Forum: Politik
Lehren der Geschichte und Sorgen der Zukunft: "Die EU sollte sich ehrlich machen"
Johannes Arlt/ DER SPIEGEL

Die Europäische Union, eine Friedensmacht, die Wohlstand und Demokratie gefördert hat? Der Historiker Kiran Klaus Patel zerpflückt diese Mythen - und erklärt, warum er den Brexit für "politische Normalität" hält.

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DorianH 09.06.2019, 10:19
40.

Zitat von Theophanus
Auch ohne die EU hätten wir die letzten jahrzehnte in Frieden gelebt.
Jaja, einfach irgendetwas zu behaupten, ohne es belegen zu müssen - weil man es nicht mehr belegen kann -, war schon immer leicht.

Mein Fußballklub hatte mal einen langjährigen Trainer, der dann im Zuge des - schließlich verlorenen - Abstiegskampfs entlassen wurde.

Hinterher stellte er sich hin und schwadronierte, daß man mit ihm nicht abgestiegen wäre.

Da ist sowas dann immer leicht.

Also hören sie damit auf, hier Sachen zu behaupten, die Sie nicht belegen können.

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Adrianstein 09.06.2019, 10:20
41. Einengende Buchbesprechung..

.. die dem Thema Vergangenheit und nähere Zukunft der EU nur begrenzt gerecht wird. Zum Beispiel wurden die prägenden Jahre 1995 bis 2004 nicht weit genug dargestellt. Die Weltwirtschaft ausserhalb und innerhalb der EU mit nunmehr 17 zu 26 Mitglied-Staaten in diesem Zeitraum hat doch ganz neue Probleme und Regelungsnotwendigkeiten gebracht. Aber Macrons Initiative und die Bedrohung durch China, die USA und digitale Fremdbestimmung werden für die Mitglieder in der zerfaserten EU verlangen, Schutz und Sicherheit zu bieten. Dies ist der neue "Friede" in der EU Zone , von der die Ausgangsfrage des Artikels sprach, aber erstmal militärischen Frieden meinte. Frei von fundamentalen Ängsten und dauernder Arbeitslosigkeit wäre der richtige , übergreifende Begriff.

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DorianH 09.06.2019, 10:21
42.

Zitat von Schämer
Es ist interessant, wie auch die politische Elite, von den man glaubt, dass sie besonders gebildet sind, einfach Platitüden von sich geben. Der Schlußsatz ist besonders gut "Wenn man einen Strich zieht, bleibt Europa ein Erfolgsprojekt - allerdings nicht so strahlend und problemfrei, wie manche behaupten. Nur mit dieser realistischen Einschätzung kann man Euroskeptiker überzeugen." Die Menschen werden aufgeklärter, hinterfragen mehr (auf unterschiedlichen Niveau) und somit sollte mehr mit der Bevölkerung ehrlich diskutiert werden.
Der Mann gehört nicht zur politischen Elite, sondern ist Historiker.
Und das gezogene Fazit ist nicht verkehrt.

Es ist durchaus verbesserungsbedürftig, aber nicht falsch.

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robinlott 09.06.2019, 10:25
43.

Gemeinsamer Binnenmarkt verbindet. Gemeinsame Regeln verbinden. Gegenseitige Kooperation, meinethalben auch Abhängigkeiten verbinden. Gemeinsame Diskussionsmöglichkeiten (z.B. Parlament, Kommission) verbinden. Gemeinsame Währung verbindet. Alles was verbindet hilft Krieg zu vermeiden. Auch Probleme, die nur gemeinsam, da grenzüberschreitend, gelöst werden können, verbinden. Dieser Grungedanke durchzieht die ganze Entwicklung der EU. Das ist rational, sehr konkret und sollte auch jeder verstehen können.

