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Nach Angriff auf Präsidentschaftsbewerber: Brasiliens Tropen-Trump hofft auf Mitleids

Der Präsidentschaftswahlkampf in Brasilien ist so dramatisch und unwägbar wie kein anderer seit dem Ende der Militärdiktatur - inklusive Messerangriff. Der eigentlich chancenlose Rechtspopulist Bolsonaro profitiert.

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caboense 08.09.2018, 22:59
10. Die Sozialisten haben Brasilien mehr geschadet als genutzt

Im großen und ganzen kann ich icke_floripa nur zustimmen. Und sogar in den brasilianischen Abendnachrichten wurde schon berichtet, daß es noch nie solch ein Ausmaß an Korruption von Regierungen gegeben hat wie in den Jahren von 2003 bis 2016 (PT). Dass dabei ein paar Cents bzw. Brotkrumen an die ärmere Bevölkerung gingen, muß ich eher als Hohn bezeichnen. Denn in Brasilien leidet nach wie vor die „classe baixa“, die große Mehrheit der Armen und Unterprivilegierten. Das Leben in Brasilien ist in der letzten Dekade nach der Bankenkrise 2008 immer extremer geworden, entweder man ist arm oder reich, entweder links oder rechts, entweder Nutznießer oder Zahler im großen Sumpf der Korruption. Für die große Mehrheit hat sich das Leben deutlich zum Schlechteren gewandelt: bei der öffentlichen Krankenversicherung, der Bildung, mit den Arbeitsplätzen und vor allem der öffentlichen Sicherheit. Das kümmert das Establishment herzlich wenig, mit Geld lebt es sich immer noch sehr gut in Brasilien. Deshalb denke ich, dass eine brasilianische „Wende“ in der aktuellen Situation dem Land nur helfen kann. Die Linken hatten ihre Chance, jetzt muß es in die andere Richtung gehen, weg von der korrupten Classe Politica. Und als einziger Kandidat mit Chancen hat Bolsonaro noch keinen einzigen Korruptionsvorwurf…

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fghelmke 09.09.2018, 00:10
11. Nicht chancenlos sondern logisch.

Bolsonaro hat die allerbesten Chancen, in die Stichwahl zu kommen, selbst bei nur 25% der Stimmen, weil die sonst niemand erreichen wird. Und dann wäre es absolut nicht überraschend , wenn er diese Stichwahl gewinnt. Das Problem fing übrigens nicht erst beim Impeachment von Dilma Rouseff an, sondern mit einem der grössten Korruptionsskandale der Weltgeschichte, in dem unter ihrer Regierung, und der ihres Vorgängers Lula da Silva, Milliarden vom staatlichen Ölkomzern Petrobras abgezweigt wurden. Das Problem ist, dass die Justiz angefangen hat, besser zu funktionieren und neben dem Ex-Präsidenten Lula übrigens auch drei seiner Schatzmeister verurteilt wurden. Andere Politiker sitzen in Untersuchungshaft, wie der (nicht linke) ex-Gouverneur von Rio, der bei Olympia und WM ganz gross abgeräumt hat. Jetzt hat die Bevölkerung die Nase voll von der Linken, die sich als noch korrupter entpuppt hat, und wählt eben rechts. Logisch.

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aehne 09.09.2018, 00:49
12. Bolsonaro ist sehr wohl eine brasilianische Trump Kopie

Der Artikel stellt sehr wohl die wahre Lage in Brasilien dar. Die Rechte versucht mit allen Mitteln eine Mitte-Links Regierung unmöglich zu machen. Rechte Politiker die unter Korruptions und Machtmissbrauchsverdacht stehen werden oft nicht prozessiert oder der Prozess zieht sich über Jahrzehnte hin. Das Vertrauen in die brasilianische Justiz ist genau wie das Vertrauen in die Politik durch jahrzehntelange Erfahrungen stark erschüttert. Die letzte gewählte Regierung wurde durch einen "demokratischen Putsch" abgesetzt. Allerdings muß man der abgesetzten Regierung bescheinigen, daß bei ihrer Wiederwahl massive Preisbeeinflussungen im Vorfeld der Wahl vorgenommen wurden. Das Land braucht dringendst Reformen (Abbau der Bürokratie, Rentenreform, Steuerreform, Abbau der öffentlichen Verwaltung), die in keinster Weise auch nur ansatzweise angegangen werden. Die Industrie arbeitet mit geringer Effizienz, das Schulwesen verschlechtert sich, Umweltschutz wird total vernachlässigt. Die Bevölkerung hat die herrschende "Elite" satt. Politiker entstammen zumeist diesen einflussreichen Eliten und die Ämter werden innerhalb der Verwandtschaft verteilt. Das führt zur dieser extremen Polarisierung zwischen rechts und halb links. Den bisherigen Politikern kann man eigentlich nur extremes Versagen nachsagen und vor allem sehr viel Korruption. Nach einer Besserung sieht es bei der kommenden Wahl allerdings nicht aus. Keiner Seite traue ich die nötigen Reformen zu.

