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Landtagswahl Niedersachsen: Der Wähler als Sadist
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Erst Schläge, dann wieder Zärtlichkeiten - was der SPD widerfährt, ist grausam. Der Wähler neigt zum Sadismus. Aber er ist auch gerecht: In Niedersachsen wurden nicht nur die Richtigen belohnt - sondern auch die Richtigen bestraft.

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sinasina 17.10.2017, 06:36
60. Der war gut:

Der war gut: »Wulf Schmiese, Reporter des ZDF, sprach den schönsten Satz des Abends, als er ihr hinterherrief: "Aber Sie bleiben in der CDU, vermute ich."«
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Ob man Herrn Schulz nun mag oder nicht: Ohne Herrn Schulz wäre die SPD weg vom Fenster.
Herr Weil und Ministerpräsidentin »Malu« Dreyer haben dies offenbar verstanden, viele andere in der SPD nicht.
Es gab Zeiten, da fand ich Herrn Olaf Scholz sehr überzeugend. Hingegen kommt er mir in letzter Zeit wie jemand vor, der auf allen Hochzeiten tanzen will und in wohlgesetzten Worten hintenherum stichelt und hintenherum agiert. Siehe Artikel in der Welt, wo Herrn Scholzs wenig freundliche Aussagen bei Frau Will zitiert wurden.
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Zur Erinnerung: Herr Gabriel wusste nur zu genau, dass er gegen Frau Bundeskanzlerin Merkel keine Chance hat. Also hat er den (als Parteisoldaten bekannten) Herrn Schulz vorgeschoben. Wobei Parteisoldat nicht negativ gemeint ist, sondern vielmehr bedeutet, dass sich ein Mensch seiner Partei so verbunden fühlt, dass er auch Aufgaben übernimmt, vor denen sich andere drücken - siehe Herr Dr. Schäuble, der auch als Parteisoldat gilt und sich laut diverser Interviews ursprünglich Vieles für seine Person auch mal ganz anders vorgestellt hatte.
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Es ist mit Sicherheit nicht weit weg von der Realität, dass sich Herr Gabriel ausrechnete: Die SPD macht weiter auf GroKo, er bleibt Außenminister und Herr Schulz übernimmt die wenig dankbare Aufgabe innerhalb der Koalition und bezieht die Prügel von der Basis.
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1. Überraschung: Herr Schulz wird fulminant gewählt.

2. Überraschung: Herr Schulz macht sehr engagiert Wahlkampf, wird aber von seinen eigenen Leuten oftmals im Regen stehen gelassen. Diesbezüglich sehr bezeichnend ein Interview mit Herrn Hubertus Heil nach der N-Wahl. Wer solche »Freunde« wie Herrn Heil hat, braucht keine Feinde mehr.

3. Überraschung: Herr Schulz tut das einzig Richtige und führt die SPD in die Opposition.

4. Überraschung: Trotz der verlorenen Bundestagswahl und Opposition-Ankündigung treten Bürger in die SPD ein.

5. Überraschung: Obwohl bei Meinungsumfragen angeblich mindestens 12 Punkte hinter der CDU, gewinnt die SPD die Wahl in Niedersachsen.
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kritischer-spiegelleser 17.10.2017, 07:12
61. Der Wähler?

Was der Whler will und was die Politik daraus macht sind zwei vollkommen unterschiedliche Sachen. Der Wähler wollte die Flüchtlingspolitik der Koalition abwählen. Er wollte weder Jamaika noch die SPD in die Opposition schicken. Das sind rein persönliche Entscheidungen der Parteiführungen! Nicht einmal der Parteien!

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fördeanwohner 17.10.2017, 08:02
62. -

