Forum: Politik
Linksschwenk in Griechenland: Merkels Gift für Europa

Alles sorgt sich um Athens neuen Kurs. Doch nicht Griechenland ist das Problem, sondern Deutschland. Denn das rigide Spardiktat der Kanzlerin hat die Griechen in die Rezession gestürzt. Nun muss ein Linker den Kapitalismus retten.

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schwaebischehausfrau 29.01.2015, 18:14
380. @grammonaut: Kein Problem...

Zitat von grammonaut
Können Sie mir bitte aufzeigen, über wie viele Jahrzehnte die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt haben? Was bedeutet das? Leben die deutschen nicht auch über Ihre Verhältnisse über 70% Schulden des BIPs ist ja auch Verschuldung oder? Und das seit Jahrzehnten...Bitte werden Sie doch konkreter... Sie müssten den Griechen, die sich über Jahrzehnte verschuldeten und somit auch ihren Arbeitsplatz in D gesichert haben eigentlich Danke sagen!
"Wie" die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt haben? Ganz einfach, indem sie mehr Geld ausgegeben haben als man einnimmt.
Alleine von 1999-2009 sind die Lohnstückkosten in Griechenland um 30% gestiegen. Während sie in Deutschland fast stagniert haben. Man hat eine Riesen-Party gefeiert mit geliehenem Geld seit der Euro-Einführung und bittet jetzt seine Nachbarn (die nicht mit-gefeiert haben), den Party-Service zu bezahlen.

Ja, auch Deutschland und fast alle anderen Staaten der Welt leben über ihre Verhältnisse und haben zu hohe Schulden - und genau deshalb kann man Ihnen kaum zumuten, auch noch die Schulden ihrer Dolce-Vita-Nachbarn zu zahlen. Ein Este, Schwede oder Isländer würde auch nie auf die Idee kommen, dass jemand anders seine Schulden zahlt. All diese Länder (Estland gerade erst) hatten schwere Wirtschaftskrisen und haben sich über das so unzumutbare "Kaputtsparen" über eine disziplinierte Haushaltskonsolidierung wieder saniert. Ist für einen Griechen natürlich "unzumutbar und unmenschlich"....:-)

Ach ja, das ist ja mal ein neuer Ansatz: Jeder Deutsche sollte eine Patenschaft für einen Griechen übernehmen, weil der Grieche über Jahrzehnte nur deshalb hemmungslos über seine Verhältnisse gelebt hat,um dem Deutschen seinen Arbeitsplatz zu sichern. :-). So nach dem Motto: "Nikos, morgen muß ich mir wieder einen BMW kaufen - nur damit diese Deutschen ihre Arbeitsplätze behalten können. Dabei fahr ich doch lieber Fahrrad!!
Sorry, aber ernstnehmen soll man das nicht - oder????

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EraserFS 29.01.2015, 18:16
381.

Da hat aber jemand überhaupt nicht verstanden, weswegen Griechenland überhaupt einem Spardiktat unterliegt.
Die durch den Euro ermöglichte außerordentlich billige Aufnahme von Geldern an den Kapitalmärkten und die Nutzung dieser einmaligen Möglichkeit, hat Griechenlands Schulden auf ein Niveau steigen lassen, das keine weitere Aufnahme von Schulden finanziert von ebenjenen Kapitalmärkten erlaubt.
Mit anderen Worten war Griechenland de facto zahlungsunfähig.
Lediglich Drittmittel der Troika (aus den Kapitalmärkten) sorgen dafür, dass kein Staatsbankrott angemeldet werden musste, der den griech. Staat vollends zusammenbrechen hätte lassen.

Sinn und Zweck ist es Zeit dafür zu erkaufen, dass Griechenlands Ausgabenniveau wieder selbständig tragbar ist, also der Lebensstandard (wozu auch ein maßlos inflationierter und inkompetenter Beamtenapparat gehört) nicht weiter von einem untragbaren Schneeballsystem bestehend aus immer mehr Schulden finanziert werden muss.
Dazu gehört auch, dass langsam aber sicher die Einkommen der griech. Bürger, die der Staat durch Verschuldung an den Kapitalmärkten generiert hat, sowie davon abhängige Wirtschaftsaktivitäten eingeschränkt werden.

Oder noch einfacher: Sowohl Lebensstandard als auch griech. Wirtschaftsleistung von vor 2009, beruhen auf simpler Staatsverschuldung, die nicht unendlich ausdehnbar ist - die schneeballartige Verschuldung muss also EINGESPART werden.

