Forum: Politik
Neuer Protest-Clip von Pussy Riot: In Netzstrümpfen gegen Putin
Pussy Riot

Sie trägt zur Uniform rote High Heels und Netzstrümpfe: Pussy-Riot-Aktivistin Tolokonnikowa prangert in einem neuen Videoclip die Machenschaften von Russlands Generalstaatsanwalt Tschaika an.

Seite 5 von 5
yossariania 03.02.2016, 18:46
40. Ich denke,

Zitat von adal_
Tatsache ist: Die Angst des Kreml vor "dem pubertären Mädchen" nahm schon vor 4 Jahren groteske Formen an: Schauprozess gegen Pussy Riot - Putin lässt die Maske fallen
das der Prozess einer der grössten publicitz-Erfolge des Kreml in den letzten zwanzig Jahren war.
Die meisten Russen sind religiös, viele von ihnen sogar tief religiös - das war auch schon zu Sowjetzeiten so. Gleichzeitig sind sie in religiöser Hinsicht im Vergleich zu deutschen Protestanten sehr konservativ. Das liegt auch daran, das weder Klerus noch Gläubige die Kirche als Bühne für politische Auftritte oder als Rückzugsraum für Aktivisten verstehen, anders als beispielsweise die evangelische Kirche in der DDR beispielsweise. Glaubige Russen reduzieren die Kirche meist auf deren "Primärtugenden": Frömmigkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, dazu kommt noch ein gehöriger Schuss Patriotismus. Und sie haben eine sehr konkrete Darstellung davon, was man in einer Kirche tut oder nicht.
Pussy Riot hat mit ihrem Auftritt die gefühle gläubiger Russen sehr verletzt, und auch viele nichtgläubige Russen haben den Auftritt einfach als unanständig wahrgenommen.
Ein hartes Vorgehen gegen Pussy Riot hat also faktisch automatisch die Sympathie der meisten Russen gewonnen. Auch wenn man ansonsten mit Putin unter Umständen nicht viel anfangen kann, war man sich in diesem Punkte einig. Auftritt und Prozess haben wieder einmal viele Russen in Putins Arme getrieben. Und von diesem Bonus wollten natürlich viele profitieren, angefangen vom einfachen Bezirksstaatsanwalt. Da brauchte es wahrscheinlich gar nicht so viel Steuerung von oben: ein hartes Auftreten gegen Pussy Riot & Co sichert Sympathiepunkte.
Der Westen hat dann dem Kreml noch einen Bonus draufgelegt. Indem man Pussz Riot moralisch unterstützte, hat man wieder dieses "wir gegen die"-Gefühl erzeugt. Und demonstriert, das man in den Augen der meisten Russen für Schund und Schmutz steht. Und gleichzeitig hat man wieder einmal den Rest der russischen opposition diskreditiert.

Solange wir solche Gestalten wie Nawalnz, Chodokowski oder Pussy Riot pushen, spielen wir dem Kreml propagandistisch in die Hände.

Beitrag melden
freebooter 03.02.2016, 19:00
41. Wo sie recht haben, haben sie recht.

Mir gefällt das Auftreten von Pussy Riot nicht. Aber Gewalt, Korruption und Verbrechen gefallen mir noch viel weniger. Wo sie recht haben, haben sie recht.

Beitrag melden
-su- 03.02.2016, 19:03
42.

Zitat von Faceoff
Nun, die Liste der plötzlich verstorbenen unliebsamen Russen ist nicht kurz. Und die Aufklärungsquote ist nicht hoch. Es ist noch kein Jahr her, da wurde z. B. Boris Nemzow in Sichtweite des Kreml ermordet. Bis heute ist der Fall ungeklärt. Die Damen von Pussy Riot sind nicht etwa deshalb berühmt, weil ihre Darbietungen besonders gelungen oder originell wären, sondern weil sich der russische Staat durch seinen ruppigen Umgang mit ihnen selbst demaskiert hat. Stichworte: Willfährige Justiz, Schauprozesse, drakonische Strafmaße, etc. .
Bei Nemzov gibt es verdächtige. Das da die Aufklärung nicht so gut vorankommt, liegt auch an der Begleiterin von Herrn Nemzov. Die hat sich ja schnellstens nach Kiew abgesetzt und war bei der Vernehmung auch nicht gerade hilfreich (Stand damals auf SPON).

Pussy Riot sind nur deshalb bekannt, weil Journalisten aus den Westen aus diesen Frauen Heldinnen stilisiert haben. Bis auf ihren Auftritt in der Kirche, in der sie den Patriarchen aufs übelste beschimpft haben, gab es keine Konsequenzen für ihre anderen Auftritte.

Beitrag melden
Seite 5 von 5
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!