Forum: Politik
Neue deutsche Spießigkeit: Die Steuer-Puritaner

Deutschland steht offenbar am Ende eines langen Kulturkampfs: Nahezu täglich werden schärfere Regeln gegen Steuerbetrüger gefordert. Denn Steuerflucht ist auch Aufstand gegen die Obrigkeit.

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moulesfrites 07.02.2014, 10:14
530.

Zitat von Alex8
Erstmal: Mal wieder ein sehr guter Text von Fleischhauer! Aber offenkundig haben viele nicht verstanden, worauf er hinaus will. Es geht u.a. um die unverhältnismäßige Hexenjagd - vor allem bei Uli Hoeneß! -, bei der unweigerlich der Eindruck entsteht, dass bei vielen Leuten Steuerhinterzieher und Gewaltverbrecher auf einer Stufe stehen. Der Bewegrund hierfür ist meistens der blanke Neid. Weiterhin tut doch (fast) jeder, was er kann - oder?! Ein paar Mehrkilometer in der Steuererklärung, "Wochenendebeschäftigung" für Handwerker, "schwarze" Putzkraft usw.: Wer frei von jeglicher Schuld ist, möge den ersten Stein werfen! Für mich persönlich ist das Kernthema die Verwendung unserer horrenden Steuern. Würde das Geld überwiegend für die Dinge genutzt, die mir und der Gesellschaft dienen, würde ich tatsächlich gerne Steuern zahlen. Überhaupt nicht gerne zahle ich aber für die Rettung südländischer Banken und Staaten, für arbeitsunfähige bzw. -unwillige Armutsmigranten, für dillentantisch geplante Bauprojekte sowie für nichtsnutzige und überbezahlte EU-Politiker. Deswegen kann ich jeden verstehen, der ein Bisschen "zur Seite" schafft, wenn er die Möglichkeit dazu hat.
Sie verstehen offensichtlich nicht den Unterscheid zwischen der gesetzlichen Pflicht Steuern korrekt abzuführen und der Verwendung der Steuern.
Sicherlich kann man mit der Ver(sch)wendung in diversen Fällen nicht einverstanden sein, da sollte sich viel mehr drum gekümmert werden.
Das legitimiert aber noch lange keinen Steuerbetrug/keine Steuerhinterziehung, egal wie klein oder groß der Betrag ist. BTW bin ich auch dafür, diese Schummeleien bei Angaben von normalen Personen empfindlich zu ahnden, übrigens genauso wie die persönliche Haftung für Steuerverschwendung seitens der Politik.

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cosmopolit1759 07.02.2014, 10:19
531. Fleischhauers Kollegenschelte für Spiegel-Redakteure???

Wäre die Lösung ihres Problems nicht ganz einfach Herr Fleischhauer? Bringen Sie Ihre Spiegel-Kollegen doch dazu die Leichen von Schwarzer (und und wie die Betrüger sonst heißen) in deren Keller vermodern zu lassen, beteiligen Sie sich daran, alles unter den Teppich zu kehren, stellen Sie die Berichterstattung darüber ein. Dann regt sich auch keiner mehr auf. Freilich hat damit die investigative Presse einmal mehr den Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Es geht auch in Steuerfragen selbstverständlich um Gerechtigkeit und um die (Doppel)Moral der Besitzenden, Regierenden und der sich selbst zu moralischen Instanzen Erhebenden.

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Sgt.Moses 07.02.2014, 10:20
532. Verdrehte Welt

Während die Rechte sonst gerne die totale Vorratsdatenspeicherung fordert, sorgt sich der Herr F. nun endlich um den Datenschutz.
- Nun, besser spät als nie!

Wo die Rechte nach Law and Order schreit predigt der Herr F. nun den zivilen Ungehorsam.

Aber es kommt noch besser!
Derweil in deutschen Konzernen immer strengere Antikorruptionsrichtlinien verabschiedet werden sträubt sich die Rechte immer noch die EU-Antikorruptionsvorgaben in deutsches Recht zu fassen und der Herr F. singt das hohe Lied auf die Vetternwirtschaft der Bayern.

