Forum: Politik
Nach der nuklearen Katastrophe von Japan: Was wird aus der Atomenergie?

Die durch die das schwere Erdbeben verursachten Atomunfälle in Japan rücken die Sicherheitsfrage auch in Deutschland wieder in den Fokus der Debatte: Wie katastrophensicher sind Atomkraftwerke? Müssen wir die Debatte um die Atomkraft wieder neu aufnehmen?

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Byrne 16.04.2011, 16:17
13660.

Zitat von nick999
Ich habe gestern mit jemandem gesprochen, der die japanischen Schäden der Elektronikindustrie nach dem Tsunami vor Ort bewertet hat. Seine Einschätzung: Wichtige Industriebetriebe sind kaputt. Japan war auch ohne das Unglück über dem Zenit. Es gibt keinen Grund, diese Fabriken in Japan neu aufzubauen. Wichtige japanische Spitzenmanager sind bereits nach China umgezogen und haben dort begonnen, neue Foundries japanischer Mutterkonzerne aufzubauen. An einen Wiederaufbau in Japan wird nicht gedacht. Es gibt deshalb neben Atom noch andere Gründe in Japan, die Gefahren und die Folgen kleinzureden. Jede negative Berichterstattung fördert weitere Abwanderung von Industrieansiedlung. Menschlich traurig, das das noch dazu kommt, aber die Industrie ist ein Haifischbecken. Und Japan war am Bau dieses Beckens nicht unwesentlich beteiligt.
Das sind aber höchst interessante Insider-Informationen, die Sie da haben. Wieviel Prozent von Japans Binnenfläche waren denn nach den Erkenntnissen Ihres Informanten vom Tsunami betroffen? 0,01 od. 0,02 Prozent?

Oder könnte es sein, dass Sie sich dies alles einfach nur ausgedacht haben und die japanischen Fabriken gar nicht wegen dem Tsunami zerstört sind, sondern nur wegen teilweise großer Schwierigkeiten bei der Energieversorgung momentan nicht produzieren wie gewohnt?

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john.do 16.04.2011, 16:19
13661. Fukushima

Fukushima gefährlicher als Tschernobyl?

http://www.tagesschau.de/ausland/japan834.html

Widerstand in Japan? Früher mal so nicht vorstellbar.

http://www.tagesschau.de/ausland/japan866.html

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nick999 16.04.2011, 16:22
13662. @Manukun

Zitat von Manukun
Sie haben in der Tat nicht ganz unrecht... Die Produktion von Silikonchips in Japan hat derzeit noch einen Weltmarktanteil von etwa 70%...
Achtung Sie sind wieder in Deutschland: "Silizium"! Bei Silikon denken die meisten an Schönheits OP's. ;-)

Die Japaner fertigen längst nicht mehr so viele Chips wie früher. Aufgrund eines Netzwerkes von Foundries (TSMC in Taiwan, diverse neue in China) ist nicht überall, wo Japan draufsteht auch Japan drin.
Und aus welchem Land ist ein Chip, wenn das Design aus Japan, der Wafer aus Taiwan kommt und das Gehäuse mit Endprüfung auf den Philippinen ergänzt wird.
Elektronik besteht nicht nur aus Chips. Werke von ROHM Murata, Mitsubishi (Elektronik)... sind zerstört.

Gerade im Elektronikbereich gibt es eine enorme Vernetzung. 60% der gezüchteten Siliziumstäbe kommen aus Japan, bei den Pizzawafern (d=300mm) sogar 80%. Selbst wenn der Chip aus Deutschland kommt, kann die Fertigung stehen, wenn die Rohwafer fehlen.

Große Elektronikhändler informieren permanent über die Versorgungsrisiken:
Arrow oder Avnet

Mindestens genau so kritisch sind Spezialmaterialien, die zur Fertigung der Chips benötigt werden. Dafür gibt es oft nur einen oder zwei Hersteller weltweit. Z.B. ein spezielles Gießharz für BGA's (eine besondere Art Schaltkreise) ist betroffen. Inzwischen sind die letzten Schiffe angekommen, die vor dem Erbeben losgefahren sind. Langsam wird sich jetzt zeigen, wo überall eine schwer zu ersetzende japanische Komponente drin ist.
Folgen sind:
- Preiserhöhungen
- überhastete Qualifizierungen von Alternativen (fehlerträchtig)
- vermehrt tauchen Fälschungen auf dem Komponentenmarkt auf. Die Risikobereitschaft der industriellen Käufer nimmt mangels Alternativen zu.

