Forum: Politik
Kritik an Digitalwirtschaft: Gabriel schimpft auf digitales Tagelöhnertum
DPA

Beim SPD-Konvent in Berlin hat Parteichef Gabriel die großen Internetkonzerne kritisiert: Man müsse den Silicon-Valley- Kapitalismus zähmen. Innenminister de Maizière will den Handel mit Persönlichkeitsprofilen verbieten.

g32 20.09.2014, 18:39
1. Was jetzt?

Wir dürfen nicht "hurra schreien", weil wir zukünftig von der Veranda aus coden und tippen können und Geld damit verdienen werden.
Wir sollen aber auch keine Angst haben vor dem Jobverlust, weil das, was ich kann, jeder andere Inder auch kann - ebenfalls remote.

Keine Angst, Herr Gabriel, ich habe es bemerkt: Das, was Sie können, das können alle anderen Foristen hier auch!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
heikoludwig 20.09.2014, 23:49
2. Gabriel and De Maiziere in der Steinzeit

Innovation ist der Feind in der Weltsicht dieser aelteren Herren. Datenschutz ist natuerlich wichtig aber jegliche Innovation mit Regulierung abzuwuergen ist nicht die richtige Loesung. Herr Gabriel kann sich gar kein anderes Modell vorstellen als von 8 - 5 in ein Buero zu gehen. Manche Menschen haben eben gerne etwas mehr Flexibilitaet. Das passt den Chef-Regulierern natuerlich nicht in den Kram. Sie schreiben lieber den Buergern vor, wann sie was zu machen haben. Vielleicht bin ich ja mal fuer eine Vorruhestandsloesung. Wer haette das gedacht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bruder Theodor 21.09.2014, 00:27
3. Erst das Geld und dann die Arbeit, nach dem Ziel folgt die Reise

"Heute gebe es "Click- und Cloud-Worker" ohne feste Arbeitszeiten, Jobs würden global ausgeschrieben. "Das Ergebnis sind rechtlose digitale Tagelöhner", meinte der SPD-Chef. Zusammen mit den Gewerkschaften gelte es, Leitplanken einzuziehen."

Kapitalismus heißt Grenzenlosigkeit. Was immer "Click- and Cloud-Worker" sind, wenn sie damit glücklich werden, wer will ihnen im Wege stehen? Es gibt sicher dann auch die "Click-Cloud"-Krankenversicherung, und die dürfte (wegen geringen Unfall-Risikos) im Beitrag gering ausfallen. Nee, aber, ohne spekulieren zu wollen, kann aufgeklärt werden in die Richtung, welche spezielle Spezie entstanden ist als "Click- and Cloud-Worker"? App-Designer? 3D-Drucker-Anwendungen-Schreiber? Darf ein deutscher Architekt auf Norderney ein Haus entwerfen für San Francisco und die Daten nach San Francisco senden und im Anschluß an seine Arbeit eine Rechnung stellen? Andere Frage: Sind wir nicht alle Tagelöhner immer und immer wieder bis ans Ende unserer Tage?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Eliza 21.09.2014, 00:38
4. Erstaunlich

Gabriel behauptet nach diesem Artikel:

"Heute gebe es "Click- und Cloud-Worker" ohne feste Arbeitszeiten, Jobs würden global ausgeschrieben. "Das Ergebnis sind rechtlose digitale Tagelöhner", meinte der SPD-Chef. Zusammen mit den Gewerkschaften gelte es, Leitplanken einzuziehen"

Gleichwohl ist SEIN Ministerium es, das voriges Wochenende in das in Frankfurt/M schwebende Gerichts-Verfahren um den unlauteren Wettbewerb bei der Personenbeförderung durch den milliardenschwere Uber-Vermittlungsdienst eingegriffen hat mit der von keinerlei Kenntnis getrübten veröffentlichten Aussage, es sei höchste Zeit, dass die deutschen Taxi-Dienste "endlich Konkurrenz" bekämen.

Diese Verlautbarung, und gar noch in diesem kritischen Moment, war skandalös. Man hat den Eindruck, dass die von Kalanick engagierten teueren Lobbyisten auch bereits einen (bezahlten?) Türöffner im Wirtschaftsministerium gefunden hatten.