Herr F. ! Was los?!?! müssen wir uns Sorgen um Sie machen? Werden Sie am Ende gar noch ein Liberaler?!?!!!

Herzlichst Sgt. M.

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hakube51 07.02.2014, 10:20
533.

Solange Steuerverschwendung ein Kavaliersdelikt ist, habe ich mit Steuerhinterziehung kein großes Problem.

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ueberlegdochmal 07.02.2014, 10:21
534. Alles dem Staat, nicht nur das Geld.

Wie kann Herr Fleischhauer nur anzweifeln, dass wir unsere gesamten Errungenschaften dem Staat zu verdanken haben? Hat der Staat uns nicht gezeugt, erzogen, ernährt, uns die Arbeit besorgt, uns behütet vor der bösen Welt? Aus diesem Grund hat der Staat auch völliges Anrecht auf unser gesamtes Vermögen und alle unsere Besitztümer gehören eigentlich mit Recht dem Staat. Gehören wir ihm nicht mit gutem Grund mit Haut und Haaren? Sollten wir nicht einen Spitzensteuersatz von mindestens 120 % haben?

Und, es gehört sich einfach nicht gegen den Staat zu sein!

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volw 07.02.2014, 10:21
535. Endlich

sagts mal einer. "Gib dem Menschen, was des Menschen, doch laß Gott, was Gott gehört". Super Kommentar!

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Jasmin Kraft 07.02.2014, 10:21
536. Danke Herr Fleischhauer!

Danke für diesen sinnvollen Artikel. Ich möchte aber noch einen Schritt weiter gehen: Es ist keine Gnade deutsch zu sein und es ist überhaupt nicht einzusehen, warum im Ausland erwirtschaftete Erträge in Deutschland überhaupt versteuert werden müssen. Geld das hier einmal ordentlich versteuert wurde und dann im Ausland angelegt wird sollte aussschließlich den dortigen Steuergesetzen unterliegen. Was maßt sich diese Staat eigentlich an, dass er seine Bürger bis ins Ausland verfolgt? Leider habe ich nicht genügend Kleingeld, um es im Ausland anlegen zu können, aber wenn ich es hätte würde ich niemals freiwillig für die Erträge im Ausland steuern bezahlen.

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MephistoX 07.02.2014, 10:27
537. Ein "echter" ...

... Fleischhauer mal wieder :-P

Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie man Steuerkriminalität, die letztendlich nichts anderes als Raub am Allgemeinwohl der Gesellschaft ist, geradezu zum vermeintlich "hehren Bürgerprotest" zu verklären versucht ?! ---> Eine ziemlich üble Lachnummer und erneut ein derber Schuss in den Ofen ;)

Wer mit dem Wie und Wofür des Steueraufkommens-Einsatzes unzufrieden ist, kann sich ja politisch engagieren und dafür kämpfen, dass sich da was ändert, statt nach eigenem "Gutdünken" dem Staat das illegal vorzuenthalten, was der zur Bewältigung seiner Aufgaben nun mal benötigt.

Deshalb halte ich auch gar nix von einer ausgeprägten "Stiftungskultur" statt vernünftiger Steuerpolitik, weil da die "edlen Spender" in Gutsherrenmanier selbstherrlich entscheiden wollen, was vermeintlich "angebracht" ist oder auch nicht ... ein solch neofeudalistischer Denkansatz ersetzt nicht die demokratische politische Willensbildung, sondern ist in verquerer Weise pseudo-elitär.

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retrograd 07.02.2014, 10:29
538. Mal etwas rechnen...

Zitat von garfield
Aber auch diesmal muss ich etwas Wasser in den Wein schütten: die von Ihnen Angehimmelten traugen auch bei der Einkommenssteuer nur einen kleinen(!) Teil bei (bevor Sie die Backen aufblasen: die, die wirklich hier den größten Anteil beitragen, sind nicht die, die Sie anhimmeln). Oder sollten Sie tatsächlich keine Ahnung haben, welche Steuer den größten Anteil am Kuchen erbringt und wer die alles schultert - und vor allem, welchen Anteil am jeweils verfügbaren Einkommen die bei den verschiedenen Schichten ausmacht?
Sie spielen wohl auf die Umsatzsteuer an. Wie hoch wird der Anteil wohl sein? Wenn man mal von der vereinfachten Annahme angeht, dass bei einem Niedriglöhner (die meinen Sie wohl) die Ausgaben sich zu je einem Drittel für Miete, Lebensmittel und sonstiger Konsum zusammensetzen, dann beträgt der Steueranteil der Umsatzsteuer am Einkommen etwa 8,7%.

