Forum: Politik
Linkstrend: Warum Frank Schirrmacher irrt

Die linke Gesellschaftskritik hat das bürgerliche Lager erreicht. Nach dem britischen Kolumnisten Charles Moore fragt sich jetzt auch Frank Schirrmacher von der "FAZ", ob die Linke nicht recht behalten habe. Doch womit eigentlich?

Seite 62 von 101
tw1974 23.08.2011, 14:55
610. Korrektur

Zitat von tw1974
(1) [...] Demokratie bedeutet doch, dass die Staatsgewalt (Gesetze, Verwaltungshandeln) vom Volk ausgeübt wird.
Korrekt müsste es heißen: "mom Volk ausgeht".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Palmstroem 23.08.2011, 15:00
611. Schirrmachers Sehnsucht nach Gestern

Zitat von Rurik
..die CDU meint er ja auch nicht und die sind ja auch schon als "links" bezeichnet worden, quasi als "schwarze Sozis":)..ich gebe Ihnen mal einen Tipp: Herr Schirrmacher sprach ja nicht explizit von Personen, sondern von Ideen - und es sah nicht danach aus, als würde er sich auf Marx und Engels beziehen..
In Wirklichkeit ist Schirrmachers Schrift nichts anderes als die Sehnsucht nach der Bonner Republik - als die Welt noch übersichtlich schien und ein klares Feindbild existierte. Die Welt hat sich aber seit damals dramatisch verändert und längst ist nicht mehr der Nordatlantik die Mitte dieser Welt. Die Sehnsucht nach simplen Lösungen ist verständlich, aber für komplexe Probleme gibt es selten simple Lösungen. Wie Deng Xiaoping einst sagte - Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ih2011 23.08.2011, 15:15
612. -

Zitat von Steve Holmes
Die Marktwirtschaft ist geprägt durch Versuch und Irrtum. Verschiedene Marktteilnehmer konkurrieren mit unterschiedlichen Lösungsansätzen. Wer oder was sich durchsetzt kann man erst im Nachhinein beurteilen. An den Börsen können..... ...
Vielleicht sollten Sie es einmal damit probieren, nicht nur – wie der große Fortdenker J. Fleischhauer - in schwarz-weiß zu denken: Freie Marktwirtschaft vs. Zentralverwaltungswirtschaft [und darüber hinaus Regierungsformen inadäquat rein funktional damit zu verbinden].

1.Das Wirtschaftssystem/die Wirtschaftsordnung ist nicht naturgegeben.
2.Das Wirtschaftssystem/die Wirtschaftsordnung z. B. Kapitalismus an sich ist kein ethischer Wert.
3.Das Wirtschaftssystem/die Wirtschaftsordnung ist kein Selbstzweck

Eine Marktwirtschaft geregelt durch wirtschaftspolitische Struktur- und Prozesspolitik verhindert die von der reinen Marktwirtschaft sich zwangsweise bildenden Wettbewerbsbeschränkungen durch systemfeindliche einseitige Marktmacht (z. B. Oligopole, Monopole), verhindert bestimmte Auswüchse des reinen Kapitalismus (ungezügelten Waffenhandel, Drogenhandel, Kinderarbeit etc.), leistet soziale Absicherungen als innovative Errungenschaft nicht nur zur Sicherung des unabdingbaren sozialen Friedens (national und international) und soll das Ungleichgewicht zwischen Real- und Finanzmarkt verhindern...

Marktwirtschaft ist keine Lotterie oder Börse. Z. B. ist der ursprüngliche sinnstiftende Gedanke der Warenterminbörsen nicht die reine Zockerei ohne jedwedes Interesse die Waren/Güter auch zu erwerben, zu verkaufen und (indirekt) zu liefern, sondern die Funktion der Absicherung von Geschäften und die Steigerung der Effizienz. Hat die Mehrheit der heute an diesen Börsen vertretenen Spieler wirklich ein Interesse an den Waren oder an einer Preis- und Lieferabsicherung und welche Folgen haben diese „marktunüblichen“ Preissteigerungen z. B. für die Produzenten? Kann diese Überforderung der „Märkte“ vom Kapitalismus (= Marktwirtschaft in Reinform) verhindert werden? Kann der Kapitalismus die extrem großen Friktionsverluste beim Platzen dieser in immer kürzeren Zeitabständen stattfindenden immensen Spekulationsblasen wirklich kurzfristig ausgleichen, ohne dass ganze Volkswirtschaften oder ‚gar die Weltwirtschaft Schaden nehmen?

Man kann natürlich sagen, das ist alles egal, wenn diese Spekulationsblasen platzen und zu extremen Reibungs- und Anpassungsverlusten führen. Das pendelt sich irgendwann ein. Aber noch einmal: Wirtschaft ist kein Selbstzweck, kein Spiel, kein „Wettbewerb“ mit den „Marktpartnern“ Spieler und Croupier.

