Forum: Politik
Macrons Reaktion auf die Gelbwesten: "Ich pfeife auf die nächste Wahl"
Philippe Wojazer / Reuters

Frankreichs Präsident Macron antwortet auf die Gelbwesten-Proteste und verspricht Steuersenkungen und mehr Bürgerbeteiligung. Neuanfang gibt es aber keinen, sagt der Staatschef. Ob das reicht?

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wasistdalos 26.04.2019, 10:11
10.

Zitat von bammy
Uns und auch den Franzosen geht es zulange zu gut... Vielleicht sollte man auch respektieren, das schon das Halten unserer Lebensqualität mitunter eine Herkules-Aufgabe für die Politik ist.
Einem Großteil von "uns" und auch den Franzosen geht es nicht gut. Ich muß nur in ein Supermarché gehen und sehe, daß die Tomaten wieder zurückgegeben werden, weil das Geld im Portemonnaie nicht mehr reicht. Und der Preis für ein Liter Heizöl liegt jetzt bei 0.96 Euro. Die Lebensqualität (wenn man das in Euro messen will) sinkt immer weiter. Auch wenn Sie oder ich das nicht merken, weil bei uns am Monatsende doch noch immer einige Scheine übrig bleiben.

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breizh44 26.04.2019, 10:22
11. Absichtlich missverstanden?

Zitat von wasistdalos
Das habe ich ja gesagt, daß die Fehler in der Vergangenheit gemacht worden sind. Und wenn Sie es als Errungenschaft sehen, wenn die Bürgermeister in Zukunft Mitspracherecht bei Schulschließungen erhalten ... Das sagt mir eigentlich alles. Frankreich ist zusammen mit Irland das geburtenfreudigste Land der EU. Und da freut man sich über Mitsprachrecht bei Schulschließungen?? Man muß dagegen kämpfen.
Erstens habe ich geschrieben "EIN Beispiel" d.h. es gibt noch andere. Zweitens war das Ende von Schulschließungen eine der Forderungen aus dem Grand Débat. Bislang wurden diese von oben verordnet und die Bürgermeister hatten keinen Einfluß darauf. Daher ja, eine, aber natürlich nicht die einzige Errungenschaft.

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Beat Adler 26.04.2019, 10:32
12. Macron ist KEIN Diktator. Ausserdem kocht er mit Wasser.

Macron ist KEIN Diktator. Ausserdem kocht er mit Wasser. Er wuerzt seine Suppe mit Euros.

Gelbwesten wollen einen Militaerdiktator installieren, der sein Ragout mit Rotwein kocht und mit Francs français wuerzt.

Macron bewegt in Sachen Neuorientierung seiner Demokratie und beim Thema Arbeit langsam schriittchenweise in die Richtung der Schweiz vor. Ein Schweizer arbeitet in seinem Leben 25% mehr wie ein Franzose. Fuer Gelbwesten geht das nicht, mehr arbeiten, um mehr zu verdienen, Ende des Monates ein bisschen Netto in der Tasche zu haben, igitt, igitt, wie brutal und unfair!
mfG Beat

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breizh44 26.04.2019, 10:42
13. Jammern auf hohem Niveau

Zitat von wasistdalos
Einem Großteil von "uns" und auch den Franzosen geht es nicht gut. Ich muß nur in ein Supermarché gehen und sehe, daß die Tomaten wieder zurückgegeben werden, weil das Geld im Portemonnaie nicht mehr reicht. Und der Preis für ein Liter Heizöl liegt jetzt bei 0.96 Euro. Die Lebensqualität (wenn man das in Euro messen will) sinkt immer weiter. Auch wenn Sie oder ich das nicht merken, weil bei uns am Monatsende doch noch immer einige Scheine übrig bleiben.
Jammern auf hohem Niveau. Die Zahlen des privaten Konsums (insbesondere in D) sprechen eine andere Sprache. Ich bestreite nicht, daß einige Menschen mit ihrem Einkommen nicht auskommen. Aber alle Lösungen vom Staat zu erwarten ist wohl auch nicht angebracht. Dessen ungeachtet haben in Frankreich die von Macron eingeleiteten Reformen bereits zu einer spürbaren Erhöhung der Kaufkraft des Durchschnittsbürgers geführt. Unter dem Eindruck der Gelbwestenproteste wurden letzten Dezember einige für später geplante Maßnahmen vorgezogen, unter Inkaufnahme weiter erhöhter Staatsschulden, was die Kaufkraft weiter erhöht hat. Die jetzt angekündigten Maßnahmen berücksichtigen den der Regierung zur Verfügung stehenden Spielraum, im Gegensatz zu den von Gelbwesten und Opposition hervorgebrachten Maximalforderungen. Diese kann nur jemand stellen, der keine Verantwortung für ihre Umsetzung übernehmen muß.

