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"Ländlicher Raum ausgeblutet": Ostdeutsche Einwohnerzahl so niedrig wie zuletzt 1905
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Die Bevölkerungszahl in Westdeutschland hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als verdoppelt. Und im Osten? Dort wohnen etwa so viele Menschen wie damals. Dafür gibt es drei Gründe.

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zauberer2112 12.06.2019, 12:16
1. Ländlicher Raum

Der ländliche Raum ist viel ausgeprägter als im Westen, daher kommt das. Und in diesem gibt es dann auch keine Mittelzentren wie z. B. in OWL. Zwischen den Großstädten Berlin, Rostock, Magdeburg oder Richtung Polen liegt einfach Niemandsland. Und eins bedingt das andere. Selbst wenn ich jetzt in Sellendorf oder Kleinkrausnik ein Riesenwerk nebst Verwaltung aus dem Boden stampfen will, wo leben die hierfür qualifizierten Arbeitskräfte und wo ist die Infrastruktur?

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Trockenfisch 12.06.2019, 12:36
2. Ach ja?

Laut Statistik war in der ehemaligen DDR die Geburtenrate viel höher als im Westen. Demzufolge sollte sich die Bevölkerung wieder halbwegs normalisiert haben. Man brauch auch nur die Zahlen vor der Wende mit denen nach der Wende vergleichen, aber das scheint zu einfach zu sein. Allerdings hat sich für jeden der hier selbst noch wohnt das Problem schon lange so dargestellt das im Zuge der seltsamen Gebaren der Treuhand hier so viele Betriebe kaputtgemacht wurden die eigentlich zu retten gewesen wären. Die jüngeren Fachkräfte sind dann in den Westen gegangen.
Die Fluktuation nach der Wende ist katastrophal gewesen und hält weiter an. Schulabgänger versuchen sofort den Weg nach Westen zu gehen. Wer will es ihnen verdenken.

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erlachma 12.06.2019, 12:38
3. Ost/West oder eher Stadt/Land?

Die Beschreibung passt doch eigentlich nicht auf Ost/West, sondern eher auf Stadt/Land. Ländlicher Raum in Nordhessen oder Ostbayern ist genauso betroffen wie der ländliche Raum in Ostdeutschland. Alles, was nicht im Einzugsgebiet von Metropolen liegt, blutet aus. Selbst mit Infrastrukturmaßnahmen kann man hier nicht mehr viel erreichen, weil sich unsere Gesellschaft in eine andere Richtung entwickelt hat: Arbeit ist flexibler geworden, aber damit eben auch der Zwang, sich kurzfristig eine neue Stelle suchen zu können. Auswahl an Stellen gibt es aber nur in den Städten. Die jungen Menschen wollen an vielen Entwicklungen partizipieren, ob das Startups sind wie Essen und Nahrungsmittel liefern lassen, oder auf das eigene Auto verzichten zu können. Car-Sharing, Desk-Sharing, E-Tretroller - das geht nur in den Städten. ÖPNV ist auf dem Land quasi nichtexistent.

Es müsste also dringend eine Strategie her, die das Leben auf dem Land stärkt, und zwar in größerem Rahmen als Mietpreise abschrecken. Oder aber man findet sich damit ab, dass das Land weiter abgehängt wird, und die Städte noch voller.

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volker.reichardt 12.06.2019, 12:39
4.

Dieses Ausbluten ist doch nur ein anderes Wort für Flucht. Die DDR war nicht in der Lage den Menschen eine für sie lebenswerte Perspektive zu liefern. Deshalb sind sie "geflüchtet". Nach der Wende war und ist die Bundesrepublik nicht willens den Menschen eine Bleibeperspektive zu schaffen. Wo ist denn nun eigentlich für die Region der Unterschie zwischen Flucht und Ausblutung?

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EinYogi 12.06.2019, 12:42
5. Das hat Vor- und Nachteile

Günstigere Häuser und Wohnungen, weniger Menschen heißt mehr Platz, mehr Natur. Arbeiten kann man (eingeschränkt) vom Computer aus.
Die Infrastruktur wird vom reicheren Westen bezahlt, dafür hält man sich im Osten Wölfe, Elche und (in 10 Jahren?) Bären in freier Wildbahn.
Okay, der letzte Satz war ironisch, aber es gibt viele Gründe, gerne in Ostdeutschland zu leben.
Nur die Unflexiblen sind unangenehm.
Die passende Gleichung dazu ist: Ex-DDR minus AfD = Kreativität und Expansion

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totalausfall 12.06.2019, 12:43
6. Steile Rechnung!

