Forum: Politik
Opposition in Russland: "Sie stehlen unsere Wahlen"
Maxim Shemetov/ REUTERS

Russlands Regierungspartei ist im Umfragetief. Vor den Regionalwahlen im September werden Oppositionelle deshalb erst gar nicht zugelassen - wie in der Hauptstadt Moskau.

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Hupert 16.07.2019, 18:21
20.

Zitat von anja-boettcher1
Durch Kontakte zu Russinnen und Russen weiß ich, dass die Auffassungen zu Problemen im eigenen Land dort mindestens so vielschichtig und pluralistisch sind wie hier auch - und dass Russen in Diskussionen mitnichten mit ihren Ansichten hinterm Berg bleiben. Deshalb nervt mich seit Jahren das sehr einseitige holzschnittartige Bild, das hier in Deutschland über Russland verbreitet wird - obwohl die Einseitigkeit bei der deutschen Bevölkerung gar nicht gut ankommt. Kritik betrifft, darin dem Frust hier gar nicht so unterschiedlich, wie immer getan wird, vor allem die starke soziale Asymmetrie und die Selbstbedienermentalität von reichen Eliten, die mit der politischen Sphäre kummeln - sowie die geringe Einwirkungsmöglichkeit normaler Russen. Drüben wie hier ist das eine Schieflage, die sich dem asymmetrischen Auseinanderdriften von Privilegierten und Mehrheiten seit den 90ern verdankt. Die hiesige Mediendarstellung aber verengt die Situation in Russland völlig. Vor allem nervt die ständige Reduktion auf einen als in Russland eher als irrelevant geltenden Egomanen wie Nawalny, der für seine extrem nationalistische Position, vor allem seine abschätzende Sicht auf Minderheiten aus dem Kaukasus bekannt ist. Wie wäre es denn für Journalisten hier, wenn die russische Presse als einzigen "Regierungskritiker" ständig nur Bernd Höcke anführen würde? So reduziert jedoch ist die hiesige Wahrnehmung russischer Kritik an der russischen Regierung. Dadurch, dass aber offenbar gar kein Interesse daran besteht, die Auffassungen der Russen repräsentativ zu erfassen, merkt man, dass immer noch ein großer Teil der Journalisten Russland als ein Land betrachtet, dass durch die Brille transatlantischer Machtprojektion reduktionistisch wahrgenommen wird. Und das ist ein gravierender Mangel an Grundrespekt gegenüber den Russinnen und Russen selbst. Wann endlich haben wir wieder eine wirklich freie Russlandberichterstattung? - ohne Spin, Häme und journalistischem Paternalismus? Wann wird dieses große Land endlich in der ganzen Fülle seiner Pluralität gezeigt?
Sind Sie diese Frau Boettcher?

"Worüber ich mich wundere, ist Frau Wiedemanns Bashing der Öffentlichkeit: Sowohl die taz wie die ihr nahestehnde Partei die Grünen haben nicht nur seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Serbien den Resten der Friedensbewegung die Unterstützung entzogen, sondern sie nach Kräften diffamiert, wo sie selbst zu propagandistischen Unterstützern von US- und NATO-Politik mutierten."

Ich kann mich auch eine Anja Boettcher aus dem Kommentarbereich von RT Deutsch erinnern. Keiner hat die Putins Fahne damals höher gehalten als Sie es taten.

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taglöhner 16.07.2019, 18:24
21. RT aus- Phönix einschalten

Zitat von didowo
bei der EU-Wahl. Da kommen Leute zum Zug, die nicht gewählt wurden, schöne Demokratie. Aber über andere lästern, das können wir prima. In der EU stirbt auch gerade die Demokratie!
Unerhörtes geht vor sich: Es wird soeben gewählt :).

Dieser Whataboutism ist auch ein typisches Markenzeichen.

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Hupert 16.07.2019, 18:25
22. Ja...

Zitat von Piether
es soll ja sogar Leute geben, die glauben 1:1 , was bei SPON steht.
...das kann man durchaus machen.

https://www.vice.com/de/article/zm3ngw/weglassen-umdeuten-und-erfinden-wie-rt-deutsch-auf-facebook-politik-macht

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juba39 16.07.2019, 19:46
23. Es geht auch beides!

Zitat von taglöhner
Unerhörtes geht vor sich: Es wird soeben gewählt :). Dieser Whataboutism ist auch ein typisches Markenzeichen.
Man kann RT am PC schauen und gleichzeitig Phoenix im TVV. Nun frage ich mich allerdings, ob eine Wahl von v.d. Leyen mit gerade einmal 9 Stimmen über den Durst (darunter mit großer Wahrscheinlichkeit Stimmen von PiS, Fidesz udn 5Sterne, gleichzeitig mit 327(!) Gegenstimmen) mehr ihre Zustimmung findet. Erst recht, wenn gerade ein Herr Oettinger diese Wahl als großen Tag für Europa bezeichnet. Als "Putinist" korrigiere ich das mal penetrant auf "EU"! Zumal ja für die glühende Europäerin (so vdl von sich selbst) Europa sowieso bei Riga (auch Zitat vdL heut) endet.

