Forum: Politik
Land in Angst: Wann sind wir so zimperlich geworden?
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Früher musste man sich als Journalist die Kugeln um die Ohren pfeifen lassen, um als Held zu gelten, heute reicht ein Besuch im deutschen Osten. Die Empörung über das Getobe in Sachsen ist ebenso maßlos wie die Aufmärsche selbst.

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casait 30.08.2018, 15:30
70. trefflicher Beitrag

Ich will´s kurz machen: DANKE Herr Fleischhauer für den lesenswerten und pointierten Beitrag!

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OhMyGosh 30.08.2018, 15:30
71.

Diese Kolumne mag ja netten ironischen Tralala enthalten und als Heine-Liebhaber kommt mir eine derartige Schreibe natürlich sehr entgegen. Obwohl Heine seine feinde wahrlich nicht geschont hat, etwa in "Der Wechselbalg". Aber im Falle der unerträglichen Ausschreitungen in Chemnitz und der immanenten Probleme des "Freistaates" ( frei von Rechtsstaatlichkeit? frei von braunem Stallgeruch?) darf der satirisch gespannte Bogen eben doch nicht überspannt werden. Zum Glück hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter die Dringlichkeit des aktuellen Missstandes erkannt: "Rechtsextreme würden Rückendeckung aus der Bevölkerung verspüren, kritisiert Vizechef Fiedler - und fordert Konsequenzen." Doch gilt es wohl auch, die "Trachtentruppe" unter Beobachtung zu nehmen. Die Entlassung des Hütchenmannes ist ein erster und guter Schritt.

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syracusa 30.08.2018, 15:31
72. der Feind steht links

Jaja, Herr Fleischhauer, der Feind steht links. Und weil immer noch große Teile des Bürgertums auf dem rechten Auge komplett blind sind, haben wir untragbare Zustände wie die in Sachsen. Sie, Herr Fleischhauer, sind nicht nur Mitläufer, sondern Propagandist dieser neuen Rechten.

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Crom 30.08.2018, 15:34
73.

Zitat von Marvin__
Das Problem ist, dass die Wasserwerfer in der Garage bleiben und die Polizei, angefeuert vom Ministerpräsidenten, mitpöbelt.
Können Sie belegen, wo die Polizei gepöbelt hätte? Übrigens wurden auch Polizisten angegriffen. Das passt aber irgendwie nicht zu Ihrer Darstellung. Die Realität sieht nun einmal anders aus.

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torstenschäfer 30.08.2018, 15:34
74. Fleischhauer, unser Held

Jaja, die Journalisten sind zimperlich geworden. Schreibt einer, der vermutlich Zeit seines Lebens niemals bei einer gewalttätigen Demo dabei war. Sitzt bequem an seinem Schreibtisch, notierend: Leute, in Vietnam war es doch früher viel schlimmer!, und - herrjeh, SPON, die Ausschreitungen in Chemnitz, das Jagen von Ausländern, die Hitlergrüße - ungeahndet: alles wird mit einer Reaktion der Medien auf eine Stufe gesetzt. Alles schlimm, kein Unterschied für Jan Fleischhauer. Der gesellschaftliche Konsens in unserem Land verschiebt sich deutlich nach rechts. Jan Fleischhauer tut sein Bestes dafür. Aber am Ende wird er wie der Zauberlehrling entsetzt darauf blicken, was er angerichtet hat. Und SPON wird vielleicht noch feststellen können, man habe ja nur etwas Clicks generieren wollen mit dieser Art Kolumne. Ihr, SPON, habt euren journalistischen und auch bürgerschaftlichen Ethos schon längst unter Quotenanalysen beerdigt.

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vera gehlkiel 30.08.2018, 15:35
75.

Von mir aus gesehen sind das Problem gar nicht die Skinheads, die dort herumlaufen, die sind wirklich nicht neu. Die sind so richtig gefährlich, das kenn ich noch aus eigenen Antifa-Zeiten, wo allerdings auch die Einsatzpolizei nicht immer ganz ohne war, soviel nur nebenher. Skins und Polizei sind aber, wenn man sie kennt, beide gut einzuschätzen. Das ist bei den Skins auch gut so, bei der Polizei oft eher schade, besonders dann, wenn man sie als Freunde und Helfer auf seiner Seite wähnt, längst nicht mehr in Gegnerschaft dazu steht. Ich war sogar schon mit einem leibhaftigen Kriminalkommissar liiert (viel unspektakulärer als Kollege Schimanski, aber auch ein aufregender Mann) und war als leidenschaftliche Läuferin sowieso immer in der Lage, beulenfrei zu entkommen. All das ist nicht lustig, aber echt und unverfälscht, man kann dazu stehen oder es späterhin, wie ich es getan habe, als unsäglich pubertär und nutzlos abtun. Nie ging es dabei darum, einer Minderheit grundlos Angst und Schrecken einzujagen, Engstirnigkeit und maximale Intoleranz als Sinn des Lebens zu implementieren. OK, ich war damals schon, auch wenn das eingebildet klingt, ein helles Köpfchen, habe mich selbst gerechtfertigt, viel diskutiert und alles. Vielleicht ist das nicht jedermans Sache, aber es ist, oder müsste sein, bestimmt die Sache derjenigen, welche hier die schlagkräftige Skin-Minderheit benutzen, um von dem Aufruf zu radikaler Intoleranz seitens der einfach nur in herrlicher Selbstgefälligkeit dahinschreitenden Mehrheit von Ausländerfeinden in Chemnitz weg zu kommen. Diese letzte Gruppe ist es eigentlich, die es dort erst unerträglich macht (das würde Scholl Latour, der überhaupt kein Sympathisant des Wutbürgertums jeglicher Coleur war, übrigens ganz genauso bewerten!). Und halt die Fleischhauers und Schwennickes, Kubickis, Tichys, Dobrindts und Seehofers, die sich sehenden Auges, aber vollkommen ohne Notwendigkeit, zum Antriebsmotor eines Teufelskreises machen, all die Angstkranken beschwichtigend in die nächste Runde schicken, und dabei dazu feixend die Umfragen lesen, aus denen für ihr Empfinden wegen des wachsenden Einflusses der AfD hervorgehen soll, dass es vorangeht mit ihrer neokonservativen Revolution. Die im Ernst und unbelehrbar trotz aller Vorzeichen unverändert meinen, diese Rechtspopulisten seien ihre nützlichen Idioten. Die in Wahrheit aber deren nützliche Idioten sind.

