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Neuregelung der Hartz-IV-Sätze: Schwarz-gelbes Minenfeld

Die Verfassungsrichter verlangen eine neue Berechnung der Hartz-IV-Sätze - nun ist in der schwarz-gelben Regierung ein Streit um die Höhe der Zulage ausgebrochen. Eine neue Neiddebatte wollen die Koalitionäre allerdings unbedingt vermeiden - die FDP müht sich um moderate Töne.

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T. Wagner 23.09.2010, 06:49
1. Regelsatz

Zitat von sysop
Die Verfassungsrichter verlangen eine neue Berechnung der Hartz-IV-Sätze - nun ist in der schwarz-gelben Regierung ein Streit um die Höhe der Zulage ausgebrochen.
Selbstverständlich wird es keine Erhöhung geben. Das wäre ein Schlag ins Gesicht jedes Arbeitnehmers in diesem Land.

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seniorita 23.09.2010, 07:42
2. Neid

Wie kann man "Neid" und Hartz IV überhaupt in einen Zusammenhang bringen?

Wird den Hartz IV-Beziehern was geneidet? Was sollte das sein und von wem?
Neiden die Hartz IV-Bezieher den anderen was? Wem? Den Rentnern etwa? Oder den sorglosen Reichen, die auch ohne Arbeit ganz gut über die Runden zu kommen scheinen? Könnte es sich dabei weniger um Neid handeln, denn um einen leeren Magen?
Wie soll man denn neidlos zusehen, wenn einige wenige nicht mehr wohin wissen mit der Kohle und man selbst keine drei Hosen mehr im Schrank hat?

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arioffz 23.09.2010, 08:09
3. Nichts lässt

sich leichter manipulieren wie arm vs. reich, ALG2 vs. Rentner, dick vs. dünn, ALG2 vs. AN usw.... Solange keine Einigkeit herrscht können wir uns wie die Sau durchs Dorf jagen lassen.
Und da der eine vermeintlich (was auch immer Mensch) einen Vor- oder Nachteil gegenüber seines Mitmenschen sieht, werden wir nicht einig also lässt sich die eine Gruppe gegen die andere ausspielen.
Es ist und bleibt eine Neiddebatte!

Eine Frage an euch: Warum streichen wir nicht für alle die Sozialleistungen? Bezahlen können wir es doch sowieso nicht - kein ALG, keine gestzl. Rente, keine gesetzl. KV, Brutto = Netto und jeder sorgt für sich selbst?

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klaus meucht 23.09.2010, 08:10
4. Rente gegen Hartz IV

Zitat von sysop
Die Verfassungsrichter verlangen eine neue Berechnung der Hartz-IV-Sätze - nun ist in der schwarz-gelben Regierung ein Streit um die Höhe der Zulage ausgebrochen. Eine neue Neiddebatte wollen die Koalitionäre allerdings unbedingt vermeiden - die FDP müht sich um moderate Töne.
In den letzten Jahren gab es massive Kürzungen in den Rentenansprüchen. Selbst wenn die Löhne genau entsprechend der Inflationsrate steigen, muss man eigentlich von einer Lohnkürzung reden - weil die Rentenansprüche aus diesem Lohn deutlich gesunkten sind.

Die Renten sind in den letzten Jahren deutlich unter der Inflationsrate gestiegen und dieser Trend wird sich aufgrund der massiven Kürzungen an den Rentenansprüchen fortsetzen. Die zukünftigen Rentner werden deutlich ärmer werden als dijenigen die schon lange in Rente sind. Und das ist keine Folge der Demographie, sondern einer Folge der Niedriglohnpolitik.

Das Existenzminimum (wie immer man es definiert) orientiert sich aber an Preisen und nicht an der Entwicklung der Renten. Wenn man schon am Existenzminimum ist kann man nicht kürzen ohne dass die Betroffenen unter das Existenzminimum fallen. Das Problem dass sich die Hartz iV Sätze besser entwickeln als die Renten wird man nicht beheben können. Schuld sind die Kürzungen an den Rentenansprüchen.

Das Problem ist dass in Deutschland politisch gewollt die Arbeitnehmer nicht mehr am Produktivitätsfortschritt beteiligt sind. Solange dies so bleibt kann man die Sozialsysteme noch 1000 mal umbauen, es kann nur der Mangel verwaltet werden.

