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#MeToo-Fälle: Wie naiv darf man sein?
DPA

Ein Moderator schreibt der Praktikantin nachts eine SMS: "Dritte Etage, Zimmer 312". Sie wundert sich, dass er nicht Stift und Zettel in der Hand hat, als sie bei ihm klopft. Wie viel Weltfremdheit muss man Feministinnen zugestehen?

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xyzavc 12.04.2018, 17:39
90.

Zitat von Crom
Fleischhauer fordert ja, dass die Frauen mutiger werden und hier aktiver dem begegnen, so wie es die alten Feministen getan haben, die sich so etwas nicht haben bieten lassen.
Also von den paar von denen man weiß, dass sie so reagiert haben? Ich glaube wenn man sich die Welt heute ansieht und in den 60ern, dass heute auf jeden fall mehr Frauen nein sagen mit allem was dazu gehört. Das ist aber das Problem, wieso fordern Sie, dass die Frauen "mutiger" werden, wieso fordern Sie nicht mal dass Männer endlich ihre Hormone in den Griff bekommen? Wie wäre damit?
Vielleicht hat die junge Frau ja einfach nur erwartet, dass sie sich in einer absolut professionellen Arbeitsbeziehung zu ihrem Chef befindet, eben wie es der heutigen Zeit entspricht (theoretisch), eben nicht wie damals in den 60ern (und früher), wo man eine krasse Feministin sein musste um auf seine Rechte zu bestehen. Vielleicht hat die Gute den schweren Fehler begangen für einen Moment zu vergessen, dass sie weiblich ist und ihr Chef männlich. Wie dumm.

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MehrSeinalsSchein 12.04.2018, 17:40
91. Abhängigkeiten ausnutzen!

Man kann über Naivität ebenso schmunzeln, wie man sich über Abgebrühtheit ärgern kann. Die Frage ist doch: Wer ist in der Position des Starken und nutzt er diese unbefugt gegenüber einem Schwachen aus. So lange die Bestenauslese über machiavellische Handlungsweisen erfolgt, wird sich hier nichts ändern! Als ich in Leitender Funktion in einer großen DAX30-Tochter angefangen habe, war ich der Überzeugung, dass "Zwischenmenschliche Beziehungen" egal welcher Konstellation nicht zwischen "Chef" und "Untergebenen" geduldet werden dürfen, also nicht ermöglicht werden durften und die sofortige Versetzung eines der Beiden zur Folge haben sollte. Dann wurde mir extrinsisch klar gemacht, dass das nicht den Ideen einer "sog. modernen Zusammenarbeit" entspricht. Man hat halt die "Rosenkriege, Ineffizienzen, Zusatzkosten und sonstige Aufwände als Preis für eine als notwendig geglaubte Modernität in Kauf genommen. Ich habe später Fälle von Sadomaso zwischen Abhängigen ebenso bearbeitet, wie vorgeworfene Vergewaltigung und leider auchv.a.m., über das ich gar nicht schreiben möchte! Dummerweise hatte man vergessen den Anfängen zu wehren! Meiner Meinung nach war das eine Art Untreue gegenüber den Anteilseignern! Das ganze entsprach aber dem Zeitgeist! "Schöne Neue Welt!"

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jowarn 12.04.2018, 17:41
92. Wie unglaublich mutig...

... sich für seinen „Wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen“-Kommentar eine Praktikantin herauszusuchen um ihre vermeintliche Naivität herabzuwürdigen! Peinlich bis entlarvend! Ein guter Beleg dafür, warum diese Debatte notwendig ist!

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ameliefirst 12.04.2018, 17:42
93. Also ist erst eine "schreckliche Geschichte

bzw. Vergewaltigung" wert, zum Beitrag der Debatte zu werden? Dazu braucht es keine Debatte, das sind Straftaten.

Alles andere kann mit einem "Augenzwinkern" abgetan werden?
Wir Frauen kämen aus dem Augenzwinkern gar nicht mehr raus...

