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#MeTwo-Debatte: Hauptsache, ihr favt meine Tweets
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Die #MeTwo-Debatte ist deshalb so interessant, weil sie so reich an Paradoxien ist. Eine davon: Die Stärke der Bewegung ist gleichzeitig ihre Schwäche - die radikale Subjektivität.

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Zahn der Zeit 02.08.2018, 20:45
90. Zu Kommentar 87

Sie fragen: „Wer postet dass er eine Stelle nicht bekommt, kann er denn beweisen dass es aufgrund seiner Hautfarbe/Abstammung war?“ Wenn Sie wissenschaftliche Evidenz ernstnehmen und verstehen würden, ergäbe sich folgende Einsicht: Randomisierte Bewerbungen, die sich nur hinsichtlich des Namens des Bewerbenden unterscheiden, zeigen ganz klar, dass bei „fremdländischen Namen“ weniger oft eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgt, trotz gleicher Abschlüsse, gleicher Muttersprache etc. Im Einzelfall kann wissenschaftstheoretisch und -methodisch nie etwas bewiesen werden, auch wenn in Summe die Evidenz von jedem Wissenschaftler unzweifelhaft anerkannt wird. Gerade das machen sich Populisten gerne zur Diskreditierung wissenschaftlicher Ergebnisse und ernsthaft bedauernswerten Einzelschicksalen zunutze. Viele Kommentatoren hier machen auch genau das. Und Herr Fleischauer versteht ebenso wenig von soziologischen Studien. Geradezu grotesk, dass so jemand genau solche einfordert, obwohl es sie gibt und er sie nicht kennt.

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MattKirby 02.08.2018, 20:57
91. @Actionscript#35

Autsch, da haben Sie aber nicht aufgepasst. Bei Sexismus ist, wie der Name schon sagt, die Diskriminierung auf Grund des biologischen Geschlechts gemeint, was vor allem Frauen betrifft. Der Begriff "gender" bezeichnet das lediglich mutmaßlich existierende soziale Geschlecht. Auf Grund dessen wird niemand #metoo-mäßig bedrängt oder diskriminiert.

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vera gehlkiel 02.08.2018, 21:04
92.

Wer mit Wittgenstein, Sandra Maischberger und Hart aber fair auf du und du ist, sich in der Kirche sogar besser auskennt als der Papst und Kardinal Marx, erwartet natürlich überall geschlossene Räume für einen offenen Diskurs, in die man sich, mit einer gesunden Portion Herrschaftswissen gerüstet, bequem niederlassen kann, bis einen jemand nach der fälligen Expertise fragt. So funktioniert #MeToo aber leider nicht, genausowenig #MeTwo. Hier ist Sprache wieder rein subjektiv, schaut sich das vielzitierte Volk, oder schauen sich eben die diversen Völkchen, gegenseitig aufs Maul, und pfeifen im Zweifel auf die Grammatik, Interpunktion, etc. Naja, wo man James Joyce überlebt hat, ohne dass die ganze Welt nach dem finalen Satz tot zur Seite umkippte, darf das wohl erlaubt sein. Es geht nicht um fertige Sprache, sondern darum, mal wieder neu und anders sprechen zu lernen. Die Menschen wollen sich selbst frei dafür machen, sich kreativ und schräg auszudrücken. Sprache als Teil eines Wertekanons, dessen engen Rahmen durch die Kirche oder sonstige Weltgerichte beauftragte hochnotpeinliche Befrager setzen, mit der Zugangsvoraussetzung der strengsten Auserlesenheit, das hatten wir glaube ich zuletzt bei der chinesischen Kulturrevolution. Ach ne, der IS ist ja auch so ähnlich drauf, Björn Höcke und Sven Lau auch noch. Gut u. schön, aber über Honecker konnten die Leute sich schon wirklich beömmeln, wenn auch heimlich, da war der richtige Zug mit ewiger Verdammnis und so wahrscheinlich schon nicht mehr dahinter. "MeTwo" ist übrigens glaube ich sogenannter "Slang", irgendwo zwischen Kanak Sprak (siehe PEN-Mitglied Feridun Zaimoğlu) und amerikanisch eingekürztem Englisch, wie es auch längst Teil unserer Hochkultur geworden ist, seit u.a. Leute wie Tom Waits, Frank Zappa oder Lou Reed etc.pp. ohne Ende sich im sogenannten "ernsten" Bereich umgetan haben...oder reden wir ruhig schon von Leonard Bernsteins "West Side Story". Oder Marlon Brando in "A Streetcar Named Desire", von Faulkner und/oder Hemingway, von Bogart (..."here´s looking at you"...). Es wäre für jemanden, der sich selbst als schizoid gespalten wahrnimmt, z.B. in Amiland, eine verstehbare Zuordnung, wohl auch im Grossbritannien der Post-Monty-Python-Zeit. Ausser wahrscheinlich, man diniert mit dem echt piekfeinen Nigel Farage. Oder in New York bei den hochgestochenen Trumps im Beisein von Steve Bannon.

