Forum: Politik
Mietprotest in Berlin: Nackte Subjekte in begehrten Objekten

Münchner Preise für Berliner Apartments - das wollen sich empörte Hauptstädter nicht gefallen lassen. Polit-Aktivisten haben die Form des Wohnungs-Flashmobs bis auf ihren Kern entblößt. Sie*tanzen nackt durch teure Mietobjekte, um Makler und Eigentümer zu erschrecken.

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Foul Breitner 18.10.2010, 17:49
30. Afa und kalkulatorische Kosten

Zitat von semper fi
Mit "Betrieb" meinen Sie sicherlich den Unterhalt und die Betriebskosten. Vielleicht auch noch die anderen Nebenkosten? Vergessen Sie dabei nicht, dass Häuser auch richtig Geld kosten, in der Anschaffung/im Bau - meine ich. Und dass sich das dabei eingesetzte Kapital auch verzinsen muss. Wenn's keine Verzinsung gäbe, dann könnte der Vermieter das Geld auch auf's Konto legen; dort gibt es Zinsen. Aber es gäbe kaum noch (bewohnungsfähige) Häuser. Und die Mieten würden explodieren.
habe ich nicht vergessen.
Man muß einfach fallweise unterscheiden. Fakt ist aber, daß die Baukosten sich nicht wesentlich unterscheiden, die Mieteinkünfte schon.
Wenn in Bestlagen saniert wird, sind die Streitwerte der Lärmklagen teils schon so hoch wie die Sanierung von einem Mehrfamilienhaus im ländlichen Raum.

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semper fi 18.10.2010, 17:58
31. -

Zitat von Foul Breitner
Afa und kalkulatorische Kosten habe ich nicht vergessen.
Naja, für den Erwerb und gfls. die Sanierung (siehe Ihr Absatz unten) werden auch Hypotheken benötigt. Die Zinslast dafür ist alles andere als "kalkulatorisch".

Zitat von
Man muß einfach fallweise unterscheiden. Fakt ist aber, daß die Baukosten sich nicht wesentlich unterscheiden, die Mieteinkünfte schon.
Die Baukosten möglicherweise nicht. Aber die Unterschiede bei den Grundstückpreisen sind teilweise schon gewaltig.

Zitat von
Wenn in Bestlagen saniert wird, sind die Streitwerte der Lärmklagen teils schon so hoch wie die Sanierung von einem Mehrfamilienhaus im ländlichen Raum.
Und das muss auch irgendjemand bezahlen.

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langsamfahrstelle 18.10.2010, 18:07
32. -

Fakt ist, dass Berlin deutlich billiger ist als Hamburg oder München.

Fakt ist aber ebenso, dass Berlin dadurch nur einigermaßen bezahlbar wird.

Wie sieht es denn in Hamburg aus? Bei Studenten ist der WG-Markt gerade am Implodieren. Eine eigene Bude ist ohnehin jenseits des Budgets, wenn die Eltern nicht gerade Superreiche sind. Ich kenne Leute, die zahlen für ein Loch von 9 m² in einer WG in Barmbek-Süd 270 Euro. Und das ist kein Einzelfall.

Die Hartzer haben in Hamburg auch schon ihren ehrenwerten Vermieter gefunden. Der vermietet systematisch im großen Stil feuchte Kellerräume mit kleinen Luken nach draußen als Wohnung. Das ist mangels Alternativen offenbar kein Problem:

http://mobil.abendblatt.de/hamburg/k...nnwOfz5CrouQ**

20 m² ohne Bad und Küche für 300 Euro. In Hamburg problemlos zu vermieten.

Natürlich können wir die Leute auch ausquartieren. Hartzer, Studenten, Künstler und Geringverdiener ab nach Buxtehude oder woanders ins Umland. Mit Glück gibt es einen S-Bahn-Anschluss, den man sich bei den gepfefferten Preisen aber auch nur 1x pro Woche leisten kann. Egal, ob die Menschen vielleicht schon immer in Hamburg gelebt haben und dort ihre ganzen Bezugspunkte besitzen.

Diese Politik ist einfach zum Kotzen. Ein Stadthaus kostet im Bau ganz sicher nicht mehr als eins im Umland. Irgendwer streicht aber ganz offensichtlich den dicken Profit ein.

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medley63 18.10.2010, 18:09
33. Wer ist nicht "geil" auf Geld?

Zitat von Foul Breitner
Allerdings muß man sagen, daß 5 Euro für Wohnung veermutlich die absolute Grenze für den Betrieb sind. 10 Euro sind allerdings reine Geldgeilheit.
Und wenn die Gewerkschaften demnächst eine xx% Loherhöhung fordern, ist das keine "Geldgeilheit"? Also daher bitte nicht Wassersaufen von Vermietern fordern, wenn alle anderen, auch Mieter, viel lieber Wein schlürfen. Die 10 Euro/m² werden zudem allermeist nur für Wohnungen in komplett kernsanierten Alt- oder auch in Neubauten gefordert. Alles andere wäre auf dem Berliner Wohnungsmarkt, selbst in den Trendbezirken, kaum durchsetzbar. Zudem gibt es auch kein Menschenrecht in Friedrichain für 'nen Appel-und'n-Ei zu wohnen. Da muss man sich dann halt in einer anderen Ecke der Stadt was Passendes suchen. Ist überall auf der Welt so. Schließlich fordert ja auch niemand, dass man einen neuen Mercedes gefälligst zum Preis eines klapprigen VW's erwerben kann. Wie ein Prinz leben für die Penunze eines Bettelmannes. So hät's natürlich jeder gern. Geht aber leider nicht.