Zitat von kritischer-spiegelleser
Was der Whler will und was die Politik daraus macht sind zwei vollkommen unterschiedliche Sachen. Der Wähler wollte die Flüchtlingspolitik der Koalition abwählen. Er wollte weder Jamaika noch die SPD in die Opposition schicken. Das sind rein persönliche Entscheidungen der Parteiführungen! Nicht einmal der Parteien!
Da wir in unserem Land recht viele ältere Menschen haben und bei jeder Wahl relativ wenige neue junge Wähler haben, die natürgemäß nicht so viel Erfahrung mit Politik haben, kann man nicht sagen, dass die Politik vollkommen andere Dinge tut, weil die Wähler nämlich wissen, wie es läuft und trotzdem so wählen, wie sie wählen. Will sagen: Wären alle so negativ Politik gegenüber eingestellt, würden sie ja nicht wählen oder eben ganz anders, d.h. keine etablierten Parteien.
Es wurde also weder die Flüchtlingspolitik abgewählt, zu der es sowieso sehr viele verschiedene Ansichten gibt, die in der Regel nicht der der AfD entsprechen (s. Wahlergebnis insgesamt), noch wollte der Wähler Jamaika nicht, weil diese Option ja vorher bekannt war und nicht total abwegig erschien, da sich die betroffenen Parteien vor der Wahl nicht dagegen ausgesprochen hatten. Und Umfrageergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit ja wohl die Schwampel gar nicht so schlecht fände.
Ich zwar nicht, weil ich den "Tod" der Grünen befürchte, aber die Mehrheit ja eben nicht.

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mariakar 17.10.2017, 08:31
63. Schon in den 70ziger Jahren wurde konträr

gewählt. Das ist doch nichts Neues.

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dirk.resuehr 17.10.2017, 08:38
64. Der Wähler

spiegelt die jeweilige Gesellschaft, da sind alle möglichen Charaktere dabei. Nun hatten aus irgendwelchen Gtründen, mal die Linken die Nase vorn, da jubelt der Linke, obwohl er das vierte Mal hintereinander aus der Regierung flog, er hält sich sowieso für den "Richtigen", verspricht ja auch am meisten Ob die "Richtigen" zum Wahlsieg halfen ist sehr fragwürdig. Die kamen aus der konservativen Ecke, die über 60-Jährigen, die AfD kann da mithalten. Sind das Ihre "Richtigen" Herr Augstein? Dann, pardon, sind Sie der "Falsche"und die Neuwähler der SPD sind blind und haben nicht auf die Meinungen der Linken zur Asylantenfrage geschaut. Das ist wirklich kein Grund für Triumphgeheul, ist eh albern, nun permanent ohne sachliche Begründungen auf Merkel rumzuhacken. Sagen Sie lieber, was und wie mans besser machen kann! Mehr als Alimentierung Aller fällt Ihnen auch nie ein! Dürftig, eines politischen Journalisten unwürdig. In Ihrerm Charakterisierungsversuch fehlt einer, der ideologische Utopist!

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imo27 17.10.2017, 09:00
65.

Zitat von mostly_harmless
Nö, wenn die Politik der SPD den Wählern nicht sozial genug war, hätten diese Wähler die "Linke" gewählt. Gewählt wurde aber die AfD
Typisches Beispiel für eindimensionales politisches Denken. Die soziale Situation wird nicht nur erfasst mit der Höhe der Renten. Wie naiv zu glauben, die Leute wählen die Linke, weil die 20 Euro mehr Rente verspricht. So dumm und einfältig sind die Menschen nicht.

Man muss die komplexe Lebenssituation sehen, die sich für die "hart arbeitenden Menschen" in diesem Lande verändert, um ihre Entscheidungen zu verstehen. Zumindest Frau Wagenknecht hat dies bei der Linken verstanden. Die große Mehrheit der Partei aber nicht. Daher ist die Linke in Niedersachsen auch völlig zu recht wieder mal gescheitert, wird demnächst in Hessen und Bayern auch scheitern.

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fördeanwohner 17.10.2017, 09:29
66. -

Zitat von imo27
Typisches Beispiel für eindimensionales politisches Denken. Die soziale Situation wird nicht nur erfasst mit der Höhe der Renten. Wie naiv zu glauben, die Leute wählen die Linke, weil die 20 Euro mehr Rente verspricht. So dumm und einfältig sind die Menschen nicht. Man muss die komplexe Lebenssituation sehen, die sich für die "hart arbeitenden Menschen" in diesem Lande verändert, um ihre Entscheidungen zu verstehen. Zumindest Frau Wagenknecht hat dies bei der Linken verstanden. Die große Mehrheit der Partei aber nicht. Daher ist die Linke in Niedersachsen auch völlig zu recht wieder mal gescheitert, wird demnächst in Hessen und Bayern auch scheitern.
Im Klartext heißt das doch wohl, dass die Linke sich fremdenfeindlicher geben sollte, nicht wahr? Wie sollte man sonst Ihre Anspielung auf Frau Wagenknecht verstehen?
Doch sobald es darum geht, Schwache gegen noch schwächere auszuspielen, indem man erzählt, "erst Deutsche ..., denen geht es sooo schlecht ..." usw., ist man nicht mehr links und hat auch kein Problem mehr damit die AfD zu wählen. Da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumzureden.
Persönlich bin ich kein großer Fan der Linken, jedoch bin ich inzwischen milder gestimmt, weil die ihre Linie "Gerechtigkeit für alle und nicht nur für Deutsche" nicht verraten hat.