Mit einem extrem hohen Anteil von Niedriglohnjobs werden weder Renten noch andere Transferleistungen finanzierbar sein. Da nützt auch kein Umbau in kapitalbasierte Systeme (im Gegenteil es schadet).

Ich muss mich korrigieren. Wenn wir so weitermachen wie bisher werden die Hartz IV Sätze sich genauso entwickeln wie die Leistungen an die Rentner. Weil die Rentner nur noch Grundsicherung bekommen.

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dassagichdazu 23.09.2010, 08:18
5. Unterstützung ja, aber kein Schmarotzertum

Zitat von sysop
Die Verfassungsrichter verlangen eine neue Berechnung der Hartz-IV-Sätze - nun ist in der schwarz-gelben Regierung ein Streit um die Höhe der Zulage ausgebrochen. Eine neue Neiddebatte wollen die Koalitionäre allerdings unbedingt vermeiden - die FDP müht sich um moderate Töne.
Aus eigener Erfahrung im Beruf und dem größeren Bekanntenkreis:
1.Zwei angetrunkene regen sich in meiner Gegenwart darüber auf, dass sie für einen Euro arbeiten sollen. ( habe ich hier schon mal gepostet)Ich frage mich wieviel Geld sie vorher versoffen haben. Auch bei Harz4 sollte als Gegenleistung gearbeitet werden.
2.Ein Bekannter bekommt Harz4. Er geht aber regelmäßig schwarz arbeiten. Entweder als LKW Fahrer oder in der Forst. Wenn er genug verdient hat, arbeitet er an seinem Haus. Ihm geht es wirklich gut als Schmarotzer.
3. Ich kenne einige, die vorgaukeln als Single zu leben obwohl sie zusammen mit einem Partner in einer Wohnung leben. Da sie vorgaukeln alleine zu leben, müssen sie natürlich nicht mit einbußen bei Harz4 rechnen. Als Konsequenz zahlen wir als Steuerzahler denen die zweite Wohnung incl. Heizkosten und Strom. Und diese Wohnung steht leer!!!
Innerhalb meiner ehemaligen Tätigkeit habe ich die konkreten Fälle mal bei der Arge angesprochen. Ich habe als Antwort erhalten, dass man das schließlich nicht nachweisen könne. Unsere Politiker haben Regelungen geschaffen, die zum Missbrauch einladen.
Dafür sollte man denen mal kräftig in den A….. treten. Nicht die Mensachen die das ausnutzen sind schuld, sondern unsere pfuschenden Politiker. Sie schustern sich immer mehr in die Taschen und machen ihren Job nicht vernünftig. Mein Arbeitgeber hätte mich längst entlassen, wenn ich so arbeiten würde und mich dann noch an der Portokasse bediene.
Ich hoffe unsere Politiker Kaste bekommt noch die Quittung dafür.
Ich weiß ehrlich nicht mehr wen ich wählen sollte.Thilo Sarrazin würde ich wählen.Sofort!!!

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gloton7 23.09.2010, 08:22
6. Richtig!

Zitat von klaus meucht
In den letzten Jahren gab es massive Kürzungen in den Rentenansprüchen. Selbst wenn die Löhne genau entsprechend der Inflationsrate steigen, muss man eigentlich von einer Lohnkürzung reden - weil .....
Warum kommen Leser wie Sie und ich auf diese einfachen Zusammenhänge, aber Berufspolitiker nicht?
Weil FDP/CDU/CSU Politiker ihr Klientel vertreten müssen, welches so einfach gestrickt ist: Hartz IV mehr als Rentner. Prozentrechnung gegen absolute Zahlen. Könnte es aber sein, dass diese Berufpolitiker sich irren? Dass ihr Klientel gar nicht so dumm ist, wie sie glauben?
Dann müssten sich die Chefstrategen plötzlich umstellen und anspruchsvolle, vorausschauende Politik machen.
Gerade dazu wurden sie in jahrzehntelanger Anpassung in ihren Parteien aber nicht erzogen.
Sie stecken also in einer Sackgasse. Lassen wir uns überraschen, wie es bei den nächsten Wahlen aussehen wird?
Für einen grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg.

