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Mindestlohn und Arbeitslosigkeit: Erfreulicher Irrtum, doch kein Grund zur Übertreibu
DPA

11 Monate nach der Einführung des Mindestlohns ist die Arbeitslosenquote niedrig wie seit 24 Jahren nicht mehr. Alle, die vor einem großen Jobsterben gewarnt hatten, haben geirrt. Das ist allerdings kein Grund für Häme - oder überzogene Forderungen.

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DMenakker 01.12.2015, 18:19
40.

Nehmen wir doch die beiden Branchen, die wohl am meisten vom Mindestlohn betroffen waren:

Friseurinnen: In einen Aufschwung, und vor allem in ein positives Konsumklima, wie es derzeit herrscht ( die paar Motzfrösche aus SPON sind zum Glück nicht relevant für die Republik ) hinein derartige Preissteigerungen durchzuziehen, wie dies gerade geschehen ist, ist nicht leicht, aber es hat funktioniert. Im Einkaufscenter, wo ich meistens bin, hat der Lokale Haareschnippler von 12,00 auf 17,00 Grundpreis erhöht. In eine Rezession hinein wäre das unmöglich gewesen. Die Leute beissen die Zähne zusammen und zahlen. Ich hoffe, das bleibt so. Denn natürlich gönne ich jeder Friseurin dass sie deutlich besser verdient als vorher. Ich war nur nicht so optimistisch dass dies auch funktionieren könne. Der andere Bereich ist die Gastronomie: Um es kurz zu sagen: Dort wird beschissen bis sich die Balken biegen. Mindestlohn gibts dort nur auf dem Papier. Da gilt die Vorbereitung bis zur Lokalöffnung plötzlich nicht mehr als Arbeitszeit, Trinkgelder werden einbehalten und verrechnet etc. Da wird sich so schnell auch nichts ändern.

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Discordius 01.12.2015, 18:25
41. Unsinn von Sinn

Zitat von SethSteiner
Da die Quote frisiert ist, frage ich mich warum nicht mal die Nachrichtenportale sich mal um die richtigen Zahlen bemühen. Es ist doch lange bekannt, dass aus etlichen Gründen Menschen nicht erfasst werden, die eigentlich keinen festen Job haben bzw. vom Staat Unterstützung erfahren müssen. Und dass der Mindestlohn nicht konsequent gilt ist ja auch so ein Witz.
Natürlich ist die Quote frisiert, aber in viel geringerem Ausmaß als in anderen Ländern, vor allem den USA.

Jedenfalls hat der Mindestlohn nur Gutes gebracht, im Gegensatz zu den Prognosen der meisten "führenden" Wirtschaftsinstitute. Der Experte Prof. Hans-Werner Sinn würde gerne unsinnigerweise den so erfolgreichen Mindestlohn abschaffen, wegen der vielen Flüchtlinge in Deutschland! Er verkennt, dass ein zum Mindestlohn arbeitender Flüchtling sofort genug Geld für kräftige Konsumausgaben hat. Das kurbelt die Binnenwirtschaft zusätzlich an und schafft sogar langfristig mehr Arbeitsplätze.

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jstawl 01.12.2015, 18:26
42.

Im Normalfall hilft der Mindestlohn vor allem der Staatskasse, weil die Aufstockungen nun direkt vom Arbeitgeber bezahlt werden und der sich nicht mehr auf die Sozialisierung seines Verhaltens hoffen kann.

Und natürlich war klar, dass er kaum Jobs kosten wird. Fast keiner hat den Instituten ihre Horrorszenarien abgenommen. Die betreiben nunmal Politik für ihre Zahler.

Über Bürokratie im Rahmen des Mindestlohns etc. kann man sich übrigens zurecht streiten und das muss auch angesprochen werden.

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Vex 01.12.2015, 18:28
43.

"Wer das Thema ideologiefrei betrachtet, dürfte darüber nicht verwundert sein."

Ideologiefreiheit gibt es nicht das würde Hirntot, Nihilismus oder Opportunismus bedeuten.
Jede andere Weltanschauung beruht auf Ideen sowie daraus resultierenden Überzeugungen und ist somit eine Ideologie.

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m.sielmann 01.12.2015, 18:30
44. Idiologie

Der Autor verlagert seine Bedenken gegen den Mindestlohn auf die Mindestlohnerhöhung und entlarvt sich so als zwanghafter Idiologe und dem Deckmantel des Idiologiekritikers. Das ist peinlich. Die einzigen Werte, die wir brauchen, stehen im Grundgesetz. Dort ist die Verpflichtung des Staates gegenüber der Menschenwürde verankert. Die Sicherstellung eines menschenwürdigen Daseins von arbeitenden Personen ist nun Aufgabe der Politik, aber die verfassungsrechtliche Augabenerfüllung ist für Florian Gathmann offensichtlich Idiologie und nicht Mathematik. Das BVerfG hatte dem gesetzgeber aber schon im Zusammenhang mit Hartz IV vorgehalten, dass er sich nicht willkürlich verhalten darf, sondern an den lebenshaltungskosten orientieren muss. Sollten also in Deutschland z.B. Mieten gestiegen sein (für Gathmann ist das sicherlich zu idiologisch), mag die Bewertung eines menschenwürdigen Mindeslohns sich nunmehr neu berechnen. Das ist Mathematik und Grundgesetz.

