Forum: Politik
Meinungsfreiheit: Was genau darf man nicht sagen?
DPA

Ex-Handballer Stefan Kretzschmar redet missverständlich - und wird übers Wochenende zum Testimonial der Rechten. Was meinen die eigentlich wirklich, wenn sie sagen, es gäbe in Deutschland keine Meinungsfreiheit?

Seite 1 von 61
seinedurchlaucht 14.01.2019, 16:51
1.

Ganz einfach, Herr Kuzmany: Möchte man eine andere Flüchtlingspolitik als CDU/SPD/Grüne/Linke, eine andere oder gar keine EU, bekommt den Stempel: Nazi. Das ist dann Meinunsfreiheit in Deutschland. Es ist das Totschlagargument, wenn man sonst keine Argumente hat. Trotzdem möchte ich eine andere Flüchtlingspolitk, keinen Euro mehr und keine EU.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Jan74 14.01.2019, 16:51
2. Es gibt eine eingeschränkte Meinungsfreiheit

Natürlich gibt es in Deutschland eine Meinungsfreiheit. Allerdings sollte der Autor bedenken, dass z.B. Herr Sarrazin weil er eine ganz einfach Wahrheit aussprach, nämlich, dass es mit der Integration von Muslimen in Deutschland Probleme gibt, zur Unperson erklärt wurde. Er verlor seinen Job und steht bis heute unter Polizeischutz. Das Gleiche gilt für eine ganze Reihe von anderen Islamkritikern. Hamed z.B. muss von 13 Polzisten geschützt werden, andere moderate Muslime werden ebenfalls geschützt. Natürlich kann man seine Meinung sagen, wenn man bestimmte Einschränkungen in Kauf nimmt. Der dänische Karikaturist, der damals den Karikaturenstreit auslöste steht bis heute unter Polizeischutz. Herr Özdemir ebenfalls. Wer will das aber? Diejenigen, die das nicht wollen (die Mehrheit), die setzen dann Theaterstücke wie das von Lessing ab oder benennen Weihnachten um oder nehmen Produkte aus dem Sortiment, weil z.B. eine Playmobilburg wie eine Moschee aussieht. Wer hat die Kraft und den Mut diese Kämpfe ständig auszufechten?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
berndscherdel 14.01.2019, 16:52
3. Meinungsfreiheit und Konsequenzen

Es herrscht natürlich Meinungsfreiheit bei uns - da sehe ich prinzipiell keine Gefahr - auch mit den obigen Einschränkungen, die auch für Grundrechte gelten.
Die Frage ist jedoch, ob derjenige auch mit den Konsequenzen leben kann und will?
Der Staat (auch Arbeitgeber, Vermieter, etc.) muss zwar hier neutral sein, die Gesellschaft und v.a. die virtuelle (teils-anonyme) Welt ist es jedoch nicht. Also mit einer Meinung oder einer Aussage (Veganer, Jäger, Elektrofahrer, Gleichberechtigung, etc.) kann man sich schon eine "blutige" Nase im Shit-Storm holen. Ob man sich dann noch traut, seine Meinung (die ja erst mal nicht falsch ist) zu sagen, bleibt jedem selber überlassen. Jedenfalls ist schon zu sehen, dass die Akzeptanz anderer Meinungen in den letzten Jahren stark abgenommen hat (oder vielleicht kommt es einem nur so vor, weil jetzt "jeder" seine Meinung sagen kann?)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
moutard 14.01.2019, 16:52
4. Höchste effektiv geschützte Mehrheitsmeinung

Jede Gruppe kennt Mechanismen, die Mehrheitsmeinung sehr effektiv zu schützen. Es gibt tatsächlich Dinge, die man in einer Gruppe einfach nicht sagt bei Androhung gnadenloser und sofortiger Sanktionierung.
Wer bei einer Familienfeier etwas Despektierliches über den reichen Erbonkel meint zum Besten geben zu müssen, wird enterbt. Wer in unserem Deutschland die offensichtliche Tatsache sagt, dass nur ein radikaler Konsumverzicht ganz viele unserer Probleme (vielleicht) lösen könnte, kann mit dieser These keine einzige Forderung durchsetzen.
Vor diesem Hintergrund ist die Meinungsfreiheit im öffentlichen Raum geradezu sensationell groß.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
track42 14.01.2019, 16:53
5. Das Problem ist...

