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Obolus für reiche Unternehmen: Wähler in San Francisco stimmen für Obdachlosensteuer
REUTERS

Im reichen San Francisco leben besonders viele Menschen auf der Straße. Die Stadtregierung hat versucht, Obdachlose durch krude Praktiken zu verscheuchen. Eine neue Steuer soll den Wohnungslosen helfen.

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spiegerlguckerl 08.11.2018, 16:05
30. Dise Massnahme ist notwendig und höchst willkommen

...aus unter anderen diesen zwei Gründen: 1) der Stadtrat von San Francisco ist notorisch dermassen zwischen Moderaten und Aggressiv-Progressiven (mir fällt dazu der Name Trotsky ein) gespalten, dass eine Common Sense Politik nahezu unmöglich ist, nicht nur im Problemfeld Obdachlosigkeit. [Disclosure: ich habe 10 Jahre in der Stadt gelebt, bis vor zwei Jahre als ich an die US Ostküste zog]. 2) Mark Benioff ist der einzige unter den Tech-Milliardären, der wiederholt seine Kollegen dazu aufrief, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden und entsprechend zu handeln. Der (inzwischen verstorbene) Bürgermeister Ed Lee rief einmal um die 20 Tech-Bonzen in sein Büro, um ihnen klar zu machen dass er ihnen gerne Steuernachlässe gewährt habe, dafür aber umgekehrt ziviles Engagement und soziale Verantwortung erwarte. Junge Techies, die in Silicon Valley arbeiten und in San Francisco wohnen wollen (und in Luxus-Bussen, hoch über dem Prekariat erhoben und von ihm klinisch abgeschirmt, zur Arbeit und wieder nach Hause chauffiert) sind allzu oft durch ihr in sozialen Medien veröffentlichtes asoziales Verhalten aufgefallen und haben prompt und ganz zu Recht Riesen-Shitstorms über sich ergehen lassen müssen. Die grosse philantropische Ausnahme in der Geschichte San Franciscos ist die Jüdische Philantrophie, wie sie einst Richard und Rhoda Goldman vorbildlich verkörperten. Richards Vater lud regelmässig erfolgreiche und sehr reiche Jung-Unternehmer zum Dinner zu sich nach Hause ein, um sie dann unmissverständlich daran zu erinnern, welche Verantwortung sie für die Community trugen. Die Generation von Richard und Rhoda Goldman ist nun so gut wie weggestorben, und die neureichen, misanthropischen Parvenus aus Sillicon Valley fallen durch die völlige Abwesenheit jedweder gesellschaftlicher Moral und entsprechenden Verantwortungsbewustsein höchst unangenehm auf. Nachdem Bürgermeister Ed Lee vergebens versucht hatte, in den Fussstapfen von Mr. Goldman Sr. zu treten, haben nun endlich die Wähler gezeigt, wass sie von den ihren Reichtum Hortenden erwarten. Freilich gibt es noch viele andere Gründe für die Obdachlosigkeit in San Francisco. Das Klima. Die grosse Zahl von Kriegsveteranen die an mehreren Diagnosen leiden. Und nicht zuletzt die Praxis einiger US-Grossstädte, Obdachlose mittels eines Einweg-Busstickets nach San Francisco zu entsorgen.

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ruhepuls 08.11.2018, 16:55
31. Weniger das Problem..

Zitat von realitätssprecher
Weil die "die reichen Unternehmen sollens zahlen" Nummer halt das Problem hat, dass die Unternehmen wenn die Kosten zu hoch werden einfach umziehen. Dann ist San Francisco Arbeitsplätze und Steuereinnahmen los.
Das wird vermutlich so schnell nicht passieren, aber etwas anderes wird passieren: SF ist schon jetzt ein "begehrter Platz" für Obdachlose aufgrund des Klimas. Mit so einer Zusatzversorgung wird die Stadt noch anziehender. Und dann wird es eskalieren. Ob die "Bürger" daran auch gedacht haben?

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ruhepuls 08.11.2018, 17:02
32. Nichts verstanden...

Zitat von deka88
Das gleiche Argument bekomme ich auch immer zu hören, wenn ich sage, dass die Reichen ruhig mehr für die Gesellschaft leisten sollten und könnten (Eigentum verpflichtet). Warum man es überall in der kapitalistischen Welt zulässt, dass diese so agieren können, kann ich einfach nicht nachvollziehen. Diese Leute sind wohl zu mächtig, ihre Anzahl kann es nicht sein... das sind für mich die wahren Wirtschaftsflüchtlinge!
Sie haben eines nicht verstanden: Man kann niemand zwingen, besondere Leistungen zu erbringen. Warum gibt/gab es einen Bill Gates, einen Steve Jobbs, einen Edisson usw. in den USA - und nicht in China oder der UDSSR? Weil die sich dort nicht verwirklichen hätten dürfen. Das hätte der Funktionärsapparat verhindert.
Schauen Sie nach Venezuela - wahrlich kein armes Land (gewesen) - und nun am Ende. Kuba, Nordkorea usw. usf.
Entweder man lässt die Leute machen - dann gibt es eben (auch große) Unterschiede im Ergebnis des Lebens oder man hemmt alle. Und deshalb lässt man "Reiche" lieber machen - und setzt darauf, dass dabei mehr für die Allgemeinheit abfällt (z.B. Arbeitsplätze und Steuern), als wenn der Staat sich als Unternehmer versucht.
Also lieber zusammen arm - oder unterschiedlich reich. Was ist Ihnen lieber?

