Forum: Politik
Neues Buch über Medienmacht: Die Mär vom armen Opfer Sarrazin
DPA

Machen Sie sich bereit für den neuen Sarrazin: Die Startauflage liegt bei 100.000 Exemplaren. Nicht schlecht für ein Buch mit der These, dass man in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern dürfe.

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motzbrocken 14.02.2014, 13:30
220. optional

Kenne sein Buch nicht. Aber generell ist es schon richtig, was viele Foristen schreiben. Die Zeitungen bzw Medien geben Agenturberichte wieder. Keine Informationen, welche gegen den Mainstream gerichtet sind, keine unabhängige Berichte mehr. Man muss sich fragen, wem die Medienlandschaft gehört und wie die politisch gestrickt sind. Da wird einem einiges klar. Zur Meinungsfreiheit nur soviel: mit der ganzen NSA Skandalgeschichte wird ein weiteres Kapitel in Sachen Meinungsfreiheit geschrieben. Ganz subtil wird der Weltbevölkerung mitgeteilt, dass sie lückenlos überwacht wird. Aufschrei? Demos? Nein, man demonstriert weil ein Giraffe im Zoo an Löwen verfuttert wurde. Aber gegen die Totalüberwachung? Gabs da Demos? Mancher der sich früher mit Freunden, Bekannten, in Foren und anderswo Systemkritisch äussert, muss damit rechnen, irgendwann auf irgend eine Art Konsequenzen daraus zu tragen. Ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt. Aber wir sehen ja bereits, wie die Meinungen einzelner in Talkshows bewusst lächerlich bzw diskreditiert werden. Es wird in der Tat immer schwieriger, korrekte Informationen zu erhalten. Agenturberichte kommen von Reuters oder Bloomberg, vorgekaut, weichgespühlt. Mal durch ein Komma ein wenig verändert, aber grundsätzlich gleichen sich alle. Und eine immer grösser werdende Anzahl Mitmenschen kümmern sich lieber um Dschungelcamp u.ä. Die wollen auch keine Infos in den Nachrichten, die zum Denken auffordern. Es muss alles leicht und bekömmlich sein. Wäre ja noch, wenn das Volk mit denken beginnen würde..... Schönes Wochenende

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Tommi16 14.02.2014, 13:31
221.

Zitat von sysop
Machen Sie sich bereit für den neuen Sarrazin: Die Startauflage liegt bei 100.000 Exemplaren. Nicht schlecht für ein Buch mit der These, dass man in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern dürfe.
Zwei Bemerkungen:
1. Sie widersprechen sich selbst: im Vortext: "Nicht schlecht für ein Buch mit der These, dass man in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern dürfe. " im Text: "...und behandelt die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland. "
Das sind nach meiner Sicht zwei verschiedene Dinge.

2. Wenn wir von den Grenze der Meinungsfreiheit sprechen, wird wohl jeder Forist Beispiele dafür bringen können, das es diese gibt.
In Foren, bei Leserbriefen und anderswo.

Mein Beitrag dazu: in unserer Regionalzeitung wurde in einem Beitrag für Kinder eine objektiv völlig falsche Behauptung aufgestellt.
Mein Hinweis darauf an die Redaktion wurde weder verarbeitet, es erfolgt noch nicht einmal eine Reaktion der Autorin.
Das ist eine Grenze der Meinungsfreiheit: Wer die mediale Macht hat,
kann seine Meinung verbreiten, wer sie nicht hat, hat keine Chance dazu.

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ginthos 14.02.2014, 13:40
222. Tabu-Täuschung

Zitat von sysop
Machen Sie sich bereit für den neuen Sarrazin: Die Startauflage liegt bei 100.000 Exemplaren. Nicht schlecht für ein Buch mit der These, dass man in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern dürfe.
Die Sache ist einfach die:

Es gibt auch in D sogenannte Tabuthemen.
Solche Tabuthemen gibt es in jedem Staat.
Weil keine Gesellschaft ohne Tabus auskommt.
Auf diese Tabus haben sich die jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Führungsschichten geeinigt.
Auf Themen, die man eben nicht öffentlich diskutieren will.
(Die Einführung der Todesstrafe ist z.B. in D ein solches Tabuthema. Keine Partei wird das Thema jemals wieder aufgreifen...was mich in dem Fall freut)
Nun kann man diese Themen natürlich trotzdem aufnehmen irgendwie, literarisch z.B.
Nur gibt es eben dann die entsprechenden Bremsungen seitens des Tabu-Kartells.