Der Halbsatz „…denn am Ende wird sich das Bessere gegen das Gute durchsetzen“ ist reiner Fatalismus und der Sache nicht angemessen, es sein denn Sie wollen Ihren Kindern das Märchen vom Kapitalismus erzählen: „Es war einmal…“

[…und ohne an diese Stelle kurz und prägnant auf die Auswirkungen dieser „Finanzblasen“ auf die „Geld- und Währung“ einzugehen…]

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Luscinia007 23.08.2011, 15:26
613. Wölfe im Schafspelz zu Zeiten der Bonner Republik

Zitat von Palmstroem
In Wirklichkeit ist Schirrmachers Schrift nichts anderes als die Sehnsucht nach der Bonner Republik - als die Welt noch übersichtlich schien und ein klares Feindbild existierte. Die Welt hat sich aber seit damals dramatisch verändert und längst ist nicht mehr der Nordatlantik die Mitte dieser Welt. Die Sehnsucht nach simplen Lösungen ist verständlich, aber für komplexe Probleme gibt es selten simple Lösungen. Wie Deng Xiaoping einst sagte - Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse!
Mit der Sehnsucht nach der Bonner Republik haben Sie ja recht. Die Bonner Republik steht für die Zeit, in der der Kapitalismus sich weislich zurückhielt, wie der Wolf im Schafspelz.
Denn es gab ja noch ein klares Feindbild, ein existierendes Gegenmodell, mit dem man um Einfluss in der Welt konkurrierte.
Da musste der Kapitalismus damals zu Zeiten der Bonner Republik ja seine humanistischen, menschlichen, sozialen Aktzente hervorheben! Das ist heute nicht mehr nötig.
Die Dummen sind nun die, die wie Schirrmacher dem Wolf im Schafspelz geglaubt haben!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
scoopx 23.08.2011, 15:32
614. Banken-Neusprech

Zitat von tw1974
(2) Derivate: Ich würde mir gerne von Ihnen erklären lassen, was Derivate sind und warum diese verboten werden sollten. Derivate sind im Grundsatz höchst sinnvoll...
Was soll das, Sie wissen doch selber, was Derivate sind.
Es nutzt ja nichts, wenn wir uns gegenseitig vorwerfen, "Schlagwörter" zu gebrauchen.

"Im Grundsatz sinnvoll" - ja, ja, das kennen wir schon. Diese ganzen modernen Finanzinstrumente und -produkte waren von Anfang an so angelegt, daß sie Mißbrauch geradezu herausforderten, andernfalls hätten wir vor drei Jahren nicht diese Finanzkrise gehabt.

Ihr ganzer Beitrag erinnert in Form und Inhalt doch stark an die Verkaufsgespräche mit Bankberatern, die Privatkunden ihre Schrottpapiere andrehen wollen. Man wirft mit Fachbegriffen und Verdrehungen um sich und hofft, daß der Kunde auf dieses Pseudo-Fachwissen hereinfällt.

Das ist in Ihren Augen sicher wieder "kein Argument", ich weiß, aber Sie lassen ja, wie viele andere Foristen auch, nur Zustimmung als "sachlich" gelten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Palmstroem 23.08.2011, 15:33
615. Paradoxe Marktvorstellung

Zitat von Luscinia007
Wenn man diese Martkwirtschaft nicht konsequent fesselt und bändigt, wird es diese Auswüchse immer geben. Weil - wie Fleischhauer ausführt, Gier und Habgier immer präsent sind - sind diese Auswüchse die Konsequenz aus einer Marktwirtschaft, deswegen sind sie systemisch angelegt. Und Sie scheinen Fleischhauers marktwirtschaftliche Ausführungen nicht verstanden zu haben. "Am Beginn dieser Krise steht eine Politik billigen Geldes, die erst dem Parkplatzwächter in Amerika zu einem Eigenheim verhalf und dann jedem zweiten Griechen zu einem Golf."
Eine gefesselte und gebändigte Marktwirtschaft ist ein Paradoxon an sich!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
AlfredS. 23.08.2011, 15:42
616. Rechts, Links, oben oder unten?

Über die Art & Weise wirtschaftlichen Handelns soll man reden, bis es keine Worte mehr gibt. Allerdings sollte man sich auf eine Basis einigen:
Es gibt kein permanentes Wachstum und irgendwann sind alle Bedürfnisse gedeckt, auch die irrationalsten. Wirtschaftliches Handeln muß nachhaltig, nicht ausbeuterisch sein. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen und leben, wenn wir im Zuge des ewigen Wachstums alles verbrauchen, was die Erde hergibt, bei gleichzeitiger Zerstörung unserer Biosphäre.

Solange die Gesetze des Marktes ihre Tauglichkeit und Berechtigung nur in ihrer Immanenz als geschlossenes System beweisen können, schieben wir ein Problem vor uns her.
Erst wenn unser systematisches, wirtschaftliches Handeln auch nach den Regeln und im Einklang mit einer Transzendenz ausgerichtet werden kann, geben wir dem Erhalt unserer Biosphäre eine Chance.
Rechts, Links, oben oder unten...wir müssen nicht nur ökonomisch in alle Richtungen denken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tw1974 23.08.2011, 15:45
617. Argument

Zitat von scoopx
Was soll das, Sie wissen doch selber, was Derivate sind. Es nutzt ja nichts, wenn wir uns gegenseitig vorwerfen, "Schlagwörter" zu gebrauchen. "Im Grundsatz sinnvoll" - ja, ja, das kennen .....
Nein, das war kein Argument. Nicht ein einziges.
Sie haben "mit Fachbegriffen um sich geworfen", ich habe nur dargestellt, worum es sich bei den so "gefährlichen" Produkten handelt und gefragt, worin dann die Gefahr besteht. Sie können das offenbar nicht erklären. Damit wird ihr Urteil über die Produkte als das erkennbar, was er m.E. ist: Ein bloßer Glaubenssatz, der sich nicht mit sachlichen Argumenten begründen lässt.

