Forum: Politik
Nach dem Tod Kaczynskis -wie geht es weiter in Polen?

Der plötzliche Tod von Polens Präsident Lech Kaczynski bedeutet für das Land eine Zäsur. Ende des Jahres 2010 stehen die Wahlen zum nächsten Präsidenten an. Wie wird das Unglück Polens politische Landschaft verändern?

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daslästermaul 10.04.2010, 18:37
60.

Zitat von Palmstroem
Lech Kaczyński wurde als Sohn von Rajmund Kaczyński und Jadwiga Jasiewicz geboren, die beide im Warschauer Aufstand von 1944 in den Reihen der polnischen Heimatarmee gegen die Wehrmacht gekämpft hatten. Kaczyński schloss 1972 das Jurastudium an der Universität Warschau ab, 1979 wurde er an der Universität Danzig promoviert und 1996 habilitiert. 1996 bis 1999 arbeitete er als Universitätsprofessor in Danzig, ab 1999 in Warschau. In Danzig gehörte er 1981 in der Leninwerft zu den intellektuellen Ratgebern der Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Während des Kriegszustandes zwischen Dezember 1981 und Oktober 1982 war er interniert. Nach der Wende nahm er 1989 an den Verhandlungen am Runden Tisch teil und war von 1989 bis 1991 Senator im polnischen Senat sowie von 1991 bis 1993 Abgeordneter im polnischen Sejm für die Partei Porozumienie Centrum (Zentrumallianz). 2000 und 2001 bekleidete er das Amt des Justizministers. Vom 18. November 2002 bis zum Amtsantritt als Präsident war er Stadtpräsident (Oberbürgermeister) von Warschau. Ohne Leute wie Lech Kaczynski gäbe es heute das freie, geeinte Europa nicht. Im Gegensatz zu vielen Gutmicheln hier hat er für die Freiheit gekämpft. Er war sicher ein größerer Europäer als viele im Westen, die sich mit der russischen Besatzung Osteuropas abgefunden hatten.
Ihre Betroffenheit ehrt Sie. Aber mit seinen in der Wolle nationalistisch gefärbten Auftritten bei diversen EU Gipfeln hat K. sich und seinem Volk einen Bärendienst erwiesen. Das freie und geeeinte Europa ist im übrigen ohne die aktive Mitwirkung des Herr K. aus W. entstanden !!.

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pette 10.04.2010, 18:41
61. Der König ist tot, lang lebe Europa!

Mir tun alle Leute leid die ums Leben gekommen sind...

...bis auf Kaczynski selbst! Dieser nationalistische, deutschlandfeindliche Gernegroß hat sein verdientes Schicksal bekommen. Er war eine Gefahr für die europäische Integration, für Russlands Wirtschadtaufschwung und für Deutschlands Rohstoffversorgung. Es ist schon beinahe ironisch, dass er an genau dem Tag das Zeitliche segnete als der Pipelinebau begann. Mit ihm werden wahrscheinlich auch sämtliche polnische Großmachtsambitionenn gestorben sein welche in eine moderne Welt genauso wenig hineinpassten wie er selbst.
Dies ist auch eine unglaubliche Chance für Europa und Polen selbst.

Lasset uns der anderen gedenken die ihr Leben lassen mussten.

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Moxxo 10.04.2010, 18:42
62.

Zitat von MarkusKrawehl
Ich bitte jeden klar denkenden Menschen jetzt CNN oder FOX einzuschalten und zu vestehen(!) was die uns mitteilen wolllen. Was dort betrieben wird, ist reine Gehirnwäsche, die nur den Weg in den Dritten Weltkrieg gegen Russland kennt. Nur gut, dass die Geschehenisse halbswegs klar sind, sonst hätten wir schon längst den NATO-Bündnisfall erklärt.
Sehr aufschlussreich sind auch die Kommentare in einschlägigen Nachrichtenforen, der Tenor lautet "Putin's behind it all", "Russian bear is rising", "KGB..."

Man fühlt sich in der Tat an die pawlowsche Konditionierung erinnert. Statt den Opfern Respekt zu erweisen, wird gleich eine politische Sache daraus gemacht....

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wolschy 10.04.2010, 18:43
63. Mein Mitleid den Opfern

