Forum: Politik
Masse und Macht: Man kann dem Volk nicht trauen

Vielleicht sollten wir zum Dreiklassenwahlrecht zurückkehren: Jeder bekommt so viele Stimmen, wie er Steuern bezahlt. Oder wir gewichten nach verbleibender Lebenszeit. So wie bisher kann das Wahlrecht jedenfalls nicht bleiben.

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spon_2316845 04.07.2016, 15:50
60. Journokratie

Ob das Volk "richtig" abgestimmt hat bestimmen wohl Journalisten. Und die sind sich einig, dass ein Austritt aus der EU grundsätzlich schlecht ist.

Bezeichnend, dass ein Journalist für repräsentative Demokratie ist. Den Verdacht, dass Politikelite und Journalisten eine Kaste sind, erhärtet dies einmal wieder.

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goffyd 04.07.2016, 15:51
61. luxemburger modell

wahlpflicht ist die einfache antwort, und zwar gleich wo auf der welt sich der staatsbürger befindet.

Dass GB in seiner Auffassung von parlamentarischer demokratie dem Kontinent 200 jahre hinterherhinkt ist ein anderes problem, aber wenn der staat eine abstimmung veranstaltet erwarte ich dass mich der staat über beide möglichkeiten ausgiebig informiert und nicht nur ein ja oder nein zur wahl stellt und alles andere nicht-demokratischen verbänden überlässt, und dann auch noch die einfache mehrheit für einen völkerrechtlichen entscheid zuläßt. vermutlich bin ich aber nur zu alt um mich mit dem grassierenden populismus anzufreunden.

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muellerthomas 04.07.2016, 15:51
62.

Zitat von jeze
Warum soll man den Menschen, welche die meiste Erfahrung haben und die größte Weisheit besitzen das geringste Stimmrecht einräumen? Genausogut könnte man dann sagen, das Bundeskanzler und Bundespräsident nicht älter als 40 sein sollen. Diese Diffamierung der Alten als Menschen, die nicht mehr 1 und 1 zusammenzählen oder einen klaren gedanken fassen können, ist unerhört.
Der Hintergrund ist doch nicht, dass man älteren Menschen keine klaren Gedanken mehr zutraut, sondern dass 70jährige von der Wahlentscheidung - also hier dem Brexit - kaum noch betroffen sind.

Also ich lehne eine solche Gewichtung ab, ich wollte nur den gedankengang klarstellen.

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muellerthomas 04.07.2016, 15:53
63.

Zitat von Reziprozität
Auf die Brexit-Abstimmung bezogen ist dies unzutreffend. Zutreffend hingegen ist, dass die Jungen (18 bis 24-jährig) zu weit mehr als 60% der Abstimmung ferngeblieben sind, während die Oldies zu mehr als 80% an der Abstimmung teilgenommen haben. Und genau diese 60% Jungen ereifern sich nun auf Twitter und Co die Alten hätten ihnen die Zukunft gestohlen. Absurd. Demokratie heisst Verantwortung übernehmen, ist Teilhabe und wer nicht wählen geht ist selbst schuld.
Woher wissen Sie, dass sich nun die 60% der jungen Wähler, die nicht zur Wahl gegangen sind, "ergeifern"? Spricht nicht einiges dafür, dass sich eher die 40% der jungen Wähler, die gewählt haben, über das Ergebnis aufregen?

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KayYou 04.07.2016, 15:55
64. Sarkasmus...

Kann man ja verstehen. Auch den Hang zur Monarchie. Weil die doch dem Leistungsgedanken entspricht - da hat sich wer noch vor der Geburt gegen Millionen andere durchgesetzt.
Zurück zum Thema. Das Referendum im UK hat gar keine Gesetzeskraft. Jetzt müsste das Parlament mit seiner absoluten konservatien Mehrheit darüber abstimmen. Der amtierende konservative Premierminister hat schon einmal angekündigt, nicht wie versprochen den Ausstieg formal zu beantragen. Die konservativen Wortführer des Brexit machen sich gerade vom Acker (planen wahrscheinlich ihre Dolchstoßlegende). Wie schön, dass sich der Autor keine Illusionen über die Leute macht. Aber wehe, man hätte das vorher gesagt.