Dass sich die Griechen jetzt eine Regierung gegeben haben, die wieder den alten Verschuldungsmechanismus nutzen will, um den liebgewonnen aber nicht haltbaren Lebensstandard zu finanzieren, ist gleichermaßen verständlich wie fatal - für die Griechen selbst. Am Ende steht nämlich wieder der Staatsbankrott bedingt durch keinerlei Zugang zu den Kapitalmärkten, die Griechenland kein Geld mehr leihen wollen, sowie den fehlenden Mitteln der Troika, die Griechenlands Zahlungsfähigkeit mit ihren Mitteln aufrecht erhalten.

Es ist allerdings klar, dass Linke wie Tsipras und sich "im Zweifel links"-Positionierende soweit nicht denken können.

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kalif1978 29.01.2015, 18:16
382. Lieber Mitforist und alle anderen die diesen Artikel falsch finden

Schön das sie alle Stammtischparolen des Griechenbashing kennen. Aber die wirklich schuldigen scheinen ihnen nicht bekannt zu sein.
Da gibt es zum einen Hans Eichel, der zu beginn seiner Amtszeit sich ganz sicher war das die Griechen beim Euro dabei sind. Dies hat er dann mit aller Macht auch versucht umzusetzen. Und mit der Griechischen Regierung zusammen, hat er dann auch den zweiten grossen Schuldigen mit an Bord genommen: Goldman Sachs! Die haben dann munter Gelder umgeschichtet und auch beim verschwinden lassen von Positionen mitgewirkt. Der Millitärhaushalt war mit einem mal nicht mehr in der Bilanz. Und wer ist der Hauslieferant von Militärtechnik an Griechenland? Richtig, wieder wir verlogenen Deutschen.

Das hatte aber immer noch nicht gereicht um Griechenland mit an Bord zu bekommen, denn die Bundesbank hatte bedenken angemeldet. Also hat der gute Herr Eichel dafür gesorgt, das die Bundesbank nicht mehr alles zu überprüfen hat, was auch nicht mehr völlig ging, da sie auch nicht mehr alle Akten zur Verfügung gestellt bekamen.

Weiterhin hat Eichel auch dafür gesorgt, das x Beitrittsbedingungen verwässert wurden.

Die dritten im Bunde: Die (vorallem Deutschen) Kreditinstitute. Die haben anscheinend den Griechen jeden Kredit bewilligt ohne eine Bonitätsprüfung durchzuführen, denn nur aufs Rating der Agenturen zu schauen, ist nicht die Lösung, da diese Ratingagenturen ja nur Meinungen abgeben( ist deren Aussage vor Gericht gewesen). Haben sie mal versucht total überschuldet und ohne ausreichend Sicherheiten bzw ohne Bürgen einen Kredit zu bekommen?
Also kann ich nur sagen, das die Banken selbst schuld sind und sie hätten niemals mit unseren Steuergeldern gerettet werden dürfen. Man hätte nur für die Spareinlagen der normalen Bürger haften sollen und dieses Finanzpack untergehen lassen sollen.
Und natürlich ist Merkel mit ihrem Programm Schuld an der verschlimmerung. Oder was meinen sie warum wir hier trotz eines miesen Haushalts, eine Abwrackprämie, oder eine Kurzarbeitsregelung hatten. Wir haben trotz aller Schulden, Konjunkturprogramme aufgezogen.

Und zu ihrem Urlaubsgefasel kann ich sie nur bitten ihre Volksbeschuldigung mal zu hinterfragen.

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kabelbindersalat 29.01.2015, 18:16
383. nicht nur Deutschland

auch der IWF und die EZB tragen einen erheblichen Teil Mitschuld an der aktuellen griechischen desolaten Lage. Es sah zu Beginn der Krise schon schlecht aus aber wie zuletzt Herr Augstein konstatierte, ist es noch schlimmer geworden. Das war absehbar, ich erinnere mich noch gut an die BT-Sitzung in der dieses Szenario von den Linken prophezeit wurden. Auch unabhängige Experten mahnten zur Genüge aber kein Verantwortlicher will heute davon gewußt haben. Das zeigt doch nur zu gut das die BR ganz offensichtlich: die falschen Berater beschäftigt, sich einzig und allein in neoliberalen Denkmustern bewegt und nicht in der Lage ist, einfachste Zusammenhänge zu erkennen. Andernfalls bliebe nur noch der Rückschluss, dass die Verantwortlichen trotz besseren Wissen, die falschen Maßnahmen ergreifen. Alles in allem kein gutes Zeugnis für unsere PublicRelationsBundesRegierung ...

