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Nordmazedonien setzt auf EU-Beitritt: "Wir haben keinen Plan B"
John Thys/ AFP

Im Juni sollten die EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien beginnen. Der Termin wurde aber verschoben, auch wegen Bedenken aus Deutschland. Nun wirbt Präsident Pendarovski in Berlin für sein Land.

conrath 24.06.2019, 14:58
1.

Ein weiteres Aufzögern der Beitrittsverhandlungen ist nicht zu Begrüßen. Natürlich ist noch nicht alles im Lot, insbesondere bei der Korruptionsbekämpfung, aber es geht auch nicht darum dass beide Länder, Nord Mazedonien und Albanien, morgen schon Vollmitglieder sind, sondern darum einzelne Verhandlungskapitel zu "öffnen" und - wenn die Vorgaben/Erwartungen umgesetzt sind - zu 'schliessen'. Erste Kapitel sind immer die Rechtsstaatlichkeit , Korruption und Organisiertes Verbrechen. durch Öffnung dieses Kapitels, und die positive Annerkennung des bereits geleisteten durch Aufnahme der Verhandlungen, kann die EU einen wirklichen Beitrag leisten dass es Voran geht. tut sie es nicht riskiert sie die Eigene Glaubwürdigkeit und ein Ermüden der Reformen in diesen Ländern, und das in der ganzen Region denn auch Montenegro, Serbien, Bosnien und Kosovo schauen genau was da jetzt kommt.

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RaKader 24.06.2019, 15:07
2. Aus Fehlern lernen

"Obwohl sachlich kaum begründbar, sollen Albanien und Mazedonien einen gemeinsamen Termin für den Beginn der Beitrittsverhandlungen erhalten."

Keno Verseck versucht gemeinsame Verhandlungen mit der albanischen Minderheit, immerhin 25%, zu begründen. Doch es bleibt bei einem Versuch, den man auf halber Strecke aufgeben muss:

1. Angst vor Aufruhr der albanischen Minderheit ist kaum ein innenpolitisches Argument. Der Namensstreit wog schwerer.
2. Korruption und Justiz sind schwere Brocken, beide haben damit Probleme. Im Nachbarland Albanien gibt es aber keine wirklichen Initiativen, in Nordmazedonien eher.
3. Mit gemeinsamen Verhandlungen nimmt man Ländern in Sippenhaft. Das ist Unsinn und widerspricht europäischem Geist. Jahrelang hat Rumänien unter Bulgarien gelitten, weil es immer auch für die mafiösen Politik- und Behördenstrukturen im Nachbarland mitbüßen musste. Unterdessen macht Bulgarien seine Hausaufgaben und in Bukarest sitzt eine Regierung, die Korruption wieder hoffähig machen möchte. Jetzt haben die Bulgaren Angst in Sippenhaft genommen zu werden.

Auch wenn getrennte Verhandlungen mehr Ressourcen kosten, die Folgekosten sind niedriger.
Justiz, Korruptionsbekämpfung und Pressefreiheit sind die Gradmesser für die EU-Fähigkeit eines Beitrittskandidaten.

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Atheist_Crusader 24.06.2019, 15:37
3.

Ich sehe wirklich keinen Grund, den Beginn der Verhandlungen zu verzögern.

Ja, es gibt Probleme. Aber der Beginn der Verhandlungen bedeutet ja keinen Beitritt von heute auf morgen. Das geschieht über einen Zeitraum von mehreren Jahren, in deren Verlauf dann Probleme aus der Welt geräumt werden können. Wenn da keine Fortschritte erzielt werden, stagniert halt der Beitrittsprozess. Und wenn es sogar Rückschritte gibt, kann man den Prozess auch einfrieren oder gar abbrechen.
Also warum warten? Den Willen der Mazedonier zur friedlichen Konfliktlösung zu belohnen wäre in meinen Augen ein wichtiges politisches Signal. Denn nochmal: der Beginn der Beitrittsverhandlungen bedeutet noch nicht viel, es ist vor allem eine symbolische Angelegenheit.