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semper fi 18.10.2010, 18:15
34. -

Zitat von langsamfahrstelle
Diese Politik ist einfach zum Kotzen. Ein Stadthaus kostet im Bau ganz sicher nicht mehr als eins im Umland. Irgendwer streicht aber ganz offensichtlich den dicken Profit ein.
Das Haus sicherlich nicht, wenigstens nicht viel mehr. Aber das Grundstück.

Und warum ist daran die Politik wieder "schuld"?

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Pnin 18.10.2010, 18:19
35. .

Zitat von langsamfahrstelle
Ein Stadthaus kostet im Bau ganz sicher nicht mehr als eins im Umland. Irgendwer streicht aber ganz offensichtlich den dicken Profit ein.
Checken Sie mal die Grundstückspreise in Hamburg.

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gerdpwerner 18.10.2010, 18:30
36. Grund Und Boden Als Grundrecht Organisiere Statt Als Ware

ein Blich auf das Thema Grund und Boden als Ware: wir sind es gewohnt,
Grundstücke dem freien Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage zu
überlassen, wie bei anderen Waren im Wirtschaftskreislauf, etwa Stahlblech,
Kartoffeln, Erdöl. Es fällt uns normalerweise gar nicht auf, dass ein Grundstück
ja gar kein Produkt ist, noch nie hat jemand ein Grundstück hergestellt. In einer
wohnungspolitischen Debatte zur Neuen Heimat im Bundestag am 14.3.1986
habe ich ganz vorsichtig formuliert: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis, das aus
unserer Sicht eher als Grundrecht gesehen und auch als Grundrecht organisiert
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werden muss und das daher nicht so wie andere Konsumbedürfnisse einfach
dem sogenannten Markt überlassen werden kann.“ Ich erntete für diesen
Gedanken Ablehnung bei anderen Mitgliedern meines
Ausschusses für Raumordnung, Bauwesen und
Städtebau, trotzdem hat dieser Grundgedanke mich
seitdem weiter stark bewegt. Der Mensch kommt auf
diese Erde und findet sie bereits verteilt vor, jeder
Quadratmeter ist im Grundbuch eingetragen als
persönlicher Besitz eines Eigentümers. Da kommt mir
wieder dieser schöne Satz in den Sinn: „Die Würde des
Menschen ist unantastbar.“ Und ich denke, jeder neue
Erdenbürger wird in seiner Würde verletzt, wenn die
Erde bei seiner Ankunft schon aufgeteilt ist. Wir
wissen zwar, dass nichts einen so hohen Schutz des
Grundgesetzes genießt wie das persönliche Eigentum
an einem erworbenen oder geerbten Stück Grund und Boden, aber es muss
gefragt werden dürfen, ob das denn so richtig ist.

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mailverwertung 18.10.2010, 18:34
37. ...

Zitat von langsamfahrstelle
Die Hartzer haben in Hamburg auch schon ihren ehrenwerten Vermieter gefunden. Der vermietet systematisch im großen Stil feuchte Kellerräume mit kleinen Luken nach draußen als Wohnung. Das ist mangels Alternativen offenbar kein Problem: 20 m² ohne Bad und Küche für 300 Euro. In Hamburg problemlos zu vermieten.
Sehr interessanter Bericht - Vielen Dank !

Hatte dann noch diese Seite dazu gefunden:
http://archiv.mopo.de/archiv/2010/20...vermieter.html

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FrankDr 18.10.2010, 18:42
38. dsa

Zitat von langsamfahrstelle
Wie sieht es denn in Hamburg aus? Bei Studenten ist der WG-Markt gerade am Implodieren. Eine eigene Bude ist ohnehin jenseits des Budgets, wenn die Eltern nicht gerade Superreiche sind. Ich kenne Leute, die zahlen für ein Loch von 9 m² in einer WG in Barmbek-Süd 270 Euro. Und das ist kein Einzelfall. 20 m² ohne Bad und Küche für 300 Euro. In Hamburg problemlos zu vermieten.
Zu diesem Preise würde man in Stuttgart feiern eine Wohnung zu bekommen. Natürlich gebe ich den Mit-Foristen Recht, dass de Grundtückspreise enorm sind und die Kosten wieder eingefahren werden müssen (zumal Mietnomaden und andere unberechenbare Kosten hinzukommen).
Andererseits: Da sind Drecklöcher dabei, die zwar aufgrund des Wohnungsmangels tatsächlich vermietet werden, aber nicht für Menschen geeignet sind.
Ich war zu besuch bei einem bekannten Studenten: Er musste sich eine Wohnung teilen: Sein Zimmer (verhältnismäßig große 18m²). Dafür zahlte er 475€, teilte sich Küche und Bad. Als Badtür fungierte eine rausgerissene Tür eines Wohnzimmerschranks, dass sich natürlich nicht schließen ließ. Überall hingen lose Stromkabel von der Decke usw. Aber er war froh erstmal eine Bleibe gefunden zu haben zu seinem damaligen Semesterbeginn.

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PinkyMcBrain 18.10.2010, 18:43
39. .

Zitat von Cathetel
Ja Glück wer noch in einer Bruchbude wohnen darf mit Kohleofen und Koksern aufm Dachboden. Da lässts sich noch leben.
Und genau damit ist die Situation in Berlin genau FALSCH beschrieben. Es gibt in ganz Berlin nur wenige tausend Wohnungen mit Ofenheizung. Außen-WCs gibt es meiner Erinnerung nach nur noch in rund 300 Wohnungen.
Bei insgesamt 2 Millionen.

Der Sanierungsgrad ist im Deutschlandvergleich überdurchschnittlicht UND die Mieten sind unterdurchschnittlich.

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