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DMenakker 01.12.2015, 18:30
45.

Zitat von rfriedfe
Mich würde mal interessieren wieviele wir haben die trotz des Mindestlohns von Ihre Arbeit nicht mehr leben können und zu Aufstockern geworden sind. Mindestlohn allein heisst ja nicht, dass da in jedem Fall genug bei rum kommt um Hartz 4 zu übersteigen. Viele bekommen ja nur einen Teilzeitjob (schon sind sie aus der Statistik raus) und haben eine Familie zu ernähren.
Ganz ehrlich gesagt, stellt sich die Frage nach Aufstocker eigentlich nicht. Ich zahle einem meiner MA SEHR deutlich über Tarif, fast das Doppelte des Mindestlohnes und er bekommt immer noch ein paar EUR Aufstockung, weil er halt Alleinverdiener einer 5-köpfigen Familie ist. So what? Ist der Job jetzt unterbezahlt, weil er keine Großfamilie ernährt?

Ein Mindestlohn sollte denjenigen, der ihn erwirtschaftet, in die Lage versetzen, mit einem Ganztagsjob sich selbst zu finanzieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deswegen nennt er sich ja "Mindest"lohn und nicht Regellohn. Wer es kann, sollte sich schnellstens einen besser bezahlten Job suchen.

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jakam 01.12.2015, 18:31
46. Rechnerisch immer noch zu wenig.

Der Mindestlohn war nicht nur richtig, sondern immer noch zu niedrig. Warum? Weil der Steuerzahler sowohl für die Aufstocker als auch die spätere inexistente Rente der so ausgenutzen Arbeiter bezahlen muß - und DAS ist definitiv nicht fair, da er/sie ja auch nicht an den Gewinnen der Arbeitgeber partizipieren dürfen, die durch diesen niedrigen Lohn mehr Gewinn machen können.
Die Alternative wäre, daß der jeweilige profitierende Arbeitgeber später anteilig die Rente für diese ausgenutzen Menschen berappen muß.
Aber - wie soll das auch sinnvoll von Leuten gelöst werden, die sich selber jedes Jahr automatische Erhöhungen zugesprochen haben und sich weigern, mit einzuzahlen oder sich ebenfalls den Marktschwankungen auszusetzen. DA liegt die wahre Sauerei.

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fat_bob_ger 01.12.2015, 18:31
47. Wo ist das Problem?

Wenn ein Mindestlohn nach am Marktpreis für ungelernte Tätigkeiten angesiedelt wird, dann können sich gar keine negativen Effekte ergeben. IN naher Zukunft werden viele Neuarbeitswillige in den Niedriglohnsektor drängen. Dann wird das Arbeitskräfteangebot ansteigen und damit die Arbeitslosigkeit, wenn zu dem Mindestlohn zu wenig Stellen angeboten werden. Sollte man für anerkannte Flüchtlinge einen niedrigeren Mindestlohn festsetzen, werden sie andere Arbeitnehmer verdrängen, soweit sie ähnlich qualifiziert sind. Wenn nicht, bleiben sie arbeitslos und müssen von staatlicher Seite versorgt werden.

Fazit: Ein echter Mindestlohn ist so festgesetzt, dass er deutlich über dem Marktpreis liegt. In diesem Fall wird es zwangsläufig Arbeitsplatzverluste geben. Momentan ist dies nicht der Fall.

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genugistgenug 01.12.2015, 18:32
48. Welche Stundenbasis eigentlich?

Wieder mal stellt sich die Frage, welche Stundenbasis diesem Mindestlohn zu Grunde gelegt wurde. Die 35 oder 38 oder 40 Stunden?
Oder gar die 48 (achtundvierzig) Std. Arbeitszeit nach Gesetz und die 24 Urlaubstage (inkl. Samstag)? So still und heimlich würde diese Schönrechnerei zu dieser ReGIERung passen! Denn mit 48 Stunden sieht alles viel netter aus. Und wenn die Leute halt keine 48,- Std. arbeiten 'wollen' sind die selbst schuld.
40 Std * 8,50 = 340,- €/Woche = 1.473,33 €/Monat
48 Std * 8,50 = 408,- €/Woche = 1.768,- €/Monat
(Woche mal 13 Wochen durch 3 Monate)

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Kommentarschreiber 01.12.2015, 18:32
49. Fensterputzer..?

Ist es denn so schwer zu begreifen, dass es für die Glasreinigung einen Tariflohn von 12,65 (West), bzw. 10,63 (Ost) gibt? Was hat das Bild mit einem Artikel über Mindestlohn zu tun? Ein in Vollzeit-Beschäftigter "Fensterputzer" erhält 2.175,80€ brutto (=ca. 1.470€ netto)!

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