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elikey01 29.01.2015, 18:18
384. Reformen

Zitat von mats123
Richtig, und man muss betonen, dass es von unserer Seite kein Spardiktat war, sondern ein Reformprogramm, das vor allem auf eine Abschaffung unhaltbarer Zustände gerichtet war (z.B. Renten für Tote, Renten für unverheiratete Töchter, völlig überzogene Gehälter, Steuerfreiheit für die Reichen, Blindengeld für Taxifahrer, Gehaltszuschläge für das pünktliche Erscheinen bei der Arbeit, hochbezahlte Beamte ohne Beschäftigung usw.). Griechenland 2010 war eine absolute Miss- und Vetternwirtschaft.
#153
Wer diese griech. Misswirtschaft, bei der jeder machte, was er wollte, keiner was er sollte, aber alle mitmachten, auch noch im Nachhinein angesichts der Folgen und wer sie vorrangig auszubaden hat, auch noch in die Rolle des Opfers einer "Merkelschen" Spar-Diktatur pressen will, kann nicht wirklich ernst genommen werden.

Als DEU als "kranker Mann Europas" mit der Agenda 2010 schmerzlich und nachhaltig reformiert wurde, was bis heute u.a. auf dem Arbeitsmarkt nachwirkt, feierte man im Süden mediterrane Urständ mit billigen €uro-Krediten und Mrd.-schweren Brüsseler Strukturhilfen, deren Flüsse nicht kontrolliert wurden und die demzufolge in Seitenkanäle derer flossen, die an der "Quelle" saßen.

Für die fakelakisch-betrügerische, überbordende Selbstbedienungsmentalität an "Leistungen", denen nicht im Mindesten angemessene Einnahmen gegenüberstanden, nun, da die für viele schmerzhafte Entzugsphase läuft, andere in die Verantwortung nehmen und dies als "Solidarität" vermitteln zu wollen, überfordert all jene, die lediglich als "zahlendes Mitglied" in dieser Veranstaltung wahrgenommen werden.

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holik 29.01.2015, 18:23
385. Das wusste Fr. Merkel etwa nicht?

Zitat von issesdas
Zitat "Was war denn das für eine Idee - dass ein Land sich aus der Krise heraussparen kann?" Oder halt in Zukunft auch liebend gerne eine EU ohne diese "Südländer" etablieren, das wäre DIE Lösung aller aktueller Probleme
das Mit steuern was Sie da schreiben. Wie so hat sie doch das Geld gegeben.
Gerne EU ohne "Südländer".
Das ist aber Todesurteil für die "Exportweltmeister".
Mittlerweile werden die Leute in die EU gezwungen.
Weil sie ohne frisches Blut nicht überleben kann.
Ohne EU lässt sich auch ganz gut leben.
Für neue mitglieder gibt es gar keine vorteile.
Nur die Nachteile.
Fragen Sie Kroaten z.B.

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YouWinOrYouDie 29.01.2015, 18:27
386. Lustige Sichtweise der Dinge

Augstein verdreht - diesmal in erfrischend knapp genaltenen Ergüssen - natürlich wieder einmal Ursache und Wirkung und eröffnet eine infantile - eben linke - Sichtweise. Die Griechen als individuelle Bürger sind zu bedauern, keine Frage. Aber sie haben Repräsentanten gewählt, die dafür gesorgt haben, dass man sehr lange Zeit über die Verhältnisse gelebt hat, und zwar, am BIP gemessen, in rekordverdächtiger Art und Weise. Dass das alles so gut gehen wird, hat man den Scharlatanen damals geglaubt, und dass diese Scharlatane plötzlich heute die Welt in Nullkommanix in Ordnung bringen, glaubt man jetzt ebenso. Dabei ist in Wahrheit die damalige, völlig sorglose Generation, die sich es hat gutgehen lassen, der Räuber der Perspektive der jetzigen. Und immer die Verantwortung auf Frau Merkel zu reduzieren, die nach Ansicht von Hr. Augstein sicherlich auch für den nächsten Hundehaufen, in den er hineintritt, verantwortlich sein wird, läuft sich so langsam tot. Es ist nicht nur Frau Merkel, es sind die Troika, Draghi, die Kreditoren, die Steuerzahler Europas. Sie schreiben, wünschenswert wäre ein Schuldenschnitt. Sie wissen - hoffentlich!! - ganz genau, dass ein Schnitt nicht reichen wird. Also meinen Sie SchuldenERLASS. Und das erklären Sie dann erstens mal eben den Steuerzahlern der Kreditgeberländer sowie denjenigen Ländern, die es durch harte Anstrengung geschafft haben, wieder auf die Beine zu kommen.

