Forum: Politik
Oskar Lafontaine: Erreger des Jahres

Er treibt Union und SPD mit seiner populistischen Linkspolitik zu Korrekturen und gibt den Wortführer in der Debatte über soziale Gerechtigkeit: Oskar Lafontaine ist schon lange nicht mehr Minister - aber sein politischer Einfluss ist heute so groß wie selten zuvor.

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lawinchen 23.12.2007, 21:24
110.

Zitat von panda
Ich denke daran, dass uns seit Jahrzehnten von Parteien jedweder Farbe verkündet wird, dass "Bildung, Forschung und Wissenschaft" absolute Priorität haben...
Das stimmt allerdings, sie verkünden - und handeln exakt gegenteilig.

Zitat von panda
... und sehe bei all dem stattdessen einen rasanten Abfall der Bildungsqualität bei unseren Schulabgängern - symptomatisch besonders an der Hauptschule. Wer Fläche von Umfang nicht unterscheiden kann und wer nicht weiß wieviel Millimeter ein Meter hat wird wohl auch schwerlich sein Leben vernünftig in die Hand nehmen, geschweige denn politische Entscheidungen bewerten und die richtige Wahl zum Nutzen der Gesellschaft treffen können. Sobald dieser Teil der Gesellschaft noch größer wird, wird auch der Einfluss auf die Gesamtgesellschaft größer - mit allen negativen Folgen daraus.
Auch das ist zweifellos richtig, nur ist der Sparkurs an Schulen und Universitäten dann auch nicht hilfreich.

Die Suche nach der Ursache für die Misere führt direkt in die Wertediskussion, welchen Stellenwert Bildung in dieser Gesellschaft hat oder, allgemeiner und salopper, welchem Zweck die ganze Party dient. Momentan habe ich nicht das Gefühl, daß sie dem Allgemeinwohl mit seinen abstrakten Zielen Zufriedenheit, Identifikation und auch sozialer Sicherheit dient.
Wem dem aber so ist, warum wundert sich unsere entrückte politische Kaste über die Zerfaserung der Gesellschaft mit all seinen z.T. grausamen Begleiterscheinungen? Und wenn das nicht das Ziel oder wenigstens akzeptierte Nebenwirkung war, warum wird in Berlin so eifrig am allwissenden Fürsorgestaat geschraubt?

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verdi 23.12.2007, 21:24
111.

Zitat von Kurt2
Es war ein schmählicher Abgang, den sich Lafontaine aus der SPD geleistet hat. Die größte schmähliche Handlung leistet er sich aber, indem er für seinen persönlichen Rachefeldzug bedenkenlos diejenigen salonfähig macht, die die Toten an der Mauer und viele Unmenschlichkeiten mehr zu verantworten haben. - dadurch macht er sich mit ihnen gemein. Es gibts nichts, womit er dies rechtfertigen kann. Er ist ein Hasadeur.
Hätte Bisky als Blockflöte in der CDU Kariere gemacht?
Ich denke ja.

W. W.

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Reinhardt Gutsche 23.12.2007, 21:26
112.