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jens.schmitt 09.09.2018, 03:30
13. eigene Standards werden ad Absurdum geführt

Kurz vorab, ich lebe seit 2014 in Brasilien.
Wie lange schaut sich der Spiegel eigentlich noch an, dass Herr Glüsing sämtliche journalistische Standards ignoriert und zum wiederholten Mal wie (?) ein von der PT bezahlter Haus- und Hofschreiber auftritt. Ich habe überhaupt keine Sympatien für Herrn Bolsonaro und kämpfe hier jeden Tag verbal gegen meine Freunde und Kollegen, damit diese nicht dieses untragbaren Rechtspopulisen wählen. Aber in einem einzigen Artikel so viele Unwahrheiten über die PT, Dilma und Lula zu verfassen lässt selbst die Bildzeitung vor Neid erblassen. Die Falschmeldungen und Lügen wurden ja bereits von eineigen KOmmentaren sehr gut aufgegriffen (@icke_floripa, ich lebe auch in Grande Florianopolis), jetzt erhoffe ich mir einfach mal, dass das einstige Flakschiff des deutschen Journalismus sich selbst wieder auf seine Standadrs besinnt und diesem seit Jahren andauerdem Treiben des Herrn Glüsing Einhalt gebietet. Wirklich einfach nur schrecklich.

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icke_floripa 09.09.2018, 15:39
14. @aehne ... und schon wieder

Das ist es genau, da kommen sie wieder mit ihren halbwahren Behauptungen. Das ist echt anstrengend. Immer wieder kommen da Behauptungen und Lügen, wie der Prozess gegen Lula sei politisch motiviert, es gäbe keine Beweise gegen ihn, die Richter wären parteiisch, Dilmas Absetzung wäre ein, wie sie so schön sagen, "demokratischer Putsch" (lol) gewesen und natürlich alles ist manipuliert von der Elite, welche immer ganz allgemein die Mittelschicht und Oberschicht ist und natürlich hat auch das CIA seine Finger im Spiel. Bitte, bitte informieren Sie sich Richtig! Und lesen sie auch die vielen Kommentare der vorherigen Artikel. Immer wieder kommt einer und glänzt mit ignoranten Nichtwissen und linksextremem Populismus. Nur noch mal ganz kurz: gegen Lula gab es unzählige Beweise und Zeugen, um ihn zu verurteilen. Die vielen kläglichen Versuche ihn mit allen möglichen Mitteln aus dem Gefängnis zu bekommen sind gescheitert. Und dies auch beim oberstem Verfassungsgericht, wo 7 der 11 Richter von Lula und Dilma ernannt wurden! Ihr sogenannter "Putsch" war ein langwieriges in der Verfassung verankertes Absetzungsverfahren welches Dilma nicht widerstand. Das ist das Problem, die PT und Ihre fanatischen Anhänger haben keine Argumente und Lösungen, um Brasilien aus der Krise zu holen. Im Gegenteil, sie können nur mit Populismus aufwarten und versuchen bei denen Punkte zu machen die die arm sind und schlecht gebildet. Da die extreme linke keine Ahnung hat von Marktmechanismen haben, kommen diese mit einer blanken Pauschalisierung und ideologischen Formeln daher. Einfaches Schwarz-Weiß-Denken. Es gibt nur gut oder böse, Reiche oder arme. Nur ist es so, dass genau die so verteufelte Mittelschicht (weil nicht arm) und Oberschicht, die ist die für Arbeitsplätze und Geld in der Haushaltskasse sorgt, die dann so gerne ganz freimütig von den extremen Linken ausgegeben werden. Das geht so weit, dass die PTSU sich zur Wahldevise gemacht hat die 100 größten Privatfirmen zu enteignen und der arbeitenden Klasse zurück zu geben. Und Ciro Gomez verspricht allen aus verschuldeten aus ihrer Verschuldung zu holen, mit welchem Geld? Also bitte, absurder geht es gar nicht mehr. Wo soll das Geld bitte dafür herkommen. Ach ja, die Bösen dieses Landes enteignen, dann das Geld raussaugen und die Firmen eingehen lassen. Yippi a yeah, Kommunismus in Reinform! Inkompetenz trifft Ideologie und Populismus. Venezuela lässt Grüßen. Ach ja, stimmt ja, ist dort ja auch Schuld der imperialen Kräfte.

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icke_floripa 09.09.2018, 15:39
15. ... fortsetzung

Alle die Punkte die sei übrigens aufgezählt haben, welche angegangen werden sollten, sind übrigens genau die die PT-Regierung nicht angegangen bzw. gelöst hat. Sehen Sie sich doch zum Bespiel die Rentenreform an. Mit ach und krach wurde unter Temer eine Mini-Reform durchgebracht, um ein Mindestalter für die Rente durchzubekommen. Denn bis vor kurzem war es noch so dass man mit 25 bzw. 30 Jahren Arbeit Rente beanspruchen konnte. Und dazu noch parallel bei vollem Bezug weiterarbeiten konnte. So haben viele Leute Rente bereits mit 55 Jahren bezogen. Die einzigen Argumente der extremen Linken sind populistisch, falsch und demagogisch und sie versucht durch Polarisierung, schon seid vielen Jahren, Stimmung zu machen. Das ist auch das einzige was ihnen bleibt und was sie können, um irgendwie an die Macht zu kommen, da inhaltlich zur Verbesserung der Situation in Brasilien nichts Gescheites kommt. Und wie gesagt richtig informieren!

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jovanni 10.09.2018, 01:49
16. Korrekter Kommentar

Ich war den Sommer über in Brasilien und werde von meiner brasilianischen Frau und vielen Freunden laufend gut über das Land informiert. Deshalb kann ich Herrn Glüsing Kommentar nur bestätigen. Ich bin ihm dankbar, dass er anders, als viele andere Korrespondenten, nicht den tendenziösen Quatsch der brasilianischen Medienkonzerne abschreibt, sondern offensichtlich objektivere Quellen nutzt. Der Vergleich mit Trump ist dabei eher eine Verharmlosung, da Bolsonaros verbale Attacken gegen Schwarze, Schwule, Frauen etc. deutlich über Trumps Geschmacklosigkeiten hinaus gehen. Lula und die PT haben sicher viel falsch gemacht, aber sicher auch viel mehr richtig als irgend eine brasiliansiche Regierung zuvor. Sie haben den Hunger besiegt, die Bildung verbessert, und währenddessen sogar ein kleines Wirtschaftswunder angezettelt, das dann aus verschiedenen Gründen - Ölpreis, amerikanische Zinspolitik, Intrigen der Koalitionspartner, Korruption und auch mangelnde Nachhaltigkeit - eingebrochen. Es wird nicht leicht, das Ruder wieder rumzureißen, aber die realistischste Chance hätte tatsächlich der alte Lula. Sofern er sich gute, unabhängige Köpfe in die Regierung holt. Davon gibt es in Brasilien durchaus eine Menge.
Es geht mir nicht in den Kopf, dass halbwegs intelligente Leute meinen, dass ein rechtsradikaler Vollidiot wie Bolsonaro, der in 20 Jahren politischer Karriere ausser Sprüche klopfen nichts nennenswertes geleistet hat, das Land retten soll. Den sollte wirklich nur wählen, wer der Meinung ist, dass eine Militärdiktatur, die mit aller Brutalität die Reichen vor den Armen schützt, der beste Weg für Brasilien ist.

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jovanni 10.09.2018, 01:59
17.

Zitat von vivaobrasil
Immer wieder über die einseitige Berichterstattung zur politischen Lage in Brasilien. Wenn hier einer den Trump macht, dann ist es Lula. Er bezichtigt die Presse nicht nur der Lüge, sondern stößt wie Trump subtile Drohungen aus. Beispiel gefällig ? https://twitter.com/lulaoficial/status/953434000286257152?s=11 Und so wie sich Trump gut mit Rechtspopulisten versteht, z.B Duarte, Putin oder früher mal Erdogan, so kann es Lula blendend mit dem Menschenschinder Maduro aus Venezuela. Vor solchen Zuständen haben die Menschen in Brasilien Angst und sie sind der Korruption und ewige reale Gewalt auf den Straße leid. Die PT hat in dieser Beziehung leider gar nichts erreicht
Selbst die rechten Medienkonzerne sehen Lula bei über 40% Zustimmung in der Bevölkerung. Er ist ihre letzte Hoffnung. Deshalb wurde er von der korrupten justiz au dem Weg geräumt. Die Menschen die Angst vor ihm haben, fürchten auch die Mehrheit der Brasilianer. Korruption war von jeher das Geschäft der reichen Familien, die Medien, Justiz und Militär weitgehend kontroliieren. Diese flüchten sich eher in eine Militätdiktatur, als ihre Priviiegien mit den ärmeren Landsleuten zu teilen.

