Forum: Politik
Neuer Friedensdeal in Kolumbien: Das Volk wird nicht mehr gefragt
AFP

Kolumbien ringt um einen Friedensdeal mit den Farc-Rebellen: Doch den ersten Entwurf schmetterte das Volk ab. Der nächste Versuch droht im Wahlkampfgetöse unterzugehen - im Land wächst der Hass.

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Nur ein Blog 24.11.2016, 14:33
20. Was ist ein Populist?

Zitat von ingo_horst
Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit der Meinung Uribe sei ein Populist. Was ist dann Präsident Santos? Es wird auf der Welt nur so rumgeschmissen mit der Bezeichnung Populist... Nassim Nicholas Taleb fragte neulich auf Twitter was der Unterschied zwischen Populismus und Demokratie ist. Keiner hat ihm zufriedenstellend geantwortet
Meiner Beobachtung nach entscheiden die eingenommenen Positionen ob Populist oder wahrer Demokrat.

Ein EU-Skeptiker ist immer ein Populist und somit per se ein Antidemokrat.
Desgleichen mit NATO-Kritikern, "Russlandverstehern", Islamismuskritern usw.

In Kolumbien sehe ich kein Muster ... Höchstens vereinigter Politklüngel von Rebellen und Regierung an der Macht gegen Volkstribun nicht an der Macht.

Wie ein "Friedensvertrag" in einem Bürgerkrieg die politische und wirtschaftliche Teilhabe der unterlegenen Bürgerkrieger vorsehen kann, ist mir eh ein Rätsel.

Ein Bürgerkrieg ist nicht mit einem erklärten Krieg zwischen zwei Kriegsparteien zu vergleichen. Der Unterschied zu Unruhen, Aufständen, Meuterei und Terrorismus ist ausschliesslich quantitiativ, bei Unterliegen der Rebellen. Ausser sie gewinnen - dann sind sie Befreier des Volkes und teilen nicht die Macht mit den Unterlegenen, sondern klagen die an am internationalen Strafgerichtshof.

Ein Bürgerkrieg mit unterlegenen Aufständischen ist kein Krieg im Sinne des Kriegsvölkerrechts und eigentlich ein interne Angelegenheit, die keinen Friedensvertrag, sondern den Rechtsstaat bräuchte.

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El_Lobo 24.11.2016, 15:45
21.

Zitat von hinschauen
Kolumbien hat seinen Brexit und seinen Trump? Gehts noch? Müssen hier immerimmerimmerimmerwieder Bezüge hergestellt werden, die überhaupt keine sind? Daneben geht im Text kaum unter, wie viel berechtigte Kritik es an dem Papier gibt, das Massenmörder unbescholten davonkommen lässt - und zwar von Guerilla- wie von Militärseite. Und diese Kritik kommt eben nicht nur von politischen Gegnern, sondern auch aus großen Teilen der Bevölkerung. Aber die Meinung von großen Teilen der Bevölkerung ist ja großen Teilen der Medien mittlerweile sehr suspekt - in diesem Zusammenhang stimmt der Bezug zum Brexit sogar.
"Aber die Meinung von großen Teilen der Bevölkerung ist ja großen Teilen der Medien mittlerweile sehr suspekt". Gut geschrieben, aber es trifft nicht nur auf Kolumbien oder England zu, sondern auch auf Deutschland.

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Nur ein Blog 24.11.2016, 16:37
22. So wäre ich vermutlich auch ...

Zitat von lobivia
Ihre Angaben sind schlicht und ergreifend falsch. 85% der Landbevölkerung, gerade in den betroffenen Gebieten, haben FÜR den Vertrag gestimmt. Daran ändert auch der grenzenlose Zynismus der Stadtbewohner nichts, die ihre Söhne vom Wehrdienst freikaufen, um dann eine Fortführung desKrieges zu befürworten.
Der Landbevölkerung, die unmittelbar von den FARC-Terroristen bedroht ist, ist das eigene Leben und das der Familie am wichtigsten. Mache haben auch Kinder und Verwandte, die von der FARC rekrutiert worden sind. Da wäre ich wohl auch für Frieden um jeden Preis. Vermutlich hat sich seit Jahren kein Politiker mehr in die "Provinz verirrt".

Die Frages des Kampfes um Werte setzt eine minimale Verschontheit voraus, die auf die Städter viel eher zutrifft.
Städter sind auch viel politisierter als die Landbevölkerung. Die für die FARC-Terroristen reservierten Parlamentssitze und Posten in der Wirtschaft und relativ hohen Sozialleistungen dürften Städter zutiefst empören. Wäre ich einer, wäre ich wohl auch gegen diese Zwangskoalition mit den Bürgerkriegern.