Zitat von Wikipedia
Am 10. April 2010 war Kaczyński auf dem Weg zu einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Ermordung polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst vor 70 Jahren im russischen Katyn. Sein Flugzeug, eine Tupolew Tu-154M der polnischen Luftwaffe, stürzte beim Landeanflug auf den Flughafen der russischen Stadt Smolensk ab. Offenbar bei schlechter Sicht führten die Piloten eine Fehlanflugsprozedur (Missed Approach) durch; in geringer Höhe streifte das Flugzeug dabei einige Bäume, stürzte ab und fing Feuer. Nach unterschiedlichen Quellen sind 87 bis 132 Menschen getötet worden.[1][2] Das polnische Außenministerium MSZ berichtet von 88 Opfern.
Mein aufrichtiges Beileid für die offiziellen 87 Toten! Für Polen endlich eine Gelegenheit sich aus dem Schatten dieses erzkonservativen Politikers zu verabschieden, den ich wohlweislich aus meinem Mitleid ausgenommen habe, bin schließlich kein Heuchler! Allein wenn ich dieses analysiere, kann ich nur sagen, es muss doch einen Herrgott geben, aber warum mussten die restlichen 87 sterben, das wird mir nicht klar werden:
Zitat von Wikipedia
Seine politische Ausrichtung galt als konservativ, katholisch-national und antikommunistisch. Kaczynski sprach sich seit den 1990er Jahren für die Wiedereinführung der Todesstrafe[3] in Polen aus, und er lehnte Homosexualität ab[4]. Dass Homo- und Heterosexuelle gleichberechtigt seien, war für ihn unvorstellbar[5]. Als Warschauer Stadtpräsident hatte er eine Demonstration von Homosexuellen, lokal bekannt als Parada Równosci, in den Jahren 2004 und 2005 verboten. Diese Verbote wurden vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Verletzung diverser Menschenrechte, u.a. dem Recht auf Versammlungsfreiheit gewertet.[6].
Vielleicht wird es jetzt weltoffener in Polen und die Konfrontation mit den progressiven Kräften hört auf! Männer machen Geschichte? Manchmal schon, zumindest blockieren sie öfters die Entwicklung!

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bauern-cop 10.04.2010, 18:47
64. Verschwörungstheorien

Zitat von e_n_2009
Das Unglueck ziehen nicht die Polen auf sich ...... vielmehr haben in der Vergangenheit Russland und Deutschland das Unglueck nach Polen gebracht.
Na, da werden die Verschwörungstheorien, entweder Deutsche oder Russen -besser beide zusammen- seien Verursacher dieses Absturzes, nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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OnkelBenz 10.04.2010, 18:49
65. ...

Zitat von Palmstroem
Lech Kaczyński wurde als Sohn von Rajmund Kaczyński und Jadwiga Jasiewicz geboren, die beide im Warschauer Aufstand von 1944 in den Reihen der polnischen Heimatarmee gegen die Wehrmacht gekämpft hatten. Kaczyński schloss 1972 das Jurastudium an der Universität Warschau ab, 1979 wurde er an der Universität Danzig promoviert und 1996 habilitiert. 1996 bis 1999 arbeitete er als Universitätsprofessor in Danzig, ab 1999 in Warschau. In Danzig gehörte er 1981 in der Leninwerft zu den intellektuellen Ratgebern der Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Während des Kriegszustandes zwischen Dezember 1981 und Oktober 1982 war er interniert. Nach der Wende nahm er 1989 an den Verhandlungen am Runden Tisch teil und war von 1989 bis 1991 Senator im polnischen Senat sowie von 1991 bis 1993 Abgeordneter im polnischen Sejm für die Partei Porozumienie Centrum (Zentrumallianz). 2000 und 2001 bekleidete er das Amt des Justizministers. Vom 18. November 2002 bis zum Amtsantritt als Präsident war er Stadtpräsident (Oberbürgermeister) von Warschau. Ohne Leute wie Lech Kaczynski gäbe es heute das freie, geeinte Europa nicht. Im Gegensatz zu vielen Gutmicheln hier hat er für die Freiheit gekämpft. Er war sicher ein größerer Europäer als viele im Westen, die sich mit der russischen Besatzung Osteuropas abgefunden hatten.
Man weiß wirklich nicht, von welchem Planeten oder welchen vereinigten Staaten Sie Ihre Kommentare abgeben?!

Mein Beileid gilt allen betroffenen Angehörigen.
Lech hat bestimmt für Polen gelebt und gehandelt.
Im Übrigen verbietet es mir heute meine gute Kinderstube darzustellen, was er mal für Europa getan hätte.
Die Auftritte vorm Parlament, die Anschaffung von F-16 Jets mit europäischem Geld und der kaum zu erwartende Abwehrschild sind nicht vergessen.

Die TU 154 ist mitunter wohl etwas tückisch, aber wer hier gegen russische Altflieger mosert, hat keine Ahnung!
Wer mit der Brechstange landen muß, der landet.

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bianna 10.04.2010, 18:49
66.

Zitat von chartierkr
Wollt' ich grad gesagt haben. Es kommt hauptsächlich darauf an, was die polnische Bevölkerung empfindet. Zudem war Kaczynski kein Feindbild, sondern eine führende politische Figur. Auch, wenn sie für manchen unangenehm war. Jegliche schwachsinnigen Thesen, die hier kolportiert werden, sind einfach nur noch geschmacklos;jedoch auch bezeichnend für die Sicht vieler Deutsche auf die Polen. Von Weizsäcker hatte dies schon treffend erklärt.