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Beat Adler 26.04.2019, 10:42
14. Macron ist KEIN Diktator. Ausserdem kocht er mit Wasser.

Macron ist KEIN Diktator. Ausserdem kocht er mit Wasser. Er wuerzt seine Suppe mit Euros.

Gelbwesten wollen einen Militaerdiktator installieren, der sein Ragout mit Rotwein kocht und mit Francs français wuerzt.

Macron bewegt Frankreich in Sachen Neuorientierung seiner Demokratie und beim Thema Arbeit langsam schriittchenweise in die Richtung der Schweiz vor. Ein Schweizer arbeitet in seinem Leben 25% mehr wie ein Franzose. Fuer Gelbwesten geht das nicht, mehr arbeiten, um mehr zu verdienen, Ende des Monates ein bisschen Netto in der Tasche zu haben, igitt, igitt, wie brutal und unfair!
mfG Beat

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mostly_harmless 26.04.2019, 10:47
15.

Zitat von wasistdalos
Einem Großteil von "uns" und auch den Franzosen geht es nicht gut. Ich muß nur in ein Supermarché gehen und sehe, daß die Tomaten wieder zurückgegeben werden, weil das Geld im Portemonnaie nicht mehr reicht. [...]
Du liebe Güte, gibts ein Spendenkonto wo man spenden kann, damit die Fanzosen nicht zu hunderttausenden verhungern? Wenn die paar Cent für ein paar Tomaten nicht mehr vorhanden sind, muss es echt schlimm um Frankreich stehen.

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seine-et-marnais 26.04.2019, 11:17
16. Erwartungsmanagement

Das 'Teasing' oder Erwartungsmangement das da betrieben wurde war wohl masslos übertrieben. Ausser vielen 'Ich wünsche' oder 'ich will' legte sich Macron auf vieles nicht fest. In einer Redepressekonferenz brillierte er, war er aalglatt, spielte er zumindest bisweilen Theater. Da waren manche Szenen 'überspielt', dermassen eingeübt, effekthaschend dass man fast von präsidialem Theaterdonner sprechen könnte. Der Big Bang blieb aus, es ist kein Big Pschiiiit, aber so richtig zufrieden ist keiner.
Ein wenig Eigenkritik, aber wir machen weiter wie bisher, vielleicht etwas schneller, auf eine erneute Präsidentschaftskandidatur wird gepfiffen (wer's glaubt wird seelig), nur der Erfolg zählt. Der Erfolg für 5 Monate harscher Proteste ist mager. Eigentlich gibt es nur einen, der Staat kümmert sich stärker um das Problem alleinstehender Mütter, und da war es höchste Zeit eine Lösung in dem Problem zu suchen dass immer mehr 'monoparentale' Haushalte in die Elendszone geraten weil der ehemalige Partner sich um die Unterhaltszahlungen, aus diversen Gründen, drückt.
Ansonsten eine Rücknahme der Desindexierung der Renten, es gibt einen Vorschlag für ein Referendum, das aber nicht den Forderungen der Gelbwesten entspricht, es gibt einen Ansatz zur Dezentralisation der eh überfällig war, er will ein wenig Proporz in die Wahlen bringen (20%), er will den Islamismus bekämpfen, er will die Einkommenssteuer senken, er will alles das, und selbst die monatelange Vorbereitung hat nicht genügt um da Konkretes zu sagen. Wer zB wissen will wie die Einkommenssteuersenkung aussieht wird urplötzlich auf die Arbeit und Funktionsweise der Regierung verwiesen, obwohl ansonsten Macron allein Entscheidungen trifft. Seltsamerweise steht der Betrag fest, 5 Mrd, aber nicht wer davon profitiert, und das Misstrauen sitzt tief. Wie tief das werden wir in den nächsten Tagen sehen bei den Demonstrationen, und das 'Referendum' für oder gegen Macron zu dem die Eurowahlen hochstilisiert werden, werden zeigen wieviel Vertrauen die Bevölkerung noch hat. Bei 23/24% kann man da selbst beim besten Willen nicht von einer breiten Zustimmung reden.
Was mich aber wundert, ein Punkt fällt bei diesem Artikel völlig unter den Tisch. Das deutsch-französische Verhältnis. Bei den wenigen Fragestellern (neben wenigen bekannten französischen Fernsehjournalisten) war die Korrespondentin der FAZ. Sicherlich kein Zufall. Und so kam es nach dem fast germanophoben Ausfall von Bayrou, der Macrons Renaissanceliste unterstützt vorgestern abend, einem Ausfall gegen die CDU, gegen AKK und die deutsche Politik im allgemeinen, es kam also zu etwas was man einen Eklat nennen müsste. Hatte sich Macron bereits in seiner Rede gegen das Schengensystem, gegen die Migrationspolitik Deutschlands ausgesprochen, kurz gegen die Migration, so wetterte er nun gegen Merkel, die schwarze Null, die deutsche Politik der letzten Jahre in einer Form dass dazu im Vergleich Salvini oder Orban nur zarte Kritik üben.
Seit gestern abend 20h15 schiesst Macron europolitisch auf Merkel, die CDU und die deutsche Politik, und er hat nun eine Konfliktpartnerschaft von Trump, über Merkel bis zu Salvini und Orban. Viel Feind viel Ehr.

