, etwa 3.000 Mann starke „UN-Friedenstruppe“ würde schnell an ihre Grenzen stoßen, denn es handelt sich um Wüstengebiete gewaltigen Ausmaßes, die kontrolliert werden müssten. Nur eine im Wüstenkrieg erfahrene Armee wäre vielleicht in der Lage, den Azawad, also den Norden Malis, einigermaßen zu stabilisieren. Über eine solche Armee verfügt aber allein der Tschad, wo seit langem Präsident Idriss Déby herrscht, ein brutaler Diktator, der die Meinungsfreiheit und die Opposition unterdrückt – vor einigen Monaten ließ er einen bekannten Oppositionellen mit Begründung verhaften, er habe Warzenschweine gewildert. Der Tschad gilt andererseits als der Stabilitätsgarant für die gesamte Sahelzone. Man befürchtet, dass ein Einsatz der tschadischen Armee in Mali die Großregion in ein Chaos stürzen könnte. Es geht bei dem geplanten Militäreinsatz hauptsächlich um die Interessen Frankreichs, hier vor allem um das begehrte Uran, von dem unser Nachbar praktisch total abhängig ist, weil er stur weiter auf Atomstrom setzt. Neben Mali liegt Niger, ein ebenso bitterarmer Staat, ähnlich nah an der Grenze zu einem „failed state“ wie Mali – im Niger fördert Frankeich seit 1969 Uran, in der Umgebung des dafür extra geschaffenen Ortes Arlit, die Gegend ist verstrahlt, die Menschen sind es auch. Der Bedarf an Uran steigt ständig. Auch im Norden Malis zwischen Gao und Kidal gibt es beträchtliche Uran-Vorkommen, die noch nicht erschlossen sind, dort gibt es auch Gold und Phosphat, das für die industrielle Landwirtschaft unentbehrliche Düngemittel. Die Rohstoffe spielen bei diesem Konflikt im Hintergrund also eine große Rolle. Zweifellos ist eine islamistische Bedrohung Malis gegeben, nur: Man muss dabei bedenken, dass 80 Prozent der Bevölkerung Muslime sind – im Nachbarstaat Niger sind es ca. 90 Prozent, im Tschad über 50 Prozent, in Mauretanien 100 Prozent und im Norden Nigerias über 50 Prozent, die Christen leben vorwiegend im Süden des Landes. Unter diesen Voraussetzungen relativiert sich die islamistische Bedrohung, sie reduziert sich auf eine terroristische in Verbindung mit der Al-Qaida – die Al-Qaida allerdings ist schwer zu greifen, sie trägt teilweise auch die Züge eines Phantoms. Ein militärisches Eingreifen stößt auf viele Schwierigkeiten, es stellen sich grundsätzliche Fragen. Und wer war es noch, der es wagte, den geplanten Militär-Einsatz in Mali „eine Scheiße“ zu nennen? Ausgerechnet die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice.
Sie übersehen, dass radikalislamische Kämpfer auch gegen gemäßigt ismalistische Menschen vorgehen, die halt ein wenig Menschenverstad haben und Ihren frauen auch rechte zustehen

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rudi_1957 11.01.2013, 10:19
45. @ traurigewelt

Sorry, aber das stimmt zumindest für die Touareg nicht. Erstens sind die Touareg keine Araber, sondern Berber, und die Frauen stehen in höchtem Ansehen. Lesen Sie mal diesen Artikel ganz: http://de.wikipedia.org/wiki/Tuareg
Außerdem hat der vielzitierte Islamismus nicht immer und unbedingt was mit dr Religion des Islam zu tun, sondern ist eine politische Bewegung. Ein/e Moslem/Muslima kann durchaus die Religion verfolgen, ohne deswegen ein/e Islamist/in zu sein. Weiteres dazu lesen Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Islamismus Leider sind viele dieser Begriffe in Deutschland nicht klar und werden unreflektiert durcheinander geworfen

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1203 11.01.2013, 10:21
46. ...