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happy2009 16.04.2011, 16:30
13663.

Zitat von Madir
Zu den anderen Punkten kann ich nichts beitragen aber zu dem obigen schon. Aber wir hatten es ja auch schon. Ohne Zwischenlager kein Betrieb der Kraftwerke, Atomkonsens sieht Restlaufzeiten vor die unabhängig von den Lagerkapazitäten der Abklingbecken sind. Daraus folgert das man Zwischenlager braucht, da der Transport von Brennelementen nicht unproblematisch ist hat man sich für Zwischenlager bei den Kernkraftwerken entschieden. Das spart zumindest das Risiko des Transports. Wie sehen den die Alternativen der Tigerente dafür aus?
Jetzt sehen Sie es aber sehr sehr sehr pragmatisch und-wie ich finde-viel zu einfach

Ich formuliere Ihre AUssage mit anderen Worten:

Trotz des Wissens um Gefahren und der damals gerade von Rot Grün vorgebrachten Antiatomdiskussion mit der Begründung: Gaugefahr durch Flugzeugabsturz
erließ Trittin und Co ein Zwischenlagerungsgesetz in unsicheren Blechhallen für die kommenden 30 Jahre?

Wohlgemerkt: Merkel hat Castorentransporte 1998 verboten (zu gefährlich), und ausdrücklich keine Lagerung auf dem Werksgelände in der jetzigen Form und Menge erlaubt
Meines wissens gab es die Erlaubnis, in Castorenbehältern welche zu lagern, was aber die AKW Kosten massiv nach oben trieb

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Madir 16.04.2011, 16:33
13664.

Zitat von Portobello39
Um bei Ihrer Formulierung zu bleiben: alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte in Deutschland (!) haben sich dem Druck einer Minderheit von Ökopaxen gebeugt
Haben Sie einen Beleg dafür das es eine "Minderheit von Ökopaxen" ist?

Hier ein gegen Beispiel aus 2009:
http://www.focus.de/wissen/wissensch...id_392981.html

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Ein Belgier 16.04.2011, 16:34
13665. Norwegen, das Traumland Deutscher Ökos...

Das Wunderland des sauberen Hydrostromes für alle Deutschen ist nur eine weitere Illusion der wohlstandsverwahrlosten Ökobourgeoisie.
Die Realität sieht so aus:
http://www.lorenzk.com/texte/wasserkraft/saltfjell.html
Umweltproblem Wasserkraft: Ein Beispiel aus Nordnorwegen
Norwegen wird wohl keine Deutsche Ökokolonie werden....

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john.do 16.04.2011, 16:36
13666. ...

Zitat von Portobello39
Ich würde es begrüßen, wenn Sie mir keine Worte in den Mund legen, die ich nicht geschrieben habe (i.e. Österreich/Nordkorea). Die Einstufung als Steinzeitmethode der Umwandlung von Kernenergie mittels Dampferzeuger in Strom ist wahrlich nur in den Köpfen vorhanden, deren Blick nicht durch Fachwissen verschleiert wird. Da Sie hier vermutlich einen Wissensvorsprung haben, bitte ich Sie freundlichst um eine Erklärung ob 3000 Jahre alte Windmühlen oder ähnliches Ihrer Einschätzung neuer Erzeugungsformen entspricht. Um bei Ihrer Formulierung zu bleiben: Alle relevanten Industrienationen setzen auch weiterhin auf die (friedliche) Nutzung der Kernenergie, erstens weil es bei jeder Energieumwandlung ein Risiko gibt, zweitens weil es im Moment konkurrenzlos günstig ist, und drittens weil eventuelle Schäden nach jeder seriösen Risikoabschätzung verhältnismäßig überschaubar sind.
alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte = wer?
das ist immer noch das Volk.

richtiger:
alle regierenden Machtblöcke in Deutschland (!) haben ihr Fähnchen in den Wind gehängt, weil man glaubt, damit Wahlen zu gewinnen. Endlich hat das Volk die Verlogenheit einmal abgestraft.