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alfonso73 25.11.2016, 00:29
23. mal wieder an der Wahrheit vorbei, wie so oft

Lieber Herr Glüsing, leider ist es nicht das erste Mal, dass die Berichterstattung über Kolumbien massiv einseitig und verzerrt über die Dinge berichtet. Sie sollten eventuell die Kommentare hier im Forum lesen, die zum großen Teil besser widerspiegeln, warum die Bevölkerung den Frieden abgelehnt hat. Tatsache ist, dass die FARC in den letzten Jahrzehnten über 200.000 Menschen ermordet, verschleppt und umgebracht hat und dafür einerseits straffrei ausgehen sollte und dann noch für mehrere Jahre Sitze im Parlament erhalten sollte. Es gibt in Kolumbien niemanden, der nicht den Frieden will, aber die Frage ist halt auch zu welchen Bedingungen. Sie erklären mit ihrem Artikel mehr als die Hälfte derjenigen, die gegen den Frieden gestimmt haben, zu Personen, die einzig aus Rachegelüsten den Friedensvertrag abgelehnt haben. Falscher kann man hier nicht liegen. Niemand der internationalen Politiker und Experten, die das ursprüngliche Abkommen so gepriesen haben, hat Familienmitglieder oder Verwandte durch diese Terroristen verloren. Das gleiche gilt für die westlichen Autoren, die unglücklicherweise über die linksgerichteten Terroristen jedes Mal mit einem Hauch Romantik berichten und ihre Ziele verklären. Wahr ist, dass die FARC ursprünglich in den 70er Jahren politische Ziele mit einer gewissen Berechtigung verfolgt hat, aber heute ist davon nur noch Drogenhandel, Erpressung und Verschleppung übrig geblieben. Und das will Santos legitimieren und mit Sitzen im Parlament belohnen. Man muss sich nur mal überlegen, welches Signal das an alle Terroristen weltweit senden würde. "Hallo, ihr könnt unschuldige Menschen töten und könnt hinterher eure Aktivitäten legitimieren". Und dafür gibt es auch noch den Friedensnobelpreis, eine Unverschämtheit. Jeder, der das Ergebnis der Volksabstimmung kritisiert, sollte sich mal überlegen, wie groß in Deutschland der Aufschrei (zu rechtens) wäre, wenn die RAF für ihre Verbrechen Straffreiheit bekommen hätte und am Ende auch noch mit Sitzen im Parlament belohnt worden wäre. Und die RAF hat ja nur einen verschwindend geringen Bruchteil der Menschen ermordet, die die FARC in Kolumbien auf dem Gewissen hat.
Ich kann hier nur vielen der anderen Beiträge im Forum zustimmen, dass die Berichterstattung sich anscheinend in einer ähnlichen Blase abspielt, wie das in den USA mit dem Wahlergebnis der Fall war. Und Uribe und Trump in einen Topf zu werfen, zeugt schon von einer ordentlichen Voreingenommenheit gegenüber den Tatsachen in Kolumbien. Die westlichen Gesellschaften sind groß darin, anderen Ländern Lektionen über Demokratie zu geben, aber wenn das Ergebnis nicht so ausfällt, wie man möchte, dann erklärt man halt einfach Volksabstimmungen zu Fehlern.

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astroloop 25.11.2016, 17:36
24. @alfonso73

Super Kommentar! Das unterschreibe ich glatt.

Besonders störend an dieser Berichterstattung ist, dass sie nicht nur einseitig ist, sondern mit keinem Wort auf die Argumente des NEIN Lagers eingeht.

Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und soziale Politik, welche vom NEIN vertreten werden, werden regelmässig vom Tisch gewischt.

Es reicht der Verweis auf die extremen Vermögensunterschiede und schon ist alles "Linke" die einzig seelig machende Gerechtigkeit.

Was aus dem Land werden soll, wenn dieser Vertrag umgesetzt wird, darüber scheint sich kein Journalist Gedanken zu machen.

Welche Kompetenzen bringen den Timochenko und Co. denn mit hinsichtlich Politik und Wirtschaft?
Eine Theorie aus dem Jahre 1903 und entsprechende Forderungen.

Die Menschen brauchen Jobs, Ausbildung und Investitionen. Die Infrastruktur muss verbessert werden.

Wenn nun alles durch die Marxistisch-Leninistische Brille in der Verfassung betrachtet werden muss, wer soll denn in Kolumbien noch investieren? Konzerne, die die Rohstoffe abbauen möchten. Aber sonst? Die Privatwirtschaft kann heute schon kaum noch. Die Friedensdividende von Uribe hat Santos doch schon verbraten.

Uribe hat 17´000 Guerrilleros und 35´000 Paras entwaffnet und wieder in die Gesellschaft zurückgeführt.

Brauchte der einen solchen Friedensvertrag?

Und Santos soll für den kümmerlichen Haufen von 5´000 einen Friedensnobelpreis kriegen?

Und was ist mit der Übergangsjustiz?

Warum sollen die Militärs denn jetzt für unbewiesene Behauptungen ins Gefägnis?

Man lese Art. 60 des Vertrages. Ein klarer Verstoss gegen die Römischen Statuten.

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