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Beat Adler 26.04.2019, 11:43
17. Macrons Zauberstoeckchen....Akadakabra...Es regnet Geld vom Himmel

Zitat von seine-et-marnais
Das 'Teasing' oder Erwartungsmangement das da betrieben wurde war wohl masslos übertrieben. Ausser vielen 'Ich wünsche' oder 'ich will' legte sich Macron auf vieles nicht fest. In einer Redepressekonferenz brillierte er, war er aalglatt, spielte er zumindest bisweilen Theater.
Macrons Zauberstoeckchen....Akadakabra...Es regnet Geld vom Himmel

Ein Franzose arbeitet in seinem Leben 15% weniger wie ein Deutscher, dafuer ist seine Rente 15% hoeher. Ausgleichende Gerechtigkeit auf franzoesisch. Die Renten in Frankreich sind hoeher wie die Durchschnittsloehne. Auch ausgleichende Gerechtigkeit auf franzoesisch.

All dies braute sich seit Mitterand zusammen, all dies erbte Macron.

Was nun? Weiter wie bisher?

Noch ein Beispiel: Die 1.3 Millionen franzoesischen Kleinfirmen mit je weniger wie 9 Mitarbeitern beschaeftigen 7 Millionen Franzosen. Der Praesident ihres Verbandes tritt life am TV auf und erklaert, dass seine Kleinfirmen 700'000 offene Stellen haben, die sie NICHT besetzen koennen. Trotz Arbeitslosigkeit von 8.x%. Warum? Weil es fuer den Inhaber einer kleinen Firma einfacher ist, seine Leute laenger arbeiten zu lassen, wie die Buerokratie zu bewaeltigen, die jeder zusaetzliche Mirtarbeiter verursacht. Soll das auch so bleiben?

Entweder schafft Macron die angefangenen Reformen in den Bereichen Arbeit, Renten, Arbeitslosigkeit, Bildung, Sozialsysteme durchzusetzen, oder Frankreich duempelt weiter vor sich hin, wird endgueltig zur kranken Schwester der Eurozone, der EU.
mfG Beat

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wasistdalos 26.04.2019, 12:16
18.

Zitat von Beat Adler
Ein Franzose arbeitet in seinem Leben 15% weniger wie ein Deutscher, dafuer ist seine Rente 15% hoeher. Ausgleichende Gerechtigkeit auf franzoesisch. Die Renten in Frankreich sind hoeher wie die Durchschnittsloehne. Auch ausgleichende Gerechtigkeit auf franzoesisch.
Hallo, wo sind die Zahlen her? Rentensumme : Rentenempfänger reicht wohl nicht aus, weil die vielen Staatsbediensteten (Beispiel SNCF) sicher mehr Rente erhalten als ein normaler Arbeiter. Interessant wäre eine Auflistung:
xxx Personen erhalten bis 500 Euro monatliche Rente,
xxx Personen erhalten zwischen 500-999 Euro etc.
Das würde aussagekräftäge Zahlen geben. Gibt es hierfür eine Quelle?
Bei der deutschen Rente werden die Pensionen ja auch nicht mitgerechnet.

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breizh44 26.04.2019, 12:43
19. Punktesystem

Zitat von wasistdalos
Hallo, wo sind die Zahlen her? Rentensumme : Rentenempfänger reicht wohl nicht aus, weil die vielen Staatsbediensteten (Beispiel SNCF) sicher mehr Rente erhalten als ein normaler Arbeiter. Interessant wäre eine Auflistung: xxx Personen erhalten bis 500 Euro monatliche Rente, xxx Personen erhalten zwischen 500-999 Euro etc. Das würde aussagekräftäge Zahlen geben. Gibt es hierfür eine Quelle? Bei der deutschen Rente werden die Pensionen ja auch nicht mitgerechnet.
Eine der bereits in Macron's Wahlprogramm (ganz ohne Gelbwesten) enthaltenen und in der gesetzgeberischen Umsetzung befindlichen Reformen betrifft das in Frankreich mit vielen Ungerechtigkeiten behaftete Rentensystem. Es soll ein Punktesystem eingeführt werden, nach dem jeder für einen eingezahlten Euro den gleichen Anspruch erwirbt. Die zahlreichen Sonder-Regime, insbesondere für Beamte, SNCF, EDF etc. werden abgeschafft.

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