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kl1678 14.02.2014, 13:40
223. phänomene

Zitat von plutinowski
(...)Das würde ich etwas gelassener sehen. Auch meine meist eher "linksliberal angehauchten" Beiträge werden nicht immer veröffentlicht. Ich denke einfach, die Redakteure kommen da nicht immer hinterher. "Zensur" ... ich denke, man sollte sich da nicht zu wichtig nehmen. Einfach den Beitrag nochmal schreiben.
ja, das stimmt schon, aber es gibt hier schon gelegentlich das Phänomen, dass man für einen höflichen aber unkorrekten Post erstmal eine Woche gesperrt wird, und der eine super-korrekte Forist (der einzige von 500) einen Post pro Minute rausfeuert. Aber gut, Spon kann das natürlich halten er will.

Was wäre eigentlich passiert, wenn Fleischhauer hier eine Lobeshymne auf Sarrazins Buch geschrieben hätte? Wäre er dann nicht nächste Woche Luftballonverkäufer im Zoo o.ä.? Immerhin hat er indirekt Sarrazins These hier zur Diskussion gebracht.

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telltaleheart 14.02.2014, 13:41
224. Vogelfreie Meinung

Zitat von lackehe
Ich las einen Artikel über Sarrazins neues Buch von Herrn Fleischhauer im Spiegel ,Fleischhauer S.P.O.N Er erschien nicht und da hat Sarrazin also Recht: "Nun Haue hin oder her": ob mit oder ohne Ironie und Sarkasmus. Fest steht, dass man hier und da seine Meinung nicht frei vertreten kann. Nehmen wir die Kommentare in einigen Online Vorgaben der Presse; wir erfahren dann, dass der Bericht nicht erscheint, weil er nicht der Linie des Korrektors entspricht. Meine Meinung entspricht also nicht seiner und ich habe keine Meinung zu haben, die seiner nicht entspricht. Wenn Sarrazin das meint (habe das Buch "noch" nicht gelesen, stimmt seine Aussage zu 100%. Erscheint der Bericht dennoch, wird man zum Aussenseiter oder zum Gemeinsinn gezählt, wie man an den Kommentaren dazu erkennen kann. Auch hier wird die Freiheit beurteilt oder verurteilt. Viele Meinungen aber sind nicht die eigenen, sondern schließen sich anderen Meinungen an; und weil das so bequem ist und ein Nachdenken über eine eigene Meinung erspart, muss solche Meinung das non plus ultra sein. Alles andere ist als Meinung nicht zulässig. Herr Fleischhauer, das ist meine Meinung, haben Sie auch eine?
Nun bin ich zwar nicht Herr Fleischhauer, stelle aber doch fest, dass es auch in Deutschland sehr unterschiedliche Medien gibt. Und mag auch das eine Blatt die Meinung dieses oder jenes Menschen nicht veröffentlichen, so tut es dann doch zumeist ein anderes. Und immerhin verkaufen sich Sarrazins Bücher doch prächtig. Herr Fleischhauer hat hier seine Meinung zu Herrn Sarrazin und seinem neuen Buch kundgetan. Wessen Meinung muss er denn Ihrer Meinung nach kundtun um Ihren Vorstellungen von Meinungsfreiheit gerecht zu werden. Darf man Demagogie nicht benennen wenn man sie sieht?

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gutezeit 14.02.2014, 13:45
225. Mitschwimmer

Mir scheint, Herr Fleischhauer paddelt mal wieder eifrig mit dem Mainstream. In seiner Kolumne gebärdet er sich als kritischer Journalist; wenn man aber analysiert, in welcher Art und Weise er seine Kritik vorträgt, wird offenbar, dass er tatsächlich nur versucht, von problematischen Entwicklungen in diesem Lande abzulenken. Wirklich kritischer Journalismus sieht anders aus.

