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Machtoption Rot-Rot-Grün: So viel SED steckt noch in den Linken
Günter Schneider/ imago images

Debatten über Rot-Rot-Grün sorgen im konservativen Lager für wiederkehrende Reflexe: Die Linke, heißt es, sei im Grunde die alte SED. Doch was haben die heutigen Genossen wirklich noch mit der DDR-Staatspartei zu tun?

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Mesi0013 15.08.2019, 17:28
1. Solange...

es keine Neugründung dieser Partei gab sondern nur Namensänderungen bzw. Namenszusätze, solange ist es noch die ursprüngliche SED nur unter anderer Bezeichnung. Auch wenn die Mitglieder zunehmend nicht mehr Täter der DDR sein können. Natürlich war einer der Hauptgründe so zu verfahren das ungeheure Parteivermögen, mehrere Milliarden Mark, auf unrechtmäßigem Wege erlangt. Der bessere (moralische) Weg wäre eine komplette Neugründung gewesen und das Geld in einen Opferfond einzahlen.

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rm9 15.08.2019, 17:29
2.

Das die Bolschewiki ein Regime des Schreckens installieren würde, stand auch nicht im kommunistischen Manifest. Mittlerweile wissen aber die allermeisten Menschen, dass staatlicher Sozialismus ganz schnell in totalitäre Gesellschaftsformen abdriftet, da der Widerstand gegen den antikapitalistischen Systemwechsel sonst nicht beherrschbar ist. Spätestens dann, wenn sich die "geistige Revolution" im Bewusstsein der Menschen nicht so schnell wie gewünscht einsetzt. Das die Linke zum Großteil der DDR abschwört, verwundert nicht, wer würde die auch sonst wählen? Nichtsdestotrotz gibt es gerade im Osten noch einige Romantiker der Partei, die dem Arbeiter und Bauernstaat eine Träne nachweinen.

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smart75 15.08.2019, 17:29
3.

Die Anfangspunkte sind alle korrekt. Die logische Schlussfolgerung ist dann aber nicht, dass die Partei Regierungsfähig ist, sondern eben nicht, da noch viel zu viele Ungereimtheiten und ganz glar linksextremistisches Gedankengut. Wurde die nicht auch mal vom Verfassungsschutz beobachtet? Das hat die AfD noch nicht geschafft (würde ich trotzdem nie wählen).

Ist aber alles ein Zeichen der Hilflosigkeit der etablierten Parteien. Da der Protestwähleranteil zu groß ist und die Mehrheit GroKo müde ist, bleibt eben nichts anderes als RRG...

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Stäffelesrutscher 15.08.2019, 17:34
4.

Abgesehen davon, dass die NATO (und nicht die Forderung nach ihrer Abschaffung) ein Relikt des Kalten Krieges ist, ist der Artikel einigermaßen sachlich und operiert mit Fakten.
Diejenigen, die jetzt gleich wieder mit Schaum vor dem Mund in die Tasten hauen werden, könnte man fragen, wieviel Blockflötenpartei (CDU, LDPD, NDPD) in der CDU/CSU und der FDP steckt, wieviel Noske und Zörgiebel noch in der SPD stecken; und dann haben wir noch nicht über die Kontinuitäten von Filbinger, Maunz und Gehlen geredet ...

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timo.wilke 15.08.2019, 17:41
5. "Rechtsnachfolgerin" trifft es nicht ganz

Wie "Mesi0013" richtig schreibt, ist die SED die Linkspartei. Zivilrechtlich bestehen da keine Zweifel, da die SED sich niemals aufgelöst, sondern nur umbenannt hat und die WASG der SED/PDS beigetreten ist (es gab keine Neugründung!). Die SED/PDS/Linkspartei spricht gerne von der "Rechtsnachfolge", was aber zivilrechtlich nicht zutreffend ist, da es sich schlicht um dieselbe juristische Person handelt.

Wer das nicht glaubt, kann es z.B. hier nachlesen:

Martin Limpert, "Das rechtliche Ende politischer Parteien: Auflösung und Verschmelzung", in Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 1/2009, S. 140 - 154.

