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Österreichische Lehrerin über muslimische Schüler: "Ich will doch nur das Beste für d
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Eine Lehrerin in Österreich schreibt ein Buch darüber, wie "der Islam" die Schulen verändert. Sie benennt Probleme und verallgemeinert bisweilen. Dafür wird sie gefeiert - und angefeindet. Ein Treffen.

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Schartin Mulz 07.02.2019, 12:53
20. Ich finde es gut,

dass da jemand aus dem politisch eher linken Spektrum die Probleme aufzeigt. Denn der konservative Islam, der sich in Europa immer weiter ausbreitet, steht allem, was an linken und liberalen Werten unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat, diametral gegenüber. Konservative Religionen wie der Katholizismus waren immer einer der Hauptfeinde von Linken. Jetzt aber machen viele gegenüber dem Islam mindestens anderthalb Augen zu. Das Gesellschaftsbild in den Staaten, aus denen diese Menschen zu uns kommen, ist ein völlig anderes als unseres. Und wenn wir nicht wollen, das dieses sich immer mehr breit macht, müssen wir etwas tun. Als Allererstes überhaupt mal wahrnehmen, dass es da ein Problem gibt.
Und nicht schon wieder Relativieren, Verharmlosen oder den Überbringer der Botschaft in die rechte Ecke schieben.

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Lorah 07.02.2019, 13:07
21. Fußwaschung in der Schule???

Zumindest der schiitische Islam, wie er im Iran praktiziert wird, erlaubt es, jederzeit Gebete (und damit die diesen vorangehenden Waschungen) zu verschieben und später am Tag zusammen mit den anderen Gebeten oder einzeln nachzuholen, wenn man einen vor Gott vertretbaren Grund dafür hat (und das muss jeder selbst mit sich ausmachen). Iraner beten daher zumeist dreimal und nicht fünfmal am Tag. Also, erstmal Schule und dann zuhause beten. Dem Propheten war Bildung sehr wichtig, für alle. Hier gibt es also auch kein Gegenargument. Das Nachholen gilt übrigens auch für versäumte Fastentage im Ramadan, kann man einfach hinten dran hängen oder irgend wann mal machen. Und dafür, dass es nachgeholt wird, ist ebenfalls der Gläubige selbst verantwortlich und nicht das Umfeld bzw. die von diesem zur Verfügung gestellte Infrastruktur. Aber das ist wohl nicht der radikale Islam, um den es hier leider geht. Trotzdem ist es möglich mit etwas Hintergrundinfos und/oder zusammen mit dem örtlichen Mufti Lösungen finden. Wie ein Vorposter schon sagte, hier ist falsch verstandene Toleranz oder nur die Befürchtung als intolerant zu gelten, völlig fehl am Platze. Im Namen der Kinder. Und: Respekt für jede Lehrkraft, die an einer solchen Schule unterrichtet.

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ruhepuls 07.02.2019, 13:57
22. Politische Korrektheit...

Zitat von Zita
In der sehr mulitkulturellen Grundschulklasse meiner Kinder gab es 3 muslimische, arabische Jungs, die problematisch waren. Die einzigen, die das offen und laut angesprochen haben, waren andere muslimisch-arabische Eltern. Alle anderen fanden das Verhalten der Jungen zwar schlimm (und auch ihre Sprüche wie "ich wünsche mit eine AK-47" oder "Wenn ich groß bin, will ich IS-Kämpfer werden"), aber so richtig getraut, etwas zu sagen, hat sich keiner. Das ist natürlich vollkommen falsch. Indem man Probleme aus falsch verstandener Toleranz ignoriert oder aus Angst, die Rechten zu stärken, totschweigt, verschwinden die Probleme ja nicht. Im Gegenteil, sie werden größer und der Zulauf zu den Rechten ebenfalls. Ich kenne das Buch nicht, kann also nicht sagen, ob es gut ist, aber prinzipiell spricht es ein sehr wichtiges Thema an, das wir unbedingt diskutieren müssen, um Lösungen zu finden.
Das ist das Ergebnis der "politischen Korrektheit", die inzwischen auch in Deutschland immer mehr Fuß fast. Immer mehr wissen nicht, was "man noch sagen darf" und was nicht. Bestimmte Themen sind inzwischen so politisch, dass man sie am besten meidet. Während die Rechten aus jeder Mücke einen Elefanten machen, trauen sich die Liberalen nicht mehr, zu sagen, dass gerade ein Elefant durch ihren Garten trampelt - und reden ihn lieber klein. Aus Angst, man würde ihnen unterstellen auch "irgendwie rechts" zu sein oder diskriminierend oder...

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Schartin Mulz 07.02.2019, 14:03
23. Ich verweise da noch einmal

auf das sehr interessante Interview mit dem Historiker Heinrich August Winkler zum Jubiläum der Weimarer Republik, das gestern hier auf SPON zu lesen war.

