Forum: Politik
Österreichische Lehrerin über muslimische Schüler: "Ich will doch nur das Beste für d
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Eine Lehrerin in Österreich schreibt ein Buch darüber, wie "der Islam" die Schulen verändert. Sie benennt Probleme und verallgemeinert bisweilen. Dafür wird sie gefeiert - und angefeindet. Ein Treffen.

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otzer 07.02.2019, 10:19
10. Die Angriffe setzen Wiesinger zu...

"vor allem, weil sich auch viele Freunde, allesamt bürgerliche Linke, von ihr abgewendet haben."
Der Mechanismus: Wer über seine Erfahrungen berichtet, die nicht in das Weltbild von manchen Mitbürgern passen, wird sozial ausgegrenzt. Viele schweigen daher lieber, wodurch bestimmte Probleme in Ruhe weiter wachsen können, bis sie z.T. unbeherrschbar werden.
Vermutlich zahlt Frau Wiesinger einen hohen sozialen Preis für ihre öffentliche Kritik. Dennoch braucht es in einer offenen Gesellschaft solche Mahner. Ob sie nun "recht" hat oder nicht, ob es zu dick aufgetragen ist oder einigermaßen wirklichkeitsnah, darüber können sich mündige Bürger ohne Anleitung durch Dritte (oder Vierte!) selbst ein Bild machen. Jeder für sich.

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gluecklich_woanders 07.02.2019, 11:25
11.

Das es insbesondere in Großstädten Probleme an Schulen mit multikulturellen Klassen gibt, ist kein Geheimnis und sollte auch offen ausgesprochen werden dürfen, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden. Das vorneweg. Nur: Der Titel des Buches lautet "wie DER ISLAM" die Schulen verändert. Nicht irgendwas mit Integrationsproblemen oder dem "radikalen Islam", sondern DER ISLAM. Ganz pauschal, als ob jeder muslimische Schüler oder jede muslimische Schülerin ein grundsätzliches Problem darstellt. Und das ist natürlich nicht so, wie die meisten von uns hoffentlich aus eigener Erfahrung wissen. Das mag die Lehrerin nicht so meinen, aber das Marketing ihres Buches zieht ganz klar auf eine Pauschalverurteilung und Angstmache ab, und die gehört in die rechte Ecke - auch wenn ich dem Lösungsvorschlag, vermehrt auf durchmischte Klassen zu setzen, absolut zustimme. Nicht umsonst klappt Integration in ländlichen Gegenden oft sehr viel besser, als in Großstädten wo jedes Grüppchen einfach unter sich bleiben kann. Im Übrigen habe ich wirklich noch nie gehört, dass sich Schüler oder Studenten im Unterricht die Füße waschen wollten. Und ich habe Islamwissenschaften studiert und hatte viele gläubige muslimische Kommilitonen...
Wo wir schon bei radikal-religiösen Äußerungen von Schülern im Unterricht sind: Die kamen in meiner Schule in allererster Linie von Schülern, deren Eltern Angehörige evangelikaler Glaubensgemeinschaften waren. Bandbreite: Von "man sollte die Moscheen niederbrennen" bis zu "Verhütung ist Mord". Übrigens wollten diese Schüler Gebetsminuten und Gebetskreise durchsetzen - im Unterricht. Laizismus ist super und wichtig, er sollte dann aber auch wirklich für alle gelten. Auch für Christen.

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egoneiermann 07.02.2019, 11:29
12.

Das Problem ist wieder mal, dass sie scheinbar ihre Beispiele aus dem radikalen bzw, orthodoxen Islam nimmt und in den Überschriften dies dann auf den Islam verallgemeinert wird. Das mag unbeabsichtigt sein, aber so hat schon Sarrazin sein Buch geschrieben und die AfD macht das tagtäglich.
Das ist nicht hilfreich für die Diskussion, genauso wie wenn ich radikale Christen und ihr Weltbild, das nicht weit von dem hier geschilderten abweicht, als Probleme mit den Christen hinstellen würde.
Über was man natürlich diskutieren muss, ob der radikale Islam bei uns zunimmt, ob das teilweise Modeerscheinungen sind oder eine wirklich zu beobachtende Entwicklung.