Reichlich wenig, finden Sie nicht? Einkommensteuer wird so gut wie keine bezahlt. Dazu kommen dann noch ein paar Verbrauchsteuern. Aber recht viel mehr als 10% vom Einkommen wird da nicht zusammenkommen.

Betrachten wir nun mal einen Besserverdiener mit 100.000 € pro Jahr (alleinstehend). Hier beläuft sich allein die Einkommensteuer bereits auf 34%. Geht man nun von einer Sparquote von 20% aus, ergibt sich bei Anwendung der obigen Drittelung der Ausgaben in Summe noch etwa 4% vom Brutto für die Umsatzsteuer, dazu kommen noch sonstig Verbrauchssteuern. Dann ist man ungefähr bei 40% an Steuern vom Einkommen.

Also für mich ist klar, wer den Löwenanteil an der Steuerlast trägt.

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gantenbein3 07.02.2014, 10:34
539. Da wäre es doch gut...

Zitat von retrograd
Im großen Stil wird der Steuerbetrug vom "Normalbürger" begangen und zwar durch Schwarzarbeit. Geschätzt etwa 13 Mio. Bürger gehen diesem Hobby nach und haben dabei nicht das geringste Unrechtsbewusstsein. Über 330 Mrd. € werden pro Jahr mit Schwarzarbeit umgesetzt. Allein die Umsatzsteuer die darauf nicht abgeführt wird beläuft sich auf über 60 Mrd. €.
...wenn man mal darüber nachdächte, warum das so ist - und die auf der Hand liegenden Konsequenzen zöge, z.B. die Konsequenz, dass die hohe Abgabenlast bei gleichzeitig fehlgesteuerter Ausgabenpolitik die Bürger dazu treibt, es auf die krumme Tour zu versuchen - und was daher geändert werden müsste. Friedrich Schneider sagt im SPIEGEl-Interview:

Zitat:

Ich habe in Dänemark gelebt. Da sind Ganztagskindergärten und ein hervorragendes Gesundheitssystem selbstverständlich. Meinen Steuersatz fand ich zwar extrem hoch, aber ich habe vom Staat auch viel dafür bekommen. Das ist der große Unterschied zu Deutschland. Schauen Sie sich nur die Endlosdebatte um Kita-Plätze an, die löchrigen Straßen im Ruhrgebiet oder den maroden Nord-Ostsee-Kanal. Wenn der Steuerzahler für sein Geld immer weniger bekommt, fragt er sich zu Recht: Warum zahl ich das eigentlich?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-951693.html

Ich, für meinen Teil, kann nicht sagen, dass ich vom Staat für meine hohen Steuern jemals viel bekommen hätte. Im Gegenteil: Ich fühle mich durchaus einerseits "abgezockt" und andererseits da, wo ich den Staat mal gebraucht hätte, alleingelassen. Das ist es, was einen eine Abwehrhaltung einnehmen und darüber nachdenken lässt, sich den teilweise durchaus unverschämten Forderungen des Staates nach immer noch mehr Steuern und Abgaben auf die eine oder andere Art zu entziehen. Nicht, dass ich das richtig fände, aber es liegt doch auf der Hand. Diejenigen, die uns erklären, dass die Verfolgung von Steuerflucht zur Staatsräson gemacht werden müsse, wie SPD-Oppermann, wollen nur mehr Geld.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...-a-950933.html

Einen besseren Staat wollen sie nicht und schon gar nicht wollen sie dafür verantwortlich sein, dass dieser Staat so mies ist, wie er ist, obwohl sie sie selbst ihn lenken.

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