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franz.v.trotta 29.01.2015, 18:27
387. Erwiderung

Zitat von pom_muc
Natürlich können Sie die PASOK nun als "Rechte konservative Clique" bezeichnen. Vielleicht schauen Sie sich einfach mal an wer vor der Krise mehr Regierungsjahre hatte. Die PASOK oder die Konservativen?
Die Konservativen stellten von 2004-2009 und von 2012 bis 2015 den Regierungschef. Diese Partei trägt die Hauptverantwortung für Korruption und Schuldenmacherei in Griechenland, für die Schröpfung der Armen und die Verschonung der Reichen.

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schwaebischehausfrau 29.01.2015, 18:27
388. @peterkamm-mueller: Ja sowas..

Zitat von peterkamm-mueller
Es gibt nur noch eine Möglichkeit Griechenland wieder aufzurichten. Und das ist die Ausbeutung der Gasreserven vor der Küste. Damit werden die Euroschulden getilgt und gleichzeitig wird die Drachme wieder eingeführt und das Kapitel EURO für immer geschlossen. Anders geht es nicht.
..diese naheliegendste Alternative passt aber nicht zu der griechischen Mentalität - das man für etwas, was man bekommt (hunderte Milliarden € Kredite und beretis erfolgte Schuldenschnitte) einfach auch eine Gegenleistung zahlen muss. Das Mindeste wäre gewesen, diese Assets als Sicherheiten zu verpfänden.

Griechenland (genauso wie Italien) sind keine "armen Länder". Es sind reiche Länder, in denen die Bevölkerung nur ihren eigenen Staatsapparat verarmen lassen. Das Durchschnittsvermögen in diesen Ländern ist deutlich höher als in Deutschland (u.a. weil der Deutsche zwar einen Job hat mit Einkommen, aber vieles dafür für Miete draufgeht, wären die meisten Griechen , Italiener Immobilien mit substantiellem Vermögenswert besitzen).

De facto wird verlangt dass die Menschen in Deutschland noch höhere Steuern zahlen sollen , damit die Menschen in Griechenland und den anderen Dolce-Vita-Ländern auch weiterhin keine Steuern zahlen müssen - weil das einfach "unter der Würde" eines Griechen ist.

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EraserFS 29.01.2015, 18:30
389.

Zitat von maulkorb
Also man muß sich schwer wundern, was hier geschrieben wird. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit eine schwere Wirtschaftskrise zu beseitigen, nämlich Schulden machen. Kling ziemlich komisch ist aber leider war.
Klingt nicht nur komisch sondern ist sogar fatal, wenn die Wirtschaftskrise, die bekämpft werden soll, ursächlich auf Staatsverschuldung zurückzuführen ist.
Alles was mit keynesianische Nachfragepolitk erreicht würde, ist in diesem Fall, nach einer kurzen Periode wirtschaftlicher "Erholung", eine noch schwerer Wirtschftskrise vorzubereiten. Denn wenige Jahre später existiert dasselbe Problem in einem noch größeren Ausmaß: Nicht mehr finanzierbare Staatsverschuldung/generierte Nachfrage/generierte Wirtschaftsaktivität/generierte Arbeitsplätze/generierte Einkommen.

Denn was man in Griechland beobachten kann ist nebenbei bemerkt die Umkehrung der keynesianischen Wunschvorstellung, dass mehr Schulden, mehr Einkommen gewährleistet, welches mehr Nachfrage generiert, welche widerum mehr Arbeitsplätze generiert und dadurch wiederum besteuerbares Einkommen generiert, welches die Schuldenquote sinken lassen würde. Die Wunschvorstellung besteht in der Erwartung, dass sich dieser Prozess nicht wieder automatisch umkehrt (in der Form wie er in GR zu beobachten ist).

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