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scgtef 07.02.2019, 11:47
13. Bin selbst Lehrerin an einer Brennpunktgrundschule

in München. Und das seit 10 Jahren. Der Ausländeranteil bei uns beträgt 95 Prozent. Die meisten Leute kommen aus dem EU Ausland (Freizügigkeit) Da gibt es schon Probleme, weil die Menschen vor der Zuwanderung keine Deutschkenntnisse vorweisen müssen. Es ist sehr schwierig für die Kinder, Deutsch zu lernen, weil zu Hause natürlich die Muttersprache vorherrscht. Bayern investiert massiv in sog. Deutschplusklassen, in die gehen jeweils nur 10 Kinder, die wenig D können. Die meisten Probleme gibt es mit Familien aus Rumänien und Bulgarien, einfach weil die Leute meist sehr bildungsfern sind. Ich wünsche mir bei der EU Freizügigkeit, dass die Leute , die zu uns kommen, D Kenntnisse und Berufsausbildung vorweisen müssen, sowie ein Einkommen, das für die ganze Familie reicht. Momentan beziehen 60 Prozent der Familien bei uns Hartz4. Beim Thema Islam beobachte ich, dass in den letzten Jahren sogar 8jährige Mädchen mit Kopftuch kommen. Das gab es vorher nicht. Der Islam in D sollte offener und weltlicher werden. Die Kinder wünschen sich, dass die Erfahrungen zu Hause und in der Schule zusammen passen.

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Gleichstrom 07.02.2019, 11:59
14.

Interessant ist, wenn man sich denkt, ich mache mir ein eigenes Bild - und einen Koran kauft.

Mich hat dieses Buch ehrlich schockiert - mir wird darin häufig Tod und Elend gewünscht, weil ich ungläubig bin. Insgesamt machte es auf mich den Eindruck einer relativ unstrukturierten Sammlung von Befehlen, die sich erschreckend häufig wiederholen, schlecht begründet sind und eine gewisse Gewaltaffinität des darin gepriesenen Gottes recht offensiv herausstellen.

Festzuhalten bleibt, daß nicht jeder Moslem ein Problem darstellen muß, aber die Kompatibilität mit westlichen Werten, wie sie hier genannt werden, schon lange vor dem Schritt in den terroristischen Islamismus auf der Strecke bleibt - und damit dieses Glaubensverständnis nicht unwidersprochen bleiben darf!

Es ist eine blöde Situation. Toleranz macht angreifbar ... Intoleranz ist schnell als Vorwurf dahergekramt, aber es gibt einfach Punkte, da muß man intolerant sein, soll die eigene Toleranz nicht zur Beliebigkeit verkommen. Da haben wir bereits eine Menge verpaßt und falschgemacht, siehe z.B. das Schächt-Urteil, das den (objektiven) zivilisatorischen Fortschritt des verbindlich gültigen Tierschutzgesetzes zu einer Frage des Wohlwollens macht, solange man nur eine möglichst mystische und irreale Begründung anführt - oder anders gesagt, eine Religiöse.

Dem tut natürlich die Bentoisierung solcher Debatten keinen Gefallen: In Belgien wurde in zwei Regionen das religiöse Schächten verboten. Sofort wird behauptet, es "gehe nicht nur ums Tierwohl", während es KEINE Hinweise darauf gibt, die Regierungen, die beteiligten Parteien oder die Mehrheitsgesellschaft sei in irgendwelcher Weise antisemtisch oder antiislamisch. Einfach nur, daß sich Rechtsradikale manchmal des Tierschutzes bemächtigen, weil ihre eigenen Argumente - wie überraschend! - nicht tragen reicht Manchem aus, dieses Motiv grundsätzlich zu unterstellen.

Am Ende werden wir als Gesellschaft einen Kompromiß brauchen, eine mehrheitsfähige Grundlage - und die KANN nur darin bestehen, daß weltliche Gesetze der Religion gegenüber den Vorzug erhalten müssen. Religion ist, was sich einordnen muß, nicht, was die Bedingungen stellt, in die sich Anderes einzuordnen hat. Sollte das im Islam häufiger zu Widerspruch führen als im Christentum oder sonstwo, ist das Problem - oder die Notwendigkeit, etwas zu ändern - auch genau dort zu finden.

Gleiches gilt für Verschleierungen welcher Art auch immer - es wird ständig geplärrt, man werde diskriminiert, weil man nicht mit Kopftuch arbeiten dürfe ... da wird diskriminiert, richtig - da, wo das Kopftuch vorgeschrieben wird. Da, wo es als Symbol weiblicher Unterwerfung nicht akzeptiert wird, wird nicht diskriminiert, da wird einfach nur ein wichtiger und richtiger Wert umgesetzt...

