Forum: Politik
"Ländlicher Raum ausgeblutet": Ostdeutsche Einwohnerzahl so niedrig wie zuletzt 1905
BildFunkMV/ imago

Die Bevölkerungszahl in Westdeutschland hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als verdoppelt. Und im Osten? Dort wohnen etwa so viele Menschen wie damals. Dafür gibt es drei Gründe.

Seite 5 von 11
thequickeningishappening 12.06.2019, 14:23
40. Die Pseudo "Bluehenden Landschaften" wurden aufgebaut

und Die Wirtschaft abgebaut. Schon vor Dem Bau Der Mauer verließen viele gut ausgebildete Fachkräfte Den Osten Richtung Westen. Die Mauer konnte Den Drang nach Dem vermeintlichen Paradies nicht aufhalten. Die Mauer fiel, Die Wirtschaft Ost wurde platt gemacht ( Trostpflaster: Autobahnen, Klaeraranlagen und Stadtsanierung). Bis auf Ausnahmen blieben Die lohnenden Arbeitsplätze im Westen !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stereo_MCs 12.06.2019, 14:23
41.

Und anstatt sich mal bei denen "zu bedanken" die ihnen das über die Zeit alles eingebrockt haben, nämlich dem Kreml,
wählen sie aktuell sogar deren Außenstelle in D. noch zahlreich.
Schizophren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
supermom 12.06.2019, 14:27
42. Studium und weg

Viele Universitäten in den Neuen Bundesländern sind excellent ausgestattet, die Mieten günstig so dass kein Mangel an Studenten (aus dem gesamten Bundesgebiet besteht!)
Trotzdem kenne ich aus meinem erweiterten Umfeld (ca 20 Studenten) keinen Einzigen, der auch nur in Erwägung gezogen hat, nach Ende des Studiums in der Region (gleichgültig ob Jena, Erfurt, Magdeburg, Greifswald oder Halle) zu bleiben. Je besser ausgebildet umso schwieriger die Anpassung an das Zusammenleben mit denen, die sich immer ungerecht behandelt fühlen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ThomasS79 12.06.2019, 14:27
43. Den Westen wird´s nicht kümmern...

Selbst 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es immer noch Lohndifferenzen zwischen 20 bis 30%. Dazu fehlen die Vorstände und Großverdiener. Galten niedrigere Nebenkosten als ausgleichend, dies trifft aber schon lange nicht mehr zu. Was bleibt sind die Alten, die Unqualifizierten und die Resignierten! Man sollte besser jetzt schon beginnen, Pläne zur Renaturierung und Konzepte zur Neustrukturierung besonders betroffener ländlichen Bereiche zu initiieren. Im Rahmen der Abwicklung der DDR ging es primär um Investitionsmöglichkeiten für den Westen, als um die nachhaltige Gestaltung einer Wettbewerbs- geschweige denn einer Konkurrenzfähigkeit. Das ganze ging soweit, dass potentielle Konkurrenz gezielt ausgeschaltet wurde (bspw. Kali-Bergbau) oder Subventionen ganz in den Westen umgeleitet wurden. Das ist bis heute so, und wird offen kaum so eingestanden. Die wirtschaftlichen "Gewinner" der Wende waren die großen und mittelgroßen Investoren aus dem Westen. An dessen Nabelschnur hängt der Osten bis heute und wird das auch weiterhin tun! Die wirtschaftliche Kontrolle und die Eigentumsverhältnisse sind geklärt. In beiden Fällen hat der Ostdeutsche verloren! Wirtschaftlich erfolgt Kontrolle aus dem Westen mit Abschöpfung ostdeutscher Arbeitskräfte, Subventionen und Gewinne bei möglichst breiter, gezielter Vermeidung nachhaltiger Vernetzung, regional assoziierter, wirtschaftlicher Strukturen. Nur logisch, dass alles was halbwegs qualifiziert ist meistens gleich in den Westen abwandert. Eigentumsverhältnisse sind aufgrund fehlender Kapitalrücklagen derart ungleich verschoben, dass man darüber ebenfalls sehr ungern redet. Alleine Recherchen über die Besitzverhältnisse der Städte Leipzig und Dresden zeigen ein deutliches Bild. Weit über 90% der auch noch anständigen Subventionen sanierten Immobiliensubstanz sind in westdeutscher Hand, ebenso die meisten hohen öffentlichen Ämter. Daran wird sich auch nichts ändern! Dem westdeutschen Proletariat reicht "die Zone" als Projektionsfläche negativer Frustration. Dem Bildungsbürgertum und Eliten der Pflichtbesuch der herausgeputzten ostdeutschen Altstädte/Kulturzentren. Dem Osten fehlen grundlegende Voraussetzungen und v.a. wirtschaftliche Identität daran etwas zu ändern. Selbst überschaubare, hochspezialisierte, kleine und mittelgroße Unternehmen benötigen (wie überall) sehr viel Innovation, Idealismus und regionale Verbundenheit und vor allem Fachkräfte, was durch Abwanderung zusätzlich erschwert wird. Für den Westen, und das ist die Quintessenz, gibt es absolut keinen Grund an dieser Konstellation etwas zu ändern! Selbst die politische Situation im Osten ist völlig belanglos für die Wahlen in D, dient aber in der medialen Darstellung überproportional als negative Projektionsfläche für gesamtdeutsche Probleme und die Verzerrung kausaler Zusammenhänge. Selbst die Problematik der AfD, welche in jedem deutschen Landtag sitzt, in Bayern und BaWü von mehr Menschen gewählt wurde als in allen ostdeutschen Bundesländern zusammen, ist als Problem im Osten verortet. Auch hier gibt es für "den Westen", keinen Grund, daran etwas zu ändern, und das ist das eigentlich Traurige! Grüße aus (dem noch grünen) Leipzig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Thedenell 12.06.2019, 14:27
44. Naja, Helmut Kohl ...