Auch bei den Uber-Fahrern wird ja Scheinselbständigkeit mit Selbstausbeutung gefördert (von der Steuerhinterziehung ganz zu schweigen); der unlautere Dienst hat bereits in San Francisco das Geschäft der regel-gebundenen Taxis um 65% einbrechen lassen und hat offensichtlich dasselbe "disruptive Verfahren", dh die Ausrottung der Konkurrenz durch unlauteres Vorgehen, auch in Deutschland vor; denn Ausrottung ist sein ausdrücklich erklärtes Ziel.

Näheres in diesem Artikel:
So kündigte das Wirtschaftministerium bereits an, die bestehenden Regelungen überprüfen und gegebenenfalls an die "Anforderungen der digitalen Welt und die veränderten Mobilitätsbedürfnisse" anpassen zu wollen.


(Man lese auch den ganzen Artikel!)

Gabriel sollte sich erst einmal mit sich selber einig werden, bevor er andere über nötige Leitplanken gegen digitales Tagelöhnertum belehrt.
Oder vielmehr sollte er sich schämen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
JaIchBinEs 21.09.2014, 01:05
5. Digitagehochlöhner

Zitat von SPON
Heute gebe es "Click- und Cloud-Worker" ohne feste Arbeitszeiten, Jobs würden global ausgeschrieben. "Das Ergebnis sind rechtlose digitale Tagelöhner", meinte der SPD-Chef. Zusammen mit den Gewerkschaften gelte es, Leitplanken einzuziehen.
Herr Gabriel übertreibt.
Viele ITler sind hochbezahlte Spezialisten mit Stundensätzen von € 80.- und mehr. Sie schliessen mit seriosen Auftraggebern ordentliche Verträge über eine bestimmte Laufzeit oder Stundenkontingent ab.
Für mich sind flexible Arbeitszeiten ein Vorteil, um mich von den Verkehrs-, Versorgungs- und Freizeitstreß-Wellen abzukoppeln.
Wir Freelancer nennen die Vermittler "Sklaventreiber", was aber in Bezug auf die geschichtlichen Bedeutung völlig unangebracht ist...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ph.latundan 21.09.2014, 02:07
6. natuerlich ......

Zitat von g32
Keine Angst, Herr Gabriel, ich habe es bemerkt: Das, was Sie können, das können alle anderen Foristen hier auch!
natuerlich ist die steuervermeidungspolitik grosser (meistens us-amerikanischer) konzerne asozial. nur, wehm haben wir das zu verdanken, wer hat das moeglich gemacht ? natuerlich die politik, die politiker, solche wie gabriel. waehrend sich die eu um gluehbirnen und staubsauger kuemmertk, entgehen den laendern millionen an steuern.

eine superleistung herr gabriel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
demokratie-troll 21.09.2014, 07:47
7. Schnüffelindustrie

Die Fähigkeit Datensammlungen zusammenzuführen, um aus dem anonymen Nutzerverhalten gegen den Willen des Betroffenen ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen, das mit seinem Klarnamen, seiner Adresse und seinem Bankkonto identifizierbar geworden ist, ist die Geschäftsgrundlage des Internets.

Das Internet ist ein Eldorado der Schnüffelindustrie. Der eigentliche Geschäftszweck, heimlich gesammelte Daten zu verkaufen hat zum Ziel, die Internetnutzer mit dem so erworbenen Wissen bis in ihre privatesten Lebensäußerungen zu beherrschen und zu manipulieren und zwar möglichst so, dass sie nicht selber merken, was mit ihnen geschieht.
In diesem Spiel ist der Staat mit seinen Schnüffelorganen Komplize und nicht etwa Beschützerinstanz. Schnüffelindustrie und Geheimdienste arbeiten einvernehmlich zusammen, der Bevölkerung ihre Souveränität über ihr Leben zu rauben.

Am Ende ist dein Leben in der Hand des Meistbietenden, sei es ein Auslandsgeheimdienst, die Mafia, deine Krankenversicherung oder dein Arbeitgeber. Wo immer du hingehst, liest der Unterdrücker deine Lebensgeschichte aus und stempelt dich ab, du kannst nicht entfliehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
silberstern 21.09.2014, 09:01
8.

