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Landesweite Proteste: Tod eines Fischhändlers erzürnt Marokko
DPA

Ein marokkanischer Fischhändler wird in einem Müllwagen zu Tode gequetscht. Das löst die größten Proteste im Land seit Jahren aus - sie richten sich gegen Willkür und Machtmissbrauch der Polizei.

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ausmisten 31.10.2016, 15:58
1. Ball flach halten

Die letzten 10 Jahre hat sich in Marokko dank des Wirkens von Koenig Mohamed VI vieles geaendert, sowohl was die Behoerden, als auch die Einhaltung der Gesetze betrifft.
Politische oder grundlose Verfolgung findet nicht statt und es ist eines der sichersten Laender, die ich kenne.
Was die Jugendarbeitslosigkeit angeht, so kann sie weder dem Koenig noch der Regierung angelastet werden. Keine Wirtschaft kann so schnell wachsen, wie die dortige Bevoelkerung. Die Verantwortung hierfuer liegt bei den einzelnen Menschen, die zwar kaum Einkommen haben, aber ungezuegelt 10 Kinder in die Welt setzen. Der Koenig, obwohl sich dieser eine Kinderschar leisten koennte, lebt die 2 Kind- Ehe vor.
Ohne ausreichende Schulbildung, die sich gerade die Vielkinderfamilien nicht leisten koennen und Berufsausbildung sehen die Berufschancen fuer viele aehnlich wie in D fuer vergleichbare Gruppen aus, naemlich eher duester.
Der Fischhaendler hat sich selbst in den Muellwagen geworfen, als er seine Ware dahingehen sah. Vielleicht war es auch ein Unfall und er hat versucht, den Fisch aus dem Muellwagen zu ziehen. Das Fangen von Schwertfisch im Mittelmeer ist derzeit verboten, wie auch der Handel damit. Das ist fuer den Erhalt der Bestaende notwendig. Mag sein, dass gegen Zahlung von Schmiergeld diese Polizisten die Augen zugedrueckt haetten, so aber das Gesetz strikt zur Anwendung brachten. Insgesamt ist das Bakschischnehmen stark ruecklaeufig. Es gibt immer wieder Aktionen gegen diese Praktik, die allerdings auf jahrhundertelange Tradition zurueckgeht und dementsprechend schwer auszurotten ist.
Grosse emotionale Demonstrationen sind in Marokko keine Seltenheit und die Mobilisierung der zahlreichen Perspektivlosen einfach. Gewisse islamistische Kreise wollen da ihr Sueppchen kochen. Eine Antwort auf die Bevoelkerungsexplosion haben sie aber am allerwenigsten.
Gruesse aus Marokko.

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Safiye 31.10.2016, 16:58
2. Beide Beiträge oben zeigen ...

... mal wieder wir unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Ich glaube, dass die Probleme, die die Unruhen und Umstürze 2011 verursacht haben, nicht verschwunden sind, sondern sich weiter vertieft haben. Wir sind im Westen schnell dabei nur das zu sehen, was wir sehen wollen Alle waren glücklich mit Ghadafi und Al-Assads. Weit gefehlt. Die Wahrheiten sind vielschichtiger und komplizierter als wir dies wahrnehmen. Im Urlaub nach Ägypten fahren reicht halt nicht. Viele arabische Staaten haben neben einigen, häufig nur kosmetischen Reformen (fürs Volk und für den Westen) gleichzeitig die Repressionen massiv erhöht. Gelöst ist aber nichts ... und die Abstände, in denen die Proteste aufflammen, werden kürzer und kürzer werden ...

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bookwood74 31.10.2016, 17:12
3.

Es waere mal schoen dass sich der Spiegel darum kuemmert, wem in Maroko, die Funklizenzen gehoeren, die Mobilfunkfirmen, die Fluggesellschaften,
die Bauunternehmen, die Banken und Versicherungen usw... Wer hat das Monopol, vergibt es, und profitiert geleichzeitig davon ?
Da kann man reformieren wie man will, das Geld und damit die Macht liegt beim Hof. Sollte gar der Spiegel einen Reporter nach Maroko schicken
um diese Strukturen zu studieren, gehe ich jede Wette ein, dass sich dieser keine 48 Stunden im Land aufhalten wird. Andere haben es nicht laenger geschaft.