... hat ihnen seinerzeit doch blühende Landschaften versprochen. Daran immerhin hat er sich gehalten. Alles andere, was dann passierte, ist doch schäbig! Und mit der Präambel im (bundesdeutschen) Grundgesetz ist das niemals vereinbar gewesen. Aber die Staatsrechtler können soviel lamentieren, wie sie wollen. Es ist politischer Wille der Wirtschafts-Eliten hierzulande. Und damit konsenzfähig geworden. Aber: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
matbhmx 12.06.2019, 14:34
45. Der ländliche Raum im Osten ...

... blutet ja vor allem auch aus, weil die Landesregierungen nach der Wende falsch gemacht haben und bis heute falsch machen. Der erste Fehler war schon Mal, dass man im Osten Strukturpolitik nach den Rezepten des Westens gemacht hat - obgleich man völlig andere Ausgangsvoraussetzungen hatte. Da sind dann irrwitzige Milliarden in Gewerbegebiete in kleine Käffer geflossen, ohne dass sich dort irgendein Gewerbe ansiedelte. Und die seit Jahren z. B. in Brandenburg erklärte Förderung nur noch ab Mittelzentrum aufwärts nach dem Motto, die breite Förderung können wir uns nicht leisten, führt eben zur Flucht vom Land in die Städte. Und das Ganze begründet ja einen Teufelskreislauf. Wenn erst einmal eine unter Schwelle von Einwohnern erreicht ist, stirbt der Ort irgendwann. Gleichzeitig liegt hierin ein gigantische Verschwendung an Vermögenswerten, weil die Immobilien in den verlassenen Orten keinen Cent mehr wert sind. Die Menschen, die dort von der Vorgeneration ein Häuschen geerbt haben, müssen dort bleiben, weil sie ihr Haus nicht verkauft bekommen. Nach ihnen steht das Haus leer und verfällt. Die Erben schlagen im Zweifelsfalle die Erbschaft aus, weil sie selbst in einem toten Kaff nicht leben wollen und können (keine Arbeit, keine Einkaufsmöglichkeiten, kein Internet usw.) und der Erhalt des Hauses nur Kosten verursacht. Und weil immer weniger Menschen in den kleineren Ortschaften leben, wird auch die Infrastruktur immer weiter heruntergefahren. Genau dem entgegenzuwirken müssen Fördergelder vorhanden sein. Und wer junge Menschen in den kleinen Orten halten will, muss ihnen durch eine gute Anbindung mit den öffentlichen Nahverkehr die Möglichkeit geben, jedenfalls am Wochenende in die nächste Großstadt preiswert fahren zu können und dann auch jenseits von 00:00 Uhr, 01:00 Uhr, 02:00 Uhr wieder zurückfahren zu können. Stattdessen wird dort, wo die Landschaft ausblutet, der ÖPNV weitestgehend eingestellt. Und Landespolitiker und Lokalpolitiker kommen weiter mit den alten Rezepten aus dem Westen, die ihnen bevorzugt von von dort kommenden so genannten Fachleuten aufgeschwatzt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
g_bec 12.06.2019, 14:38
46.