""Wäre die Einwohnerzahl in Ostdeutschland nach Kriegsende genauso gewachsen wie in Westdeutschland, würden in Ostdeutschland heute rund doppelt so viele Einwohner leben. Dresden und Leipzig wären jeweils Millionenstädte!""

Das ist so wohl kaum richtig. Schließlich wären rein mathematisch gesehen dann auch doppelt so viele in den Westen abgehauen während der DDR und um die Wende.

Man kann nur froh sein, dass die Bevölkerung nicht gewachsen ist im Osten. Man stelle sich mal vor, es wären doppelt so viele Leute von den Schäden des Sozialismus betroffen.Es wären doppelt so viele Arbeitslose da gewesen nach der Wende, doppelt so viele "6000 DM 1:1 Umtausch"-Berechtigte, doppelt so viele Frühpensionäre etc..
Das wäre nie zu stemmen gewesen.

Dass die Zahlen nun weiter auseinandergehen, ist reine Mathematik, weniger Indikator für irgendwelche Probleme. 68 Millionen vermehren sich nun mal schneller als 14, natürlich driftet das auseinander. Pseudoerkenntnis. Weiß nicht, was es da deswegen an "besonderer politischer Zuwendung" braucht.

Viel aussagekräftiger sind aktuelle Zu- und Abwander Bilanzen Ost/West. Eine Bewegung von Ost nach West gibt es seit vielen Jahren nicht mehr in signifikanten Ausmaßen.

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DerDifferenzierteBlick 12.06.2019, 12:45
7. Zusammenfasstung, Erfolge

Also grundsätzlich alles direkte oder späte Folgen der 40jährigen kommunistischen SED-Diktatur in der damaligen DDR, um es mal auf den Punkt zu bringen. Leider ist es bis heute nicht gelungen die gravierenden wirtschaftlichen Unterschiede der beiden Landesteile als Folge diese Gewaltherrschaft auszugleichen. Aber die Erfolge sind tatsächlich vorhanden, auch wenn das kaum kommuniziert wird:
In Ostdeutschland ist das BIP/Kopf von etwas über 30% des Westniveaus nach der Wiedervereinigung auf fast 75% 2018 gestiegen (hat sich also im Vergleich zum Westen behr als verdoppelt). Das Pro-Kopf-Einkommen des Ostens hat sich ebenfalls mehr als verdoppelt. Und die Produktivität hat sich sogar vervierfacht. Es ist auch im Verhältnis zum Westen im Osten deutlich mehr in Infrastruktur und Wohnungsbau investiert worden.
Dass nicht nach 40 Jahren Kommunismus das Land in kurzer Zeit auf das Niveau des Westens (samt Wirtschaftswunder) gleichziehen konnte, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Je höher das Entwicklungsniveau, desto geringer die Wachstumsraten (kennt man auch im Westen).

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4711_please 12.06.2019, 12:47
8. Daseinsvorsorge

Es gibt viele Stimmen, die beklagen, dass die östlichen Bundesländer ausbluten. Die politische Hegemonie der neoliberalen Austerität schaut nur auf Zahlen und Effizienz. Dabei gibt es noch mehr Faktoren, die wichtig sind. Dazu gehört, dass ein ländlicher Raum lebenswert gehalten wird, statt ihn aufzugeben. Das kostet, doch es ist es auch wert. Staaten mit großer Fläche stellen nicht die Effizienzfrage. Denn wenn da kleine Orte mitten im Nirgendwo aufgegeben werden, dann ist da schnell ein gigantisches Gebiet kaum mehr erreichbar und zugänglich, was nicht erwünscht ist. Ich denke, die Politik sollte da umdenken, denn diese Vernachlässigung ist eine Ursache, dass die Menschen sich von der Politik radikal abwenden, was dann wiederum als Verrohung auf die Politik zurückfällt. Die Vernachlässigung hat mehr ideologische Gründe, Mangel ist nicht die Ursache.

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katarina.kaia 12.06.2019, 12:48
9. Renaturierung

Alle Welt jammert übers Klima und das Artensterben. Hier kann man die Chance nutzen.

Anstatt überflüssige Kleinstädte künstlich am Leben zuu erhalten, kann man die nach und nach in Naturparks verwandeln. Wird aber nicht passieren. Lieber werden Milliarden versenkt um den ländlichen Raum im Osten zu beleben. (Was eh nicht klappen wird.)

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