Forum: Politik
Marius Müller-Westernhagen: Echolos in die Nacht
DPA

Gratismut ist unter Künstlern stark ausgeprägt. Das Bekenntnis zur guten Sache folgt in der Regel, wenn der Applaus garantiert ist. Bestes Beispiel: Marius Müller-Westernhagens Reaktion auf den Eklat beim Echo.

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Hirndummy 20.04.2018, 08:49
160. Rock it, Augstein

Irgendein Missverständis hat aus Leuten wie Augstein moralische Instanzen gemacht. Oder sie zumindest selbst in den Glauben versetzt. Wahrscheinlich singt demnächst auch Helene Fischer seine Kommentare. Da erledigen wir schnell noch mal die Rock- und Popkultur. 50 Jahre auf der Bühne? Da könnte man ja mal auf die Idee kommen, nachzudenken, wie das wohl paar Steinwürfe weiter von der SPIEGEL-Zentrale vor 50 Jahren gewesen sein mag. Damals in Hamburg. Palette, Grünspan, Onkel Pö, Fabrik, Musikhalle, Kiez, Karolinenviertel...
Als "Kitsch-Produzenten" - auch wie Westernhagen - es waren, die Musik und Jugendkultur in Deutschland neu definiert haben. Auch Voormann, der ebenfalls seinen Echo zurückgab, gehört in diese Rotte. (Voormann? Einfach auch googeln, Herr Augstein.)
So liest sich der Text, als ob da jemand seine Vorurteile und Halbwissen in die Tasten dröselt, alles zu einem Text vermengt, der wieder diese Augsteinschen Schwingungen hat. Irgendwie Konservative Wende, irgendwie aber auch nich festnageln lassen, irgendwie Bedienen von Vorurteilen, irgendwie Brustschwimmen im Mainstream, irgendwie den Mainstream aber auch näselnd verachten.
Baiser. Das ist es. Man will es haben. (Ich lese das ja auch immer gern und es ersetzt locker zwei doppelte Espressi) Aber kaum hat man es im Mund, ist es auch schon weg...

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spon-facebook-1338657918 20.04.2018, 08:50
161. Westernhagen hat selbst diskriminiert

Westernhagen hat mit seinem Song über Dicke eine Gruppe von Menschen beleidigt und diskriminiert. Darüber hat sich niemand aufgeregt. Hätte er gesungen "bin froh das ich kein Jude bin" oder "kein Behinderter" wäre wahrscheinlich ein Aufschrei durch das Land gegangen.

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urbanism 20.04.2018, 08:53
162. eine typisch Deutsche Szenerie

Ja, das ist doch das was ich sage, dass diese ganze Szenerie wieder dieses typisch deutsche pseudo liberales Heuchlertum wiederspiegelt. Wenn Leute wie Kollegah und Kumpel wirklich Antisemitische Texte verfassen und diese verbreiten, frage ich mich warum hier der Staatsschutz und die Gerichte nicht eingegriffen und somit wieder komplett versagt haben. Sollten die verbreiteten Musikstücke juristisch einwandfrei sein, frage ich mich was die Hetze gegen diese Künstler soll? Sie haben den Preis nach den Statuten des Echos korrekt bekommen. Das jeder einen anderen Musikgeschmack hat ist eine Sache, dass man aber Hetze betreibt nur weil man die Texte für anrüchig oder falsch hält, ist m.E. schon eine Art von Faschismus, aber nicht eine Fahne für die Meinungsfreiheit, die sich die Deutschen ja so gern auf ihre Stirn schreiben. Und ehrlich gesagt neben Marius Müller-Westernhagen geht mir auch der in die Jahre gekommene Berufsanarchist Campino mit seiner Weltanschauung, die nur aus 2 Meinungen besteht, nämlich der eigenen und der falschen, ziemlich auf den Sender.

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mostly_harmless 20.04.2018, 09:00
163.

Zitat von Malcom Flux
Denn nichts anderes als blanke Heuchelei ist das, was aktuell Westerhagen und Co bzgl des Echos abziehen. Mann kann sich nun super positionieren und so tun, als ob man (urplötzlich) ein moralisches Gewissen entwickelt hat. Dass der Echo seit 10 oder mehr Jahren eigentlich eine reine Spaßveranstaltung der Industrie ist, kommt noch dazu. Ich find persönlich einfach aktuell dieses Rumgeplärre von Westernhagen und co schlicht amüsnt. Und es bleibt simple Heuchelei.
Heuchelei ist wohl eher das, was Fleischauer und seine Claqueure mal wieder abliefern. In Wirklichkeit geht es schlicht darum, dass diese Leute es schlicht nicht ertragen können, wenn Leute für Ihre Überzeugungen und - VOR ALLEM - gegen Rechts, gegen Xenophobe oder geegen Antisemiten einstehen. Da gehen sie hoch, die rechten HB-Männchen. Ob es sich dabei um Westernhagen, Grönemeyer oder Schweiger handelt, ist irrelevant. Hauptsache man kann diesen Leuten irgendwas unterjubeln, was sie auf das eigene niedrige Moral-Niveua heruterzieht. Darum gehts und um nichts sonst.