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dr.eldontyrell 30.08.2018, 15:36
76. Ja, man könnte

Wasserwerfer gegen die Spaten einsetzten. Blöd nur, wenn der, der an der Kanone sitzt ein Pegizei-Hutträger ist. Dann gibt's nasse Füße für Journalisten. Von der Maus/dem Lenkhebel abgerutscht und so...

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Papazaca 30.08.2018, 15:36
77. Stimmt! Aufregung in Ihrer korrektesten Form. Und masslos!

Dem kann ich nur zustimmen. Das größte Problem ist mangelnde Gelassenheit, aber auch die Angst vor Kritik, die der eigenen Vorstellung nicht entspricht. Wenn SPON zu bestimmten Themen kein Forum zu läßt, frage ich mich immer: Warum? Angst vor zu vielen AfD-Trolls? Oder die schmerzliche Erkenntnis, das die "eigenen" Leser in wesentlichen Punkten der Flüchtlingspolitik nicht mit SPON, ihrer Zeitschrift, übereinstimmen.

Klar wäre ich auch anstelle des SPON geschockt, wenn radikalisierte Leser alle Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen wollen. Wahrscheinlich drücken sie das dann noch drastischer aus.

Das Problem der bürgerlichen Parteien aber auch den Medien ist eine klare Entfremdung. Wer selbst permanent die Nazikeule schwingt und Diskussionen vermeidet, stärkt die AfD. Die AfD hat nicht ihre 15-20%, weil Sie eine so tolle Partei ist. Nein, viele Bürger fühlen sich nicht ernst genommen. Mit dem "wir schaffen das" und einer fehlenden Diskussionskultur haben sich unser bürgerlichen Parteien, aber auch die Medien, selbst geschafft.
Und diese masslosen Übertreibungen (ist in Sachsen jetzt das Vierte Reich ausgerufen worden?) tragen nicht zu einer notwendigen Diskussionskultur bei.

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pauli96 30.08.2018, 15:37
78. Man hat kaum Lust, bei so viel Unsinn im Forum mitzuschreiben

Fleischhauer verteidigt keine Nazis. Es gibt auch keine Rechtfertigung für irgendwelche Progrome und das Durchstechen eines Haftbefehls ist schon deshalb eine Straftat, weil es unter Umständen eine Verurteilung verhindern kann.
Es geht in der Kolumne um das Ausmaß der Empörung der Medienvertreter. Natürlich ist ein Toter durch einen vorbestraften Asylbewerber (schon diese Kombination ist widersinnig) nicht so "alltäglich" wie ein Beziehungsmord oder eine Racheaktion zwischen verfeindeten Rockern. Trotzdem wird geeiert, weil die Damen und Herren Journalisten sich als Pädagogen empfinden, die abwägen müssen, was ihren Schülern vermittelbar ist und was nicht. Man schaue sich mal die Berichte, hier bei SPON, über den geschlagenen (Nasenbruch) Asylbewerber in Wismar (Osten) an und im Vergleich dazu, die Meldung über den getöteten Arzt in Offenbach (Westen).
Das behinderte ( im Sinne von gehinderte) ZDF Team wurde von einem Journalisten geführt, der in seinen Beiträgen keinen Zweifel lässt, ein ausgewiesener Linker und Migrationsbefürworter zu sein. Der "freie Journalist" der die Videos und Berichte der Hetzjagden publiziert hat, ist ebenso ein politischer aktivist der Linken. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. nur wird es dem geneigten Medienkonsument verschwiegen. Der Klamauk zwischen dem "linken" Augstein und dem "rechten" Fleischhauer ist Folklore. Die Beeinflussung findet dazwischen statt.

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Europa! 30.08.2018, 15:38
79. Nu gucke da ...

Zitat von caldor1984
Ich möchte die gewalttätigen Proteste in Hamburg nicht schönreden. Nur: Ziel der Agression in Hamburg waren Dinge, während in Chemnitz unbeteiligte Menschen gezielt verfolgt wurden, die dummerweise eine Haut- und Haarfarbe haben, die den Nazis nicht passt.
Da ist er wieder, der verharmlosende Spruch von der "Gewalt gegen Sachen", den wir so gut von 1968 kennen. Die "Gewalt gegen Sachen" endete mit Sprengstoffattentaten, Polizisten- und Geiselmorden. Schon vergessen?

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