Forum: Politik
Maas und die schweigende Mehrheit: Empört euch - gefälligst!
REUTERS

In Deutschland wächst die Angst. Die Ausländer sind nicht der Grund - sie sind der Anlass. Viele Bürger machen sich Sorgen um ihre ökonomische Zukunft. Da hilft es wenig, die "schweigende Mehrheit" zu kritisieren, wie Heiko Maas es tut.

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k-d.hollbecher 03.09.2018, 15:03
60. Ins Schwarze getroffen

Selten habe ich die aktuelle Situation so empfunden, wie Herr Augstein. Wenn ein eher Linker, wie Augstein, dieselben Beobachtungen macht wie ein sehr Konservativer (Henryk M. Broder), dann gibt das sehr zu denken. Dann trifft es die Wirklichkeit. Ihr eigenes jahrelanges Versagen - zuletzt mehrfach in der sogen. "Groko" - versuchen diese Politiker wie Herr Maas nun dem Bürger zuzuschieben. Das ist empörend!
Die Ursachen sind offenkundig = Staatsversagen in vielen Bereichen, z.B. Bildungspolitik, Flüchtlingspolitik, Sicherheitspolitik um nur 3 besonders wichtige Themenfelder zu nennen. Jetzt, wo die Konflikte offenbar werden und nicht mehr vertuscht werden können, nach dem "schweigenden Bürger" zu rufen, ist eine beispiellose Unverfrorenheit, die dieser Fehlbesetzung eines Ministers einfallen mußte. Sie haben jahrelang regiert und tun es immer noch. Handeln Sie endlich im Interesse das Bürgers, des Volkes.

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willi.thom 03.09.2018, 15:05
61.

ausnahmsweise ist Herr Augstein, nicht "im Zweifel links", sondern da, wo sich die Deutschen schon immer schwer taten: in der gesellschaftlichen Mitte. Herrn Maas lege ich einen Spruch aus dem Gymnasium ans Herz oder ins Gehirn: Si tacuisses, philosophus mansisses, heißt: hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph gewesen. 12 Jahre Sedierungspolitik der Regierung Merkel haben ihre Spuren hinterlassen. Und Frau Merkel aus der Uckermark hätte wissen müssen, daß ihre Landsleute auch 25 Jahre nach der Wende anders ticken als die Westdeutschen. "Wir sind das Volk" steckt noch in den Knochen der Bürger im Osten, was soll dagegen ein sog. starker Staat tun? Wahr ist , daß die Menschen im Osten gelernt haben, sich erfolgreich gegen die Obrigkeit zur Wehr zu setzen; dieses Wende-Gefühl fehlt den Westdeutschen.

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salomon17 03.09.2018, 15:05
62. Aufstand von der falschen Seite?

Eigentlich alles richtig, aber müsste dann der Aufstand nicht von der linken Seite des politischen Spektrums kommen? Müssten es dann nicht eigentlich die Linken sein, die von der beschriebenen politischen Situation profitieren? Zumal wir den ganzen Quark den rechtsliberalen Marktwirtschafts- und Wachstumsfetischisten zu verdanken haben. Warum können sich denn die Einen einen SUV nach dem anderen in die Doppelgarage stellen und bei den Anderen reicht es nicht mal dann für einen Urlaub, wenn sie einen Arbeitsplatz haben? Daran sind doch nicht die Flüchtlinge schuld, das Problem hatten wir doch schon vorher! Nur WÄRE es ein Aufstand von links, dann wäre Herr Seehofer wohl nicht so still.

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peter028 03.09.2018, 15:08
63.

Herr Augstein,
sie sprechen mir aus dem HERZEN:
Endlich jemand, der die Wahrheit schonungslos sagt. Das schaffen unsere Politiker leider nicht mehr, egal von welcher Partei.