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Stereo_MCs 16.07.2019, 19:57
24.

Zitat von skeptikerjörg
Von welchen und wievielen Kontakten zu Russen und Russinnen und vor allem wo reden wir? Kontakte hier in Deutschland oder außerhalb Russlands? Wo und wie lange haben Sie denn mal in Russland gelebt und dort die offenen, vielschichtigen, pluralistischen Diskussionen life erlebt? Nach dem, was Sie hier schreiben, scheinen Sie sich in einer Filterblase zu bewegen. Darüber hinaus: Machen Sie mal einen Vorschlag, wie es gehen soll, "die Auffassungen der Russen repräsentativ zu erfassen". Repräsentative Befragung? Offenes, unkontrolliertes, in RUS frei zugängliches Internetportal? In einem Staat, in dem Nichtregierungsorganisationen und NGOs schon per se spionageverdächtig sind? Die abschätzige Sicht auf ethnische Minderheiten, insbesondere aus dem Kaukasus, ist übrigens nicht nur Nawalny eigen, sondern ein allgemeines Phänomen, quasi ein Erbe der Sowjetunion und des zaristischen Russland - durch Stalins Nationalitätenpolitik verfeinert. Zuerst die ethnischen Russen, dann die anderen slawischen Ethnien und darunter der Rest; halt wie in jedem imperialistischen Staat, denn nur so ließ und lässt sich der Herrschaftsanspruch des "Staatsvolkes" aufrecht erhalten.
So viel Text und Arbeit als Replik auf die Russland .... hier. Vergebene Liebesmüh.

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freidenker! 16.07.2019, 20:37
25. Russlands sehr langer Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

In Punkto Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hat es Russland sehr schwer. Der Weg dahin ist für Russland sehr sehr lang und beschwerlich. Das hängt zum einen mit der Historie des Landes und zum anderen mit seiner gewaltigen Ausdehnung zusammen. Russland konnte über lange Zeiten hinweg nur entweder mit einer brutalen feudalen Zarenherrschaft (Iwan der Schreckliche) oder nur mit der roten Diktatur (Lenin/Stalin) beherrscht werden. Und das sind Jahrhunderte und dann nochmals Jahrzehnte. Es gab versuche Russland zu modernisieren und westlichen Wertvorstellungen anzupassen. Man darf aber nicht vergessen, dass Russland seit Jahrhunderten des öfteren zwischenzeitlich von Invasionen heimgesucht wurde, was den Prozess zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht nur behinderte sondern sogar umkehrte. Beispiele: Der Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert, eine polnische Invasion im 17. Jahrhundert, der schwedische Einfall im 18. Jahrhundert, Napoleon im frühen 19. Jahrhundert und der Einfall der Wehrmacht im 20. Jahrhundert. Dazwischen einige Aufstände (der Strelizenaufstand, Bojarenaufstand, Dekabristenaufstand) und einiges mehr. Das Land behielt am längsten die Leibeigenschaft und war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Ländern noch völlig unterentwickelt. Das alles spielt eine Rolle um die heutige Situation zu verstehen. Und nicht zu vergessen der schreckliche Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen nach der Oktoberrevolution. Von Stalin ganz zu schweigen ... Man kann nur hoffen, dass ganz allmählich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit so nach und nach einsickern. Steter Tropfen höhlt den Stein. Und dann wird der russische Bär vielleicht friedlich werden ....

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fortelkas 16.07.2019, 20:45
26. Die Zeiten stehen

...also schlecht für die Regierungspartei "Einiges Russland", nur 32,3 Prozent Zustimmung. Na und? In einer lupenreinen Diktatur, so wird Russland in den Artikeln von Frau Hebel ja gern dargestellt, würden solche Zahlen doch gar nicht erst bekanntgegeben. Die Wahlkommission will bekanntgeben, ob Frau Sobol antreten darf. Warten wir es doch ab, warum so pessimistisch Frau Hebel? In Moskau, der Millionenmetropole, demonstrierten 2000 Menschen (ich nehme an gegen Putin), villeicht waren es auch 4000. Bei Frau Hebel liest sich das wie ein breiter Volksaufstand . Frau Hebel berichtet wie so häufig mit einem Ziel: Dieser böse Putin und seine Helfer, es ist ein Skandal, was der alles mit dem russischen Volk macht. Ich finde allerdings: Ein Artikel ohne Informationswert, eben heiße Luft. Am Schluss bekenne ich für einige Foristen: Ich bin ein unverbesserlicher Putin-Troll.
Erwin Fortelka