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mcflue 02.08.2018, 21:43
93. Überall ist der Mensch unter seinesgleichen.

Wie zutreffend bemerkt: Einen Menschen unterscheidet keine Rasse vom anderen. Also, ich unterstelle es zumindest, gibt es überall auf der Welt den gleichen Anteil an Freundlichen, an Bösen, an Ignoranten, an Dummen und an weniger Dummen, gar Klugen. Ganz egal, ob sie sich in Deutschland aufhalten oder auf den Osterinseln (beispielsweise). Anderes zu behapten wäre - ganz recht: diskriminierend. Was folgt daraus? Überall sind für die Lösung von Probleme (oder schlimmerem) alle gemeinsam verantwortlich.

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Bowie 02.08.2018, 22:03
94. Die Rechtsausleger entlarven sich...

...mit Fleischhauers Text einmal mehr. Sehr typisch und mit der üblichen, selbstgefälligen Herrenmenschenmentalität des Konservativen beginnt Fleischhauer zunächst mit dem üblichen ablenkenden Werfen von Nebelkerzen. Der englisch korrekte Gebrauch des Begriffes „meTwo“ ist zum einen unerheblich für dem Inhalt und zum anderen lenkt er die Diskussion darüber gleich auf eine andere Ebene ohne Relevanz. Nicht ohne überheblich von oben herab belehrend den Initiatoren gegenüber aufzutreten, denn der edle deutsche Schreiberling zeigt euch Kuffnucken damit mal, wo es orthografisch lang geht. Im Anschluss die unsägliche Diskussion der Rassen aus der rechtskonservativen Mottenkiste ( „Hähä...Religion ist keine Rasse...höhö“). Dass der Begriff des Rassismus allgemein für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit benutzt wird, blendet Fleischhauer aus und bedient damit diese so schal gewordene, dümmliche Argument. Der traurige Gipfel ist allerdings die ebenfalls sehr typische Schuldumkehr im rechten Lager. Denn die Aussage „nur duch den Vorwurf des Rassismus füttert man Rassengläubige“ ist ungefähr genau so logisch und intellektuell daneben wie der ständige Vorwurf der Rechten, nur die anderen, Merkel, das System seien schuld daran, dass sie gezwungen seien, rassistische Antisemiten zu wählen. Es bleibt festzuhalten, dass sich Fleischhauer mit seinem Artikel selber ins rechte Knie geschossen hat - intellektuell, moralisch und menschlich. Man kennt es nicht anders von den Rechtsauslegern. Von Jan Fleischhauer hätte ich allerdings etwas mehr erwartet.

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spon_4_me 02.08.2018, 22:05
95. @ vera gehlkiel (# 93): Das

