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Obolus für reiche Unternehmen: Wähler in San Francisco stimmen für Obdachlosensteuer
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Im reichen San Francisco leben besonders viele Menschen auf der Straße. Die Stadtregierung hat versucht, Obdachlose durch krude Praktiken zu verscheuchen. Eine neue Steuer soll den Wohnungslosen helfen.

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großwolke 08.11.2018, 11:41
10. Perspektiven schaffen

Erst lässt man zu, dass durch den Einfall des Turbokapitalismus Menschen in prekäre Lagen kommen, dann versucht man, die Not dieser Menschen zu lindern, indem man von den Kapitalisten Geld abzapft. Zielführend ist das nicht. Um das Problem dauerhaft zu lösen, bräuchte es einen Mix aus guter Strukturpolitik, sozialem Wohnungsbau, und da, wo sich schon zu große Zahlen Gescheiterter gesammelt haben, Umsiedlungsprogramme. So, wie man es jetzt angeht, erreicht man nur, dass sich mehr Obdachlose, auch von außerhalb, dort sammeln, wo mit der erhobenen Steuer die Lebensumstände für sie leichter gemacht werden. Das löst keins der bestehenden Probleme, nicht den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, nicht die fehlenden Perspektiven für Menschen ohne Obdach. Man erhöht nur den Bedarf an Gated Communities.

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Fantastic 08.11.2018, 11:49
11.

Zitat von deka88
Waren sie schonmal in San Francisco? Ich war erschüttert wie viele Obdachlose es mitten in Downtown gibt. Abends sieht man deutlich mehr Obachlose als "normale Menschen". Vielleicht verstehen sie es nicht ganz, aber es kann eben nicht jeder Chef eines Technologiekonzerns sein und sich dementsprechend Wohnraum leisten. Auch ganz normale Leute werden in San Francisco obdachlos, das hat selten etwas mit Faulheit oder Drogensucht zu tun. Wie soll man sich auch als Verkäufer bei Starbucks sowas leisten können? Klar könnten sie versuchen diese Leute in die Wüste oder sonstwohin zu jagen, was aber, wie im Artikel beschrieben ist, gegen die Menschenwürde verstoßt. Außerdem ist es ein Armutszeugnis, dass eine reiche Stadt wie San Francisco solch ein massiven Obdachlosenproblem hat. Da können sich die Reichen ruhig an der Lösung des von ihnen mitverursachten Problems beteiligen. Das gleiche gilt auch für unsere Gesellschaft
Amazon hat das Problem erkannt. Das neue zusätzliche Hauptquartier mit voraussichtlich 50.000 neuen Stellen soll auf zwei Orte aufgeteilt
werden, um die Gemeinden nicht zu überfordern und um überhaupt noch entsprechende ansiedlungswillige Arbeitskräfte zu finden.
Die Kräfte des Marktes wirken - wenn auch mit Zeitverzögerung -.
Der Ballungsraum "San-Francisco" und "Silicon-Valley" stößt an seine Grenzen und etliche Firmen werden sich notgedrungen nach zusätzlichen Standorten umsehen müssen.

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MJR 08.11.2018, 11:56
12.

Zitat von fatherted98
...könnte durch das Konzept von Tiny Houses oder Containerwohnungen in den USA der Obdachlosigkeit entgegen gewirkt werden. Bei uns wäre das natürlich nicht möglich....statt dessen steckt man die Obdachlosen in Flohbuden und Schimmelhäuser....so das diese lieber auf der Straße leben.
Wer in den USA in einem "Tiny-House" oder Caravan lebt (es gibt inzwischen ganze Städte aus Mobilheimen!), der gehört nicht zu den allerärmsten des Landes! Oftmals arbeiten ihre Bewohner Vollzeit und hart, aber es reicht einfach nicht.
Im Silicon Valley, so weiß ich aus eigener Erfahrung, können sich selbst Ingenieure mit gehobenen Einkommen keine Wohnung leisten. München ist eben überall... und so lebt man eben in WGs zusammen und/oder pendelt. Auf der anderen Seite der dekadenteste Reichtum, den ich je gesehen habe! Die Schere zwischen absolut arm und absolut reich war schon seit je her weit auseinander gespreizt. Was aber gerade in den USA abgeht, ist pervers! Die Mittelschicht ist quasi weg oder auf dem direkten Weg dorthin. Die Staatsverschuldung hat Formen angenommen, wie es sie noch nie gab.
Wenn der Staat "Tiny Houses" zur Verfügung stellt, so werden erstmal die einziehen, die einen Job haben. Den Obdachlosen hilft das meist nicht. Es fehlt an allen Ecken und Enden, während die Eliten so dermaßen abkassieren und so wenig beitragen, wie niemals zuvor.
Trump ist ein Symptom... und es ist nicht nur so ein "Es zieht ein wenig im Bein, ich sollte aufhören so schnell zu laufen"... nein: Die USA haben durch das schnelle Laufen bereits einen Belastungsbruch (Trump) erlitten und rennen dennoch immer schneller!
Aber die USA wären nicht die USA, wären sie nicht immer wieder für die eine, oder andere Überraschung gut! So kann es durchaus sein, dass nach all den bösen Überraschungen wie aus dem Nichts wieder eine gute folgt? Nach Menschenverachtung wieder Nächstenliebe?
Wenn es ein Land gibt, in dem dies über Nacht so kommen kann, dann sind es die USA.
(An ein Wunder würde es dennoch grenzen....)