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taglöhner 16.07.2019, 21:15
27. Geht doch

Zitat von juba39
Man kann RT am PC schauen und gleichzeitig Phoenix im TVV. Nun frage ich mich allerdings, ob eine Wahl von v.d. Leyen mit gerade einmal 9 Stimmen über den Durst (darunter mit großer Wahrscheinlichkeit Stimmen von PiS, Fidesz udn 5Sterne, gleichzeitig mit 327(!) Gegenstimmen) mehr ihre Zustimmung findet. Erst recht, wenn gerade ein Herr Oettinger diese Wahl als großen Tag für Europa bezeichnet. Als "Putinist" korrigiere ich das mal penetrant auf "EU"! Zumal ja für die glühende Europäerin (so vdl von sich selbst) Europa sowieso bei Riga (auch Zitat vdL heut) endet.
Jau, ziemlich knapp und alles friedlich und zivilisiert ohne tote Oppositionelle und so. Strange gell?

Die EU und ihre Assoziierten sind Europa, klar wer sonst? In den aufgeklärten Köpfen zumindest. Wenn die Leute dürften, wie sie wollen, wäre das auch institutionell.
Das ist ja das Problem, weshalb die Kremlins grüne Männchen verreisen lassen. Die Politik der russischen Regierung ist erklärt und tätig feindlich gegenüber den edelsten Errungenschaften des Kontinents inklusive der Unverletzlichkeit der Grenzen. Die Kremlins gehören nicht mehr dazu, weil sie nicht dazugehören wollen und die Spielregeln des aufgeklärten Abendlandes mit Füßen treten. Der legitime Ansprechpartner Europas auf Wiederaufnahme kann nur die Vertretung eines freien russische Volks sein.

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taglöhner 16.07.2019, 21:33
28.

Zitat von freidenker!
In Punkto Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hat es Russland sehr schwer. Der Weg dahin ist für Russland sehr sehr lang und beschwerlich. Das hängt zum einen mit der Historie des Landes und zum anderen mit seiner gewaltigen Ausdehnung zusammen. Russland konnte über lange Zeiten hinweg nur entweder mit einer brutalen feudalen Zarenherrschaft (Iwan der Schreckliche) oder nur mit der roten Diktatur (Lenin/Stalin) beherrscht werden. Und das sind Jahrhunderte und dann nochmals Jahrzehnte. Es gab versuche Russland zu modernisieren und westlichen Wertvorstellungen anzupassen. Man darf aber nicht vergessen, dass Russland seit Jahrhunderten des öfteren zwischenzeitlich von Invasionen heimgesucht wurde, was den Prozess zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht nur behinderte sondern sogar umkehrte. Beispiele: Der Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert, eine polnische Invasion im 17. Jahrhundert, der schwedische Einfall im 18. Jahrhundert, Napoleon im frühen 19. Jahrhundert und der Einfall der Wehrmacht im 20. Jahrhundert. Dazwischen einige Aufstände (der Strelizenaufstand, Bojarenaufstand, Dekabristenaufstand) und einiges mehr. Das Land behielt am längsten die Leibeigenschaft und war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Ländern noch völlig unterentwickelt. Das alles spielt eine Rolle um die heutige Situation zu verstehen. Und nicht zu vergessen der schreckliche Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen nach der Oktoberrevolution. Von Stalin ganz zu schweigen ... Man kann nur hoffen, dass ganz allmählich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit so nach und nach einsickern. Steter Tropfen höhlt den Stein. Und dann wird der russische Bär vielleicht friedlich werden ....
Längst sind auf den Servern von RIA die Aufsätze russischer Spitzenpolitiker getilgt, die glaubwürdig um Geduld für ihr schwieriges Land auf dem Weg in die Demokratie warben. Ich habe als seinerzeit intensiver Leser russischer Seiten exemplarisch die gruselige Metamorphose von einem Land im Aufbruch in die Moderne zum heutigen Mafia-Staat verfolgen können, wie ein unwirkliches Deja Vu aus den deutschen 30ern. Nach und nach verschwanden authentische hochinteressante staatspolitische Inhalte zugunsten billiger Propaganda, bis ich es vor Fremdscham nicht mehr ertrug nach authentischen Inhalten zu suchen. Etwa 2004 ging das los, wenn ich mich recht erinnere. Nichts ist von dieser spannenden Ära der Selbstfindung übrig, versunken in einem Meer von Lügen. Und hinter Putin gähnt ein schwarzes Loch, das er selbst gegraben hat.

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an_de 16.07.2019, 21:52
29. Gesetz ist Gesetz! Oder?

Die Wahlkommission hat alle für ungültig erklärte Nummern der Unterschriften veröffentlicht. Wenn es falsche Anschuldigungen sind, warum wird nicht sofort reklamiert. Erwartet man von der Wahlkommission, dass diese gegen Gesetz verstößt?

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