Zitat von MichaelundNilma
Einer der angegebenen Gründe für den Bevölkerungsschwund, fehlende Zuwanderung von Gastarbeitern, setzt voraus, das Gastarbeiter überhaupt gebraucht wurden. Die DDR Wirtschaft war eine Planwirtschaft der Mangelverwaltung. Es fehlte nicht nur an Geld sondern auch an Rohstoffen. D.h. meistens hatten die Leute in den Firmen nichts zu tun. Militär und Überwachungsapparat hatten auch deswegen hohen Personalstand, um die ansonsten sichtbar werdende Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Die Infrastruktur war durch den Abbau von jedem 2. Gleis durch die russische Besatzungsmacht schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wozu eine nicht gewinnorientierte Planwirtschaft, wo man auf ein Auto 15 Jahre warten mußte und fast so lange auf einen Telefonanschluß, Gastarbeiter benötigen sollte, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil, nach der Wende wurde sichtbar, das die staatlichen Unternehmen viel mehr Arbeitnehmer beschäftigten, als sie brauchten. Nach der Wende war eine der ersten Maßnahmen bei Firmenübernahmen, überflüssige AN zu hunderttausenden auf die Straße zu setzen, um die Firmen zu retten. Die Einführung der DM für Ostdeutschland führte dann zum endgültigen Zusammenbruch der Wirtschaft, wegen Unrentabilität vieler maroder Firmen. In der DDR wurde ab den Siebzigern Bevölkerungspolitik betrieben, indem ein großzügiges Förderprogramm aufgelegt wurde: günstige Kredite für Eltern, Vorzugsbehandlung bei Wohnraumbeschaffung, Ausbau der Kinderbetreuung. Das Ergebnis war eine relativ hohe Geburtenrate (1,9 Kinder pro Frau), die nach der Vereinigung in den ostdeutschen Ländern jedoch drastisch absank und Mitte der Neunziger bei nur noch 0,8 lag (SPIEGEL 6.4.2004).
Komisch. Neben fehlendem Material war oftmals auch der Satz: "Keine Leute, keine Leute" zu hören. Das ging soweit, dass man Vertragsarbeiter aus Vietnam holte, die Arbeiten erledigten, die kein Deutscher übernahm (in meiner Geburtsstadt gab es da so eine Firma namens "shanty", die fast nur solche Vertragsarbeiter beschäftigte, die in einem bewussten Plattenbau wohnten.)
Und die Pleite maroder Ostfirmen kann man sicherlich überwiegend nicht der Treuhand zuschreiben.
Gerade im hier beschriebenen ländlichen Raum waren sehr viele Menschen in den LPG beschäftigt. Und diese hatten viel zu viel Personal, das dann eben freigesetzt wurde. Die haben unwirtschaftlich mit exorbitant hohem Personaleinsatz gewirtschaftet! Und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Ost-Wirtschaft: Viel zu viel Personal und marode Produktionsmethoden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
christianabc 12.06.2019, 14:42
47. Vielleicht ja mal nen Artikel über Treuhand und Hintergründe

An die Redaktion: Eventuell würde sich unter Zuhilfenahme konkreter Zahlen ein Artikel über die Treuhand anbieten. Gerade was dieses Thema angeht gibt es noch sehr viel Frustration, zumindest östlich der Mauer, und verhindert oft eine ehrliche Diskussion. Ich komme übrigens aus Thüringen, lebe aber mittlerweile im Süden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
k70-ingo 12.06.2019, 14:44
48.

An all diesen real existierenden Problemen ist "der Westen" aber nicht schuld - sondern ausschließlich der Sozialismus.
All diese Privatwirtschaftsbetriebe, die Konzerne und das gesamte Besitzbürgertum wurden nach 1945 erst von der SMAD und dann von der SED enteignet und vertrieben.

Mit den Unternehmen und deren Eigentümern sind oft auch die besten und bestausgebildeten Mitarbeiter in den Westen gegangen. Nicht selten nahmen diese neben ihrem Wissen auch ihre Werkzeuge und Arbeitsunterlagen mit.
Lesen Sie mal die spannende Geschichte, wie die Auto Union (heute Audi) in den Westen gekommen ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
k70-ingo 12.06.2019, 14:45
49.

An all diesen real existierenden Problemen ist "der Westen" aber nicht schuld - sondern ausschließlich der Sozialismus.
All diese Privatwirtschaftsbetriebe, die Konzerne und das gesamte Besitzbürgertum wurden nach 1945 erst von der SMAD und dann von der SED enteignet und vertrieben.

Mit den Unternehmen und deren Eigentümern sind oft auch die besten und bestausgebildeten Mitarbeiter in den Westen gegangen. Nicht selten nahmen diese neben ihrem Wissen auch ihre Werkzeuge und Arbeitsunterlagen mit.
Lesen Sie mal die spannende Geschichte, wie die Auto Union (heute Audi) in den Westen gekommen ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 11