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ruhepuls 08.11.2018, 17:09
33. Umverteilungsblödsinn...

Zitat von downgrade0815
Geld wird nur "umverteilt". Somit ist es nur logisch, das eine Rückverteilung bei immer wniger, die mehr horten..sinnvoll ist. man darf Unternehmern ruhig auch vorwerfen, das Gewinmaximierung natürlich nicht Folgenlos bleibt. Gesellschaften und Ungleichgewichte tun sich eben nicht gut. Das "nur die Reichen".. Was ist das denn für eine Aussage ? Zum einen, sind es Unternehmen, da kann ich ganz emotionslos davon sprechen das ich es mit einer "Person" zu tun habe. Und wenn dann der Vorwurf kommt, das dadurch die Mitarbeiter es aufbringen müssen, dann liegt es meist mehr an wenigen, welche sich ihre Pfründe eben dort sichern und diese Last nach unten hin abeben. Auch dafür habe ich wenig Verständnis. Wer eben eine gesellschaft dazu nutzt - um sich (finanziell) dort zu bereichern (was nicht negativ gemeint ist) ..der macht es eben durch Umverteilung innerhalb dieser Gesellschaft. Somit halte ich es pers. absolut nicht für moralisch verwerflich, wenn man dort ein Gegengewicht schafft. Was hier von einigen Diskutanten über Obdachlose gesagt wird, zeigt nur ihr beschränktes Wissen (und ab und an ebenso nur ihre unwissende Menschenverachtung). Die Gründe hinter dieser, sind vielfältig und haben sehr oft eben mit Umverteilung und Bereicherung (anderer) zu tun. Von Scheidungsfällen (vornehmlich Männer) bis hin eben zu Veteranen (und das problem haben wir sogar hier im Land..wird nur ungern von gesprochen). Und auch in unserem land, wird beleibe nicht jedem geholfen..sondern oftmals (!) noch zusätzlich betraft, wenn man (selbst unverschuldet) nichts mehr hat..Armut kostet mitunter eine Menge..was einem nicht mehr erlaubt, diese Spirale nach unten zu verlassen.
Sie glauben anscheinend auch, es gäbe eine Menge Geld X - und die wird einfach verteilt. Wie bei einem Monopoly-Spiel. Und anschließend sind die einen Pleite - und die anderen Reich. Das wäre tatsächlich nur so, wenn man tatsächlich eine Spiel machen würde. In der Realität müssen Werte erzeugt werden, beispielsweise produziert - und dadurch vermehrt.
Anders gesagt: Würde man heute den ganzen Reichtum gleichmäßig auf alle verteilen, dann würde es nicht lange dauern und er wäre entweder verbraucht (weil nichts mehr produziert wird) - oder er wäre wieder ungleichmäßig verteilt.
Man kann sicher darüber streiten, ob die Wertschöpfung "gerecht" verteilt ist in unserer Gesellschaft. Aber auch da gilt: Entweder dürfen die Leute frei agieren - oder wir brauchen eine Diktatur, die er erzwingt.
Apropos Gerechtigkeit: Warum kriegt ein Spitzenfussballer Millionen - und ich nicht? Ganz einfach: Weil kein Mensch viel Eintritt dafür bezahlen würde, um mich auf dem Platz herum rennen zu sehen.

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niveaball 08.11.2018, 17:32
34. Obdachlosigkeit in no go areas

@ deka 88
Sie schreiben, dass Sie erschüttert waren, wieviele Obdachlose in Downtown SF zu sehen sind.
Das ist ja auch ganz logisch, da alles was direkt an die Market Street angrenzt in der Zwischenzeit zur sogenannten no go area zählt. Dort sollte sich ein Tourist nicht unbedingt aufhalten. Auf jeden Fall sollte der Stadtteil Tenderloin für Touristen tabu sein, denn hier wird es ab dem späten Nachmittag wirklich gruselig. Bei meinem ersten Besuch in SF hatte ich dort versehentlich das Auto geparkt 2 Straßen weit zur Market Street. Gegen 17 Uhr kamen sie dann wie "Zombies" aus den Ecken gekrochen mit zerissenen Anziehsachen, Cracksüchtig gezeichnet und natürlich bettelnd. Das ist in anderen amerikanischen Städten nicht unbedingt so zentral. In L.A. ist es so ähnlich Skid Row ist auch nähe Downtown. In Seattle gibt es auch eine Straße direkt in der Stadt, wo die Obdachlosen in Zelten an der Straße leben. Fazit: Als Tourist immer vor einer Reise vorher im Internet über die no go areas erkundigen, dann wird man im Urlaub zumindet kaum damit konfrontiert. Allerdings sehen dort die Obdachlosen weit aus schlimmer aus als hier und es ist zumindest beim 1. Mal zunächst ein Schock, wenn man das miterlebt.

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Kanalysiert 09.11.2018, 21:45
35.

Fährt man in die Bay Area, findet man recht flott deutlich günstigere Wohnungen. SF selbst ist unfassbar teuer, aber da muss man ja auch nicht zwingend wohnen.

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