Zitat von Eliza
Gabriel behauptet nach diesem Artikel: "Heute gebe es "Click- und Cloud-Worker" ohne feste Arbeitszeiten, Jobs würden global ausgeschrieben. "Das Ergebnis sind rechtlose digitale Tagelöhner", meinte der SPD-Chef. Zusammen mit den Gewerkschaften gelte es, Leitplanken einzuziehen" Gleichwohl ist SEIN Ministerium es, das voriges Wochenende in das in Frankfurt/M schwebende Gerichts-Verfahren um den unlauteren Wettbewerb bei der Personenbeförderung durch den milliardenschwere Uber-Vermittlungsdienst eingegriffen hat mit der von keinerlei Kenntnis getrübten veröffentlichten Aussage, es sei höchste Zeit, dass die deutschen Taxi-Dienste "endlich Konkurrenz" bekämen. .... Gabriel sollte sich erst einmal mit sich selber einig werden, bevor er andere über nötige Leitplanken gegen digitales Tagelöhnertum belehrt. Oder vielmehr sollte er sich schämen.
Das sind zwei Aspekte ohne jegliche Verbindung. Im einen Fall geht es um die Anpassung des AN-Begriffs an die technosoziale Realität, mit der sich die SPD schwer tut (und sich gleichzeitig wundert, warum ihr progressiver Wählerpool immer schneller abwandert). Ihr Szenario bezieht sich auf die Anpassung der unternehmerischen Regelungen an die Gegenwart. Das Personenbeförderungsgesetz ist neben einigen sicherheitstechnischen Aspekten leglich dem Schutz von Pfründen verpflichtet. Genauso wie das Urheberrecht vor 10-15 Jahren wird es aber in Verkennung jeglichen technischen Fortschrittes nicht in der Lage sein, neue Geschäftsmodelle zu verhindern.

Hier liegt beiden Themen übrigens doch eine Gemeinsamkeit zugrunde. Die fortschreitende Digitalisierung unserer Welt ermöglich dem Einzelnen, seine Arbeitsleistung zunehmend schrankenlos zu verkaufen und einen immer geringeren Anteil an den damit erwirtschafteten Erlösen für die vielen Zwischenhändler und Mittler sowie dem Staat in jeder Instanz abgeben zu müssen. In einer klassischen Beschäftigung macht dieser Schwund über alle Ebenen weit über 90% aus. Ein "digitaler" Tagelöhner kann sein Produkt direkt in die ganze Welt verkaufen. Was geht dort noch weg? Lediglich die Kosten für den Netzzugang, ein bißchen Hardware, ggf. die Martkplattform und einmalig Einkommensteuer. Dies hat aber zur Folge dass die klassische Produktvermittlung mit einem Stand ähnlich des Einzelhandels von vor 100 Jahren vor einem großem Umbruch steht und auch der Staat sich neue Finanzierungsinstrumente suchen muss, wenn er seine durchschnittliche Steuerlast von 70-80% über alle Ebenen aufrecht erhalten will. Davor hat die Politik Angst.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Eliza 21.09.2014, 22:14
9.

Zitat von silberstern
Das Personenbeförderungsgesetz ist neben einigen sicherheitstechnischen Aspekten leglich dem Schutz von Pfründen verpflichtet.(1) Ein "digitaler" Tagelöhner (2) kann sein Produkt direkt in die ganze Welt verkaufen.
(1) Quatsch mit Soße. Ich bin es leid, die Gesamt-Argumentation noch einmal in allen Punkten vorzutragen.

Es handelt sich um unlauteren Wettbewerb, wie as Frankfurter Landgericht mit guter Begründung auseinandergesetzt hat; bitte ergoogeln Sie das oder lesen Sie immerhin den von mir verlinkten Artikel aus dem Manager-Magazin.

(2) IST genau das: ein digtaler Tagelöhner, bei dem sämtliche arbeitsschutzrechtliche Vorkehrungen, die ihrerseits jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelanger Erfahrung entspringen, ausgehebet worden sind, wobei sich der Betreffende unversehens in eine Schein-Selbständigkeit gestürzt sieht.

Genau DAGEGEN müssen Gesetze erlassen werden, wenn wir nicht einen sozialen Rückschritt hinter Bismarck erzeugen wollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren