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Nach Aussage des JU-Chefs zur "Gleichschaltung" : "Kuban spielt den kleinen Seehofer"
Michael Kappeler / dpa

Der neue Junge-Union-Chef Tilman Kuban nutzt das Nazi-Wort "Gleichschaltung" in Bezug auf die CDU. Inzwischen hat er es zurückgenommen - doch die Kritik aus Union, SPD und den Grünen bleibt scharf.

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catcargerry 23.03.2019, 20:35
60. Ist ja nur selektive Verkrampfung

Zitat von ratxi
Ich hab noch nie ein Land erlebt, in dem so verkrampft auf gefühlt jedes zehnte Wort reagiert wird wie in dem unseren. Natürlich haben wir andere historische Vorbelastungen, aber auch die braunen Geister der Vergangenheit haben in unserer Sprache kommuniziert. Da ist es wohl kaum möglich, alle Worte zu vermeiden, die irgendwann irgendwo ein Nazi irgendwie mal benutzt hat oder aber spätere Generationen in ihren Beschreibungen jener Zeit. Ich denke, ein wenig Entspannung hilft uns da allen weiter.
Wieso relativieren alle Medien den Nationalsozialismus, wenn sie über "Gleichschaltung" in autoritären Ländern berichten - oder tun die das dann doch wieder nicht? Weil sie nicht Herr K. sind? Wenn doch nicht: Wieso wird das jemandem angeworfen, der politisch überspitzt ein System zur Herstellung von Loyalität in seiner Partei, das ihm nicht passt, so bezeichnet? Da sind wir doch von Wehner und Strauß ganz andere Kaliber gewohnt. Und wenn man sich ansieht, woher die Anwürfe kommen, relativiert sich vor allem die Bedeutung des Theaters. Entgangen ist den hierob krampfenden Kritikern offenbar auch, das Kuban diese Erscheinung nicht positiv beurteilt - wie die Nazis - sondern kritisiert. Jedenfalls hat er das zurück genommen, statt das zu verteidigen - dumm gelaufen für die dilettierenden Advokaten Diaboli, die sich gedacht haben, auf diesem Weg einen Zwist zwischen Kuban und Merkel befeuern zu können.

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deepbrain 23.03.2019, 20:57
61.

Zitat von ratxi
Ich hab noch nie ein Land erlebt, in dem so verkrampft auf gefühlt jedes zehnte Wort reagiert wird wie in dem unseren. Natürlich haben wir andere historische Vorbelastungen, aber auch die braunen Geister der Vergangenheit haben in unserer Sprache kommuniziert. Da ist es wohl kaum möglich, alle Worte zu vermeiden, die irgendwann irgendwo ein Nazi irgendwie mal benutzt hat oder aber spätere Generationen in ihren Beschreibungen jener Zeit. Ich denke, ein wenig Entspannung hilft uns da allen weiter.
Natürlich ist es ganz einfach, das Wort Gleichschaltung zu vermeiden. Kuban wollte - so würde ich ihn zumindest interpretieren - sagen, dass es in der CDU kaum noch Meinungspluralismus gab. Und genauso hätte er es ganz einfach sagen können. Der Begriff Gleichschaltung meint etwas ganz anderes, nämlich die mit Gewalt oder Gesetzen auf Linie-Bringung, eine Umstrukturierung, um oppositionelle Meinungen zu unterdrücken, z.B. durch Auflösung von Verbänden / Gruppen, Gewrkschaften, kulturellen Verbänden, ja sogar der politischen Hoheit der Länder. Wenn man Merkel Gleichschaltung der CDU unterstellt, dann ist das entweder eine massive Unterstellung oder man sagt mit der Verwendung dieses Begriffes, dass man keine Ahnung von Geschichte hat. Und mit jeder weiteren unbedachten Verwendung des Begriffs entsteht bei den unbedarften Leuten der Eiundruck, dass die Nazis mit ihrer Gleichschaltung doch gar nocht so schlimm waren. Haben ja nur ein paar Meinungen klein gehalten, so wie Merkel halt.

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deepbrain 23.03.2019, 21:02
62.

Zitat von jdirker
Gutes Interview in der WELT, der Mann zeigt Kante und bringt Bewegung in die Union. Das Wort "Gleichschalten" kann man nach 70 Jahren ruhig wieder gebrauchen. Der alten Politkaste schmeckt Kiban nicht. Jetzt wird die Nazi-Keule herausgeholt und darauf geschlagen. Im Politikbetrieb herrscht nur noch Hysterie
ja, in der Elektrotechnik kann man das Wort benutzen. Andernfalls sollte man das Wort auch nur dann benutzen, wenn man mit Gleichschaltung auch Gleichschaltung meint. Und das wäre dann ein wirklich krasser Vorwurf. Wenn einem bestimmte Meinungen fehlen, dann kann man das so benennen, aber sollte nicht einen Begriff verwenden, der für massive Unterdrückung und Abschaffung von Rechten steht.

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kuac 23.03.2019, 21:04
63.

Zitat von Tacitus73
Die Flüchtlingsfrage in der Bevölkerung längst ein Gegenstand des Sackenlassens und Sublimierens? Wo leben Sie? Die Frage ist immer noch ein Brennpunktthema, und zwar mitnichten nur in irgendwelchen Filterblasen. Dass sie vielleicht ein wenig an Explosivität verloren hat, liegt auch daran, dass sie medial nicht mehr so ins Zentrum gestellt wird und dass es durch einige Korrekturen gelungen ist, dass nun nicht mehr täglich, sondern monatlich 10000 Menschen nach Deutschland kommen. Immer noch wandert pro Jahr quasi eine Großstadt wie Leipzig zu......
Während sich die Bundesregierung bemüht, mehr Arbeitskräfte zur Einwanderung zu bewegen, verlassen Deutsche in großer Zahl das Land. Allein im Jahr 2016 verlegten 281.000 Bundesbürger ihren Wohnsitz ins Ausland. Einen höheren Verlust wies die amtliche Statistik noch nie aus. Nachdem im Jahr 1991 rund 99.000 Deutsche abwanderten, stiegen die Zahlen seither tendenziell an und lagen in den vergangenen Jahren auf einem Niveau von etwa 140.000 abwandernden Deutschen pro Jahr.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article174502114/Zu-und-Abwanderungen-Immer-mehr-Deutsche-verlassen-das-Land.html

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deepbrain 23.03.2019, 21:04
64.

Zitat von Tacitus73
Es ist geradezu lächerlich, wie Linke und Grüne reagieren, wenn sie ihre eigene Medizin zu kosten bekommen. Kuban relativiere mit dem Begriff "Gleichschaltung" den Nationalsozialismus. Sie selbst tun dies natürlich nicht, wenn sie jedweden Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik als Nazi bezeichnen oder die AfD ernsthaft mit der NSDAP gleichsetzen. Es ist einfach nur scheinheilig, wenn diese Leute sich über den (durchaus unpassenden) Begriff "Gleichschaltung" in diesem Zusammenhang echauffieren. Die unangemessene Instrumentalisierung der NS-Vergangenheit zur Diffamierung der politischen Gegner sollte auf allen Seiten endlich aufhören! Im Übrigen ist es erwartbar gewesen, dass man auf der linken Seite nun rumgiftet: hatte man schließlich lange auf der Mitte-Rechts-Seite inhaltlich keinen nennenswerten Gegner. Vieles war von breitem Konsens getragen und alternativlos. Für die Demokratie ist es belebend, wenn dies nun vorbei ist. Herr Kuban gibt also zur Hoffnung Anlass. Und das sage ich als ehemaliger SPD-Wähler.
Auch hier wieder wunderbarer Whataboutismus. Finden Sie das Wort Gleichschaltung in Bezug auf die Union angemessen? Alles andere dient nur zur Ablenkung.

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deepbrain 23.03.2019, 21:10
65.

Zitat von 2xtatic
ist heute das schärfste Schwert linker Ideologen. Fatal, dass sich die Gesellschaft diesen Maulkorb verpassen läßt. So steuern wir jedenfalls nicht in eine vielversprechende Zukunft.
Maulkorb, bla bla bla. Immer Maulkorb und Meinungsunterdrückung zu schreien, ist ein beliebtes Mittel bei denen, die kein Interesse an Auseinandersetzung haben.
Man sollte schon wissen, was bestimmte Wörter bedeuten und wofür sie stehen. Wenn man dann der Meinung ist, dass Gleichschaltung ein wirklich passender Begriff für die CDU ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Hat Merkel CDU-Ortsverbände oder CDU-Flügel per Gesetz in ihren Flügel eingegliedert? Oder aufgelöst? Oder sonst irgendetwas gemacht, was unter Gleichschlatung fällt?