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Olaf 08.11.2018, 12:01
13.

Zumindest klappt aber die Versorgung der Obdachlosen mit Dope. Die zwei Dinge sind mir aufgefallen, als ich im Sommer in San Francisco war: Es gibt in der Tat auffällig viele Obdachlose und Armut auf der Straße. Das zweite ist der überall präsente Geruch von Marihuana.

Eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. Eine ältere Obdachlose suchte den Bürgersteig nach Zigarettenkippen ab, um sich aus den Resten irgendwann eine Zigarette zu drehen.

Dabei fand sie im Rinnstein einen abgenagten Hühnerknochen. Sie sammelte ihn auf, lutsche drauf rum (Zähne hatte sie wohl nicht mehr) und warf ihn dann wieder weg.

Das ist mir von der Vorzeigemetropole San Francisco im Gedächtnis geblieben.

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dukeofwellington 08.11.2018, 12:02
14. Ganz so einfach ist es nicht

Ich war grade kürzlich in SF und hab auch die vielen Obdachlosen gesehen, viele davon offensichtlich drogenabhängig. Die Steuer löst das Drogenproblem nicht. Außerdem sind an der Westküste der USA deutlich mehr Obdachlose als in anderen Teilen der USA, da es dort wärmer ist (man kann in SF kaum erfrieren im Winter, anders als zB in Chicago). Freunde aus SF haben mir bestätigt, dass es viele „Touristen-Obdachlose“ dort gibt. Werden nach der Steuer und deren Effekt sicher noch ein paar mehr. Ob man sich darüber freut ? Von daher ist die Steuer schon ein unüberlegter Schnellschuss - wiesehr ich auch persönlich eine Unterstützung der Armen sympathisch finde.

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Havel Pavel 08.11.2018, 12:25
15. Soetwas geht übrhaupt nicht

Zitat von Olaf
Zumindest klappt aber die Versorgung der Obdachlosen mit Dope. Die zwei Dinge sind mir aufgefallen, als ich im Sommer in San Francisco war: Es gibt in der Tat auffällig viele Obdachlose und Armut auf der Straße. Das zweite ist der überall präsente Geruch von Marihuana. Eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. Eine ältere Obdachlose suchte den Bürgersteig....
Das was Sie berichten erscheint unglaublich, solche Geschichten absoluter Armut kennt man allenfalls aus den allerschlimmsten Kriegszeiten. Für eine Stadt eines zivilisierten und dazu noch sehr reichen Landes eigentlich ein absolutes No Go und eine Schande sondersgleichen dazu!

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geschwafelablehner 08.11.2018, 12:36
16. Bge

250 Mio $ für 5000 Obdachlose, das sind 50000 $ im Jahr pro Person, oder 4000 $ im Monat; klingt für mich nach einem ziemlich hohen bedingungslosen Grundeinkommen, wovon außerhalb von SF wohl viele Leute träumen dürften; für die Hälfte dieser Summe könnte man denen außerhalb von SF sicher angemessene Wohnräume, Verpflegung und ein üppiges Taschengeld finanzieren; bliebe die Frage, ob sich da jemand eine goldene Nase verdienen will (wie Maserati-Harry von der Treberhilfe in Berlin), und ob man jemanden, der ein solches Angebot ablehnt, extra unterstützen muss;

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road_warrior 08.11.2018, 12:39
17. Leider kein Unsinn @Allenore

Zitat von Allenore
Wer nicht bereits ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, sollte sich woanders Dumme suchen. Suchtkranke gehören in Pflege und Beaufsichtigung, damit sie andere nicht schädigen können.
Kliniken und Einrichtungen zur Betreuung geistig verwirrter Menschen wurden in den USA vor vielen Jahren aus Kostengründen geschlossen. Denn schliesslich hätte die Allgemeinheit dafür aufkommen müssen. Also leben die Leute auf der Strasse. Was jeder, der schon mal einige Tage in SF Downtown in der Gegend Market/SoMa verbracht hat, bestätigen kann. Das sind auch nicht nur Menschen, die sich die Miete nicht leisten können (die sieht man dann eher in Zelten lebend an der East Bay zwischen BART und CalTrain Tracks südlich von Oakland. Sondern die, die dringend Hilfe benötigen. Dazu zählen auch eine gute Anzahl Kriegsveteranen, die von wo auch immer traumatisiert zurückgekommen sind und "nach unten" durchplumpsen. Arbeiten können die meisten von denen gar nicht. Insofern kein Unsinn, sondern der Versuch, ein wenig Geld von denen abzuknappsen, die vor allem für die horrenden Mieten verantwortlich sind.

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Mr T 08.11.2018, 12:42
18. Respekt

Zitat von Allenore
Ein Stadtregierung sollte einen Missstand nicht auf Kosten der bevormundeten Bürger finanzieren, sondern bekämpfen. Wer nicht bereits ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, ......
Ihre Ueberschrift beschreibt ihren Kommentat sehr zutreffend.

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trex#1 08.11.2018, 12:43
19.

Wieder mal ein schöner Beweis, wie direkte Demokratie funktioniert. Mich überzeugt das Beispiel USA, Volksentscheide auch in Deutschland schnell einzuführen.

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