Macht Ihnen keiner nach, verehrte Co-Foristin: Molly Bloom und Luther und eine Prise Wittgenstein (mir persönlich fehlt Fanon und - immer gern genommen - Foucault in Ihrer Sammlung), aber im Ernst: Ästethisieren Sie nicht ein bisschen zu sehr? Natürlich verbergen sich manchmal große neue Dinge hinter solchen Aktionen, aber oft ist es auch nur die böse alte Geltungssucht, Warhols Minute of Fame, narzisstische Bestätigung, Wichtigtuerei - oder davon nicht wirklich gut zu unterscheiden. Was mich stört, wenn ich so ehrlich sein darf, ist der Rilkesche Moment des Du musst Dein Leben ändern, der dem Ganzen als Anspruch inne wohnt. Erstens ändere ich mich generell langsam wie ein Schildkröte (ohne stolz darauf zu sein, aber was soll ich machen), zweitens frage ich störrisch wieso und drittens dünkt mich, dass dann auch das eine oder andere verloren gehen könnte, was mir wichtig ist. Ich las irgendwo, me2 sei ein Gesprächsangebot, was irgendwie netter klingt als das Wort Forderung, eher nach einerArt Coachingrunde oder Therapiegruppe - kannste machen kannste lassen. Was aber, wenn ich finde, man kann Sachen auch mal erst mal mit sich selbst ausmachen, bevor man den Rest der Welt beglückt?

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radioactiveman80 02.08.2018, 22:15
96.

Zitat von Zahn der Zeit
Sie fragen: „Wer postet dass er eine Stelle nicht bekommt, kann er denn beweisen dass es aufgrund seiner Hautfarbe/Abstammung war?“ Wenn Sie wissenschaftliche Evidenz ernstnehmen und verstehen würden, ergäbe sich folgende Einsicht: Randomisierte Bewerbungen, die sich nur hinsichtlich des Namens des Bewerbenden unterscheiden, zeigen ganz klar, dass bei „fremdländischen Namen“ weniger oft eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgt, trotz gleicher Abschlüsse, gleicher Muttersprache etc. Im Einzelfall kann wissenschaftstheoretisch und -methodisch nie etwas bewiesen werden, auch wenn in Summe die Evidenz von jedem Wissenschaftler unzweifelhaft anerkannt wird. Gerade das machen sich Populisten gerne zur Diskreditierung wissenschaftlicher Ergebnisse und ernsthaft bedauernswerten Einzelschicksalen zunutze. Viele Kommentatoren hier machen auch genau das. Und Herr Fleischauer versteht ebenso wenig von soziologischen Studien. Geradezu grotesk, dass so jemand genau solche einfordert, obwohl es sie gibt und er sie nicht kennt.
Es ging aber nicht um Studien, wo genau dies mit Absicht "ausprobiert" wurde - es geht im Kommentar um die Selbstwahrnehmung derjenigen die unter #meetwo posten und den Lesern. Wer schreibt dass er die Stelle nicht bekam weil er farbig ist, der hat das so wahrgenommen. Das KANN Diskriminierungsgründe haben - muss es aber nicht. Darin liegt das Risiko bei #meetwo. Nach der SIlvesternacht in Köln hätte es auch kaum jemand gewagt, von einem "flächendeckenden Problem durch kriminelle Asylbewerber" zu sprechen. Weil es auch nicht stimmt. Daher bin ich auch nicht der Ansicht dass in Deutschland flächendeckender, quasi allgegenwärtiger Rassismus herrscht. Anders gefragt: welche gesellschaftliche/politische Strömung würde vom Eindruck eines "flächendeckenden Rassismus" am meisten profitieren, wem würde er nützen? Das bedeutet nicht dass wir Rassismusfrei sind, das ist wahrscheinlich leider keine Gesellschaft. Beispiel: eine junge Dame erzählt auf Youtube wie sie mal in der S-Bahn von 2 Besoffenen angemacht wurde. Sie erhält 5000 Kommentare, 4900 mitfühlende und 100 dämliche. Von diesen 100 dämlichen sucht sie sich die drei sexistischsten aus die sie finden kann, liest diese in einem weiteren Video vor - und kommt zu dem Schluss dass Deutschland ein Sexismusproblem hat und somit nicht weniger, sondern noch viel mehr #meetoo braucht. Das ist das was der Autor meint. Das Medium Twitter sollte man mit Vorsicht genießen, um die Gesellschaft und deren Probleme zu analysieren. Nicht jeder, der etwas in Frage stellt, ist ein Populist dem eine bestimmte Erkenntnis unangenehm sein könnte.

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Dr. Kilad 02.08.2018, 22:29
97. Ja, Herr Fleischhauer, was ist Rassismus?

