Forum: Politik
Lehren der Geschichte und Sorgen der Zukunft: "Die EU sollte sich ehrlich machen"
Johannes Arlt/ DER SPIEGEL

Die Europäische Union, eine Friedensmacht, die Wohlstand und Demokratie gefördert hat? Der Historiker Kiran Klaus Patel zerpflückt diese Mythen - und erklärt, warum er den Brexit für "politische Normalität" hält.

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Theophanus 09.06.2019, 09:29
20. Hört ihm gut zu....

...den eines der großen Probleme der EU ist sicherlich die Überhöhung der Bedeutung. Auch ohne die EU hätten wir die letzten jahrzehnte in Frieden gelebt. Diese immer wieder gern genommene Erzählung macht die EU maximal unglaubwürdig.

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redebrecht 09.06.2019, 09:31
21. Europa, ein Friedensprojekt?

Ja, aber...Europa ist ein Friedensprojekt, so lange die Mitgliedsländer sich um Kompromisse bemühen und kein Land, keine Nation den Eindruck bekommt, benachteiligt zu werden. Eine Benachteiligung kann auf wirtschaftlichem Gebiet empfunden werden, aber auch in der Missachtung eigener Wert und Lebenseinstellungen. Wirtschaftliche Aspekte kann man noch einigermaßen mit Fakten belegen und entsprechend fair aushandeln. Sehr viel schwieriger wird es, wenn es um moralische Fragen, Religion und Traditionen geht. Was dem einen Freiheit bedeutet ist für den anderen Gesetzlosigkeit und Unmoral. Abtreibung und Kopftuch wird je nach Standpunkt, als Ausdruck der Freiheit oder als Zwang und Menschenfeindlichkeit wahrgenommen. Dieser Gegensatz wird durch das heutige Europa nicht aufgelöst, sondern eher verstärkt. Wenn in einem Land die Parteiideologie zur Spaltung der Gesellschaft führt, dann führt der Gegensatz der Ideologien zwischen Rechts und Links, auf europäischer Ebene, zur Spaltung der EU, da politische Gegensätze, wie auch religiöse Gegensätze in der Vergangenheit, schnell zu mehr Nationalismus führen. Der Nationalismus steht dann stellvertretend für den Individualismus des Einzelnen, gegen den Kollektivismus der EU. Ist in einem Staat der politische Gegensatz oft groß, so ist er umso größer zwischen Staaten, die historische eine andere Entwicklung genommen hatten. Ideologische Parteipolitik auf europäischer Ebene ist darum keine Friedenspolitik sondern Kriegspolitik.

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Schämer 09.06.2019, 09:33
22.

Es ist interessant, wie auch die politische Elite, von den man glaubt, dass sie besonders gebildet sind, einfach Platitüden von sich geben. Der Schlußsatz ist besonders gut

"Wenn man einen Strich zieht, bleibt Europa ein Erfolgsprojekt - allerdings nicht so strahlend und problemfrei, wie manche behaupten. Nur mit dieser realistischen Einschätzung kann man Euroskeptiker überzeugen."

Die Menschen werden aufgeklärter, hinterfragen mehr (auf unterschiedlichen Niveau) und somit sollte mehr mit der Bevölkerung ehrlich diskutiert werden.

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karlo1952 09.06.2019, 09:38
23. Die EU hätte nach 1958

zunächst mal mit den Gründungsmitgliedern enger zusammenwachsen müssen, d.h. mit dem Ziel gemeinsame Währung und Europäische Föderation. Dann wäre das eine überschaubare Einheit gewesen, mit der man experimentieren könnte und notwendige Anpassungen und Änderungennhätte vornehmen können. Erst wenn dann alles funktioniert hätte, hätte man auf weitere Staaten zugehen dürfen, mit den entsprechenden Bedingungen für eine Aufnahme. Aber es war ja wichtiger möglichst schnell zu wachsen und wirtschaftliche Vorteile aus dem Zusammenschluss zu ziehen, die eben vorrangig den Unternehmen zugute kamen. Die meisten Bürger blieben bis heute aussen vor, wie man in Ländern wie Polen, Rumänien und Bulgarien bestens sehen kann, wenn man mal dort war.

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Weltbild 09.06.2019, 09:43
24. Europas Friedensbeitrag

Den Sinn der Montanunion war es die Stahlproduktion in den einzelnen Ländern zu kontrollieren die Mitglied waren. Dies war damals ein gemeinsamer Nenner auf den sich die Mitgliedländer einigen konnten. Mehr war eben damals nicht drin da die Souveränitätsgadanke der einzelnen Staten noch sehr präsent war (Grenzen, eigene Währung, eigene Steuer und Finanzpolitik usw.). Heute ist die EU in vielen Bereichen präsent (Schengen, Euro, Einheitsmarkt, Qualitätsnormen usw.). Frage ist für die Zukunfts Europas ob die Integration an einer Grenze angekommen ist wobei die Mitgliedsstaten weitere Souveränität abgeben wollen oder nicht. Die nächste Etappe wäre z.B. eine gemeinsame Finanz- und Steuerpolitik. Und ganau dies ist extrem komplex bei 27 unterschiedlichen Finanz- und Steurpolitiken. Auf jeden Fall ist den Bürgern Europa nicht mehr egal, siehe die höhere Wahlbeteiligung. Für viele Mensche und Regionen ist Europa ein Segen, bloss es wird oftmals nicht so empfunden. Trotzdem ist Europa eine ständiger Prozess der Veränderung mit einem Ziel: Frieden und Werte zu erhalten durch Wohstand zu fördern.

