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Nach Präsidentenwahl: Militär riegelt Elfenbeinküste ab

Gewaltsame Proteste*und Morde haben die Präsidentenwahl in der Elfenbeinküste überschattet. Die Anhänger des bisherigen Staatschefs wollen den Wahlsieg der*Opposition nicht akzeptieren. Nun hat die Armee die Grenzen des Landes geschlossen.

wwwwalter 03.12.2010, 10:46
1. Verlorener Kontinent

Wie viele afrikanische Staaten ist die Elfenbeinküste inzwischen ein faktisch geteiltes Land. Dem sollte man Rechnung tragen, und zwei weitgehend autonome Landesteile schaffen. Für Nigeria gilt meiner Meinung nach dasselbe. Ein gemeinsamer Präsident wird in diesen Ländern auf Dauer kaum funktionieren, egal ob demokratisch gewählt oder nicht. Immer wird die andere Hälfte der Bevölkerung den gewählten Präsidenten nicht anerkennen. Unter solchen Umständen muss man andere Regierungsformen finden, sonst versinkt früher oder später alles in Blut und Chaos. Oft wird versucht, die Macht aufzuteilen (Präsident der einen Ethnie, Premierminister der anderen Ethnie). Auch das geht selten gut, da sich die Regierenden dann gegenseitig paralysieren, und im Land nichts vorangeht. Regierbar ist ein armes Land offenbar nur dann, wenn eine weitgehend homogene Bevölkerung vorhanden ist, oder umgekehrt, wenn die Ethnien alle so klein sind, dass keine einen Mehrheitsanspruch stellen kann. Ein friedliches Zusammenleben mehrerer größerer Völker in einem Staat ist immer sehr problematisch und funktioniert meist nur in Gesellschaften mit relativ hohem Lebensstandard. Eines der wenigen positiven (Gegen)Beispiele in W-Afrika ist Ghana. Man kann nur hoffen, dass es dort so bleibt.

Die von den ehemaligen Kolonialmächten gezogenen Grenzen machen sich in Afrika aber überall in katastrophaler Weise bemerkbar. Aber auch ohne diese Grenzen wäre alles völlig verfahren: hochkorrupte Politiker, multiethnische Strukturen, der Konflikt zwischen Islam und Christentum, kombiniert mit unmäßigem Bevölkerungswachstum (z.B. fast 5 Kinder je Frau in der Elfenbeinküste), fortschreitender Zerstörung der Umwelt, Naturkatastrophen und Nahrungsmittelknappheit.

Unter solchen Bedingungen setzt sich am Ende immer der Stärkere durch. Was passiert, wenn die staatlichen Strukturen zusammenbrechen, sieht man in Somalia, oder dem Kongo. Diese Länder sind aber erst der Anfang. Dass der Klimawandel Afrika am härtesten treffen wird, und z.T. bereits jetzt schon trifft, bestreitet inzwischen niemand mehr. In der Folge wird es zu vielen großen Hungerkatastrophen kommen, diese werden Völkerwanderungen auslösen. Marodierende Milizen werden sich die Macht regional aufteilen. Der Bevölkerungsdruck in Richtung Europa dürfte immer massiver werden, die Probleme an der Südgrenze der EU sind ja jetzt schon riesig. Was hat Gadaffi vor kurzem gesagt, als er eine libyenfreundliche Politik der EU angemahnt hat - wenn er nicht mehr helfen würde, die Flüchtlinge zurückzuhalten, dann würde Europa schwarz werden.

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