Zitat von bestpiet
wie die freiere Welt von einer Ideologie der Einschüchterung, der Unfreiheit und geistigen Primitivität überrannt wird, nicht zuletzt ist der Schutz unserer christlichen Glaubensbrüder auch ein Schutz unserer eigenen Menschenrechte. Auch dringend miltärische Hilfe muss geleistet werden. Dazu sind unsere Politiker aufgerufen. Frau Merkel, Herr Westwelle bitte helfen Sie - zum Schutz der Menschenrechte, am Ende auch unserer Rechte....
wie putzig...
Meinen Sie nicht, "Ihre christlichen Glaubensbrüder" leisten bereits dermaßen viel direkte "miltärische Hilfe" in nicht-christlichen Ländern, dass sie einfach über keine weiteren Kapazitäten mehr verfügen, um "Demokratie, Freiheit und Menschenrechte" zu exportieren. Sei es eben zu dem Preis des Lebens der zu "Beglückenden".

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tkgdfk 11.01.2013, 10:22
47. Da liegen Sie falsch

Zitat von rudi_1957
Zumindest auf eine Ihrer Fragen kann ich Ihnen eine Antwort geben. Die Rebellen entsammen fast alle dem Tuareg Volk. Sie waren früher zum Großteil in Muammar al Gadhafi's Legion, und haben eine hervorragende militärische Ausbildung genossen. Dem hat die malische Armee nichts entgegenzusetzen.
Die Tuaregs haben eigene Rebellenverbände und wurden inzwischen von den Islamisten aus Mali vertrieben. Die Islamistenverbände sind personel stärker und verfügen außerdem über hochmoderne. von der Nato und SA/Katar gelieferte Waffen, die sie aus ihrem früheren Betätigungsfeld in Libyen mitgebracht haben. Die Kultur der Tuaregs ist mit Islamismus unvereinbar, im Gegenteil - die Islamisten sehen die Tuaregs als Ungläubige an und töten diese wo immer sie welche
antreffen.

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Ylex 11.01.2013, 10:26
48. Nein...

Zitat von traurigewelt
Sie übersehen, dass radikalislamische Kämpfer auch gegen gemäßigt ismalistische Menschen vorgehen, die halt ein wenig Menschenverstad haben und Ihren frauen auch rechte zustehen
...das übersehe ich nicht. Die Gefahr, die von der Al-Oaida und von den Salafisten ausgeht, ist real - die ganze Sahelzone könnte unter fundamental-islamischen Einfluss geraten. Aber kann man mit einer 3.000 Mann starken Söldner-Armee erfolgreich dagegen ankämpfen? Ich befürchte, das ist eine Illusion. Schauen Sie nach Afghanistan: Die Amerikaner wollen vollständig abziehen, die Deutschen und die anderen werden folgen - dann werden die Taliban das Land beherrschen. Karzai kannn sich jetzt schon überlegen, wohin er ins Exil geht

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tkgdfk 11.01.2013, 10:32
49. nein

Zitat von rudi_1957
Ich habe die Frage mit dem Treibstoff übersehen: Es gibt in Algerien in Hassi Messaoud und In Amenas große Raffinerien der Sonatrach, der staatlichen Ölfirma Algeriens. Die nächste stabil funktionsfähige Raffinerie im Süden ist die SoNaRa (Societe Nationale du Raffinerie) in Limbe, Kamerun. Die SoNaRa liefert ihre Produkte per Strasse bis in den Tschad, Zentralafrikanische Republik und Niger, also auch kein Problem von da die eine oder andere Lieferung nach Mali abzuzweigen, aber vorstellen kann ich mir das nicht so recht. Kamerun ist nun mal Schwarzafrika und christlich geprägt, ausser im Norden um Garoua. Die SoNaRa hat ihre Kapazität in den letzten Jahren, seit der Anschluß an die Rohöl Pipeline Tschad - Kamerun hergestellt wurde, mehrfach vergrößert. Die nigerianischen Raffinerien sind so unzuverlässig, dass Nigeria selbst seine raffinierten Ölprodukte aus Brasilien von Petrobras bezieht, die werden auch kaum arabische Rebellen versorgen. Mein Tip wäre, dass die Treibstoffe aus Algerien kommen. mfg Rudi
Der Treibstoff für die Rebellen kommt mit Sicherheit nicht aus Algerien. Algerien kämpft selber gegen die Islamisten im eigenen Land und ist der einzige Staat im arabischen Raum der sich noch gegen diese NATO-Marionetten wehren kann.

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