Das ist der Burner:
Alle relevanten Industrienationen setzen auch weiterhin auf die (friedliche) Nutzung der Kernenergie, erstens weil es bei jeder Energieumwandlung ein Risiko gibt, zweitens weil es im Moment konkurrenzlos günstig ist, und drittens weil eventuelle Schäden nach jeder seriösen Risikoabschätzung verhältnismäßig überschaubar sind.

http://www.tagesschau.de/ausland/japan834.html
No comment ;-)

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Ein Belgier 16.04.2011, 16:38
13667.

Zitat von shakowsky
nicht richtig. eine laufende kettenreaktion hat natürlich ein ungleich höheres gefährdungspotential als in einem abklingbecken liegende brennstäbe, bei denen die reaktion unterbrochen wurde. ereignisse wie in fukushima wurden ja von ihnen und anderen für "praktisch unmöglich" gehalten, also wird jetzt mit einem erweiterten horizont nochmal überprüft. niemand hat je behauptet, daß die gefährdungslage grundsätzlich eine andere wäre, daher das moratorium, um den gefährdungsHORIZONT zu erweitern. fazit: die meiler hätten SCHON LANGE abgeschaltet werden müssen.
Reaktor 4: Eine gewaltige Wasserstoffexplosion zerstörte das Reaktorgebäude in großen Teilen und pustete das Dach weg. Zwar war Reaktor 4 zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in Betrieb - im Reaktorkern befanden sich keine Brennelemente. Dennoch gehört Reaktor 4 ebenfalls zu den Sorgenfällen: In den mit Stahl ausgekleideten Abklingbecken aus Beton liegen insgesamt 1331 verbrauchte Brennelemente - die eine große Gefahr sind. Alte Brennstäbe erzeugen noch lange Wärme. Deshalb müssen sie mehrere Jahre in den Becken liegen, bis sie so weit abgekühlt sind, dass sie transportiert und in Endlagerstätten gebracht werden können. Setzt die Kühlung aus, ist eine Art Mini-Kernschmelze möglich. In Reaktor 4 liegen die Brennstäbe aber quasi frei - es gibt keine Sicherheitsbehälter, die das radioaktive Material im Fall einer Kernschmelze vor der Umwelt abtrennen könnte.

Sie müssten schon die Fakten kennen, ehe Sie was schreiben...

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Palmstroem 16.04.2011, 16:46
13668. Warum bleibt die Vernunft jetzt auf der Strecke

Zitat von Madir
Ohne Zwischenlager kein Betrieb der Kraftwerke, Atomkonsens sieht Restlaufzeiten vor die unabhängig von den Lagerkapazitäten der Abklingbecken sind. Daraus folgert das man Zwischenlager braucht, da der Transport von Brennelementen nicht unproblematisch ist hat man sich für Zwischenlager bei den Kernkraftwerken entschieden. Das spart zumindest das Risiko des Transports.
Es waren die Roten, die in den 70ern die AKW´s bauten und es waren die Grünen, die vor 10 Jahren dafür sorgten, daß die AKW´s dank Zwischenlager und Castortransporte gut 30 Jahre am Netz bleiben können und beides war durchaus vernünftig!

"Schon vor zehn Jahren hatten die Grünen dafür gesorgt, dass die jährlich wiederkehrenden Proteste und Blockaden der Atommülltransporte nach Gorleben aufhörten. Der grüne Umweltminister Jürgen Trittin vereinbarte damals mit den Energiekonzernen einen so genannten Atomkonsens, der zwar langfristig den Ausstieg aus der Atomenergie vorsah, kurzfristig aber den bestehenden Atomkraftwerken eine durchschnittliche Regellaufzeit von 32 Jahren garantierte. Die Atommeiler konnten so ungestört weiter laufen – wobei beide Seiten schon damals wussten, dass der Atomkonsens beim nächsten Regierungswechsel wieder aufgehoben wird, wie es nun auch geschehen ist.