Es geht doch nicht nur um Verbrechen an Frauen.
Es geht um das Verhalten mancher Männer. Vermutlich ziemlich vieler Männer. Sexistisch, selbstherrlich, abschätzig gegenüber Frauen.
Oft subtil, denn viele sind ja nicht doof.

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Spr. 12.04.2018, 17:46
94. Vorgestriges Frauen- und vor allem Männerbild!

Vorweg: wenn es einen Spiegel-Autor gibt, bei dem mich ein solcher Frauen- sowie Männer verachtender Artikel nicht im geringsten überrascht, dass ist das Jan Fleischhauer!

Herr Fleischhauer ist offensichtlich der unumstößlichen Meinung, dass jeder Mann so triebgesteuert ist, dass sexuelle Übergriffe unvermeidbar sind. Von den meist weiblichen Opfern fordert Herr Fleischhauer, gefälligst immer und überall beim Zusammentreffen mit einem Mann Vorkehrungen gegen einen sexuellen Übergriff zu treffen. Wobei mehr als deutlich mitschwingt, dass jede Frau, und sei sie noch so jung, sonst selbst die Schuld daran trägt, wenn sie sexuell belästigt wird. Worüber sie sich dann natürlich auch nicht beschweren darf, denn sie hätte diesen Übergriff vorhersehen und sich somit davor schützen können. Fehlt nur noch, die fehlenden Vorsichtsmaßnahmen als Einwilligung auszulegen!

Auf die Idee, dass eine (junge) Frau nicht jeden Mann für ein gefährliches Sexmonster hält, sondern sich gerade in Gegenwart ihrer Vorgesetzten sicher fühlt - sich in deren Gegenwart auch sicher fühlen will - kommt Herr Fleischhauer wenig überraschend nicht. Eine solche Überlegung könnte ja auch dazu führen, das stillschweigend unterstellte Naturrecht jedes Mannes auf die sexuelle Belästigung jeder zufällig in der Nähe befindlichen Frau, die nicht bei 3 auf dem Baum ist, zu hinterfragen. Das Verhalten von Männern zu hinterfragen scheint aber aus Sicht des Herrn Fleischhauer bereits Feminismus zu sein und Feminismus eine ganz, ganz schlimme (Frauen-)Krankheit.

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lanzarot 12.04.2018, 17:48
95.

Das 1. Mal, dass ich Herrn Fleischhauer zustimme. Ich bin übrigens eine Frau und auch mir geht diese Debatte langsam auf die Nerven. Es gab und gibt noch immer das Wort NEIN. Warum hat sich diese Praktikantin nicht einfach rumgedreht und das Zimmer wieder verlassen? Oder gesagt, mit mir nicht. Hätte ich statt eines Sohnes eine Tochter, wäre diese sicher nicht so dämlich gewesen, die Geschichte mit dem Doppelzimmer zu glauben.

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jula.wildberger 12.04.2018, 17:49
96. Ich hätte so eine Praktikantin sein können ...

Erst heißt es, dass man nicht in jedem Mann ein Ungeheuer sehen soll, dass ja nicht alle Männer so sein sollen. Dann ist es naiv, wenn Frauen tatsächlich nicht in jedem Mann ein Monster sehen, selbst wenn der über außerehelichen Sex spricht oder den Eindruck erweckt, er sei an einem engeren Austausch interessiert, obwohl er 30 Jahre älter ist. Das ist mir tatsächlich passiert, dass ich solche Gespräche hatte, ohne dass der betreffende Herr gleich Sex wollte.

Man möchte niemandem etwas unterstellen, zumal dann nicht wenn die betreffende Person einem aus irgendwelchen Gründen wichtig ist, und ganz leicht ist frau dann in eine Lage gekommen, die sie niemals wollte und aus der sie dann nicht mehr so leicht herauskommt.

Das Entscheidende an der MeToo-Bewegung ist doch, dass sie die Verantwortung dahin gibt, wohin sie gehört: bei dem sexuellen Aggressor (oder der Aggressorin, die gibt's ja auch), der oder die aus eigensüchtigen Motiven und ohne jede Empathie eine Grenze überschreitet. Er oder sie tut etwas, das andere verletzt und missachtet, und so etwas ist nicht OK.