Mich persönlich stört viel mehr, dass nur um Kaczinsky und seine Entourage ein so vergleichsweise viel größerer medialer Rummel veranstaltet wird, als um die übrigen Todesopfer. Es waren immerhin 132 Personen, die heute in dem Crash starben !
Fast in Vergessenheit gerät dabei, dass darunter auch Angehörige der Opfer von Katyn waren. Für die Hinterbliebenen dieser Angehörigen muß dieser Absturz kaum faßbar und zu verarbeiten sein. Für mich die menschlich viel erschütterndere Meldung.

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Achim Detjen 10.04.2010, 18:52
67. Ganz einfach......

Zitat von Moxxo
Sehr aufschlussreich sind auch die Kommentare in einschlägigen Nachrichtenforen, der Tenor lautet "Putin's behind it all", "Russian bear is rising", "KGB..." Man fühlt sich in der Tat an die pawlowsche Konditionierung erinnert. Statt den Opfern Respekt zu erweisen, wird gleich eine politische Sache daraus gemacht....
Etwas nüchtern nachdenken, dann kommt man ganz schnell zum rechten Schluß. Ein Flugzeug, das trotz wiedrigster Bedingungen unbedingt auf einem bestimmten Flugplatz landen will und dazu VIER Anläufe nimmt. Und wer wird in dieser Maschine wohl Regie führen? Der Pilot ---- oder der anwesende (vorsichtig ausgedrückt) "sehr nachdrückliche" Staatspräsident? Es kann mir keiner weißmachen, das dieser Typ in die Entscheidungsfindung für diese Katastrophenaktion nicht einbezogen war. Der Ausgang wäre auch typisch für sein ganzen bisheriges Handeln!

Mein Beileid für die Hinterbliebenden der Opfer dieser Tragödie. Ein offizell Schuldiger wird wohl schnell gefunden werden, aber ob es der wahre ist????

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ambergris 10.04.2010, 18:53
68.

Zitat von Dieter 59
Ich habe viele Freunde in PL und verbringe eine geraume Zeit des Jahres dort. Kaczynski war in Polen beliebt. Er hat polnische Interessen nationalistisch, aber sehr erfolgreich vertreten. Es ging ihm um sein Land. Was ihn wohltuend von unseren Politikern unterschied. Was wird, ist schwer zu beurteilen. Möglich ist alles. PL hat allerdings viel zu verlieren. Ein Politikwechsel wird den derzeitigen Aufschwung dort erheblich bremsen, wenn nicht vernichten. Mein aufrichtiges Beileid gilt den betroffenen Familien.

Ich hab von einer polnischen Arbeitskollegin letzten Monat etwas total anderes gehört. Demnach war Lech Kaczynksi zum Schluss extrem unbeliebt, gerade bei den jungen Leuten. Die Umfragewerte waren auf Rekordtiefstwerten. Kaczynskis einzige Aktionen zum Schluss bestanden darin, das Veto gegen Maßnahmen der neuen Regierung einzulegen.

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bianna 10.04.2010, 18:56
69. ...

Zitat von Jordan Sokoł
Dies bewegt das Seelenleben der mir begegnenden Polen und Sie wissen keine Antwort. Selbst der Vertreter des Vatikans, Kardinal Dziwisz, der zur Zeit zufällig in Polen weilt, gibt sich sprach- und fassungslos. - Hier heißt es: Die politische Führungselite Polens hat ihren engstens zusammenarbeitenden Führungskreis verloren, der kaum zu ersetzen sein wird. - Die Woiwodschaft Schlesien soll etwa die Hälfte ihrer politisch-kulturell einflußreichen Kräfte verloren haben. Und in den anderen Woiwodschaften dürften ebenfalls viele repräsentative Persönlichkeiten ihr Leben verloren haben. - Dieses Unglück wird den weniger Geschichtsbewußten in Europa klarmachen, welche Bedeutung Katyn für das polnische Volk hat und wie groß der Seelenschmerz ist, der ihm aus eben dieser nach so langen politischen Auseinandersetzungen eingerichteten Gedenkstätte entgegentritt. Auch ich hätte lieber einen immerhin fassbaren Kontrahenten vor mir als ein Vakuum, mit dem ich rein gar nichts anzufangen, geschweige denn es auszufüllen weiß. Jordan Sokoł

Ob die Lücke wirklich so unschließbar sein wird, wird die Zeit zeigen. Meine Informationen der letzten Monate durch polnische Freunde war eher, dass Kaczinsky ohnehin die Präsidentschaftswahlen im Herbst nicht "überstanden" hätte.

Die heutige (und vermutlich noch Tage andauernde) Schockstarre in der Bevölkerung halte ich allerdings für durchaus nachvollziehbar. Vor allem dann, wenn man weiß, welche Bedeutung für "die" Polen mit Katyn verbunden ist. Daraus nicht ein regelrechtes Trauma werden zu lassen, wäre Aufgabe nicht zuletzt einer verantwortungsbewußten Presse.
Leider wird diese die geschichtliche "Vorlage" wohl eher für andere Zwecke mißbrauchen.

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