...das man seit 2015 ganz schnell als Nazi oder "Rechter" gebrandmarkt wird, wenn man z.B. die mehrheitlich begrüßende Meinung der Asyl-/Flüchtlingspolitik kritisiert oder gar in Frage stellt. Das lässt sich auch in andere Themenbereiche übertragen und hier ist die Meinungsfreiheit sehr wohl beschränkt - durch gesellschaftliche Ächtung bis hin zum z.B. Anschwärzen beim Arbeitgeber. "Der schlaueste Weg, Menschen passiv und folgsam zu halten, ist, das Spektrum akzeptierter Meinungen strikt zu limitieren, aber innerhalb dieses Spektrums sehr lebhafte Debatten zu erlauben" (Noam Chomsky). Und genau da sind wir (wieder).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Havel Pavel 14.01.2019, 16:53
6. Der Mann bringt es auf den Punkt!

Zunächst dachte ich schon wieder so ein Dummschwätzer aus dem "Promikreis" der seinen Senf zum Besten geben muss und glaubt Menschen damit bekehren zu müssen. Aber nein, tatsächlich gibt dieser Mann lediglich seine Feststellungen in völlig neutraler Form wieder und überlässt die Meinungsbildung jedem selbst! Recht hat der Mann und beweist in meinen Augen damit Grösse!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
charlybird 14.01.2019, 16:54
7. Die AfD

wird auch ein unterbundenes Hundebellen als Zensur verstehen, wenn es ein linkes Herrchen anordnet.
Und Kretschmar hat wohl eher die Meinungsegalität der hochdotierten Sportprofis gemeint, die sich aus Angst um ihre Millionenverträge nicht zu aktuellen Problemen überhaupt äußern.
Das wiederum ist allerdings keine fehlende Meinungsfreiheit, sondern fehlendes Rückgrat oder einfaches Luxusblasenleben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
remedias.cortes 14.01.2019, 16:56
8. Wenn die Rechte

von fehlender Meinungsfreiheit redet, meint sie in Wirklichkeit, dass ihre rassistischen, antifeministischen, homophoben und antisozialen Meinungen (strafrechtliche) Konsequenzen haben. Aber ich verstehe es nicht,
dass sie sich nicht danach drängen "sich für die Sache zu opfern" und die Konsequenzen zu tragen wie ein rechter Mann, anstatt da gerade nach dem Staat zu greinen, den man soeben noch vehement abgelehnt hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rage-Guy 14.01.2019, 16:56
9. OK, dann mal los

Ich glaube, dass die Menschen verschiedener Kulturen sehr unterschiedliche Auffassungen, Interessen und Begabungen haben. Nicht alle Eigenschaften sind miteinander vereinbar oder kompatibel. Und deshalb mag man im Mittel Menschen, die so ähnlich aussehen, denken und handeln wie man selbst. Eine Form von "Sippschaft", angeboren. Ich halte das auch für legitim und schützenswert. Es gibt Dinge, die tief in uns verankert sind. Ablehnung von Fremdheit gehört dazu. Eine ungesteuerte Vermengung verschiedener Kulturen birgt Konfliktpotenzial und sollte daher nur in einem geringen Maße erfolgen. Eine Vermischung mit Kulturen, die z.B. eine besonders geringe Ausprägung für Friedfertigkeit, Gleichheit der Geschlechter etc. zeigen, sollte sogar aktiv unterbunden werden. Die ungesteuerte Zuwanderung aus arabischen bzw. muslimischen Staaten halte ich für die größte mittel- bis langfristige Gefahr bzgl. Krieg und Freiheit. Das Verhalten von Frau Merkel habe ich als Angriff auf mich und mein Land, in dem ich geboren wurde empfunden.

Das ist meine Meinung, die ich selbst als fundiert empfinde und kein Verbrechen ist. Dennoch würde ich diese niemals unter meinem Klarnamen sagen, da ich Sorge vor körperlichen Übergriffen habe.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 61