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interessierter Laie 09.06.2019, 09:52
25. abgesehen von der völlig sinnfreien Formulierung

"sich ehrlich machen" ist dieser Beitrag eine Sammlung einseitig gewählter und einseitig interpretierter Fakten, aus denen dann Schlüsse gezogen werden. Die wichtigste Leistung der EU und ihrer Vorgänger ist nicht irgendein einzelner Beschluss oder eine politische Agenda. Es ist der Modus der Dialog, der die Politik der Eskalation überwunden hat. Die Gründe für die jahrhundertelang immer wieder aufflammenden Kriege waren oft unbedeutend. Kleine Dispute, die aus nationalpolitischen Gründen aufgebauscht wurden. Das typische politische Geschäft eben. Gibt's im Inneren Probleme, lenkt man den Blick des Bürgers auf die Außenpolitik und sucht einen Feind. Und wenn man dabei die roten Linien der anderen nicht kennt, ist die Wirkung oft viel größer als beabsichtigt. Ein exklusiver Dialog mit Demokratien hätte nur tiefere Gräben zwischen zwei Blöcken geschaffen - wie vor WK I. Vielleicht sollte sich ein Professor für Nachkriegsgeschichte auch ein wenig mit dem Davor auskennen. Wie man bei uns gesagt hat: Man kann Geschichte nicht in Häppchen verstehen wie Sprachen oder Mathematik.

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DorianH 09.06.2019, 09:53
26.

Zitat von gluonball
Dieses ewige: " Europa ist der alleinige Grund für den Frieden!" Ohne Beleg ging mir immer schön auf die Nerven damit würde dann gerne alles schlechte der EU runtergespielt.
Wo haben Sie das denn her?
Es gibt einen Unterschied zwischen "Die Europäische Gemeinschaft hat zum Frieden in Europa beigetragen" und dem, was Sie da als angebliches Zitat behaupten.

Und wenn Sie hier rumjammern, daß die EU dafür keine Belege erbracht hat, aber selbst hier ganz ohne Beleg schwadronieren, gibt das ein ziemlich schwaches Bild ab.

Sie sollten sich einen Glaser kommen lassen, denn Sie haben sich gerade Ihr Glashaus komplett zerschmissen...

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frankreiser 09.06.2019, 09:55
27. Kolonien als Mitgliedsstaaten? Geht´s noch!

Den "Austritt" von Algerien und Grönland aus der EU mit dem angestrebten Brexit zu vergleichen, diese Länder als "Mitglieder" der EU zu bezeichnen und nicht als Kolonien von einzelnen EU-Mitgliedsländern zu bezeichne - das ist schon haarsträubend. Das hat doch nichts mit seriöser Wissenschaft zu tun, und zeigt, wessen geistiges Kind dieser Professor ist

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leserandreas 09.06.2019, 09:55
28. Die Fragen sollten den Mythos zerstören

Es waren vor allem die Fragen und der Teaser dieses Interviews, die auf die Beschädigung des Mythos abzielten.
Die Entwicklung von Nachkriegseuropa ist ein sehr vielseitiger Prozess und damit ist es auch naheliegend, die Akzente für eine Beurteilung unterschiedlich zu setzen und Narrative leicht abzuwandeln. Warum auch sollte es zu unserem Wertefundus in der Europäischen Gemeinschaft gehören, alles genau gleich zu sehen, sind wir doch vor allem eine Staatengemeinschaft aus historisch unterschiedlich entwickelten Demokratien. Die Deutungshoheit aber über die Kernleistungen dieser vertragsbasierten, im Gegensatz zu kriegerisch erzwungenen Gemeinschaft ist eben auch ein Grund für die Verlässlichkeit und Perspektive, die eine solche Gemeinschaft braucht. Wie gut muss es uns eigentlich noch gehen, bis wir bereit sind, diese Basis nicht zunehmend heftig zu attackieren. Es ist wohl wie mit dem Esel. Der aufs Eis geht...

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karlo1952 09.06.2019, 09:55
29. Die Entwicklung der EU,

spätestens seit 1986, müsste eigentlich gezeigt haben, das weitere Aufnahmen von Staaten in die Gemeinschaft nur noch mehr Probleme bereiten. Stattdessen hat man aber blindlings so weitergemacht bis heute. Und jetzt wird von unserer Kanzlerin bereits wieder Serbien und Bosnien-Herzegovina die Hoffnung auf eine Aufnahme gemacht. Also aus allem nichts gelernt und fröhlich weiter so. Die Bürger werden's schon schlucken. Es werden aber immer weniger, die das wollen, aber ohne gefragt zu werden.

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