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#MeToo-Fälle: Wie naiv darf man sein?
DPA

Ein Moderator schreibt der Praktikantin nachts eine SMS: "Dritte Etage, Zimmer 312". Sie wundert sich, dass er nicht Stift und Zettel in der Hand hat, als sie bei ihm klopft. Wie viel Weltfremdheit muss man Feministinnen zugestehen?

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onelastremarktoall 12.04.2018, 18:02
110. Man kann unfassbar naiv sein - durchaus

Meine Jugend spielte sich im West-Berlin sein Ende der 1960er Jahre ab, also in einer richtig wilden und verrückten Umgebung bezüglich des Lebens. Schon ab der Schulzeit und natürlich während des Studiums war ich immer wieder in der Gastronomie tätig, weil es interessant war und man wirklich recht viel Geld verdienen konnte. Auch Jahre später (bis in die 1990er hinein) half ich mir bekannten Betrieben, wenn ich zeit dafür hatte und wenn Not am Mann war.

So - Wenn eine Junge Frau ab 16 bis 18 aus diesem Umfeld in eine Situation käme, die der Beschreibung entspricht, und wenn diese dann sagen würde, dass sie damit nicht gerechnet hat, würde ich ihr ins Gesicht sagen, dass sie wohl lügt.

Nun habe ich hier in der Schwarzwald-Region ganz andere Sachen erlebt. Vor Jahren, als ich wegen eines Bronchialkarzinoms im Krankenhaus war, fragte mich der Oberarzt, ob ich einer Schulklasse von ungefähr 18-jährigen Jungen und Mädchen bezüglich Fragen wegen meiner früheren Raucherei zur Verfügung stehen würde. ich sagte zu und war anschliessend völlig überrascht wegen der überwiegend unschuldigen Naivität dieser jungen Erwachsenen (altersmässig waren sie das).

Ich unterhielt mich anschliessend mit meiner Frau darüber. Da sie einige Jahre vorher in Berlin nebenbei als Hilfslehrerin in der Grundschule (in Berlin bis einschliesslich der 6. Klasse, also bis zum Alter von ca. 12 Jahren) tätig war, hatte sie einige Erfahrungen. Letztendlich kamen wird zu dem Schluss, dass die Naivität der ca. 18-jährigen Jugendlichen, die ich gerade erlebt hatte, ungefähr der entsprach, die in Berliner Schulen die damals 10- bis 11-jährigen an sich hatten.

Man kann so etwas nicht über einen Kamm scheren.

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MartinBuchbaum 12.04.2018, 18:04
111. Die unselbständige Frau? Der verantwortliche Mann?

Als Mann empfinde ich das Frauenbild von Metoo und mancher Kommentare hier zutiefst irritierend.

Im Ernst? Eine erwachsene Frau jung oder alt weis nicht, ob sie Sex ablehnen soll oder darf, wenn ihr Vorgesetzter sie dazu fragt, auffordert oder ihn initiiert? Wenn beide es wollen, ist es kein Machtmissbrauch, wenn nicht, kann die Frau nicht nein sagen? Sie traut sich nicht ein Date abzulehnen, oder ein Treffen das sich in ein Date wandelt abzubrechen und nachhause zu gehen?

Es geht nicht um Kaffekochen oder irgend welche Büttelarbeiten, die man im Büro nun mal über sich ergehen lassen muss, im Dienste der Karriere (trifft Männer (Kopierpapier schleppen) und Frauen). Es geht um Intimität. Und eine Frau kann hier keine Grenze erkennen oder ziehen? Eine erwachsene Frau kann nicht sagen Mein Körper gehört mir?

Ich finde dieses unselbständige, geradezu hirnlose Frauenbild, das weiten Teilen der Metoo Debate unterliegt, verstörend und extrem frauenfeindlich.

Als Mann empfinde ich die Metoo Debatte beleidigend, diffamierend und höchst männerfeindlich. Aber bei allem, wird dem Mann unterstellt jederzeit der Aktive zu sein und die Verantwortung und Kontrolle zu besitzen. Bei aller Kriminalisierung von Männern, wird dem Mann doch wird jederzeit die Entscheidungshoheit über sich zugetraut. Insofern ist das Männerbild der Metoo Debatte deutlich besser als das Frauenbild, auch wenn die Bezeichnung 'unschuldiger Mann' in der Metoo Debate nicht vorkommt und sehr seltsam anmutet.

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arr68 12.04.2018, 18:04
112. Blickwinkel

Warum soll ein Opfer eine Straftat erahnen und Sie sagen, das Opfer hätte die Straftat ja erahnen können, dann sei es ja nicht so schlimm, oder? Vielleicht wird es ja Zeit Herr Fleischauer, dass man sie als Journalist in Kriegsgebiete schickt, damit sie wieder einen Blickwinkel auf Vermeidung der Gefahr durch die Opfer bekommen, schließlich sind ja auch die Zivilisten in Syrien daran mit Schuld, wenn Bomben gerade sie treffen, sie hätten ja eegziehen können, richtig?

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gottseibeiuns 12.04.2018, 18:10
113. Bin männlichen Geschlechts

und muß in meinem Berufsleben irgendetwas nicht mitbekommen haben. Anmache gab es immer, war -genauso immer- von der Angemachten, wenn sie es denn wollte, ohne Probleme abzubügeln. Wollte sie es nicht, dann versprach sie sich davon etwas. Belästigung und/oder Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses ist eine ganz andere Baustelle. Allerdings: Wer sich 25jährig um 3 Uhr nachts 1.überhaupt einbestellen und dann 2.eine "Arbeitsbesprechung" erwartet, ist in der Tat eine selten doofe Tröte.