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jowitt 31.10.2016, 18:32
4. ausmisten

Zitat von ausmisten
Die letzten 10 Jahre hat sich in Marokko dank des Wirkens von Koenig Mohamed VI vieles geaendert, sowohl was die Behoerden, als auch die Einhaltung der Gesetze betrifft. Politische oder grundlose Verfolgung findet nicht statt und es ist eines der sichersten Laender, die ich kenne. Was die Jugendarbeitslosigkeit angeht, so kann sie weder dem Koenig noch der Regierung angelastet werden. Keine Wirtschaft kann so schnell wachsen, wie die dortige Bevoelkerung. Die Verantwortung hierfuer liegt bei den einzelnen Menschen, die zwar kaum Einkommen haben, aber ungezuegelt 10 Kinder in die Welt setzen. Der Koenig, obwohl sich dieser eine Kinderschar leisten koennte, lebt die 2 Kind- Ehe vor. Ohne ausreichende Schulbildung, die sich gerade die Vielkinderfamilien nicht leisten koennen und Berufsausbildung sehen die Berufschancen fuer viele aehnlich wie in D fuer vergleichbare Gruppen aus, naemlich eher duester. Der Fischhaendler hat sich selbst in den Muellwagen geworfen, als er seine Ware dahingehen sah. Vielleicht war es auch ein Unfall und er hat versucht, den Fisch aus dem Muellwagen zu ziehen. Das Fangen von Schwertfisch im Mittelmeer ist derzeit verboten, wie auch der Handel damit. Das ist fuer den Erhalt der Bestaende notwendig. Mag sein, dass gegen Zahlung von Schmiergeld diese Polizisten die Augen zugedrueckt haetten, so aber das Gesetz strikt zur Anwendung brachten. Insgesamt ist das Bakschischnehmen stark ruecklaeufig. Es gibt immer wieder Aktionen gegen diese Praktik, die allerdings auf jahrhundertelange Tradition zurueckgeht und dementsprechend schwer auszurotten ist. Grosse emotionale Demonstrationen sind in Marokko keine Seltenheit und die Mobilisierung der zahlreichen Perspektivlosen einfach. Gewisse islamistische Kreise wollen da ihr Sueppchen kochen. Eine Antwort auf die Bevoelkerungsexplosion haben sie aber am allerwenigsten. Gruesse aus Marokko.
"Keine Wirtschaft kann so schnell wachsen, wie die dortige Bevoelkerung. Die Verantwortung hierfuer liegt bei den einzelnen Menschen, die zwar kaum Einkommen haben, aber ungezuegelt 10 Kinder in die Welt setzen."

Aber sonst haben Sie keine Sterotypen anzubieten? Was soll denn diese maßlose Übertreibung? Eine Frau in Marokko gebährt im schnitt 2,2 Kinder, nicht 10, wie von Ihnen behauptet.

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gnarq 31.10.2016, 18:47
5. Zeitbombe

In Marokko und Ägypten ticken demographische Zeitbomben. Ein Problembewusstsein ist aber dazu in keinem islamischen Land vorhanden. Wenn die Bevölkerung schneller wächst als die Wirtschaft, wenn wenige Männer mehrere Frauen haben dürfen, dann bleiben Arbeitslose unverheiratete Männer übrig und dann reicht ein Funken zur Explosion.

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adolfo1 31.10.2016, 18:52
6. Fischereirechte

Vor einiger Zeit wurde auf einem TV-Sender darüber berichtet, dass Marokko die Fischereirechte für ihre Küstengewässer an andere Länder verkauft (auch EU). Es wurde gezeigt wie spanische Fangschiffe dort im Einsatz sind und die gefangenen Thunfische dann draußen im internationalen Gewässer an japanische Fischtrawler weiterverkauft. Dadurch wird die heimische Fischindustrie gewaltig geschädigt. Wie kann es sein,
dass sich Brüssel auf solche Geschäfte einläßt?

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scoopx 31.10.2016, 19:07
7. Das Problem ist immer die Polizei

Jedesmal wenn Menschen aufbegehren ist der Grund die Polizei. Es wird oft gesagt, es steckten tiefere Probleme dahinter wie Korruption, "demographische Zeitbomben", wirtschaftliche Schwierigkeiten und anderes mehr.