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kajoter 20.04.2018, 09:02
164. Volle Zustimmung

Eines vorab: Der Echo ist ein Musikpreis - - - und alle reden über Texte.
Natürlich gehören die bei Pop & Co. dazu. Aber für mich ist es nur schwer erträglich, wenn Pop-Nummern z.B. von sogenannten Musikjournalisten hochgejubelt werden, weil ihre Texte den Zeitgeist treffen würden oder weil .... hier setze man irgendeine zeitgeistige, hippe Begründung ein ..., und gleichzeitig erblickt man ein musikalisches Ereignisfeld, das einer Einöde entspricht.
Gut, Musikjournalisten verstehen in der Regel nichts von Musik an sich. Daher kaprizieren sie sich ja auf Texte und Image-Betrachtungen. Dabei könnte ein genauerer Blick auf die durchaus messbare musikalische Qualität sehr hilfreich sein und diese Trittbrettfahrer entlarven. Denn z.B. Müller-Westernhagen, Lindenberg und zum Teil auch Grönemeier geben ja immer ein immenses Engagement vor. Nun sollte man sich doch fragen, warum sie dieses nicht auf dem Gebiet der Musik an sich zeigen? Keiner von ihnen ist aber in der Lage, selbst einen simplen Jazz-Standard in puncto harmonischer Raffinesse zu erreichen. Keiner zeigt auch nur den Hauch von formaler Innovation oder Wagemut und die melodischen Qualitäten sind gleichfalls mehr als überschaubar. Also konzentrieren sie sich eben auf Texte und selbst dort sind sie eigentlich nicht wirklich ambitioniert. Sie spiegeln halt das wieder, was sie als weit verbreitete, jugendliche oder populär-kritische Denkansätze zu erkennen glauben. Damit kompensieren sie ihre eigentliche Unambitioniertheit und ihr begrenztes, musikalisches Können. Und das wird eben verstärkt durch den PR-trächtigen, o.a. "Gratismut".
Beispiel Lindenberg: Die Hamburger Autonomen protestierten in den 90-ern gegen den Umbau des ehemaligen Theaters "Flora" zu einer Musicalbühne. "Scheiss-Kommerz" und so weiter. Die Lage spitzte sich immer weiter zu, bis der Gedanke eines linksautonomen Kulturzentrums aufkam. Lindenberg war natürlich sofort vor Ort dabei, zeigte sich völlig solidarisch und griff die dabei entstandene PR dankend ab. Danach lief für das nunmehr "Rote Flora" genannte Haus nicht alles problemlos und jeder, der an ihm heute vorbeifährt, fragt sich, wann es denn vom dringenden Sanierungsfall zum Totalschaden werden wird. Nun sollte man doch meinen, dass sich ein derartig vehementer Fürsprecher wie Lindenberg auch nach der PR-trächtigen Gründungsphase um dieses Projekt gekümmert hätte. Die Antwort sollte sich jeder selbst geben können.
Ja, auch Pop & Co. kann durchaus kreativ und anspruchsvoll sein. Dass es das in Deutschland nicht ist und dass wir hier z.T. sehr merkwürdige Gestalten unter den Erfolgreichen haben, ist eine lange Geschichte, die diesen Rahmen sprengen würde. Dass sich aber ein Volk derartig entblödet, Trittbrettfahrern mit einem gen Null gehenden künstlerischen Output wie Westernhagen in die Stadionkonzerte zu folgen, ist schon ein Armutszeugnis. Zur gleichen Zeit spielen ambitionierte Jazzbands oder Progrocker für 50 € in einer kleinen Musikkneipe um die Ecke oder spulen ihr tägliches Übungspensum ab. Und man schaue sich nur die künstlerische Qualität von Pop in Frankreich an. Die dortigen Künstler haben es nicht nötig, Trittbrettfahrten anzustreten.

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Nesselzelle 20.04.2018, 09:04
165. Die Hütte brennt

Fleischhauer steht mit einem Glas Wasser daneben und schüttet es in die Steckdose. Ich habe den Echo nie gesehen, deshalb ist mir die herausragende und artikelstiftende Bedeutung MMWs für die Nominierung und Verleihung nicht bekannt. Wenn ich im Auffangbecken eines Dixi Klos schwimmen ginge würde ich mich nicht über Klopapierreste ärgern.