Bestandteil des Atomkonsens’ war damals die Wiederaufnahme der umstrittenen Atommülltransporte nach Gorleben. Angela Merkel, Trittins Vorgängerin im Umweltministerium, hatte diese Transporte 1998 wegen erhöhter Strahlenwerte an den Castor-Behältern gestoppt. Als sich Widerstand gegen die Wiederaufnahme der Transporte erhob und die niedersächsischen Grünen sich daran beteiligten, erhielten sie einen geharnischten Brief von Trittin. „Wollen wir glaubhaft bleiben, müssen wir zu den Konsequenzen unserer Politik stehen“, mahnte Trittin. „Die Voraussetzungen für die Durchführung der Transporte sind gegeben. Und deshalb gibt es für Grüne keinen Grund, gegen diese Transporte zu demonstrieren.“

http://www.wsws.org/de/2010/nov2010/grue-n11.shtml

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h.brentano 16.04.2011, 16:58
13669. Warum wird nur diskutiert was EVU will?

Zitat von happy2009
Trotz des Wissens um Gefahren und der damals gerade von Rot Grün vorgebrachten Antiatomdiskussion mit der Begründung: Gaugefahr durch Flugzeugabsturz erließ Trittin und Co ein Zwischenlagerungsgesetz in unsicheren Blechhallen für die kommenden 30 Jahre? Wohlgemerkt: Merkel hat Castorentransporte 1998 verboten (zu gefährlich), und ausdrücklich keine Lagerung auf dem Werksgelände in der jetzigen Form und Menge erlaubt Meines wissens gab es die Erlaubnis, in Castorenbehältern welche zu lagern, was aber die AKW Kosten massiv nach oben trieb
Trittin wollte, dass dort wo die AKW stehen, bzw. in den jeweiligen Ländern nach einer Endlagerstätte geforscht werden sollte um nicht den radioaktiven Ballast der ganzen Republik im Wendland abzuladen.

Es ist einfach so, dass es keine Lösung zur Endlagerfrage gibt und zwar weltweit, so dass hier keine Parteipräferenz greifen kann.

Hätte man ernsthaft eine Lösung gesucht, so wären unvoreingenommenen Fachleuten die Mini - KWK - Anlagen aufgefallen. Ich vermute, dass die das auch nicht übersehen haben, es konnte nur niemand vorschlagen weil man dazu keinen der großen EVU gebraucht hätte.

MiniBHKW sind kleine, kompakte, anschlussfertige Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Der Motor, der Generator zur Stromerzeugung und die Wärmetauscher zur Auskopplung der Nutzwärme sind in einem Block montiert, der als kompakte Einheit einschließlich der Systemsteuerung geliefert wird. Sie werden als Seriengeräte industriell gefertigt und müssen am Aufstellort nur noch angeschlossen werden. Ihre Leistung beträgt typischerweise bis 10 kW elektrisch bzw. 22 kW thermisch. Damit eignen sie sich für den Einsatz in kleineren Mehrfamilienhäusern, Schulen und Hotels, für kleine Verwaltungsgebäude, Gewerbebetriebe und andere Einrichtungen. Da Strom und Wärme dezentral dort erzeugt werden, wo sie auch genutzt werden, treten nur minimale Übertragungsverluste auf.

Die MiniBHKW werden ausschließlich über das Handwerk in Deutschland verkauft, installiert und gewartet. Motoren und Steuerung werden in Deutschland entwickelt und gefertigt. Bei einem flächendeckenden Einsatz in ganz Deutschland würden diese Anlagen den Strom, der nicht unmittelbar im eigenen Haus verbraucht wird, ins Stromverteilernetz einspeisen. Neue Hochspannungsnetze wären unnötig, der Verbrauch an Brennstoff könnte deutlich kleiner sein als er es heute ist (CO2-Ziele), neben der Wärme/Klima - Funktion käme die kostenlose Stromproduktion hinzu und könnte zur Finanzierung der Anlage Verwendung finden. Damit wäre nur eine kluge Förderstrategie notwendig und der Staat bzw. der Steuerbürger hätte damit auf lange Sicht keine Kosten, ebenso der Anlagenbetreiber, denn er hat weniger Nebenkosten und eine zuvor unbekannte Einnahmenseite.

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