Die Polizei bedient jedes politische System, egal ob Faschismus, Islamismus, Kapitalismus, Kommunismus oder Rassismus gleichermaßen.
Wer hat unter dem NS in Deutschland Menschen ins KZ gebracht, sie bewacht, gefoltert und getötet? Waren es SA-Männer? Nein, abgesehen von den ersten Monaten waren es Polizisten. Nicht umsonst war der Titel der obersten SS-Schergen "HSSPF" (Höherer SS- und Polizeiführer).
Wer hat unter Stalin alle die Säuberungen durchgeführt, die Leute verfolgt, erschossen, das Gulag-System organisiert? Eifernde Komsomolzen? Nein, es waren natürlich Polizisten.
Ja, hinterher sagten sie was von Befehlsnotstand. Aber der Verfolgungseifer, ja das Jagdfieber, das pingelige und gnadenlose Beharren auf kadaverhaftem Regelgehorsam gegenüber auch dem kleinsten Verkehrssünder, der Unterwerfungswille, das ist in jedem System dasselbe.
Die Polizei läßt niemals locker. Mit der gleichen Unerbittlichkeit, mit der sie zu Stalins Zeiten "Kulaken" verfolgt haben, jagen sie in unseren Tagen Graffitisprayer, Haschischraucher und Temposünder.
In Saudi-Arabien gibt es bekanntlich eine Religionspolizei, die jeden Verstoß gegen religiöse Lebensregeln unerbittlich verfolgt und mittelalterliche Strafformen bedenkenlos durchführt. Und in Marokko war es eben ein Fischfangverbot. Aber es ist im Grunde egal was es ist.

Überall auf der Welt haben die Polizeibüttel die Macht, auch in solchen Ländern, die sich zivilisiert wähnen, wie die USA. Aber irgendwann läuft das Faß halt über.
.

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ausmisten 31.10.2016, 19:23
8.

Zitat von bookwood74
Es waere mal schoen dass sich der Spiegel darum kuemmert, wem in Maroko, die Funklizenzen gehoeren, die Mobilfunkfirmen, die Fluggesellschaften, die Bauunternehmen, die Banken und Versicherungen usw... Wer hat das Monopol, vergibt es, und profitiert geleichzeitig davon ? Da kann man reformieren wie man will, das Geld und damit die Macht liegt beim Hof. Sollte gar der Spiegel einen Reporter nach Maroko schicken um diese Strukturen zu studieren, gehe ich jede Wette ein, dass sich dieser keine 48 Stunden im Land aufhalten wird. Andere haben es nicht laenger geschaft.
Sie sprechen von einem anderen Marokko, dem des Koenigs
Hassan II ? Die grossen Mobilfunkfirmen, etwa Meditel wurden mehrheitlich von der spanischen Telefonica und der protugiesischen Telekom aufgebaut. Inwi gehoert meines Wissens den Kuwaitis.
Bei Bauunternehmen wie Doha, welches ueberall Sozialwohnungen aus dem Boden stampft, dominieren die Saudis. Bei Preisen von 23.500 euro fuer eine 2 Zimmerwohnung duerfte die Gewinnmarge ueberschaubar sein.
Natuerlich ist ueberall der marokkanische Staat, auch das Koenigshaus, beteiligt. Aber der Koenig ist mit weiten Abstand der groesste Arbeitgeber. Das will finanziert sein. Ohne dieses Engagement saehe es wirklich zappenduster aus.
Koenig Mohamed VI hat Milliarden von seinen Vater geerbt. Er hat es nicht noetig das Land auszupressen. Er steht ueber dem Tagesgeschaeft und arbeitet unaufhoerlich daran das Land voranzubringen. Kennen Sie all die teueren Infrastrukturmassnahmen, wie Strassen- und Autobahnbau, Hochgeschwindigkeitszug Tanger-Marrakech?
Jeder Spiegel Reporter kann gerne hier recherchieren und auch Kritik, so konstruktiv und wahr, wird akzeptiert.
Im Sommer verbringt der Monarch mit Familie jedes Jahr seinen Urlaub in Tetouan, bzw. Mdiq am Meer. Er ist ueberaus beliebt beim Volk und wagt sich auch ohne Bodyguards unter die Menschen. Faehrt er irgendwo vorbei, bleiben die Menschen stehen und klatschen unaufgefordert. Habe das diesen Sommer selbst gesehen. Im offenen Cabrio (Toyota Landcruiser mit Leibwaechter hinterher) als Selbstfahrer, die Menschen gruessend. Das kann ich mir etwa bei Frau Merkel nicht vorstellen (in D). Ein Tipp an Sie, halten Sie sich mit "jede Wette" zurueck. Sie koennten am Bettelstab enden.

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granathos 31.10.2016, 19:57
9. Kampf den Anti-Demokraten

da kann mal sehen was für ein großes Gut die Demokratie ist. Diese unsäglichen Typen von der Pegida und der AFD sollten deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden.

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