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menton 20.04.2018, 09:07
166. erfrischende Kolumne!

Danke, Herr Fleischhauer.

Ich freue mich auf jede einzelne Ihrer Kolumnen und schaue täglich in SPON als erstes ob es hier wieder etwas Neues gibt...

Auch wenn ich nicht immer zu 100 % Ihrer Ansicht bin (bei Westernhagen bin ich es - ein fürchterlich aufgeblasener Schlageraffe!) - ist es jedenfalls angenehm, im SPON auch mal eine andere als die typischen halblinken bis linken Konsensmeinungen auf nüchterne und nicht aufgeregte oder rechtsradikale Art dargelegt lesen zu können. Gerne auch mal mit einem guten Schuss Ironie und Zynismus.

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Anna156464641156 20.04.2018, 09:10
167. Wie gibt man den Preis zurück?

Vorab ich kenne mich mit dem Echo null aus und im Grunde ist mir die Nummer egal. Aber je mehr den Preis abgeben um so mehr frage ich mich wie so eine Rückgabe eigentlich abläuft. Also im ernst. Sendet man die Trophäe zurück? Kommt die Jemand abholen? Bringt man die wieder vorbei? Und was passiert dann mit dem Ding? Oder kündigt man das einfach nur Großspurig an und es passiert eigentlich nichts? Und bekommt man nicht auch Geld, wenn man den Preis gewinnt? Wird das von den ganzen Zurückgebern dann wieder überwiesen? Oder wird der Betrag gespendet? Und wie sieht es mit älteren Titeln aus. Wird dann der Preis dann mit der Inflation Deflation gegengerechnet, damit es dem echten Betrag entspricht? Oder erhalten die nur dieses Teil und paar Schlagzeilen?

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menton 20.04.2018, 09:23
168. der Vergleich hinkt aber gewaltig!

Zitat von pygmy-twylyte
Ich stimme Westernhagen zu: Die deutsche Jugend hört die falschen Lieder! Wie wäre es denn mit Großmeister Frank Zappa und Songs wie "Why does it hurt when I pee?" (... my balls feel like a pair of maracas ...) oder "Catholic Girls" (... she was sucking cock ...)? - Zappa galt als Bürgerschreck, und seine Texte waren alles andere als politisch korrekt. Nun war er aber intellektuell wie auch als Musiker und Komponist einzigartig. Und das unterscheidet ihn von der grauen Masse belangloser und talentfreier Schlagersänger wie Helene Fischer, Marius Müller-Westerhagen, Peter Maffay und vielen anderen, die im Übrigen auch nichts zu sagen haben und für nichts stehen. Hauptsache der Rubel rollt!
Auch ich bin ein großer Zappa - Fan. aber ein anerkanntes musikalisches Genie, wie Zappa, mit Schlagersternchen, wie Helene Fischer oder Westernhagen, oder gar mit prolligen Teenagerstars wie Farid B. oder Kollegah zu vergleichen, macht doch wohl keinen Sinn.

Bei Zappa ging es um musikalische Neuerungen. Dass die Texte auch anstößig waren, kommt lediglich dazu. Bei den anderen genannten, ist die Musik ein durchwegs innovationsfreies "lalala", das sich von anderen Massenprodukten nur durch Text oder zur Schau gestellte Haltung, Aussehen des Interpreten o.ä. unterscheidet....

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Aberlour A ' Bunadh 20.04.2018, 09:29
169. Fleischhauers "Gratismut"

Dass ausgerechnet jemand, der eine Kolumne schreibt, dass Wort "Gratismut" gegen einen Künstler verwendet, den er nicht leiden kann, ist eigentlich der Witz der Jahrhunderts. Denn Kolumnenschreiben ist Gratismut per Definition. Unter der Überschrift Kolumne darf man jeden Dünnpfiff zu Papier bringen - wie auch von Fleischhauer hier wieder geschehen - und wenn man sich journalistisch auf Abwegen befindet, kann immer der Joker gezogen werden, weil es sich ja "nur" um eine Kolumne handelt, nur eine Meinungsäußerung in Kurzform eben, für die gründliches Recherchieren und fein ziselierte Abwägung nicht verlangt werden kann. "Gratismut" eben. "Noch drei Künstler, die ihre Preise loswerden, und ich schreibe eine Verteidigung der beiden Rapper, die den Skandal auslösten." Na, dann mach es doch du Läppchen, denn darauf wäre ich echt mal gespannt. Hat er natürlich nicht gemacht, sondern nur angedroht. "Gratismut" eben.

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