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kurt&co. 10.09.2018, 07:48
18. eine orchestrierte Kampagne und grobe Unterstellungen

Hallo Freunde, Jens Glüsing will gar nicht über die wahren Hintergründe berichten. Es scheint wichtiger zu sein "seine" Sicht der Dinge zu verbreiten.
Lieber Jens Glüsing, hier einige Fragen:
1. Warum ist Bolsonaro "chancenlos"? - Bolsonaro ist auf Platz #1 der Umfragen die ganze Zeit... (ja, bevor sie jetzt Lula erwähnen: er darf nicht gewählt werden. Oder darf man in Deutschland als Knastbruder auch Kanzler werden?! )
2. Warum ist Bolsonaro "rechtsextrem"? - und wie stufen Sie Horst Seehofer ein?! Wo sind die Fakten mehr als Ihre bloße Meinung? Hat Bolsonaro schon ein Parlamentarier bespuckt oder ist er bespuckt worden?
3. Warum erwähnen Sie nicht, dass Bolsonaro NIEMALS in Korruptionsskandale involviert war?! Und ja, die gab es reichlich... Also seine Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Seriosität sind nicht ein Versprechen. Bolsonaro zählt auf ein "Track of Record".
4. Wissen Sie warum er, auch wenn er so ist, wie er ist, die Präferenzen der Wähler hat? Weil sie ein ex-Kapitän so sexy finden? Nein, weil man in Brasilien keine korrupte mehr sehen kann!!!! Wieso erwähnen Sie das nicht???
5. Warum zeigen Sie Bolsonaro wie etwas was er nicht ist? Wieso berichten Sie nicht etwas objektiver? Welche/Wessen Interessen vertreten Sie?!
6. Glauben Sie wirklich, dass alle Spiegel-Leser Idioten sind??? Oder warum versuchen Sie so plump die öffentliche Meinung zu manipulieren?

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chris.ponte6422 11.09.2018, 02:49
19. Glüsing eben - Überraschung???

Mich wundert immer wieder aufs Neue, dass sich der Spiegel bis heute nicht schämt, das einseitige, geistig umnachtetete Geschreibe seines Brasilien-Korrespondenten auch noch zu veröffentlichen. Entweder hat Jens Glüsing von Brasilien keinen blassen Schimmer, oder er verdreht Tatsachen bewusst, um ahnungslose Leser zu täuschen. Um nur auf einige Beispiele einzugehen, die zum Teil auch schon hier erwähnt wurden:

1. Der "Rechtspopulist" (dieser Charakterisierung stimme ich übrigens zu) Bolsonaro führt seit Wochen die Wahlumfragen an und dürfte als Sieger aus dem ersten Wahlgang hervorgehen. Von Chancenlosigkeit kann also keine Rede sein, auch wenn er für den zweiten Wahlgang nicht Favorit ist.

2. Die Anleger hoffen mitnichten auf einen Wahlerfolg Bolsonaros. Fakt ist, dass ihr bevorzugter Kandidat Alckmin ist. Kann man überall nachlesen. Somit ist es ein kompletter Schwachsinn zu behaupten, die Börse sei wegen des Mordanschlags gestiegen.

3. Die ach so "erfolgreichen acht Regierungsjahre" Lulas waren gar nicht so erfolgreich, wie der Wirtschaftslaie Glüsing glauben machen will. Lula hat einfach nur von den guten Massnahmen seines Vorgängers sowie von hohen Weltmarktpreisen für Rohstoffe profitiert, die übrigens auch seinem Diktatorenfreund Chavez in den Anfangsjahren genutzt hatten. Dass Lulas Politik nicht nachhaltig war, sieht man daran, dass die Wirtschaft schon in Dilma Rousseffs Anfangsjahren eingebrochen ist.

4. Der Skandal um den staatlichen Erdölkonzern Petrobras ist der grösste Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens. Präsident zu jener Zeit war - raten wir mal - Lula, Aufsichtsratschefin des Konzerns war Dilma Rousseff, von ihrem Parteifreund höchstpersönlich dazu ernannt.

5. Es ist durchaus im Interesse der extremen Linksparteien, zu denen ich auch Lulas Partei zähle, dass der Attentäter als "geistig verwirrter Fanatiker" abgestempelt wird. Im Übrigen waren bei seiner Verhaftung nicht nur EIN Verteidiger schnellstens zur Stelle, sondern gleich VIER. Die Frage stellt sich schon, wie sich ein arbeitsloser Ex-Maurer-Gehilfe vier nicht gerade billige Anwälte leisten kann sowie einen Flug ins über 700 km entfernte Juiz de Fora nebst 10 Tagen Hotelaufenthalt......

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