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adal_ 14.02.2014, 13:52
226. An den Pranger gestellt - oder der soziale Tod des quicklebendigen Bestseller-Autors

Zitat von vespa2
Während sich die Bürger in anderen Ländern völlig frei und ungezwungen über alle möglichen Themen unterhalten können, ohne dass einer sich groß darüber aufregt, werden hierzulande Menschen mit abweichenden Meinungen permanent diskriminiert und an den Pranger gestellt.
Genau. Vertritt einer eine andere Meinung als Sie, stellt er Sie an den Pranger. Im Grunde will er Sie töten, jedenfalls Ihnen Ihre Existenzgrundlage nehmen, oder?

Sarrazin ist das Paradebeispiel für einen an den Pranger Gestellten, dem die "Meinungsmonopole" seine Existenz zerstört haben. :-)

Erst "endlagert" ihn das Land Berlin auf dem lukrativen Bundesbanker-Posten.

Dann langweilt sich Sarrazin, weil ihn seine Vorstandskollregen nicht ernst nehmen. Sarrazin über seine Zeit vor dem Eklat 2009:„Als Bundesbanker war die Arbeit der Woche nach eineinhalb Tagen dienstagmittags getan. Am Montag gibt man Anweisungen und bereitet sich ein bisschen vor, am Dienstagvormittag diskutiert man intelligent in der Vorstandssitzung mit und am Dienstagnachmittag fragt man sich, was man den Rest der Woche tun soll."

Dann verbreitet er 2009 in 2 Interviews seine kontroversen Thesen, kassiert - erwartungsgemäß - vom Bundesbankpräsidenten eine Abmahnung, weil er gegen das für Bundesbanker geltende Gebot der politischen Mäßigung verstoßen hat. Er verspricht, sich künftig zurückzuhalten, veröffentlicht aber stattdessen im Sommer 2010 sein Buch "Deutschland schafft sich ab". Ätsch. ätsch, ausgelacht.

Sarrazin weigert sich erst, zu gehen, ist aber bereit, auf den Vorschlag des Bundespräsidenten einzugehen, vorzeitig abzutreten, wenn ihm der volle Pensionsanspruch gewährt wird.

Anschließend geistert er mit seinem Buch durch sämliche Print- und elektronischen Medien, lässt keine Talkshow aus und verdient - nicht zuletzt dank seiner medialen Omnipräsenz - Millionen.

Jetzt stellt er sich hin und inzeniert sich als Opferlamm eines angeblichen Mainstream-"Meinungsterrors" Geht es noch lächerlicher?

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peter_1974 14.02.2014, 13:59
227.

Zitat von huntenberg
Eine besonders perfide Form ist die Meinung der anderen Lächerlich zu machen. Klappt übrigens nur, wenn man die Meinung der Masse vertritt, sonst findet es ja keiner witzig.
Also ich fand den Beitrag, auf den Sie sich beziehen, durchaus witzig. Und sehr treffend, wie auch dieses Forum hier wieder zeigt.
Geschätzte 95% derjenigen, die sich über einen Mangel an Meinungsfreiheit beklagen, verstehen doch unter Meinungsfreiheit nur die Freiheit ihrer eigenen Meinung und können nicht mit Widerspruch umgehen. Weil Widerspruch ja anscheinend keine Meinung ist, sondern Unterdrückung... oder so.

Spaßigerweise beschuldigen sich Links- und Rechtsaußen hier und auch sonst wunderschön gegenseitig der Manipulation. Je extreme die Meinung, desto extremer der Vorwurf.
Das andere Menschen solche Ideologien schlicht und ergreifend für bescheuert halten, scheint an der Stelle keine Option zu sein.

Insofern muss man solche Meinungen auch nicht ins Lächerliche ziehen. Das machen die Leute schon selber. Man kann nur helfen, die Lächerlichkeit transparenter zu machen.