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MichaelundNilma 24.06.2019, 15:58
4. Handlungsunfähigkeit vorprogrammiert

Die ständige, ungebremste Erweiterungspolitik der EU, ohne das System zu ändern und zu demokratisieren, ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Man solle einmal versuchen, in einer Schule mit 30 Schülern Einstimmigkeit in einer bestimmten Angelegenheit zu erreichen. Das führt bestenfalls zu sehr lang andauernden Entscheidungswegen und im schlechtesten Fall zur Selbstlähmung. Letzteres ist bei der andauernden EU Erweiterungspolitik garantiert. Selbsterkenntnis und Vernunft sind offenbar nicht die Stärke des Führungspersonals derzeitiger EU-Mitglieder und im Brüsseler Apparat. Das zeigt sich schon heute, da viele Bürger sich nicht repräsentativ von der EU vertreten fühlen. Dazu zählen ganz besonders wir Deutschen. Als Folge zeigt sich weiterhin eine hohe Politikverdrossenheit bezüglich Brüsseler Demokratiedefizite und Handlungsunfähigkeit. Die EU ist jetzt schon nicht fähig, kurzfristig auf politisch/wirtschaftliche Veränderungen in der Welt gemeinsam entschlossen zu reagieren. Das läßt sich sehr anschaulich an der jetzigen Politik Amerikas, aber auch Chinas festmachen. Hinzu kommt, daß all diese Aufnahmekandidaten erst einmal europäische Aufnahmestandards erreichen müssen. Das geht nur mit Geld. Dem Geld was von den EU-Bürgern zu ihren Lasten aufgebracht werden muß. Man kann sich auch zu Tode erweitern.

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yogtze 24.06.2019, 16:38
5. Nicht nur schmerzhaft für die eine Seite...

In dem Artikel wird erwähnt, dass der Namenskompromiss für die ehemalige jugoslawische Teilrepublik schmerzhaft gewesen sei – aber es wird nicht erwähnt, dass die griechische Seite, auf EU- und NATO-Druck hin, über einen wesentlich größeren Schatten gesprungen sind.

Schließlich beinhaltet der neue Name ebenfalls das Wort „Mazedonien“, wenn auch mit dem jetzigen Zusatz „Nord“ – für die meisten Griechen ist das nach wie vor nicht akzeptabel. Der Kompromiss hat daher auch zum Bruch der Regierungskoalition in Athen geführt, seither regiert Tsipras mit einer Minderheitsregierung.

SPON bezeichnet das Land in dem Artikel übrigens mal als „Mazedonien“ und mal als „Nordmazedonien“, es sollte konsequent nur die letzte Form verwenden.

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philosophus 24.06.2019, 17:41
6. Soo is es !...

@yogtze... richtig, klare Worte sind immer gut. @Atheist_Crusader... ich stimme Ihnen absolut zu, bis auf das Wort "Mazedonier"... bitte akzeptieren Sie es: Nordmazedonier wäre richtiger. MfG ...

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neanderspezi 24.06.2019, 22:30
7. Niemand soll behaupten, die EU hätte zur Unzeit Blähungen

Die Balkanisierung der EU muss vorangebracht werden, damit den westlichen Partnern eine vielstimmige Ostkakophonie entgegentönt und mit fein austarierten Nationalismen dem Ganzen mit der Zeit Hören und Sehen vergeht und juristische Extravaganzen populistisch untermalt weiterhin zur unterhaltsamen Tagesordnung gehören. Auch mit den Spendierhosen muss noch sorgfältiger umgegangen werden, damit der nötige Geldfluss in die bedürftige Richtung durch geübtes Abgreifen weiterhin reibungslos realisiert werden kann.

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aras62 26.06.2019, 15:03
8. Nordmazedonien setzt auf EU-Beitritt

"Wir haben keinen Plan B" ! Kann ich mir gut vorstellen! WIR brauchen euer deutsches Kapital!
Da will mir dann noch erzählen, daß die EU kein "postkoloniales System" ist! Es wird den armen EU-Bewerber-Staaten ein Märchen von EU-Paradies erzählt und am Ende werden SIE von nur zwei Staaten beherrscht und ausgebeutet - D und F!

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aras62 26.06.2019, 15:04
9. Nordmazedonien setzt auf EU-Beitritt

"Wir haben keinen Plan B" ! Kann ich mir gut vorstellen! WIR brauchen euer deutsches Kapital!
Da will mir dann noch erzählen, daß die EU kein "postkoloniales System" ist! Es wird den armen EU-Bewerber-Staaten ein Märchen von EU-Paradies erzählt und am Ende werden SIE von nur zwei Staaten beherrscht und ausgebeutet - D und F!

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