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theodtiger 09.06.2019, 10:35
44. kein Vergleich mit Euro

Zitat von SigismundRuestig
Vor über 150 Jahren gab es schon einmal eine europäische Währungsunion - die lateinische Münzunion! Nach gut 60 Jahren ist diese gescheitert! Und die Erde hat sich weiter gedreht!
Völlig falscher Vergleich: Vor 150 Jahren gab es nicht mal innerhalb Deutschlands eine einheitliche Währung - sondern Thaler, Gulden, Mark, etc - je nach Fürstentum oder Stadtstaat. Und die Lateinische Münzunion war auch keine Währungsunion sondern ein lockerer Zusammenschluss weniger Länder, um sich über einige währungspolitische Fragen zu verständigen (Gold- oder Silberstandard hinsichtlich der Konvertibilität der unterschiedlichen weiter bestehenden Währungen). Der Euro hingegen ist eine einheitliche Währung, die sowohl binnenwirtschaftlich wie außenwirtschaftlich seit 20 Jahren stabil ist. (wurde bereits 1999 eingeführt mit entsprechenden Banknoten und Münzen seit 2002).

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Europa! 09.06.2019, 10:36
45. So wird das nichts

Herr Professor Patel versucht, die Europäische Union zu dekonstruieren. Aber im Gegensatz zu Herrn Farage oder Boris Johnson benutzt er (hoffentlich) keine direkten Lügen, sondern pickt ein paar eher abseitige Themen heraus, um steile Thesen zu formulieren. Das Prinzip ist klar: Er möchte sich interessant machen, in der Hoffnung, dass die Leute vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. Die Katastrophen zwischen 1914 und 1945 blendet er vollkommen aus - nicht weiter erstaunlich, er ist ja gerade mal 1971 geboren.

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caliper 09.06.2019, 10:49
46. Welchen wirtschaftlichen Aufschwung meinen Sie?

Zitat von joachimbruns el puente
Die Arbeit an der EWG, dem Vorläufer der EU hat wesentlich dazu beigetragen, das Misstrauen auszuräumen, mit dem sich Deutschland nach Ende des 2. Weltkrieg konfrontiert sah. Dieses gemeinsame Projekt hat die früheren Kriegsgegner erst richtig zusammengebracht und schuf mit eine Basis für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands, was heute häufig vergessen wird.
Das lässt sich weder historisch an unseren eigenen Daten belegen noch im Quervergleich mit anderen Wirtschaftsräumen belegen. Auch die Behauptung, dass wir Hauptprofiteur innerhalb der Union seien lässt sich nicht untermauern.

Unser Wachstum, unser Handelsvolumen war vor der EU (EG/EWG) sogar noch höher als in den letzten Dekaden innerhalb der Gemeinschaft. Dass China höheres Potenzial hatte und uns zunehmend alt aussehen lässt, kann man ja noch verstehen. Die USA, die ebenfalls eine lange gereifte Volkswirtschaft vorweisen kann, hat uns in der Wachstumsdynamik abgehängt. Ich gehe nicht so weit zu behaupten, dass die EU zu unserem Bremsklotz verkommen ist. Die gegenteilige Erzählung bin ich allerdings erst recht nicht bereit zu glauben, wenn man das nicht hieb und stichfest mit Fakten und Argumenten belegen kann.

Wir täten jedenfalls besser daran zu untersuchen warum andere Wirtschaftsräume besser prosperieren als uns selbstgefällig auszuruhen.

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caliper 09.06.2019, 10:55
47.

Zitat von DorianH
Jaja, einfach irgendetwas zu behaupten, ohne es belegen zu müssen - weil man es nicht mehr belegen kann -, war schon immer leicht. Mein Fußballklub hatte mal einen langjährigen Trainer, der dann im Zuge des - schließlich verlorenen - Abstiegskampfs entlassen wurde. Hinterher stellte er sich hin und schwadronierte, daß man mit ihm nicht abgestiegen wäre. Da ist sowas dann immer leicht. Also hören sie damit auf, hier Sachen zu behaupten, die Sie nicht belegen können.
Diese Kritik müssen sich aber auch diejenigen gefallen lassen die behaupten nur die EU sei der Garant für den Frieden. Beides ist rückwärtsgewandt.
Wir können uns aber auch überlegen, was schief läuft an dem europäischen Projekt. Warum fallen wir immer stärker hinter die USA zurück obwohl wir ja angeblich die wesentlich besseren Politiker haben und auch viel wirtschaftlicher mit militärischen Ausgaben umgehen?