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gboar 14.02.2014, 14:05
228. Widersprüchlich

Nie habe ich einen Artikel von Fleischhauer gelesen, der in sich so widersprüchlich ist.
Einerseits sagt er "Es wäre unsinnig zu leugnen, dass es nicht den Versuch gäbe, Diskursgrenzen abzustecken.", sagt dann aber lapidar, dass man den Versuch einem den Mund zu verbieten nicht hinnehmen müsse. Dabei übergeht er geflissentlich, dass den Kräften, die sich anmaßen Diskursgrenzen abzustecken die volle Macht der öffentlich rechtlichen Medien und die weitgehende Unterstützung der eisern linken Front der Journalisten, vom Autor an anderer Stelle schon einmal wunderbar glossiert, hilfreich zur Seite steht. Hier wird also mit 7 Mrd. Euro Rundfunkgebühren jährlich Demokratie eingeschränkt und Meinung nur "in Grenzen" zugelassen. Jede Meinung, leider auch Fakten, die nicht ins öffiziöse Weltbild passen werden diffamiert bzw. unterschlagen und nur wenn es gar nicht mehranders geht, wird dann auch zur Sache geredet. Da muss man ein "Meinungskartell" doch nicht vermuten, sondern man kann es konstatieren.
Auch der Satz "Sarrazin sehnt sich nach der Anerkennung der Kreise, in denen er sich bewegt hat" sagt doch mehr als gewollt, denn diese Kreise sind die politischen Zirkel der Macht und die repräsentieren eben nur die Meinung innerhalb der von wem auch immer gesteckten Diskursgrenzen, wer sich außerhalb bewegt ist raus. Wenn das kein Beleg für ein Meinungskartell ist, verstehe ich die Aussage nicht.
Dass gerade die Kanzlerin, die noch nie ein Problem hatte, die veröffentlichte Meinung zum Anlass eines fundamentalen politischen Kurswechsels zu machen, keine typische Vertreterin des linken Meinungskartells ist, kann ich nur insofern als richtig erachten, als sie vermutlich überhaupt keine eigene Meinung hat, die sie nicht dem kurzfristigen Machterhalt opfern würde.

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ratio_legis 14.02.2014, 14:11
229. Oder hier...

Zitat von Erda
Natürlich darf jeder in Deutschland seine Meinung sagen, anschließend aber kommt das berufliche und mediale Aus für viele, die ihre Meinung veröffentlicht haben. Fakt ist, ich zitiere Herrn Professor Arnulf Baring: "Auf Jahrhunderte hinaus wird es in Deutschland keine bedeutende Rechtspartei geben" Die im GG garantierte Rede- und Schreibfreiheit ist eine Farce geworden. Und wenn ich Sie lieber Herr Fleischhauer an die Opfer des ja man muss schon fast sagen Gesinnungsterrors erinnern darf: Eva Hermann Philipp Jenninger usw. usw.
Nicht zu vergessen: Roman Reusch, ehemaliger Oberstaatsanwalt in Berlin, zuständig für Intensivtäter. Nachdem er sich über seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit seiner Klientel geäußert hatte und sich getraut hatte, Statistiken öffentlich zu machen, nach denen 70 % der Intensivtäter Ausländer seien, wurde ihm erst Redeverbot erteilt und anschließend wurde er auf einen anderen Posten versetzt. Was war geschehen? Roman Reusch hatte einen Vortrag über „Migration und Kriminalität“ gehalten. Darin thematisierte er insbesondere den Migrationshintergrund eines Großteils der jugendlichen Intensivtäter und forderte Konsequenzen auch ausländerrechtlicher Art bis hin zu Ausweisungen, um des seiner Ansicht nach immer stärker ausufernden Problems Herr zu werden. Als das öffentliche Interesse an Reusch infolge der Kontroversen stieg und er im Januar 2008 unter anderem als Gast in die Talkshows hart aber fair und Anne Will eingeladen wurde, reagierte sein Vorgesetzter, der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Behm, und untersagte ihm die Fernsehauftritte. Das Verbot war beamtenrechtlich legitim, wurde aber von Reusch selbst und vielen seiner Unterstützer als politisch motivierter „Maulkorb“ empfunden, da Reusch offensichtlich nicht die Linie von Behm und der Justizsenatorin Gisela von der Aue vertrat.
Wenige Tage später wurde Reuschs Versetzung auf eine Position in der Berliner Generalstaatsanwaltschaft bekannt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...r-1516500.html

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