Forum: Politik
Linkstrend: Warum Frank Schirrmacher irrt

Die linke Gesellschaftskritik hat das bürgerliche Lager erreicht. Nach dem britischen Kolumnisten Charles Moore fragt sich jetzt auch Frank Schirrmacher von der "FAZ", ob die Linke nicht recht behalten habe. Doch womit eigentlich?

Seite 51 von 101
Rurik 22.08.2011, 21:56
500. neoliberales Paradoxon

Zitat von klaus meucht
... Das was die Bevölkerung unter Neoliberal versteht hat mit Konservativ nichts zu tun. Der Begriff Neoliberal wie er an der Universität gelernt wird ist etwas anderes. Denn Neoliberale im Sinne der Akademiker akzeptieren keine privaten Monopole und Oligopole. Neoliberale im Sinne der Universität hätten jede Machtkonzentration schon lange zerschlagen. Eine Bank die zu gross zum Scheitern ist, würden Neoliberale (im Sinne der Universität) nicht akzeptieren...
Neoliberal ist nun mal ein mittlerweile eingebürgerter Begriff für eine politische Richtung - den meisten Menschen dürfte die akademische Diskussion und Begriffsbestimmung hierzu unbekannt sein.

Es ist aber schon, dass Sie das o.a. Paradoxon beschreiben: "Liberale" oder "Neoliberale" wären also gegen private Monopole und "vermachtete" Märkte (letzteres existiert in der Neoklassik kaum als Diskussionsgegenstand), gleichzeitig wenden sie sich gegen jeden Staatseinfluss (von Mises, Hajek). Wer aber, wenn nicht der Staat, sollte all die beschriebenen "Anomalien" denn "regulieren" - und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit "dem Markt".
Ganu abgesehen davon: bei der neoliberalen Ideologie ist es ein einer Beziehung genauso wie im Kommunismus: in der Theorie funktioniert alles perfekt..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
prefec2 22.08.2011, 22:04
501. Sozialismus

Zitat von fsiggi2
Seit 2008 hat allein die Bundesrepublik über 300 Milliarden Euro in das Bankensystem gesteckt, so dass die Staatsverschuldung inzwischen bei 83% des BIP liegt. (Quelle: Deutsche Bundesbank) Was, bitte hat das mit Kapitalismus zu tun? Es handelt sich um Sozialismus für Banken. Genau das beklagt Schirrmacher, und auch Moore.
Ich verstehe zwar ihre Kritik. Allein die Vokabeln sind falsch. Die Staatsverschuldung hat sehr wohl was mit Kapitalismus zu tun. Mit Sozialismus dafür umso weniger. Der Sozialismus kennt ein Privateigentum (wohl aber Besitz). Durch die Bankenrettung wurde aber die Gesellschaft in Form des Staates um Geld erleichtert und den Banken gegeben. Es wurden also Gelder privatisiert. Das genaue Gegenteil von Sozialismus.

All diese Maßnahmen waren nötig um nach einem Marktversagen und der daraus resultierenden Katastrophe an den Finanzmärkten diese nicht mehr selber auf die Beine kommen konnten. Es wurde also mal wieder der alte Keynes ausgepackt. Leider haben sie ihn wieder in den Schrank gesperrt. Denn sonst müssten heute die großen Vermögen wieder abgeschöpft werden um das Defizit auszugleichen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Palmstroem 22.08.2011, 22:06
502. Wo gibt es noch LINKE

Zitat von Rurik
Lieber Palmstroem, Sie haben wirklich schon viel bessere Postings gebracht. Es ist doch wirklich nicht schwer, festzustellen, dass Schirrmacher mit den "Linken" nun keineswegs die Kommunisten oder Sachwalter der untergegangenen (ost)deutschen Diktatur meinte. Steht es in der Argumentation schon so schlecht, dass man zu solchen offensichtlichen Fouls greifen muss..?
Tut mir leid - welche LINKEN meint dann Frank Schirrmacher?
Mein Gott - hoffentlich nicht Gregor Gysi oder Oskar Lafontaine! Oder gar Gerd Schröder oder Peer Steinbrück!
Sarah Wagenknecht kanns nicht sein, weil sich diese ja mutigerweise immer noch als Kommunistin fühlt.
Wer bliebe dann noch - Obama! Besser nicht!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tw1974 22.08.2011, 22:07
503. Geld?? Menschen.