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gero_rudolph@hotmail.com 04.07.2016, 15:56
65. Demokratietheoretisch kann man am Brexit wenig aussetzen.

Doch, da von der wahlberechtigten Bevölkerung unter dem Strich weniger als 33,5 % für den EU-Ausstieg votiert haben, und das bei einer mehr als demagogischen Fragestellung mit nur ja oder nein als Antwort: weit entfernt von demokratischen Prinzipien.

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blurps11 04.07.2016, 15:56
66.

Zitat von Mvk
Da ist sie wieder, die Angst der Besitzenden vor der Demokratie (und durch den Brexit aktueller denn je). In der BRD werden Teile der Bevölkerung systematisch kleingehalten, das fängt schon im Mutterleib an, geht über KiGa, Schule, Ausbildung, Studium und setzt sich in der ......
Selbst wenn das so wäre, würde ausgerechnet der Brexit aber sicherlich nicht als gegenmittel taugen. Die Teile der Tories, die jetzt wahrhscheinlich an die Macht gespült werden, sind knallharte neoliberale Kampftruppen.

Gerade die Armen und Benachteiligten wird die Entscheidung buchstäblich teuer zu stehen kommen. Die ersten Pläne für eine Umschichtung der Steuerlast gibt es ja schon.

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schreckgespenst 04.07.2016, 15:57
67. blubb

Zitat von joerg.braenner
Ich finde es schon abenteuerlich, wie Sie hier über das "einfache Volk" und dessen Dummheit schwadronieren. Auch ich stamme aus diesem Teil der Bevölkerung und bin mir der Schande bewusst, nicht in adeligem oder dann doch wenigstens einem schwerreichen Elternhaus geboren worden zu sein. [...]
Es ist traurig, wie Ironieresistenz mind. 75% der Leser und Kommentierer sind. Fleischhauer zeigt doch durch seinen Kommentar lediglich die Schizophrenie des linken Lager hinsichtlich deren Demokratieverständnisses auf. Dort sind Volksentscheide zu begrüßen, wenn sie linke Meinungen bestätigen und bei anderen Ergebnissen sind diese zu verdammen.

Wunderbar konnte man dies bei Augstein sehen, der die Volksabstimmung in Griechenland über das Sparparket bewunderte und der Brexit-Abstimmung dagegen die Berechtigung absprach.

Durch die ironische Überspitzung zeigt Fleischhauer doch nur die Konsequenz eines solchen Demokratieverständnisses auf:
Wenn ich den Wähler für zu doof halte, über den Brexit abzustimmen, wieso halte ich ihn dann für intelligent genug, Politiker zu wählen, die über den Brexit entscheiden können.
Im Grunde sagt die Kritik an der Brexit-Abstimmung viel mehr über die Kommentatoren als über die britischen Wähler aus. In deren Augen ist das Volk nicht nur zu blöd für Volksabstimmungen, sondern eigentlich auch zu blöd für "normale" Wahlen.

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nemster 04.07.2016, 15:57
68. Oh je, Fleischhauer

das war es jetzt? Die Speerspitze des konservativen Intellektualismus? Gefangen zwischen masochistischen Untertanenfantasien und dem - wirklich realitätsvergessenen - Glauben, irgendwie intelligenter zu sein, mehr Durchblick zu haben, als der verachtete Pöbel, während er, würde sein seltsames Gehechel nach einem intelligenzbasierten Mehrklassenwahlsystem erhört, in Wirklichkeit, qua Doofheit, bereits an der untersten Stufe scheitern müsste. Mein Mitleid hat er.

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jeze 04.07.2016, 15:57
69.

Zitat von Claudia Cregg
Einige haben es gemerkt, die meisten nicht: Der Anfang (Monarchie, Dreiklassenwahlrecht) ist Satire. Das benutzt Herr Fleischhauer, um der Leserin zu erklären, dass man nicht einerseits für Volksabstimmungen sein kann, wenn es einem passt (Griechenland), und dagegen, wenn nicht (Brexit).
Bei Griechenland hat die Volksabstimmung aber ebenfalls niemandem gepasst.

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