Forum: Politik
Merkel und die Deutschen: Nation im Tiefschlaf

Die Kanzlerin: eine Machtmaschine. Das Volk: selbstgefällig. Die Journalisten: handzahm. Der New Yorker Journalist George Packer hat ein niederschmetterndes Porträt über Angela Merkel und die Deutschen geschrieben.

Seite 39 von 49
atheneee 05.12.2014, 11:03
380. kommentare

gott seid Dank, scheinbar gibt es für das deutsche Volk noch Hoffnung wenn ich die kommentare hier lese

Beitrag melden
nichzufassen 05.12.2014, 11:05
381. der Grund war keine Einsicht

Zitat von MutzurLücke
Ob Sie es glauben oder nicht: Manchmal ändern Menschen tatsächlich ihre Meinungen, wenn sie etwas erleben, was zu ihren bisherigen Meinungen nicht passt. Dabei ist es egal, ob Fukushima nun einen Tsunami oder einem Angriff von Godzilla zum Opfer gefallen ist: Wer deutschen Atomingenieuren (die echt keine Idioten sind) vor Fukushima zugehört hat, konnte guten Gewissens davon ausgehen, dass in einer der führenden Industrie- und Technologienationen der Welt ein solcher Unfall, wenn auch nicht gänzlich unmöglich, so doch derart unwahrscheinlich sein müsste, dass er schlicht nicht passiert. Das überzeugt natürlich niemanden, der schon immer gegen Atomkraft war. Aber Merkel wäre beileibe nicht die einzige intelligente Person in diesem Land, die nach dem Unfall ihre Risikoeinschätzung der Kernenergie grundlegend geändert hat. Ob sie das tatsächlich getan oder einfach nur erkannt hat, dass es dieses Umdenken in den Köpfen so vieler verbliebener Kernkraftbefürworter geben würde, dass die Technologie nicht mehr haltbar ist, bleibt freilich ihr Geheimnis. Jedenfalls müsste man schon ziemlich fern der Realität leben, um zu behaupten, dass ihre Reaktion damals politisch falsch gewesen wäre.
Nee, nicht falsch, aber eben nur politisch opportun und niemals einer Einsicht in die Gefährlichkeit von Atomkraft in Deutschland geschuldet. Schon die, wie vor jeder ihrer wenigen Entscheidungen auftretende, Verzögerung und das Warten auf Volkes Meinung sprach Bände. Hätte sich nach Fufkushima eine andere Mehrheitsmeinung im Volk herauskristallisiert, hätte Opportuna Murksel weiter für die Atomkraft votiert.

Beitrag melden
xaka 05.12.2014, 11:06
382. Was ist typisch deutsch?

Zitat von uffdada
Und wie kann man sich ernsthaft von einem Amerikaner kritisieren lassen? Die amerikanische Politik soll der Massstab sein? Oder die amerikanische Gesellschaftsstruktur? Nein Danke!
solch dümmliche, leicht durchschaubare Kritik aus den USA iat eigentlich ein Qualitätsmerkmal der deutschen Regierung und Gesellschaft. Immer dann, wenn die Amis nix mehr gebacken bekommen, wird mit dem Finger auf andere gezeigt. Auch wenn die Argumentation noch so abstrus ist, hauptsache man kritisiert. Sollen die Amis doch erstmal in ihrem eigenen Stall ausmisten, da gibt es weit mehr zu tun....

Beitrag melden
galbraith-leser 05.12.2014, 11:09
383. Merkels Lügen werden kurze Beine haben

Merkel malt nicht in Grautönen, sondern hat durchaus große und weit reichende Entscheidungen getroffen: Ausstieg aus der Atomenergie, Abschaffung der Wehrpflicht und Einführung des ESM und die Übernahme fremder Schulden (= Aufgabe des No-Bailout-Prinzips). Der Haken an der Sache ist, dass sie all das vorher nicht wollte und ihre Wähler sie nicht dafür gewählt haben. Das eigentlich Erstaunliche an Merkels Kanzlerschaft ist, dass die Deutschen sie trotz all dieser Lügen und Wortbrüche (Merkel im September 2013: Mit mir wird es es keine Pkw-Maut geben - erinnert sich noch wer daran?) wählen und sie in Umfragen zur beliebtesten Politikerin küren. Deshalb mein Fazit: Die Deutschen haben Merkel verdient - inklusive der Folgen, wenn sie aufwachen. Nach dem Kohl'schen Mehltau kamen die harten Reformeinschnitte durch Schröder, nach Merkel werden noch viel gravierendere Reformen notwendig sein, um ein völlig überschuldetes Deutschland aus dem Dreck zu ziehen. Falls das dann noch geht.