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frank.huebner 17.10.2017, 09:45
67. Herr Augstein....setzen 6

Ich denke, Herr Augstein hat die Lage in Niedersachsen nicht verstanden. Weil hat zum Einen gewonnen, weil er beliebt ist und Althusmann zum Anderen äußerst unbekannt bis unbeliebt ist. Entwdeder er ist unbekannt, oder bei denenm die ihn kennen bzw erlebt haben, unbeliebt, weil eher arrogant rübergekommen. Althusmann traute auch keiner wirklich eine bessere Politik zu, denn er war selbst Kultusminister (bis 2013 unter dem Tiefflieger McAllister) und hat jetzt die RG-Regierung wegen der Schulpolitik kritisisiert. Die Grundsteine dafür hat er aber selbst gelegt, das vergessen die Leute nicht. Auch der Fall Twesten ist bei den konservativen (egakl, ob rot oder schwarz) nicht so gut angekommen. Niedersachsen sind bodenständig, da macht man so etwas einfach nicht. Dass der Übertritt der Twesten nicht aus Gewissengründen, sondern aus Rache an die Grünen kam, die sie nicht wieder in der Landesliste aufgestellt haben, wird der CDU auch einige Stimmen gekostet haben. Noch am Wahlvorabend war das unter uns ein Thema. Das Motto "Dafür dürfen die nicht belohnt werden!" stand im Raum.

Die CDU hat die Wahl verloren, weil sie sich in den letzten 3 Monaten so viele Schnitzer geleistet haben, dass mich das nicht verwundert.

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cabeza_cuadrada 17.10.2017, 10:51
68. um den heißen Brei herumzureden

Zitat von fördeanwohner
Im Klartext heißt das doch wohl, dass die Linke sich fremdenfeindlicher geben sollte, nicht wahr? Wie sollte man sonst Ihre Anspielung auf Frau Wagenknecht verstehen? Doch sobald es darum geht, Schwache......
herumzureden braucht man nicht mehr. Das ist mal klar. Das man jetzt sogar Sarah Wagenknecht in die "rechte Ecke" stellen darf lässt tief blicken. Abgrundtief. Ich glaube sie wären in Nordkorea ganz gut aufgehoben.

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Dogbert 17.10.2017, 10:54
69. Sadismus ?

vielleicht auch nur Schutzbedürfinis. Im Bund hat der Wähler die SPD abgestraft weil sie in der grossen Koalition mit Merkel untergegangen ist, vielleicht wollte er sie aber auch nur davor schützen noch weiter an politischer Substanz zu verlieren. Das hat schliesslich , in der Legislaturperiode davor, die FDP zerlegt. Merkel ist so etwas wie die schwarze Witwe der deutschen Politik, sie benutzt ihre Partner zum Machtgewinn und saugt sie dann aus. Alle Fehler der Kanzlerin, und davon gibt es wahrlich genug, bleiben ja nicht an ihr hängen, sondern wahlweise an den Ministern oder dem politischen Partner. Und auch die Medien gehen ihr hier auf den Leim, es wird immer von einer historischen Niederlage des Herrn Schulz geschrieben (auch und gerade vom Spiegel). Ich habe noch nirgends gelesen das Merkel der erste Politiker ist der es geschafft hat aus der Kanzlerschaft heraus ein derartig mieses Ergebnis zu erzielen. Absolut gesehen hat sie weit mehr Stimmen verloren als die SPD, stellt sich hin und sagt "Ich muss nichts an meiner Politik ändern" und statt das die presse ihr diese Realitätsverweigerung um die Ohren haut wird sie noch als "standhaft" gefeiert. Sowas geht hur in Deutschland.

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