Seit Jahren wird die ewig alte Leier von den "gefährlichen Finanzinstrumenten" und den "gierigen Heuschrecken" wiederholt. Aber 99% der Personen, die mit diesen Schlagworten kommen, verstehen nicht mal im Ansatz, was da eigentlich passiert geschweige denn, dass sie erklären könnten, wo das Problem liegt. Bei Ihnen ist es offenbar nicht anders.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
EraserFS 23.08.2011, 15:49
618. .

Zitat von sysop
Die linke Gesellschaftskritik hat das bürgerliche Lager erreicht. Nach dem britischen Kolumnisten Charles Moore fragt sich jetzt auch Frank Schirrmacher von der "FAZ", ob die Linke nicht recht behalten habe. Doch womit eigentlich?
Angesichts eines planwirtschaftlich organisierten Geld- und Zinssystems, massiver staatlicher Eingriffe in die Märkte, Unmengen von Aufsichtsbehörden und gesetzlichen Regularien sowie realen Abgabenquoten jenseits von gut und böse in wirtschaftlichen Krisen vom "Scheitern des Kapitalismus" o. Ä. daherzureden, zeugt von fortgeschrittenem Realitätsverlust.

Realitätsverlust wie er in linken Kreisen Gang und Gebe ist. Oder eigentlich grundlegend für die Zugehörigkeit.
Die Linken beherrschen es nur sich die Welt ideologiekonform zu erklären und diesen Unsinn Unbedarften aufzuschwatzen (überlautstärke, Masse und Wiederholung).

Exempel dafür werden derzeit wieder reihenweise statuiert.
Neuerdings werden Ratingagenturen ins Kreuzfeuer genommen und als Erklärungsmodell für etwaige Staatspleiten herangezogen. Ein dämlicher Witz angesichts dessen, was Ratingagenturen eigentlich machen. Frei nach dem Prinzip: Shoot the messenger!

Nur ein Beispiel von vielen derzeit.

"Man kann nicht mehr ausgeben als man einnimmt, ansonsten geht man pleite."
Diesen Satz verstehen sogar Grundschüler.
Und dennoch begreifen viele nicht, dass über Jahrzehnte angehäufte Schuldenberge irgendwann unausweislich einen Staatsbankrott nach sich ziehen.
Ideologiebedingter Realitätsverlust halt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Luscinia007 23.08.2011, 15:56
619. Irrtum 1 und 2

Zitat von tw1974
(1) Warum soll das antidemokratisch sein? Demokratie bedeutet doch, dass die Staatsgewalt (Gesetze, Verwaltungshandeln) vom Volk ausgeübt wird. Auch wenn 1% der 99% des Vermögens hätten, üben die 1% immer noch keine Staatsgewalt aus. (2) Außerdem: Ihr Schluss "Vermögenskonzentration führt zu Marktbeherrschung" ist so schlicht Unsinn. Marktbeherrschung bezieht sich immer auf Marktanteile in einem bestimmten Markt. Das ist etwas komplett anderes als die KOnzentration von Vermögen. Es ist überhaupt nicht gesagt, ob und an welchem Markt die "10% Reichen" teilnehmen.
(1) Gegen den Irrglauben, die Staatsgewalt werde von Volk ausgeübt, und nicht von den Supervermögenden, empfehle ich die Walker Tapes, die belegen, wie Politik vom Big Money gekauft werden kann, auf http://www.buffalobeast.com/?p=5045

(2) Vermögenskonzentration führt zu Marktbeherrschung. Wenn ich genung Vermögen habe, hab ich auch die beste Ausgangssituation, einen Markt, den ich ins Auge fasse, zu beherrschen.
Marktbeherrschung führt zu Vermögenskonzentration, weil für die Konkurrenten nur Nischen bleiben, und das Gros an Einkünften aus den Marktanteilen an die sowieso Vermögenden geht.
Wenn Bill Gates jetzt plötzlich Lust hat, den Markt für Schuhputzmittel zu beherrschen, muss er nur ein paar seiner konzentrierten Milliarden investieren, und dann hat kein Marktkonkurrent eine Chance, egal wie qualitativ, sozial oder ökologisch verträglich oder anderweitig prädikativ wertvoll seine Schuhputzmittel sind.
Schauen Sie sich die liste der reichsten Deutschen an, und Sie finden die Marktführer in den Bereichen Discount, Versicherungen, Auto, Einzelhandel, Versandhandel, Geschäftssoftware und sogar Schrauben

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 62 von 101