Darin steht dieser Satz:
"Die "etablierten" Parteien sollten sich zudem fragen, ob sie nicht durch das Beschweigen oder Schönreden von Problemen, etwa auf dem Gebiet der Migration und Integration, Wasser auf die Mühlen der AfD geleitet haben."

Das ist genau das Thema hier. Wenn wir, die wir uns für die Anständigen halten, Probleme nicht benennen und angehen, werden es andere tun.
Deshalb noch einmal danke an Frau Wiesinger für die ehrliche Analyse.

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nerohatgeschludert 07.02.2019, 14:07
24. Rituelle Waschungen in der Schule

Vor zwei Jahren gab es an einem Wuppertaler Gymnasium ähnliche Vorfälle.
Die muslimischen Schüler erschienen mit Gebetsteppich zum Unterricht und
sperrten in den Pausen die Toiletten für nichtmuslimische Schüler ab um ungestört rituelle Waschungen durchführen zu können.
Als die Lehrer gegen diese Entwicklung vorgehen wollten, wurde ein Skandal konstruiert.
Wer darauf hinwies, dass Muslime ihre Gebete ohne weiteres verschieben können, wurde zensiert oder in die rechte Ecke geschoben.
Jetzt hat das ehemals humanistische Gymnasium einen Andachtsraum, einen „Raum der Stille“.
300 Jahre Aufklärung für die Katz.

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muunoy 07.02.2019, 14:07
25. Keine Überraschung und was sind eigentlich Rechte?

Wer einige Jahre in Ländern des Nahen Ostens mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung (also alle außer Israel) zugebracht hat und weiterhin berücksichtigt, dass Migranten aus diesen Ländern nahezu ausschließlich aus der Unterschicht dieser Länder kommen, weil für gebildete und gut-situierte Menschen aus diesen Ländern unser System viel zu unattraktiv ist, dürfte kaum über die Vorfälle an den Schulen überrascht sein. Im arabischen Kulturraum gibt es zwei durch den Islam hervorgerufene Phänomene, die mit unseren kulturellen Werten inkompatibel sind. Zunächst einmal wird den Leuten dort schon von Kindesbeinen an beigebracht, dass man lediglich ein gottgefälliges Leben führen muss, um gut durch dieses zu kommen. Das ist mit unserem Bildungsideal eigentlich nicht vereinbar. Dagegen ist das konfuzianische Bildungsideal mit unserem kompatibel, was mit ein Grund ist, warum die Integration von Ostasiaten in Deutschland trotz viel größerer kultureller Ferne recht gut klappt. Das größte Problem des Islam ist zusammen mit einer sehr hierarchischen Sichtweise der Welt in arabischen Kulturen (wir denken glücklicherweise auch relativ hierarchisch) nämlich, dass Ungläubige im Vergleich zu Muslimen Menschen mit einem geringeren Wert darstellen. Als Christen steht man in der Hierarchie immerhin noch recht weit oben. Aber die Muslime sind nun einmal mehr wert und die Ungläubigen haben ihren Dschitzya zu bezahlen. Genaugenommen tun wir dies zwar zumindest für die Muslime, die davon leben. Aber richtig bewusst ist uns das nicht.
So, mit ziemlicher Sicherheit wird dieser Post nicht veröffentlicht, weil man wie die Autorin des Buches zurecht schreibt, kritische Themen zum Islam nicht so einfach sagen darf. Insbes. dann nicht, wenn sie faktenbasiert sind. Daher stärkt man auch nicht "die Rechten". Man erschafft sie. Ja, die Linke erschafft die Rechte und umgekehrt. Das ist wie Ying und Yang. Wer ein linkes Dogma hinterfragt, ist schließlich automatisch ein Rechter. Durch den linken Dogmatismus entstehen so automatisch immer mehr Rechte. Sprüche wie "etwas ist rechts zu verordnene" oder "jemand ist rechts", "stärken der Rechten" sind daher Null-Aussagen, die lediglich von der Argumentationsarmut desjenigen ablenken sollen, der solche Aussagen tätigt.

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leberhart 07.02.2019, 14:08
26. @ #14 Gleichstrom

Toller Kommentar! Lese das Buch auch gerade und mein Eindruck nach ca 1/2 des Buches deckt sich mit ihrem.
Warum man hier das alte Anti-Nazi-Modell "keine Tolleranz den Intoleranten" nicht auch anlegen kann, ist mir Schleierhaft.

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ruhepuls 07.02.2019, 14:11
27. Differenziert sehen...

