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Merkels Rückzug und die SPD: Kalt erwischt
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Wahlpleite in Hessen, GroKo-Gegner mit Oberwasser - und dann noch der clevere Rückzug der Kanzlerin vom CDU-Vorsitz: Die SPD wird heftig durchgeschüttelt. Und reagiert: ratlos.

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kajoter 29.10.2018, 20:40
80.

Es ist schon mehr als erstaunlich, wie viele Wähler und Foristen die SPD für ihr Mitwirken an der GroKo quasi schuldig sprechen und dagegen Grüne, Liberale und Unionsparteien in diesem Punkt ungeschoren davonkommen lassen. Die SPD hat damals ihre Ablehnungshaltung verlassen und zwar aus staatspolitischem Pflichtbewusstsein. Also etwas, das die Jamaica-Beteiligten allesamt haben vermissen lassen, die Betonung liegt auf alle.
Die SPD wollte sich zeitlich zurückziehen, um sich grundlegende Gedanken über sich selbst zu machen. Diese Frist wurde ihr nicht gegeben und zwar wegen der Unfähigkeit der Jamaica-Parteien. Man merkt ihr seitdem an, dass viele Entscheidungen aus der Not heraus geboren sind, dass sie unter dem Zwang leidet, als Regierungspartei funktionieren zu müssen.
Wie soll sie in der jetzigen Situation einen personellen Wechsel gestalten? Wie soll sie eine jüngere Politikergeneration nach oben holen, wenn diese sogleich funktionieren soll?
Es ist geradezu grotesk und irrational, dass sich ein allgemeines SPD-Bashing breit macht und zeitgleich die Grünen immer mehr Wählerstimmen gewinnen können.
Wie sieht es denn mit der Personaldecke bei den Grünen aus, um einen Pukt zu nennen, der bei der SPD vehement kritisiert wird. Sie haben 2 neue Vorsitzende und dann? Dann begegnen uns all die wohl bekannten Gesichter.
Oder wie sieht es denn mit dem sogenannten "programmatischen Umfallen" aus? Ja, Schröders Agenda wirkt nach wie vor nach und hat die Partei massiv Zustimmung gekostet. Aber was ist denn mit "Stuttgart 21"? Oder mit Kretschmanns Kotau vor der Automobilbranche? Und waren die Grünen damals nicht genauso verantwortlich für Schröders Agenda?
Die Grünen werden dafür noch nicht einmal im Ansatz kritisiert, weil - - - - - - - .... ja warum eigentlich? Weil sie nach wie vor die Lufthoheit über den Moraldebatten der deutschen Biederfrauen und - männer besitzen? Weil sie ihre politische Korrektheit-Rhetorik immer fein säuberlich auf dem letzten Stand der Bäh-Bäh-Debatte halten?
Weil sie den progressiven Deutschen dieses wohlige Gefühl vermitteln, mit einer Stimmabgabe für sie etwas Gutes und Nachhaltiges geleistet zu haben, wozu man im täglichen Leben ja leider viel zu selten kommt?
Wer denkt, dass es bei dem SPD-Bashing um echte Inhalte geht, der irrt. Es geht in realiter um Emotionen und die sind allzu häufig und gerade in diesem Fall ansteckend.

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AHF 29.10.2018, 20:44
81. Agenda 2010

Solange sie SPD ihr Verhältnis zur Agenda 2010 nicht klärt, wird sie ihr Problem nicht in den Griff bekommen. Das erinnert an Godesberg 1959, nur wurden damals die Weichen richtig gestellt. Alle Erklärungen zur derzeitigen Situation (Bundestrend, Seehofer ...) sind nur Ausdruck der Hilflosigkeit der Genossen. Es geht nicht um einen Trend, es geht um einen kontinuierlichen Abstieg.

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Nelson_50 29.10.2018, 20:44
82. Falsch formuliert - aber richtige Erkenntnis

Zitat von 1848
... Malu Dreyer .... sie war die Schlüsselfigur gegen einen demokratischen ECHTEN Neuanfang für die Bürgergesellschaft auf dem letzten Parteitag ...
Ich vermute, das sollte ein Lobgesang auf Malu Dreyer werden ... ist zwar rhetorisch völlig misslungen, stimmt aber im Ergebnis.
Als Rheinland-Pfälzer, der schon recht oft das "Vergnügen" hatte, Beck, Nahles, Dreyer auch persönlich zu erleben, kann ich nur sagen: Dreyer ist die etwas erwachsenere Version von Nahles. Genauso zickig, arrogant und herablassend. Allerdings mit eindeutig besserem Wortschatz und einigen Synapsen mehr im Gehirn.
Für eine Erneuerung der SPD ist sie ungefähr so wertvoll wie Olaf Scholz. Da muss noch mal gründlich gesucht werden!

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Janey Eg. 29.10.2018, 20:45
83. Wann endlich, Miss Piggy?

Sogar die CDU hat nun erkannt, dass die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl NICHT "bitte noch mehr GroKo" hießen, und Merkel zur Aufgabe gezwungen. Muss die SPD wirklich erst unter die 5%-Hürde fallen, damit Nahles und Konsorten endlich begreifen, dass sich auch unerwünscht sind?