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Knacker54 15.08.2019, 17:43
6. Das ist doch wahrlich nicht das Problem

Das eigentliche Problem bei einer RGR-Option oder einer GRR-Option wäre doch m.E., wieviel Sozialdemokratie noch in der SPD steckt. Könnte man eine echte Alternative zur derzeitigen GroKo mit der SPD organisieren? DAS ist m.E. der eigentliche Knackpunkt! Diese Partei ist doch eigentlich gar nicht mehr existent! Alleine aus diesem Grund ist die Überlegung obsolet, ob bei der LINKEn noch SED drin ist - und wie dargelegt, ist das keineswegs der Fall. Wg. der SPD muss man sich aber ernsthaft Sorgen machen - so fern mir dieser Gedanke ansonsten auch liegen mag...

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k70-ingo 15.08.2019, 17:44
7. Nicht im Westen angekommen

Vom Grunde her ein sauberer, faktenbasierter Artikel, nur in einem Punkt irrt der Autor:
die Linke konnte sich im Westen nicht dauerhaft etablieren.

Abgesehen von einigen Universitätstädten und der Oskar-Fanszene im Saarland befindet sich die Linkspartei im Westen so gut wie überall unter der Fünfprozenthürde, oftmals sogar unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle, ist de facto also inexistent.

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Emderfriese 15.08.2019, 17:50
8. Links

Als bekennender Linker hat mich der eine oder andere Satz durchaus zum Schmunzeln gebracht. Zum Beispiel "...hätten die Genossen keine Versuche unternommen, über das Verschwinden des Parteigeldes aufzuklären." Da staunt man. Trotz aller Verbindungen der BRD mit Banken und Geheimdiensten soll es der PDS/SED gelungen sein, Milliarden zu verstecken? Wenn das so wäre, meine Hochachtung vor diesen Finanzberatern. Viel eher vermute ich, die Kohle ist in verschiedene ganz private Säckel Einzelner gegangen, die durchaus im Westen sitzen konnten. Aber wer weiß das schon wirklich...
Weiter: "...Auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau war früher in der SED, arbeitete beim Zentralrat des DDR-Jugendverbands FDJ..." Gabs da nicht auch eine Frau Merkel, die in der FDJ arbeitete? Und heute was ist? Ganz schlimm wird es, wenn sich "Linke" mit Sozialisten anderer Länder abgeben: "Etwa dann, wenn sie sich - wie Heike Hänsel - mit Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro ablichten lassen." Jo, das geht nun gar nicht. Da schon eher ein Foto des ultrarechten Bolsonaro, der gerade dem Bundesaußenminister Maas die Hände schüttelt. Das geht. Zum Schluss noch dies: "Zugleich setzen sich die Linken noch immer für die Auflösung der Nato ein - eine Position, die wie ein Relikt aus den Zeiten des Kalten Kriegs wirkt." Da musste ich vollends lachen! Nicht die NATO ist ein Relikt des Kalten Krieges, sondern die, die dieses Relikt auflösen wollen... Man sieht, die "Linke" hat ganz eigene Vorstellungen, die auch für Journalisten nicht immer verständlich sind... ;-)

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shrufu 15.08.2019, 17:50
9. Mesi0013

...und Deutschland hätte nach der Wiedervereinigung einen Friedensvertrag unterzeichnen können der Reparationszahlungen etc. einklagbar gemacht hätte. Stattdessen hat man über den zwei plus vier Vertrag getrickst.. das ganze unter uns bekannten Parteien. Ich weiß nicht ob das hohe Ross so angebracht wäre aus der Seite aus argumentiert.. toll finde ich übrigens beides nicht. Und der größte Verteidiger der Partei die Linke bin ich auch nicht. Ich hab nur teilweise ein Problem mit dem Umgang der teils "seriösten Medien" und Kritiker mit "linken" Ideen. https://www.vox.com/2019/8/14/20802129/bernie-sanders-2020-corporate-media-bias-explained

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