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raju1956 23.09.2010, 08:24
7. Keine Neiddebatte...

Zitat von sysop
Die Verfassungsrichter verlangen eine neue Berechnung der Hartz-IV-Sätze - nun ist in der schwarz-gelben Regierung ein Streit um die Höhe der Zulage ausgebrochen. Eine neue Neiddebatte wollen die Koalitionäre allerdings unbedingt vermeiden - die FDP müht sich um moderate Töne.
Was heisst denn hier Neiddebatte? Ich glaube kaum, dass man Hartz IV Empfänger um ihre Bezüge beneiden muss! Sie werden wohl eher noch weniger als bisher bekommen. So sieht es doch aus. Man will doch den Abstand zu den Niedriglöhnen bewahren.

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nixkapital 23.09.2010, 08:28
8. Na ja...

Zitat von klaus meucht
In den letzten Jahren gab es massive Kürzungen in den Rentenansprüchen. Selbst wenn die Löhne genau entsprechend der Inflationsrate steigen, muss man eigentlich von einer Lohnkürzung reden - weil die Rentenansprüche aus diesem Lohn deutlich gesunkten sind. Die Renten sind in den letzten Jahren deutlich unter der Inflationsrate gestiegen und dieser Trend wird sich aufgrund der massiven Kürzungen an den Rentenansprüchen fortsetzen. Die zukünftigen Rentner werden deutlich ärmer werden als dijenigen die schon lange in Rente sind. Und das ist keine Folge der Demographie, sondern einer Folge der Niedriglohnpolitik. Das Existenzminimum (wie immer man es definiert) orientiert sich aber an Preisen und nicht an der Entwicklung der Renten. Wenn man schon am Existenzminimum ist kann man nicht kürzen ohne dass die Betroffenen unter das Existenzminimum fallen. Das Problem dass sich die Hartz iV Sätze besser entwickeln als die Renten wird man nicht beheben können. Schuld sind die Kürzungen an den Rentenansprüchen. Das Problem ist dass in Deutschland politisch gewollt die Arbeitnehmer nicht mehr am Produktivitätsfortschritt beteiligt sind. Solange dies so bleibt kann man die Sozialsysteme noch 1000 mal umbauen, es kann nur der Mangel verwaltet werden. Mit einem extrem hohen Anteil von Niedriglohnjobs werden weder Renten noch andere Transferleistungen finanzierbar sein. Da nützt auch kein Umbau in kapitalbasierte Systeme (im Gegenteil es schadet). Ich muss mich korrigieren. Wenn wir so weitermachen wie bisher werden die Hartz IV Sätze sich genauso entwickeln wie die Leistungen an die Rentner. Weil die Rentner nur noch Grundsicherung bekommen.
Ist das nicht politisch so gewollt? Der Trend geht zur Verarmung, logisch also, dass die schwarz-gelben Wirtschaftsgehilfen eine Erhöhung der H4-Sätze gegenüber den eigentlichen Herren (und Damen) dieser Republik nicht vertreten können. Damit wir auch morgen noch herzhaft Exportweltmeister sind...

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Kontrastprogramm 23.09.2010, 08:36
9. Harz-IV oder so für alle

Zitat von klaus meucht
Mit einem extrem hohen Anteil von Niedriglohnjobs werden weder Renten noch andere Transferleistungen finanzierbar sein. Da nützt auch kein Umbau in kapitalbasierte Systeme (im Gegenteil es schadet). Ich muss mich korrigieren. Wenn wir so weitermachen wie bisher werden die Hartz IV Sätze sich genauso entwickeln wie die Leistungen an die Rentner. Weil die Rentner nur noch Grundsicherung bekommen.
Dem muss man leider zustimmen. Im Moment sind wir in der Übergangsphase, in der solche Unterschiede noch auffallen.

Aber mittelfristig wird der normale Rentenanspruch respektive Netto-Auszahlbetrag das Hartz-IV-Niveau erreichen.

Stellt sich die Frage der politischen Konsequenz, ob und wie sich die Rentner und zukünftigen Rentner dies in der Übergangsphase gefallen bzw. nicht gefallen lassen.

Ich tippe schon mal darauf, auch im Hinblick auf die jetzige geplante Gesundheitsreform, dass die Rentner per Wahlentscheidung zurückschlagen werden.

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