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fördeanwohner 09.06.2019, 10:59
48. -

Zitat von mescal1
nicht Wunschdenken und "Fake news" sollen in der Diskussion regieren sondern Fakten. Die wichtigsten Aussagen sind: "Ich dekonstruiere nicht nur Mythen, sondern präsentiere eine faktische Basis." und "Nur mit dieser realistischen Einschätzung kann man Euroskeptiker überzeugen." Leider leider werden solche Aussagen fast nirgends beherzigt, nicht bei Europa, nicht bei der Flüchtlingskrise, nicht bei Klimawandel, nicht bei Verkehr. Schade schade.
1. Ist man hinterher immer schlauer, will sagen, Fakten ergeben sich aus der Betrachtung der Vergangenheit und betreffen nur das, was man betrachtet. Man kann für die Zukunft zwar bestimmte Dinge antizipieren, aber eben nicht wirklich wissen.
2. Leider wird "beherzigen" oft mit "zu 100% umsetzen/anwenden" verwechselt. Welche "Fakten/Aussagen" hätte man Ihrer Ansicht nach denn bei der Flüchtlingsangelegenheit beherzigen sollen? Und denken Sie nicht auch, dass man eben sehr oft in einer Art Dilemma steckt? Wenn man sehr viele Flüchtlinge aufnimmt, kostet das zwar viel Geld, was eine Tatsache ist, aber andererseits geht es um Menschen, deren Leben man nach Ansicht der allermeisten mit keinem Geld der Welt aufwiegen kann.
3. Kann man niemanden überzeugen, der bereits eine festgefahrene Meinung hat. Selbst Fakten helfen da nicht. Die werden zur Not auch schon mal zu "Fake News" umdeklariert.

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interessierter Laie 09.06.2019, 11:07
49. alles nicht so einfach...

Zitat von jojocw
Bei allen großen Problemfeldern der EU handelt es sich um selbsgemachte: Euro - selbstmacht, weil erstens überhaupt eingeführt und dann hat man sich an keine Regeln gehalten. Migration - kein anderes Land der Welt (bzw. Staatenbund) schützt sein Grenze nicht, und lässt sich so vor aller Welt vorführen, und dann lässt man sich auch noch verklagen, weil man angeblich gegen Rechte verstöst. Brexit - das Chaos spricht für sich, überhaupt, dass es ein Chaos gibt, wenn ein Land aus einem Bündnis ausscheidet.
All diese Projekte sind durch Kompromiss und auf der Grundlage von Vertrauen gemacht worden weil es anders nicht ging. Die Nationalstaaten wollten den EURO, aber eine gemeinsame Wirtschafts-, Fiskal-, und Sozialpolitik, vor allem aber eine einheitliche und gesicherte Erhebung volkswirtschaftlicher Kennzahlen waren nicht durchsetzbar. Die Konvergenzregeln ohne wirksame Sanktionen waren der kleinste gemeinsame Nenner.
Die Nationalstaaten wollten freien Waren- und Personenverkehr, aber eine gemeinsame Innen-, Außenpolitik und Grenzsicherung waren nicht durchsetzbar. Folglich obliegt es den Staaten, die Grenzen des EU-Raumes zu schützen, was einige offenbar nicht tun.
Das Brexit-Chaos hingegen hat mit der EU wenig zu tun. Sie hat das Problem - einen Territorialkonflikt von GB und Irland (und Spanien - Gibraltar) nicht geschaffen, sondern dadurch mitigiert, dass Grenzen in der EU an Bedeutung verlieren - und somit auch Grenzkonflikte. Jetzt ist das Problem natürlich wieder da.
Fazit: EU-Kritiker bezeichnen die nationalen Staaten als Lösung. Dabei sind sie ganz offensichtlich das Problem.

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