Sie schreiben: "Dennoch ist in der Biologie heute bestenfalls von "Unterarten" die Rede". Würde ich Sie zu einer Unart rechnen, wäre ich Rassist. Mache ich deshalb aber nicht. Alles klar? Ich fürchte nicht. Was Sie sich da zusammenbasteln hat nämlich nichts mit Wissenschaft zu tun und ist reiner Populismus. Rassismus ist eben nichts Biologisches, sondern Ideologie. Wenn der Rassismus - wie Sie behaupten - wirklich erledigt sein soll, warum suchen Sie seine Wurzeln dann in der Genetik statt in der menschlichen Gemeinschaft?

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Lykanthrop_ 02.08.2018, 22:49
98.

Zitat von Bowie
...mit Fleischhauers Text einmal mehr. Sehr typisch und mit der üblichen, selbstgefälligen Herrenmenschenmentalität des Konservativen beginnt Fleischhauer zunächst mit dem üblichen ablenkenden Werfen von Nebelkerzen. Der englisch korrekte Gebrauch des Begriffes „meTwo“ ist zum einen unerheblich für dem Inhalt und zum anderen lenkt er die Diskussion darüber gleich auf eine andere Ebene ohne Relevanz. Nicht ohne überheblich von oben herab belehrend den Initiatoren gegenüber aufzutreten, denn der edle deutsche Schreiberling zeigt euch Kuffnucken damit mal, wo es orthografisch lang geht. Im Anschluss die unsägliche Diskussion der Rassen aus der rechtskonservativen Mottenkiste ( „Hähä...Religion ist keine Rasse...höhö“). Dass der Begriff des Rassismus allgemein für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit benutzt wird, blendet Fleischhauer aus und bedient damit diese so schal gewordene, dümmliche Argument. Der traurige Gipfel ist allerdings die ebenfalls sehr typische Schuldumkehr im rechten Lager. Denn die Aussage „nur duch den Vorwurf des Rassismus füttert man Rassengläubige“ ist ungefähr genau so logisch und intellektuell daneben wie der ständige Vorwurf der Rechten, nur die anderen, Merkel, das System seien schuld daran, dass sie gezwungen seien, rassistische Antisemiten zu wählen. Es bleibt festzuhalten, dass sich Fleischhauer mit seinem Artikel selber ins rechte Knie geschossen hat - intellektuell, moralisch und menschlich. Man kennt es nicht anders von den Rechtsauslegern. Von Jan Fleischhauer hätte ich allerdings etwas mehr erwartet.
Schreiberling ist das Wort, welches Sie disqualifiziert.
Dieses Wort zeugt selbst von Verachtung und Menschenfeindlichkeit.
Ich glaube nicht, dass die Strategie der Linken, den Rechten Vormarsch zu stoppen besonders Erfolgreich war. Es wäre mal Zeit für eigene prägende Worte, eigene überzeugende Standpunkte.
Linke arbeiten sich an den Rechten ab und diese prägen die Debatte. Der Ruf ist bestimmend und immer lauter als sein Echo.
Es ist Zeit für eine Linke Emanzipation, ein eigenen unabhängigen Kompass, einen der mehr kennt als zwei Pole.

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DasEinfacheVolk 03.08.2018, 23:09
99. Und vor allem ist die Debatte auf Twitter

Erinnert sich noch jemand an die Aktion #notinmyname ? Nein? War ein Weile "ziemlich gross". Aber verändert hat sie vermutlich nichts.
Twitter ist ein äußert kurzlebiges Medium. Das habe ich den Leute auch gesagt. Wenn sie was verändern wollen sollen sie auf die Strasse gehen. Aber gehört hat wohl keiner auf mich.

Solche Twitteraktionen locken nur Unzufriedene, Trolle die auf Ärger aus sind und ein paar wenige Weltverbesserer an.

Leuten denen es gut geht ( damit mein ich auch uns Leute mit Migrationshintergrund ) und Leute die wirklich für Integration kämpfen sind auf der Strasse und nicht auf Twitter. Man hat einfach besseres zu tun.

Daher ist das Bild welches ein Blick auf Twitter zeichnet sowieso total verzerrt.

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