Beitrag melden
Knossos 05.12.2014, 11:10
384.

Guter Kommentar zu gutem Portrait!
Und am bedeutendsten unter den umschriebenen Zuständen: Der hörige Journalismus.

Nichts ist einer Gesellschaft schädlicher, als unterwürfiger Journalismus.

Mit dem alten Spiegel als internationale Speerspitze war Deutschland leuchtendes Beispiel für investigativen Journalismus und gesellschaftliche Mitgestaltung durch Aufdeckung ( auch, wenn die Konsequenzen für den Klüngel immer nur lächerlich gering oder nichtig waren).

Für den heutigen Journalismus hingegen muß sich Deutschland schämen. Putin würde was drum geben, solch loyalen Hofbericht zu haben.

Ich denke die Lösung läge zum einen in journalistischer Schulung, die ihren Namen wert wäre ( und nicht entweder direkt von Springer ist, oder unter Einfluß staatlich-administrativer Gnaden steht) und zum anderen, die Reglemtierung von Medien-Kalifaten.

Im Bereich Presse darf es keine Magnaten geben, weil konzentrierter Besitz in diesem Bereich unweigerlich Gesinnungskontrolle in den Redaktionen und Meinungsbildung zu Gunsten Privilegierter zur Folge hat.

Beitrag melden
gantenbein3 05.12.2014, 11:11
385. Mit Erdbeben...

Zitat von MutzurLücke
Ob Sie es glauben oder nicht: Manchmal ändern Menschen tatsächlich ihre Meinungen, wenn sie etwas erleben, was zu ihren bisherigen Meinungen nicht passt. Dabei ist es egal, ob Fukushima nun einen Tsunami oder einem Angriff von Godzilla zum Opfer gefallen ist: Wer deutschen Atomingenieuren (die echt keine Idioten sind) vor Fukushima zugehört hat, konnte guten Gewissens davon ausgehen, dass in einer der führenden Industrie- und Technologienationen der Welt ein solcher Unfall, wenn auch nicht gänzlich unmöglich, so doch derart unwahrscheinlich sein müsste, dass er schlicht nicht passiert. Das überzeugt natürlich niemanden, der schon immer gegen Atomkraft war. Aber Merkel wäre beileibe nicht die einzige intelligente Person in diesem Land, die nach dem Unfall ihre Risikoeinschätzung der Kernenergie grundlegend geändert hat. Ob sie das tatsächlich getan oder einfach nur erkannt hat, dass es dieses Umdenken in den Köpfen so vieler verbliebener Kernkraftbefürworter geben würde, dass die Technologie nicht mehr haltbar ist, bleibt freilich ihr Geheimnis. Jedenfalls müsste man schon ziemlich fern der Realität leben, um zu behaupten, dass ihre Reaktion damals politisch falsch gewesen wäre.
...in Ländern mit AKW's war immer zu rechnen. Auch ein zweites Tschernobyl war und ist nicht auszuschließen. Es mag zwar sein, dass die deutschen Atomingenieure (und nicht nur diese) keine Idioten sind. Jedoch konnten nur Idioten mit jeglichem Ausbleiben größter anzunehmender Unfälle rechnen. Zwar mag es sein, dass Fukushima diesen längst vorher bekannten Aspekt der Kernenergie erneut in Erinnerung gerufen hat. Und gewiss wäre es deshalb sehr angeraten gewesen, darüber nachzudenken, den Ausstieg aus dieser Technologie zu beschleunigen. Aber die Art und Weise, in der Merkel als angeblich so nüchtern denkende Physikerin den Ausstieg propagierte, schlicht, weil Sie ganz persönlich meinte, einen radikalen Schwenk vollziehen zu müssen, das war erstens unüberlegt, zweitens überhastet und drittens bar jeden Weitblicks auf die Folgen und die Kosten des vorzeitigen Ausstiegs. Das war eine reine Gefühlsentscheidung, wie sie einer angeblich so nüchtern denkenden Physikerin zutiefst unwürdig ist.