Zitat von probstheida
Sie irren sich gewaltig. In der Marktwirtschaft bestimmt das Geld - nicht der Mensch. Das mag platt klingen, ist aber richtig.
(1) Das ist nicht platt, sondern schlicht falsch. Der Mensch handelt, nicht das Geld. Eine Marktwirtschaft in der Form von Tauschhandel gab es lange vor Erfindung des Geldes.
Zitat von probstheida
Die eines Menschen spielen in der Marktwirtschaft absolut keine Rolle. Der Markt kennt nur Angebot und Nachfrage - vermittelt über Geld. Wer kein oder zu wenig Geld hat, nimmt am Markt nicht teil. Echte Bedürfnisse kann ein Markt also nur befriedigen, wenn diesen Bedürfnissen Geld zugrunde liegt, mit dem man Nachfrage erzeugen kann. Und umgekehrt kann man mit noch soviel Geld kein Angebot erzwingen. Was nicht im Angebot ist, wird nicht verkauft, auch wenn ein Bedarf da wäre. Wobei dieses Problem zugegebenermaßen das geringere der beiden ist. Aber es ist da. Menschen spielen keine Rolle! Ihre Bedürfnisse zählen nicht. Alles was zählt, ist Geld. Alles Wirtschaften dient nur dme Zweck, aus Geld mehr Geld zu machen. Wenn das zufällig über das Befriedigen von menschlichen Bedürfnissen geschieht, haben die Leute noch Glück. Wenn nicht, wenn damit keine Geldvernutzung einhergehen kann - haben sie Pech. Und inzwischen gibts ja Wirtschaftsbereiche, die wunderbar funktionieren, auch extrem profitabel sind, aber das ohne auch nur ein einziges, menschliches Bedürfnis entfernt zu tangieren. Der ganze Finanzmarkt zB.... Kapitalismus in Reinstkultur.
(2) Die Marktwirtschaft wird allein von den Marktteilnehmern - letztlich also den handelnden Menschen - bestimmt. Das Geld ist nichts weiter als ein universelles Tauschmittel. Das Wirtschaften dient dem Zweck, den die Menschen ihm geben. Wenn Sie am Marktgeschehen teilnehmen, um sich einen Porsche zu kaufen, ist das ihr Zweck. WEnn jemand anderes aus anderen Gründen am Marktgeschehen teilnimmt, ist das sein Zweck. Das ist in meinen Augen eine wunderbare Umsetzung der persönlichen Freiheit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
prefec2 22.08.2011, 22:08
504.

Zitat von Trouby
Die Linke hat nicht recht! Ich empfehle dazu nur allzugern einen entsprechenden Artikel der ZEIT. Wir benötigen keine diktatorische Linkenherrschaft, wir müssen nur endlich wieder zur echten sozialen Marktwirtschaft zurückkehren und dem ungebremsten (Finanz-)Kapitalismus Einhalt gebieten. Das hat nun rein gar nichts mit Sozialismus oder gar Kommunismus zu tun, sondern dies gebietet einfach der Verstand! Ungebremster, ungeregelter Kapitalismus ist aufgrund der zerstörerischen und vor allem kurzsichtigen Ausbeutung der Umwelt (zur Umwelt gehören ausdrücklich auch alle Menschen) das Problem. Echte und gute Marktwirtschaft, die auch funktioniert, berücksichtigt Nachhaltigkeit, und somit automatisch Ökologie und soziale Belange. Dies können die Quartalssichtweisen börsennotierter Unternehmen bzw. nur auf Bonuszahlungen ausgerichtete Finanzberater nicht leisten, dies ist Aufgabe des Staates und hat rein gar nichts mit linken oder rechten Ideologien zu tun.
Sozialismus muss ja nicht zwangsläufig als Diktatur daherkommen. Nach alter Tradition ist Sozialismus eine Wirtschaftsform ohne Privateigentum wohl aber mit Privatbesitz. Die heutigen linken Theorien haben sich mittlerweile eine ganze Reihe von Eigentumsformen ausgedacht. Darin werden z.T. auch Märkte genutzt um die Verteilung von Gütern zu gewährleisten.

Eine nachhaltige Marktwirtschaft muss aber langfristig ohne Wachstum in heutigem Sinne auskommen. Das wird noch interessant.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hackworth 22.08.2011, 22:12
505. Humor ist wenn man trotzdem lacht

Zitat von
Viel mehr als Ressentiment hat die zeitgenössische Kapitalismuskritik nicht anzubieten, ihre Antriebskraft ist nicht Erkenntnisinteresse, sondern Neid.
Erlauben Sie mir, den zitierten Satz zu korrigieren:

Viel mehr als Ressentiments hat der Zeitgenosse Fleischhauer nicht anzubieten, seine Antriebskraft ist nicht Erkenntnisinteresse, sondern Neid auf Redakteure renommierter Zeitungen, die es, anders als er selbst, weit gebracht haben und sich nicht mit drittklassigen Kolumnen in Onlinepublikationen verdingen müssen.

Was halten Sie von dieser Variante "linken" Humors? :)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rurik 22.08.2011, 22:24
506. die CDU?