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DukeofSoutherland 03.09.2018, 15:09
64. Netter Kommentar, aber zu kurz gesprungen

Der Hinweis auf einen globalisierten Immobilienmarkt ist zwar richtig, greift aber m.E. zu kurz. Es ist natürlich nicht nur der Immobilienmarkt ( wobei man sich die Frage stellen kann, wieso es überhaupt zulässig Eigentum an Grund und Boden zu erwerben?), sondern die Auswirkungen der ungezügelten und unregulierten Globalisierung auf alle Lebensbereiche. Die letzten ca. 30 Jahre der neoliberalen Politikgestaltung offenbaren ein Menschen- und Gesellschaftsbild der sog. Eilten, welches stark an die Vorstellungen des Adels und des Klerus zu Feudalzeiten erinnert. Logischerweise hat die überwiegende Mehrheit in diesem Land Zukunftsängste, wenn realisiert wird, dass das Geld nicht nur bei Anderen knapp wird, sondern eben auch bei bei einem selber. Und in einer Gesellschaft, in der zwar regelmäßig von "westlichen Werten" (welche denn?) geschwafelt wird, die sich aber inzwischen auf einen einzigen "Wert" reduziert hat, nämlich das goldene Kalb anzubeten, ist Solidarität nicht zu erwarten. Unregulierter Kapitalismus (Globalisierung) führt m.E. zwangsläufig zu Sozialdarwinismus. Besonders schön zu sehen beispielsweise an der fortschreitenden Monopolisierung der "Märkte", sog. Freihandelsabkommen, Lohn- und Umweltdumping etc.. Eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt (kommt mir aus der Geschichte irgendwie bekannt vor). Eine Welt, in der es wohlfeil ist moralisch begründete Forderungen zu stellen, solange man selbst nicht betroffen ist und andere belasten kann (St. Floriansprinzip).
Und die Vorstellung einer Rebellion (Revolution) des Volkes, von dem Lenin 'mal gesagt hat: "Vor dem Sturm auf den Bahnhof kaufen die Deutschen noch eine Bahnsteigkarte" (womit er zweifellos richtig lag und liegt) löst bei mir inzwischen nur noch Erheiterung aus.

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Actionscript 03.09.2018, 15:09
65. Genau richtige Analyse, Paul Krugman gibt die Lösung.

War doch garnicht so schwer. Und die GroKo macht weiter mit ein bisschen hier und da ohne grosse Veränderungen zu erzeugen. Da wird von Inklusion im Schulsystem geredet, doch Scholz spricht wie sein Vorgänger von der schwarzen Null. Vielleicht sollte die Regierung mal Paul Krugman zuhören. Was er sagt, gilt zwar für Situationen wie den Crash 2008. Doch die Situation in Deutschland an vielen Ecken und Enden ist eine katastrophale, Schulbildung, Polizei und Zoll (Kriminalität und Geldwäsche), Infrastruktur und Armut. Es ist so als gäbe es für die Regierung nur eine gute Mittelschicht, und der Rest existiert garnicht. Es wird Zeit, Schulden zu machen.

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stefan7777 03.09.2018, 15:10
66. Recht gut den Nagel auf den Kopf getroffen

"Sicherheit" ist nicht genau der Kern. Aber Transparenz, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit gehören Sicherheit dazu. Nur ein Beispiel: Der Generationenvertrag wird, von der zur Gestaltung unfähigen Politik, seit mehreren Dekaden gebrochen und geflickwerkt, am Ende zerstört. Der normale Bürger hat aber gar keine Wahlmöglichkeit aus dem marode gewirtschafteten System, das die Politik vorgibt und gestalten muss, auszusteigen. Ohnmacht ist die logische Folge!
Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern grundsätzlich für unsere Volkswirtschaft! Die Wirtschaft ist für die Volk da nicht umgekehrt. Wenn aber die Verteilung der erwirtschafteten Reichtümer nur einer kleinen Kaste zugeführt werden, dann landen wir in der Diktatur des Geldes. Anzeichen für eine Feudalherrschaft des Geldes gibt es schon allzu deutlich.
Es wird zeit - der Kapitalismus der jetzigen Form muß zur Rechenschaft gezogen werden. Das System muß lernen der Volkswirtschaft zu dienen und das Volk nicht über ihre politischen Lobbys zu Sklaven zu machen.