Beitrag melden
MM42 05.12.2014, 11:14
386. Ganz gute Beschreibung

der deutschen Politik und des deutschen Journalismus. Ein Aspekt beim Blick auf das "Merkelphänomen" fehlt mir: Die fehlenden politischen Alternativen, die auch den hohen Anteil der Nichtwähler und den Erfolg der AfD erklären.

Beitrag melden
MutzurLücke 05.12.2014, 11:20
387. Größte Verschwörung Europas - oder eben gerade nicht

Zitat von Bescheiden
...Ich habe mich unendlichmal gefragt: Wie ist das möglich, dass diese Frau an die Macht kam? Irgendwie eine mächtige Macht müsste dies ermöglicht haben, dies hin gesteuert haben. Aber welche und warum?
Diese Macht ist etwas für aufrechte Ideologen völlig unbegreifliches, abstrakt befürwortetes und doch eigentlich unterschwellig verurteiltes: Der freie Wähler

...beziehungsweise einige zig Millionen davon. Und die Gründe, aus denen diese zig Millionen sich für Merkel entschieden haben, gehen wahrscheinlich auch in die Millionen. Und das ist ja das eigentliche Mysterium: Dass diese amorphe Masse die Frechheit besitzt, individuelle Wünsche und Vorstellungen zu haben, die sich nicht auf die "einzig richtige" Linie gleichschalten lassen. Fragen Sie die verbliebenen SED-Granden, wie irritierend dieser Umstand sein kann, wenn man in Ruhe den Kommunismus aufbauen will.

Es ist der große Fehler der meisten Ideologen am linken wie rechten Rand, dass sie das Volk im Grunde als dummes, einheitlich lenkbares Kollektiv wahrnehmen müssen, damit ihr theoretisches Gedankengebilde funktioniert. Dass es genau das nicht ist, ist die Grundidee der Demokratie - oder zumindest das, was die Demokratie zur am wenigsten unbrauchbaren aller Staatsformen macht.

Beitrag melden
Namibdesert 05.12.2014, 11:23
388. Ich möchte hier

Zitat von peter_1974
Das ist mir ebenfalls unangenehm aufgefallen. Die Aussage "...Wenn Politik bedeutet, die Wirklichkeit nach den eigenen Ideen zu formen, dann ist Merkel gar keine Politikerin..." hat mich sogar ein wenig erschreckt. Anscheinend definiert Augstein einen guten Politiker nicht darüber, wie gut ein Politiker den Wunsch seiner Wähler repräsentiert, sondern wie gut der Politiker den Wähler manipulieren kann, seinen Ideen oder Ideologien zu folgen. Von diesem Führerprinzip halte ich persönlich herzlich wenig.
.. ebenfalls ausdrücklich zustimmen! Frau Merkel vereinigt aus meiner Sicht einige Eigenschaften, die ich von einer Regierungschefin erwarten würde. Dazu gehören neben einem analytischen Verstand (die daran wohl maßgeblich beteiligte naturwissenschaftliche Ausbildung wünsche ich mir bei viel mehr Vertretern der politischen Klasse) auch gute Managementqualitäten, eine integre Persönlichkeit und ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Dagegen erwarte ich nicht zwangsläufig rhetorische Sternstunden, "rote Teppich" Attitüden oder emotionale Ausbrüche.
Meine persönliche Freiheit ist mir wichtig und das meint auch die Freiheit vor Einmischung der Politik in mein persönliches Umfeld. Bei aller gerechtfertigter Kritik kommt Frau Merkel meinen Erwartungen schon recht nahe.
Allen Kritikern, die sich im Schutze der Anonymität Nase popelnd über Frau Merkels rhetorisches oder optisches Erscheinungsbild empören wünsche ich nach einem Blick in den Spiegel etwas mehr Gelassenheit.

Beitrag melden
Lady Hesketh-Fortescue 05.12.2014, 11:24
389.

Mir ist egal, ob Angela Merkel langweilig ist, wenn sie die richtigen Entscheidungen trifft. Aber das tut sie nicht. Deutschland lebt von der Substanz. Für Bildung wird zu wenig Geld ausgegeben. (Das sehe ich jeden Tag, wenn ich mein Kind von der Schule abhole. Erstaunlicherweise bildet sich dieser Fakt nämlich auch ab.) Zu wenig Geld für digitale Technologie und Kernkompetenzen werden nicht gesichert. In ein paar Jahrzehnten wird die Bundesrepublik der Welt hinterherlaufen – unabhängig davon, ob Frau Merkel charismatisch hustet.

Beitrag melden
Seite 39 von 49
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!