Zitat von Palmstroem
Tut mir leid - welche LINKEN meint dann Frank Schirrmacher? Mein Gott - hoffentlich nicht Gregor Gysi oder Oskar Lafontaine! Oder gar Gerd Schröder oder Peer Steinbrück! Sarah Wagenknecht kanns nicht sein, weil sich diese ja mutigerweise immer noch als Kommunistin fühlt. Wer bliebe dann noch - Obama! Besser nicht!
..die CDU meint er ja auch nicht und die sind ja auch schon als "links" bezeichnet worden, quasi als "schwarze Sozis":)..ich gebe Ihnen mal einen Tipp: Herr Schirrmacher sprach ja nicht explizit von Personen, sondern von Ideen - und es sah nicht danach aus, als würde er sich auf Marx und Engels beziehen..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
osos1009 22.08.2011, 22:32
507. Die etablierte Pseudo-Linke hält den Kapitalismus für alternativlos

Zitat von _meinemeinung
Sogenannte "linke" Kaptalismuskritik ist übrigens wenig hilfreich, weil die meistens "bessere Menschen" fordert und dabei außer Acht lässt, dass das Individuum durch seine Lebensumstände geprägt wird und nicht umgekehrt. Sollen lieber das "Kapital" lesen, dann verstehen sie vielleicht besser, was grade passiert.
Einfach "bessere Menschen" fordern ist in der Tat nicht hilfreich. Das wäre auch keine Kapitalismuskritik, sondern Kritik an bestimmten "bösen Menschen". Letztere sind aber das Produkt des Kapitalismus und nicht umgekehrt. Ja: Das Sein, also die Umstände, bestimmen das Bewusstsein, also ob die Menschen z.B. "gut" oder "böse" sind. Gegen "Heuschrecken" wettern oder gegen die "Spekulanten" ist nicht links, sondern pseudo-links, d.h. rechts (Geisler, ATTAC, SPD, Teile der Gysi-Partei, etc), da derartige Kritik den Kapitalismus als solchen nicht trifft, diesen sogar für alternativlos hält. Links ist nur, wer den Kapitalismus im engeren und die Waren- bzw. Marktwirtschaft im weiteren Sinn als Geißel der Menschheit erkannt hat. Zum Links-Sein gehört aber auch, den gängigen Wohlstandsbegriff radikal in Frage zustellen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
probstheida 22.08.2011, 22:54
508. ...

Zitat von tw1974
(1) Das ist nicht platt, sondern schlicht falsch. Der Mensch handelt, nicht das Geld. Eine Marktwirtschaft in der Form von Tauschhandel gab es lange vor Erfindung des Geldes.
Tauschhandel ist nicht Marktwirtschaft.

Und nein, der Mensch handelt eben nicht. Und der Markt ist blind für menschliche Bedürfnisse. Menschen können nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten handeln.

In Afrika verhunger zB. Menschen vor vollen Schaufenstern. Die haben Bedürfnisse und Fähigkeiten, Aber da "der MArkt" ihre Arbeitskraft nicht "nachfragt", haben sie keine Arbeit und somit keinen Lohn, mit dem sie ihre Bedürfnisse in Nachfrage verwandeln können.

Zitat von
(2) Die Marktwirtschaft wird allein von den Marktteilnehmern - letztlich also den handelnden Menschen - bestimmt. Das Geld ist nichts weiter als ein universelles Tauschmittel.
..dessen Menge die Menschen aber nicht frei bestimmen, und die auch nie etwas mit dne tatsächlichen Bedürfnissen zu tun hat. Die Verteilung des bewußt knapp gehaltenen "Tauschmittels" Geld obliegt tatsächlich einer verschwindend geringen Minderheit.

Übrigens ist es einer der elementaren Unterschiede zwischen einer Tauschwirtschaft und einer Marktwirtschaft der, daß Geld in der Marktwirtschaft eben KEIN Tauschmittel mehr ist, sondern selbst Warencharakter bekommt.

Sie hängen falschen Idealbildern nach!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RealityCheck 23.08.2011, 23:01
509. Aussxhlieslich als Diktatur...

Zitat von prefec2
Sozialismus muss ja nicht zwangsläufig als Diktatur daherkommen. Nach alter Tradition ist Sozialismus eine Wirtschaftsform ohne Privateigentum wohl aber mit Privatbesitz. Die heutigen linken Theorien haben sich mittlerweile eine ganze Reihe von Eigentumsformen ausgedacht. Darin werden z.T. auch Märkte genutzt um die Verteilung von Gütern zu gewährleisten. Eine nachhaltige Marktwirtschaft muss aber langfristig ohne Wachstum in heutigem Sinne auskommen. Das wird noch interessant.
Sozialismus KANN nur als Diktatur daherkommen, dieser Meinung war nicht nur Chrustschow beim Einmarsch in die Tschechoslovakei um 1968.
Er würde bei freien Wahlen sofort wieder abgewählt. Das Elend und die Hoffnungslosigkeit der sozialistischen Staaten liess sich im vorigen Jahrhundert nur um den Preis von bis zu 100 Millionen Toten aufrechterhalten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 51 von 101