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Nachruf von Gerhart Baum: Genscher folgte einem inneren Kompass
DPA

Sie haben gestritten und gemeinsam gekämpft: Hier erinnert sich FDP-Veteran Gerhart Baum an seinen großen Parteifreund - und die Zeit ihres Zerwürfnisses.

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Lütt Matten 02.04.2016, 17:40
1. Unverzeihlich

Was mich immer noch bewegt, wenn ich den Namen Genscher höre, ist das den Kopf in den Sand stecken von ihm und dem großen "Kanzler H. Schmidt" im Falle von Elisabeth Käsemann. http://www.t-online....ldete-mord.html

Unverzeihlich !!!

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guentwag 02.04.2016, 17:52
2. „Wichtig war ihm auch die Normalisierung der Beziehungen zu Russland als einen unverz

Schön, dass auch dieser Punkt angesprochen wird! Als Verhandlungspartner des Zwei-plus-Vier-Vertrages wusste er - und keiner, der damals am Verhandlungstisch saß, lässt bis heute daran Zweifel – dass sich der Westen verpflichtet hatte, die NATO nicht nach Osten zu erweitern. Selbst in der ehemaligen DDR dürften danach NATO-Manöver „nur unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen der Sowjetunion abgehalten“, aber keine NATO-Soldaten stationiert werden (lt. Zusatz-Protokoll, s. Wikidedia!). Hans-Dietrich Genscher kritisierte daher, dass die NATO dieses Versprechen der Nichterweiterung gebrochen hat. Er kritisierte wie so viele andere erfahrene Politiker die Russland-Sanktionen. Sein Wahlspruch: „Es gibt in Europa keine Stabilität ohne Russland, und erst recht nicht gegen Russland.“
Ich wünsche, dass diese Einsicht auch unserer Regierung schnell erwachse!

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dherr 02.04.2016, 18:00
3. Kann ich nur unterstreichen

Zitat von Lütt Matten
Was mich immer noch bewegt, wenn ich den Namen Genscher höre, ist das den Kopf in den Sand stecken von ihm und dem großen "Kanzler H. Schmidt" im Falle von Elisabeth Käsemann. http://www.t-online....ldete-mord.html Unverzeihlich !!!
http://principiis-obsta.blogspot.co.at/2016/04/hans-dietrich-ach-das-madchen-kasemann.html

Aber wir werden es erleben, der Herr wird in den Trauerreden von selbstherrlichen und selbstdarstellenden Politikern in den Olymp gehoben werden.

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zack34 02.04.2016, 18:06
4. Durch den Nebel der Lobhudelei...

Es ist freilich dem Anlass angemessen, den Verblichenen in höchsten Tönen zu loben.

Und die Qualitätspresse steigert sich dabei zu ungeahnten Höhen, fast schon als schrieben Regierungsstellen die aktuellen Nachrufe im Akkord. Die aktuelle SZ vom Freitag und Samstag bricht diesbezüglich alle Rekorde.

Dass dabei vor allem im Hinblick auf die dt. Wieder-vereinigung die Rolle Egon Bahrs unter geht, und Genscher all die Lorbeeren mitnimmt, geht unter.

Nebenbei wird auch beflissentlich vergessen, dass Genscher sich gleichzeitig einerseits für dt. und europäische Einheit, ... andererseits aber für die Auflösung Ex-Jugoslawiens aktiv eingesetzt und vor allem bzgl. Kroatien die (milde ausgedrückt) reaktionärsten Nationalisten unterstützt hat, deren in Teilen faschistoide Diaspora in Deutschland Ende der 80er eine gewichtige Rolle mit spielen durfte.

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ApuMichael 02.04.2016, 18:24
5. Ein guter Nachruf

Ich finde die Balance zwischen den außenpolitischen Leistungen, persönlichen Meriten und kalter, unanständiger Machtpolitik sehr gut dargestellt. In einen Nachruf sollte man von Verräterei nicht allzu deutlich und ausführlich sprechen. Persönlich hatte ich nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition von Genscher und der FDP genug.

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Stanislaus III. 02.04.2016, 18:48
6. Nur noch peinlich

Zitat von dherr
(...) Aber wir werden es erleben, der Herr wird in den Trauerreden von selbstherrlichen und selbstdarstellenden Politikern in den Olymp gehoben werden.
Die Selbstbeweihräucherung gehört bei der politischen Kaste und ihren Hofhunden dazu. Sie dient -wie in der Kirche der Weihrauch- dazu, den Gestank zu überdecken.

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winki 02.04.2016, 19:05
7. Danke an #1 und#3

Darüber wurde so gut wie nie gesprochen. Dabei wäre das ein Fall für den Generalstaatsanwalt gewesen. Ich denke an die Eltern, wie wird denen wohl zu Mute sein wenn sie die Elogen hören und lesen. Auch als Innenminister in der Guillame-Affäre war seine Rolle mehr als fragwürdig. Und dann noch sein Spiel beim Bruch der Rot-Gelben Koalition, auch sehr nebilös.

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Thomas Kossatz 02.04.2016, 19:07
8.

Eine einfache Verschwörungstheorie erklärt die Welt einfach viel schöner. Der demokratische Wechsel an der Spitze der Regierung wird zum Putsch, aus der Abwahl eine Bundeskanzlers, von seiner eigenen SPD in der zentralen Frage der Mittelstreckenraketen verlassen wurde, wird Königsmord.

Nachhilfe für alle Geschichtsklitterer: Der sozialdemokratische Ex-Kanzler Schmidt schloss seine Rede zur NATO-Nachrüstung mit den Worten, er "bleibe Sozialdemokrat". Diese Bemerkung war tatsächlich nötig, denn seine eigene Partei hatte ihn verlassen, Leute wie Lafontaine hielten flammende Reden gegen die eigene Regierungspolitik. Es stimmt, dass Genscher und die FDP die sozialliberale Außenpolitik weiter nahtlos fortführte, die SPD dagegen driftete ab.

Während der heutige Attac Aktivist ex CDU-Generalsekretär Geisler Gorbatschov bepöbelte, Kohl denselben mit Goebbels verglich, setzte Genscher die Politik des Ausgleichs fort. Während die SPD eine Programmdebatte mit der SED führte, drehte Genscher an den Schrauben der Wiedervereinigung.

Wenn man, wie Baum in seinem heutigen Nachruf sagt, einen inneren Kompass hat, dann geht man seinen Weg weiter, wenn sich der Weggefährte verläuft.

Dass Genschers Weg von Hatern begleitet war, auch das wird in einem Nachruf nicht erwähnt. All jene politischen Pygmäen, deren Lebensleistung daraus besteht, etwas abzulehnen.

Lasst Sie alle nocheinmal kleingeistig am politischen Giganten Genscher herumkritteln, und dann - Friede ihrem letzten Atemzug.

Die Deutsche Eiche hat es selten gestört, wenn sich das Borstenvieh an ihr geschubbert hat.

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schorri 02.04.2016, 19:09
9. Nun aber mal halblang

Man kann Genschers Verdienste loben.
Man muss es sogar.
Aber man darf nicht vergessen, wie er (und sein Partner Schmidt) sich auch verhalten haben.
Z.B. im "Fall" Käsemann.
Nicht nur wegen dieses Einzel"falles".
Auch. Aber auch, weil es kein Einzelfall war.
Bist du nicht "wichtig", dann bist du nicht wichtig.
Das war auch ihre Devise.

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