Die Lehrerin definiert sich selbst als "Linke". Damit - so unterstelle ich - hat sie auch ein bestimmtes Wertesystem, in dem die individuelle Freiheit eine große Rolle spielt. So ist das in unserer liberal-hedonistischen Kultur nun mal. In anderen Kulturen. sieht man den Menschen aber nicht in erster Linie "als Selbstverwirklicher" (sprich Individualist), sondern als Teil einer Gemeinschaft, wo er oder sie eine Funktion hat. Das ergibt schon einen ordentlichen Konflikt.
Ein weiterer Punkt ist das Phänomen, dass oftmals nach einer ersten Phase der Euphorie in einem neuen Land/Kulturkreis eine Enttäuschung folgt, die wiederum zur "Rückbesinnung" auf früherer Zeiten führt. Hatten wir in Deutschland beispielsweise nach 1989 (Wiedervereinigung). Zuerst waren die ehemaligen DDR-Bürger begeistert von ihrer neuen Lebenswelt. Dann entdeckten sie, dass auch bei uns nicht alles Gold ist was glänzt und heute gibt es wieder viele, die finden, "so schlecht sei die DDR gar nicht gewesen".

Ich vermute mal, ähnliches geschieht auch mit den Migranten, die erwarteten, dass hier im Westen "alles besser" ist - und nun erleben, dass unsere Lebenweise auch Schattenseiten hat (z.B. Zerfall der Familie, keine gemeinsamen Werte mehr, Überbetonung des Materiellen, Negieren von "Höherem" usw.).

Die Kinder spiegeln diese Frustration wieder, die sich in Ablehnung unserer Sitten und Hinwendung zum (vielleicht inzwischen idealisierten) Islam manifestiert.

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ruhepuls 07.02.2019, 14:16
28. Bücher müssen verkauft werden...

Zitat von gluecklich_woanders
Das es insbesondere in Großstädten Probleme an Schulen mit multikulturellen Klassen gibt, ist kein Geheimnis und sollte auch offen ausgesprochen werden dürfen, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden. Das vorneweg. Nur: Der Titel des Buches lautet "wie DER ISLAM" die Schulen verändert. Nicht irgendwas mit Integrationsproblemen oder dem "radikalen Islam", sondern DER ISLAM. Ganz pauschal, als ob jeder muslimische Schüler oder jede muslimische Schülerin ein grundsätzliches Problem darstellt. Und das ist natürlich nicht so, wie die meisten von uns hoffentlich aus eigener Erfahrung wissen. Das mag die Lehrerin nicht so meinen, aber das Marketing ihres Buches zieht ganz klar auf eine Pauschalverurteilung und Angstmache ab, und die gehört in die rechte Ecke - auch wenn ich dem Lösungsvorschlag, vermehrt auf durchmischte Klassen zu setzen, absolut zustimme. Nicht umsonst klappt Integration in ländlichen Gegenden oft sehr viel besser, als in Großstädten wo jedes Grüppchen einfach unter sich bleiben kann. Im Übrigen habe ich wirklich noch nie gehört, dass sich Schüler oder Studenten im Unterricht die Füße waschen wollten. Und ich habe Islamwissenschaften studiert und hatte viele gläubige muslimische Kommilitonen... Wo wir schon bei radikal-religiösen Äußerungen von Schülern im Unterricht sind: Die kamen in meiner Schule in allererster Linie von Schülern, deren Eltern Angehörige evangelikaler Glaubensgemeinschaften waren. Bandbreite: Von "man sollte die Moscheen niederbrennen" bis zu "Verhütung ist Mord". Übrigens wollten diese Schüler Gebetsminuten und Gebetskreise durchsetzen - im Unterricht. Laizismus ist super und wichtig, er sollte dann aber auch wirklich für alle gelten. Auch für Christen.
Bücher sind einer Ware, die verkauft werden muss. Wie Zeitungen oder Fernsehsendungen auch. Und da gilt nun mal: Nur ein knackiger Titel bekommt genug Aufmerksamkeit.

Ansonsten stimme ich Ihnen zu. Mit evangelikalen habe ich im Bereich Erwachsenenbildung auch so meine Erfahrungen gemacht. Allerdings war das vor 20 Jahren - und da waren Muslime noch nicht sehr verbreitet in meiner Zielgruppe. Daher weiß ich nicht, welche Erfahrungen ich mit Muslimen gemacht hätte. Ich meinem Freundeskreis gibt es einige - und mit denen habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht.

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ruhepuls 07.02.2019, 14:20
29. Mal die Bibel lesen...

Lesen Sie mal die Bibel (altes Testament) und Sie werden dort viel "blutrünstiges" finden. Das hat weniger mit Religion zu tun, sondern mit den damals üblichen Ansichten. Das Töten von Störendem fand damals keiner anrüchig. Für die Menschen früherer Zeiten war das Töten eine ganz normale Sache. Und natürlich hat man dieses Denken auch "den Göttern" unterstellt. Das ist also keine Besonderheit des Islam. Leider...

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