Solche Gewalt wird ermöglicht dadurch, dass wir alle geradezu reflexhaft die Schuld beim Opfer sehen -- und die Opfer selbst als allererste: "Wie konnte ich nur so blöd sein?" "Hätte ich das anziehen sollen?" "Habe ich ihn/sie etwa ermutigt?" "Nachdem es schon so weit gekommen war, konnte ich doch nicht mehr 'nein' sagen."

Die Opfer sollen sich nicht mehr schämen müssen, nicht mehr denken, dass sie blöd sind, zu viel Aufhebens machen, weil's ja gar nicht so schlimm ist ... Sie sollen einfach laut und deutlich sagen dürfen, was nicht in Ordnung ist. Und man soll sie dann ernst nehmen und respektieren.

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Florentinio 12.04.2018, 17:49
97. Realität

Ich bin männlich, über 50 Jahre alt und habe häufiger jüngere Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen. Falls wir auf einer Dienstreise ein Doppelzimmer haben ist dies aus Kostengründen. Falls ich um 23 Uhr ein dienstliches Gespräch führen muss, führe ich ein dienstliches Gespräch. In meinen Augen ist Herr Fleischhauer weltfremd und nicht die 25jährige Praktikantin.

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@philmel 12.04.2018, 17:49
98. Jetzt muss ich mich extra anmelden ...!

... um diesen #bs zu kommentieren. Als Spiegel Leser würde ich die Chefredaktion bitten ihre Kommentatoren ein bisschen unter die Lupe zu nehmen, wenn sie in Verdacht stehen solch Geschwader von sich geben. Als Mann schäme ich mich dafür! Als Vater einer Tochter bin ich mehr als wütend. Dies ist ein niveauloser Versuch Opfer - wie naiv sie auch seien - zu shamen. Ein niveauloser Versuch die #metoo debatte ins Pauschale zu drängen. Ein niveauloser Versuch Rechtfertigungen subtil in den Raum zu stellen, wo es keine Rechtfertigung gibt. Hr. Fleischhacker sie schreiben nicht nur schlecht, sie haben ein Problem mit Frauen wie es scheint. Frauen müssen sich so verhalten, wie sie sich das vorstellen , wie es scheint. Ich hoffe, genügend Kolleginnen aus ihrer Redaktion lesen diesen Artikel, um mitzubekommen, was für ein Typ sie sind und genügend Entscheidungsträger lesen diesen Artikel, um ihnen vielleicht auch in ihrem persönlichem Verhalten ein bisschen auf die Finger zu schauen.

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xyzavc 12.04.2018, 17:50
99.

Schonmal Statistiken gesehen, wie viele Vergewaltigungen angezeigt werden? Und schonmal gelesen, wie viele dieser Anzeige zu einer Verurteilung führen? Wie kann man nur so weltfremd sein und so tun, als würde jede Vergewaltigung oder jeder Missbrauch aufgeklärt? Und falls Sie jetzt ankommen mit "selbst schuld, wenn man es nicht anzeigt", ich wüsste ja echt mal gern, ob Sie bereit wären, ihr Innerstes vor einem Gericht nach aussen zu kehren, immer und immer wieder in mehreren Aussagen, dann auch noch überprüft zu werden, ob man das nicht zum Spaß erzählt und das alles mit einer Quote einer Verurteilung im einstelligen Bereich. Nein wären Sie nicht. Und ist so gut wie niemand. DAS ist was sich ändern muss und das ist, was die me too Debatte ändert. Dass Leute (ich sage extra nicht Frauen) sich trauen, über Missbrauch offen zu reden und sich nicht mehr den Mund verbieten zu lassen.
Ihre Denkweise ist genau das Problem: a) es gibt kein Problem und b) jeder der ein Problem hat ist wohl selbst zu naiv/dumm/whatever da reingekommen zu sein.

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