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markus.pfeiffer@gmx.com 12.04.2018, 18:11
114. Äääh - wollen Sie Sex verbieten?

Zitat von auch typisch
Ach ja, obwohl es eigentlich selbstverstaendlich sein sollte, es aber offensichtlch nicht ist: Frauen haben ein Recht darauf, nicht sexuell angemacht zu werden, und nicht als Freiwild betrachtet zu werden. Wieso wird es Frauen zum Vorwurf gemacht, wenn sie davon ausgehen, dieses Recht zu haben und eben davon ausgehen, dass nachts geschickte SMS mit Arbeit zu tun haben? Ich bin wirklich zutiefst erschuettert ueber den Stand der #metoo Debatte in D.
Wenn jede Frau das Recht haben soll, nicht sexuell angemacht zu werden, frage ich mich doch, wie es ohne "Anmache" auf dieser Welt jemals noch zu einem sexuellen Kontakt kommen soll?
Eine "Anmache" ist der erste Schritt und jede Frau hat das Recht, 'Nein' zu sagen und dieses 'Nein' sollte verdammt noch mal auch in jedem Fall unbedingt beachtet werden, aber mit dem, was Sie fordern, springen sie mindestens einen Schritt zu weit.

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Bondurant 12.04.2018, 18:12
115. Da müsste man wirklich mal sehen

Zitat von MartinBuchbaum
'Es gab gemeinsame Abende und Kneipenbesuche, bei denen das Gespräch schnell vom Fernsehgeschäft auf sexuelle Vorlieben kam.' Und sie ging jedes mal mit? Nennt man so etwas nicht Date?
ob und wie die Zeiten sich geändert haben. Ich glaube, früher hätte ein Mann die Tatsache, dass eine Frau ihre sexuellen Vorlieben mit ihm bespricht, durchaus als "Einladung" verstehen dürfen.

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hausfeen 12.04.2018, 18:14
116. Ein Journalist muss manchmal auch nachts arbeiten.

Hätte sie das verweigert, hätte das ihre Karriere kosten können. Denn vorher hatte sie ja noch keinen Schimmer, was auf sie zukommt. Oder hätte sie den Einlader schon mal profilaktisch als übergriffig einstufen sollen und mit Anwalt anmarschieren?
Da ist Herr Fleischhauer aber mal deutlich naiver als die Praktikantin.
Außerdem nimmt er einen Fall her, der ihm gerade zurecht ist, um die gesamte #meeto-Debatte zu diskreditieren. Das ist nicht naiv, sondern unlauter, extrem gehässig und damit selbst ein sexistischer Übergriff der Köpfe.

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emeralda 12.04.2018, 18:17
117. Sexmonster

Herr Fleischhauer möchte, dass Frauen wie in der arabischen Welt erzogen werden. Nämlich dass Frauen sich vor Männern schützen müssen, weil sie unberechenbare Sexmonster sind.
In diesem Fall geht es um eine 25 jährige Praktikantin. Von Erfahrung kann man nicht wirklich ausgehen, genauso wenig dass sie Feministin ist. Und außerdem, warum müssen sich Frauen auf diese verrohte Männerwelt herablassen um in der Berufswelt klarzukommen. Warum wissen Männer nicht, was sich gehört und warum haben sie kein Schamgefühl?
Und wieder wird typisch männlich externalisiert auf die Frauen geguckt. Dabei geht es um die Männer, die sind das Problem, darüber müssen wir reden!

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andree_nalin 12.04.2018, 18:18
118. Ja, so isser, der Herr Fleischhauer,

immer für einen widerborstigen Beitrag gut. Nur diesmal haben Sie in die Kloschüssel gegriffen und tausende junger Frauen, die sich der mehr oder weniger dreisten Anmache von Männern erwähren müssen zu kleinen Dummchen degradiert. Also selber schuld, oder ?
Sie schreiben: Ich glaube, mir ist der praktische Feminismus von Frau Mikich lieber als der Retrofeminismus der #MeToo-Anhängerinnen. Ich will nicht mehr über Frauen lesen, dass sie arme Hascherl sind, die sich selber nicht zu wehren wissen. Es geht also in dieser bedauerlichen Debatte um den Herrn Fleischhauer, der etwas nicht mehr lesen möchte, der offensichtlich genervt ist von dieser #MeToo-Debatte. Als ausgewiesener Fachmann für Hascherl weiß Herr Fleischhauer ganz genau, wie sich diese Frauen fühlen und kann das auch durch Fernanalyse aus anderen Gazetten sehr genau beurteilen.
Respekt vor jungen Frauen sieht anders aus !
Solange Frauen von Männern vergewaltigt, erniedrigt und sonstwie mißbraucht werden - und nicht umgekehrt, Herr Fleischhauer - solange haben Sie - verdammt nochmal - die Klappe zu halten und nicht auch noch den einflussreichen, konservativen Machos dieser Welt ein feistes Grinsen und Nicken ins Gesicht zu schreiben.
Ich schäme mich für Ihren Beitrag - als Mann !

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AxelSchudak 12.04.2018, 18:19
119. Naivität...

Naivität ist also jetzt ein Freibrief, um belästigt zu werden?
Soll also wirklich ein Grundvertrauen in andere Menschen bestraft werden?

Sie haben schon bessere Kolumnen geschrieben, Herr Fleischhauer. Diese hier ist daneben. So richtig. Geradezu naiv, zu glauben, dieser Gedankengang wäre hilfreich und veröffentlichungswürdig...

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