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ZoeHollister 07.02.2019, 11:59
15. Religion vs. Weltoffenheit

Beides schließt sich in meinen Augen aus. Wir Deutschen sollen für anderen Kulturen und Religionen offen sein, nur umgekehrt gibt es diese Toleranz nicht. Das ist auch nicht verwunderlich, da in anderen Kulturen die Religion einen viel höheren Stellenwert hat. Es ist auch nicht verwunderlich, dass der Islam mit modernen Mitteln (sie vermehren sich einfach schneller) versucht, das westliche Europa zu unterwandern. Das werden sie auch langfristig schaffen. Und wir können ihnen das nicht mal übel nehmen, schließlich hat man vor 1000 Jahren +/- mit den Kreuzzügen dasselbe versucht. Schafft die Religionen ab, IMHO sind das altertümliche Propaganda Werkzeuge, da gibt es heute modernere Mittel.

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ramon 07.02.2019, 12:02
16. Solche Bücher verkaufen sich zwar gut...

und werden in den Medien und von den Leuten gerne und kontrovers diskutiert und kommentiert, tatsächlich gelesen werden die Bücher aber selten. Meisten dreht sich die Diskussion dann um Kommentare von anderen. Der Autor bemüht sich in diesem Fall zumindest ausgewogen zu berichten.

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sven2016 07.02.2019, 12:28
17. Wenn im Buch sachlich Probleme

als das gemeinsame Lernen störend beschrieben werden, sollte man darüber diskutieren.

Kommentare, die, ohne genau Kenntnis des Buchs, schon wertend oder abwertend reagieren, sind ideologisch und damit unnütz.

Kulturelle und religiöse Vielfalt gehört zu modernen mitteleuropäischen Gesellschaften und gehörend vorrangig weiterentwickelt zu werden. Dort, wo es zu konfrontativer Wertsetzung kommt, muss eine Verständigung auf Basis der „westlichen“ Werte des Landes erzielt werden können.

Wer das individuell nicht akzeptieren kann/will, ist frei darin, sich eine andere Lebensumgebung zu suchen. An such ganz einfach. Dazu muss man Verhaltensweisen nicht verteufeln.

Lehrer und Schulen können das nicht lösen. Parlamente können ausgewogene Rahmenbedingungen vorgeben, die Zivilgesellschaft muss Möglichkeiten schaffen und Grenzen setzen.

Sarrazin führt da sicher nicht weiter, aber auch Multikulti ohne Inhalte nicht.

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mapcollect 07.02.2019, 12:47
18. Probleme müssen genannt werden dürfen

Als Sporttrainer habe ich viel Kontakt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Auch mein Eindruck ist der, dass der ultrakonservative Islam sich in Deutschland mehr und mehr verbreitet. Da ich mit vielen meiner Sportschüler auf Facebook befreundet bin, bekomme ich auch sehr nah mit, wie islamistische Inhalte geliked und geteilt werden. Wenn man diese, häufig verschwörungstheoretischen, Inhalte sieht, kann man gut nachvollziehen, wie es zu den häufig chauvinistischen und antiwestlichen Einstellungen kommt. Gerne wird erklärt, wie der westliche Imperialismus für das Elend in der muslimischen Welt verantwortlich ist. Statt Selbstkritik feiert man die moralische Überlegenheit. Hinzu kommen die Predigten in den Moscheen, da ja anscheindend auch häufig in die gleiche Kerbe schlagen. Der konservative Islam ist in meinen Augen durch seine Intoleranz das größte Hindernis für gelungene Integration. Es ist höchste Zeit dieses Thema anzugehen. Nur traut sich das niemand. Die Angst als Rechtspopulist oder -extremist beschimpft zu werden, ist einfach zu groß. Auch ich habe schon festgestellt, dass mich einige linksorientierte (vermeintliche) Facebookfreunde geblockt haben, wenn ich mal einen kritischen Cicero oder NZZ-Artikel geteilt habe. Da muss man sich schon fragen, wer denn hier in einer Filterblase lebt.

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wernerz 07.02.2019, 12:51
19. Überspitzung?

Zitat von Ein Spielverderber
Auch wenn man Dinge überspitzt darstellt, sollte man aber trotzdem bei den Fakten bleiben. Ansonsten leidet die Glaubwürdigkeit und man stellt sich in den Dienst derer, die Angst und Haß schüren.
Es ist nicht richtig, angesichts der tatsächlich existierernden Vorkommnisse von Überspitzung zu reden und Fakten, welche leider existent sind, zu verharmlosen. Natürlich ist es einfacher, die Problematik zu verharmlosen.Dies würde jedoch mit Sicherheit zu einem Ansteigen der von Ihnen erwähnten Angst- und Hassgefühle zwangsläufig beitragen.

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