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deepbrain 23.03.2019, 21:14
66.

Zitat von lo135
Der Begriff "Gleichschaltung" könnte treffender nicht sein. Genau das ist in der Ära Merkel passiert, im Prinzip schon seit 2005. Energiepolitik, Euro-Rettungspolitik, EU-Vereinheitlichungspolitik, Flüchtlingspolitik, Steuerpolitik (MWSt-Erhöhung nach der Wahl 2005, die höchste in der Geschichte der BRD!),... All das ist nahezu oder zumindest ohne nennenswerten Widerstand in der Union umgesetzt worden, obwohl es in der Bevölkerung sehr umstritten war und unser Land über Jahrzehnte, teils für immer beeinflusst bzw. beeinflussen wird. (...)
Vielleicht sollten Sie sich nochmal damit befassen, was Gleichschlatung bedeutet. Ein Tipp: In der Opposition keine Gegenstimme auf die Reihe zu bekommen, fällt nicht darunter. Und wenn die eigene Meinung keine Mehrheit findet, ist dies auch keine Gleichschaltung.

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kuac 23.03.2019, 21:14
67.

Zitat von zeisig
Wenn Sie uns jetzt bitte noch erklären könnten, wo die CSU in Bayern gescheitert ist, das wäre schön. Meines Wissens hat die CSU bei der letzten Landtagswahl so um die 37 % eingefahren, gar nicht so schlecht, wie ich finde. Oder hat irgendeine Partei bundesweit mehr?
Die letzte Wahl war für die CSU ein Debakel. Vor 5 Jahren hatte sie 11% mehr. Noch früher lag sie bei über 60%. Jetzt müssen sie sogar koalieren. Den Orban werden sie wohl auch nicht mehr einladen!

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deepbrain 23.03.2019, 21:35
68.

Zitat von helmut.alt
was Viele denken und empfinden: die Haltung zum vorschnellen Atomausstieg, die unkontrollierte Migrantenwelle, alles ohne europäischen Konsens und von Frau Merkel verordnet. In diesem Zusammenhang von Gleichschaltung zu reden, ist nachvollziehbar und kein Nazivokabular. Die Sprache ist neutral und gehört keiner Partei.
Was ein Unfug. Alles in der Sprache hat eine (Vor-)Bedeutung, sonst müssten wir doch jedesmal zunächst eine Definition eines Wortes mitliefern, sobald wir es benutzen. Und so hat auch Gleichschaltung eine bestimmte Bedeutung, die ich nicht mit jeder Benutzung neu definieren kann.

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j.w.pepper 23.03.2019, 22:18
69. Sturm im Wasserglas

Wenn Kuban von "Gleichschaltung" in der CDU schwafelt, braucht sich niemand zu beschweren außer der CDU. Das vielleicht zu Recht oder eben nicht. Die anderen mögen sich bitte zurückhalten. Natürlich haben die Nazis "gleichgeschaltet", aber das macht nur einen ersten Schritt ihrer "Machtergreifung" aus, und den nehmen gerade (bislang) weit weniger radikale Regierungen genauso vor, z.B. die in Ungarn und Polen. Das heißt nicht, dass man die weiteren Folgen der Nazi-Diktatur verharmlost, wohl aber auf deren anfängliche Taktik hinweist, die sich auch heute noch immer wiederholt.

"Gleichschaltung" ist ein zutreffender, heute als Vorwurf zu verwendender und zu verstehender Begriff, der nicht deshalb tabuisiert werden sollte, dass die Nazis ihn (wie so viele andere) für ihre Zwecke positiv besetzt haben. Liberale Demokraten verwenden ihn halt im negativen Sinn. Siehe auch den heutigen Artikel zum Thema der durch die Nazis "verbrannten" Wörter. Wir sollten denen nicht 70 oder 80 Jahre später einen Triumph gönnen.

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