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kajoter 29.10.2018, 20:45
84. @ #78

Zitat von Newspeak
""Die Menschen wissen nicht, wofür wir stehen", so Stich." Oh, doch, genau das wissen sie. Die SPD steht fuer eine Politik der sozialen Kaelte, fuer eine Bevorzugung der Reichen, der grossen Unternehmen, fuer eine Belastung des Mittelstandes, fuer jahrelangen Stillstand in grossen Koalitionen, fuer Niedriglohn und prekaere Beschaeftigung, fuer Sanktionen bei Hartz IV und die Entwuerdigung tausender Menschen, fuer einen Ex-Kanzler, der seine eigenen Belange ueber die des Landes stellt, und gerne in Massanzuegen mit dem Russen kungelt. DAFUER steht die SPD. Und davon haben die Leute endlich genug.
Ich beneide Menschen, die es sich bei Bewertungen so leicht machen können wie Sie.

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w.weiter 29.10.2018, 20:49
85. Kurzes Zwischenfazit.

Nach lesen von 78 Kommentaren, Stand: 29.10.2018 - 20:43 Uhr,
stelle ich für mich persönlich fest: Die Sozies haben versagt, werden meist abgelehnt/abgewatscht; werden allerdings weiterhin erwünscht. Als Partei der "kleinen Leute", nicht der "Bonzen".
Tja, "olle Tante", ist das machbar? Glückauf.

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slartibartfass2 29.10.2018, 20:50
86. Zuck, zuck...

Zitat von besmart
Mal ganz ehrlich, warum sollte Nahles da überhaupt zucken? An welcher Stelle steht die SPD da JETZT unter Druck? Die Genossen können entspannt abwarten, wer das Rennen bei der CDU macht und danach nochmal abwägen... Spahn und Merz sind wirklich dankbare Gegner für Nahles, da passt ihr leicht prolliger Auftritt, wie A auf E - zumal Merz sowieso nur mit der FDP könnte... Bei AKK oder Laschet sähe dies anders aus, da kann sie nur verlieren; der richtige Sparringspartner für AKK wäre sicherlich Fr. Barley und bei Laschet müsste halt Scholz mal aktiver werden - der MP-Erfahrung und als Vizekanzler auch einiges Gewicht. Wenn ketzt posaunt wird die CDU hätte soviel Auswahl, dann würde mich das nicht schrecken - die Auswahl bei der SPD ist breiter, zumal man zu den genannten auch noch weitere zählen könnten, wie eher harmonisierend - auch in Bezug auf eine FDP - wirken könnten: Weil, Dreyer, Schäfer-Gümbel, Maas... - dagegen 2mal Merkel light, ein Möchtegern-Populist (der seitdem er einen Job als Minister hat, doch extrem leise geworden ist!) und ein neoliberales Modell aus der Vor-Dotcom-Blasenzeit...selbst Fr. Klöckner wäre eine komische Wahl - Merkel befreit CDU aus der Behaglichkeit der rhein.-pfälzischen Kohl-CDU und dann kommt ein ähnliches Modell aus derselben Ecke?
Warum Nahles zucken sollte? Weil sie und ihre SPD keine Zeit mehr haben. Es sei denn man möchte nicht verhindern, dass sie aus manchen (ostdeutschen) Landtagen rausfliegen wird oder so verzwerkt wird, dass sie keiner mehr wahrnimmt.

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klartext2 29.10.2018, 20:50
87. Nicht gut,

gar nicht gut, das mit der SPD und damit nicht gut für dieses Land. Der Fisch ... na ja, wie gesagt. Vornehmlich Frau Nahles sollte das machen, was sie am Besten kann: Nichts. Und das irgendwo, nur nicht in der SPD.

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w.weiter 29.10.2018, 20:52
88. Kurzes Zwischenfazit.

Nach lesen von 78 Kommentaren, Stand: 29.10.2018 - 20:43 Uhr,
stelle ich für mich persönlich fest: Die Sozies haben versagt, werden meist abgelehnt/abgewatscht; werden allerdings weiterhin erwünscht. Als Partei der "kleinen Leute", nicht der "Bonzen".
Tja, "olle Tante", ist das machbar? Glückauf.

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oldman2016 29.10.2018, 20:55
89. Zeitpunkt verpasst

Die SPD hätte meiner Meinung nach, beim Streit zwischen CDU und CSU um die Abschiebpolitik an der österreichischen Grenze die Reißleine ziehen und aus der Koalition austreten sollen. Das hätte ihr solche massiven Stimmenverluste in Bayern und Hessen erspart. Andrea Nahles hat das Unverständnis der Bürger über diesen wahltaktischen Streit der CSU offensichtlich unterschätzt. Aber im Leben gilt nun mal das Sprichwort; Mitgefangen, mitgehangen. Ich gehe davon aus, dass in der CDU nach der Ära Merkel, Schäuble und Kauder, die Flügelkämpfe zunehmen. Vieles hängt auch von der weiteren Entwicklung in der EU ab, bei der die Erosionserscheinungen nicht mehr zu übertünchen sind. Die nächsten Monate werden politisch wegen der Europawahlen dennoch von Stillstand geprägt sein. Alles andere würde mich wundern.

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