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priemer 03.09.2018, 15:11
67. Werte statt Ware

Sehr geehrter Herr Augstein,

leider begehen Sie den typischen Fehler eines Linken, Wertekonflikte im marxistischen Sinne materialistisch umzudeuten. Ökonomisch geht es Deutschland ausgezeichnet. Die Arbeitslosigkeit auf dem tiefsten Stand seit 1991, die Löhne in der Privatwirtschaft (nicht im öffentlichen Dienst) stark gestiegen. In dieser Lage die Staatsschulden zu erhöhen, wäre noch nicht einmal John M. Keynes eingefallen. Nichts ist also falscher, wie die „Schwarze Null“ ihrem neoliberalen Feindbild zuzuordnen.
Stattdessen stehen wir mitten in einem Wertekonflikt. Wie soll das Verhältnis zwischen EU und deutschem Nationalstaat aussehen? Wie gestalten wir Mobilität im Klimawandel so, dass Freiheit und demokratische Mitwirkung auch im ländlichen Raum gesichert sind? Wie sichern wir bei massiven Integrationsaufgaben die Werte des Grundgesetzes? Bei all diesen Aufgaben ist es nicht hilfreich, dass uns die Streitkultur und die demokratische Pflicht zur Mäßigung abhanden gekommen sind. Ihre ökonomische Sichtweise erscheint vor diesem Hintergrund fast beneidenswert naiv.

Mit freundlichen Grüßen
Jörn Priemer

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meinungsforscher 03.09.2018, 15:12
68. Kritikfähigkeit

Ich stimme Herrn Augstein selten zu, weil seine Kommentare meist zu weit weg von der Mittelschicht sind und er aus der Brille der Privilegierten spricht. Aber in diesem Fall trifft er den Nagel auf den Kopf: immer mehr meiner Freunde oder Bekannten thematisieren die ungleiche Verteilung und fragen sich, zurecht, wo das ganze Geld aus den Überschuss-Milliarden und Unternehmensrekorden eigentlich bleibt? Kinderbetreuung? FEHLANZEIGE: wir werden monatlich zur Kasse gebeten für eine mittelmäßige Kita Betreuung (s. die aktuellen Betreuungsschlüssel). Wir haben eine katastrophale Infrastruktur (fahren Sie zum Vergleich mal in den Niederlanden oder in Österreich über die Straßen). Bildung? FEHLANZEIGE! In unserer Schule muss der Förderverein die Wandfarbe und die Nachmittagsbetreuung organisieren (die dann auch wieder Geld kostet). Und die Konsequenz? Immer mehr Politikverdrossene Afd Wähler oder Ignorante, die sich nicht mehr engagieren. Mein persönliches Fazit: trotz Zugehörigkeit zur gehobenen Mittelschicht werde ich jetzt einen Nebenjob in Angriff nehmen (müssen), damit mehr Geld in die Haushaltskasse (2 Kinder) kommt. Das war vor 20 Jahren undenkbar!

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Proggy 03.09.2018, 15:13
69. Wer mobilisiert die schweigende Mehrheit eher?

Einfach mal nachdenken.
Welche Partei hat überproportional "aus der schweigenden Mehrheit der Nichtwähler" die meisten Wähler zurück an die Wahlurnen gebracht?
Das lässt welchen Schluß zu, wenn man die schweigende Mehrheit politisch verorten möchte?
Die "schweigende Mehrheit", ist nicht die von jenen gewünschte Klientel!
Die ganze Staats- und Medienapperat zittert doch lediglich (wieder einmal) vor den nächsten Wahlen.

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