Lafontaine wird von seinen Gegnern reflexartig das stigmatisch gemeinte Label „Populist“ angeheftet und diesem Etikett wie selbstverständlich eine pejorative Färbung verliehen. Wieso eigentlich? „Populisme“, so der Petit Robert, geht etymologisch zurück auf das lateinische „populus“, das Volk, und kam 1929 als Bezeichnung einer „literarischen Schule auf, die versuchte, das Leben der einfachen Leute aus dem Volk mit Realismus zu beschreiben“. Was ist daran auszusetzen, wenn Literaten oder Politiker sich dem Leben „der einfachen Leute aus dem Volk mit Realismus“ zuwenden? Darüber dünkelhaft die Nase zu rümpfen kann nur jemand, der nach Herrenmenschenart mit diesen einfachen Leuten nichts zu tun haben will. Lafontaine macht sich, wie viele andere vor ihm in der Geschichte, zum Sprecher der Verdammten dieses Landes, den Opfern der sozialen Apartheid in der Marktgesellschaft. Man kann ja von Lafontaine halten was man will, aber wohl ihm kaum vorwerfen, er rede der vox populi demagogisch nach dem Mund: Zwei Drittel dieses Landes halten inzwischen die Langzeitarbeitslosen für faul und arbeitsscheu. („Deutsche Zustände“, Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konfliktforschung) Als Ursache dieser „Deutschen Zustände“ benennen die Autoren der Studie übrigens die „wachsende Kontrolle des Kapitals über die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und den gleichzeitigen Kontrollverlust nationalstaatlicher Politik“. Die Monetarisierung des Sozialen führe zur Abwertung der »Überflüssigen« und »Nutzlosen«. (Im Amerika der großen Krise wurden sie „Okhies“ genannt.) Lafontaine, die Instrumente der parlamentarischen Demokratie nutzend, gibt Ihnen eine Stimme und fügt ihrem Druck das Bewußtsein dieses Druckes hinzu, führt ihnen vor Augen, in welchem Ausmaß ihre ökonomischen und sozialen Menschenrechte verletzt und ihre Menschenwürde angetastet werden. Natürlich könnte das den Reifeprozess der „Früchte des Zorns“ beschleunigen. Und das ist gut so. Dass dies den Nutznießern des markttotalitären Wirtschaftssystem, den eigentlichen Sozialparasiten, nicht passt, ist natürlich verständlich. Es könnte sein, dass ihnen eines Tages diese „Früchte des Zorns“ im Halse stecken bleiben...

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narovon 23.12.2007, 21:35
113. Armutszeugnis ...

Zitat von Suppenelse
Dass ein Mann wie Oskar Lafontaine nicht nach einigen Monaten in der Versenkung verschwindet, sondern mit seinen populistischen, naturgemäß reichlich kurz greifenden Parolen immer noch Anhänger findet, ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Wahrscheinlich kann dieses Problem nur durch mehr Bildung gelöst werden. Wer dumm ist, war schon immer empfänglicher für Stammtisch-Parolen, sowohl von rechts wie von links. .
Etwas vermessen, Ihre Haltung gegenüber Andersdenkenden, finden Sie nicht?
Dass Linkswähler weniger intelligent seien, hab ich zumindest bisher noch nicht gelesen.

Demokratie heißt nun mal, die Meinung anderer auszuhalten, ohne diese als dumm hinzustellen. Tut man dies dennoch - dann, ja dann muss in der Tat von einem Armutszeugnis gesprochen werden. Von einem Armutszeugnis für die demokratische Kultur in unserem Land.

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panda 23.12.2007, 21:42
114. Wer verdient was er verdient?

Zitat von verdi
Was soll das? Zumwinkel verdient an einem Tag mehr. W.W.
Ich bin mit Zumwinkels Coup alles andere als einverstanden. Ich bin dringend dafür, dass Grenzen gesetzt werden müssen.
Dies geht am Besten in den Firmen selbst. Im Aufsichtsrat sitzt die Gewerkschaft mit - sie hat es in der Hand.
Ein sehr gutes Beispiel ist der Fall Mannesmann. Klaus Esser erhielt damals 50 Millionen DM im Zuge der Übernahme durch Vodafone. Hätte der damalige IG-Metall Vorsitzende Klaus Zwickel dagegen gestimmt - anstatt sich zu enthalten - wäre dieser unmoralische Betrag auch nicht geflossen.
So einfach ist dies.
Nachdem Sie sich "verdi" nennen, haben Sie wahrscheinlich auch sehr gute Beziehungen zur Gewerkschaft. Nutzen Sie diese für einen guten Zweck (siehe mein Vorschlag oben).

Allerdings, Zumwinkels Lebenslauf kann sich gegenüber Oskars durchaus sehen lassen. Er hat die Deutsche Post bisher - im Vergleich zu anderen Unternehmen - gut geführt.

Ganz im Gegensatz zu Oskar Lafontaine.
Er hat - völlig überfordert - seine Aufgabe als Parteivorsitzeder der SPD und als Finanzminister unseres Staates nach wenigen Monaten in die Ecke geworfen; er hat den Lafontaine gemacht.

Nun - an der Spitze der Sozialisten versucht er einen neuen Anlauf und verspricht das Blaue vom Himmel.
Dies ist einfach - er muss es nicht halten.
Sollte aber die Nagelprobe trotzdem kommen? Ganz einfach. Das "Lafontaine machen" - beherrscht er perfekt.

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Specht 23.12.2007, 21:58
115. Reform - ein diskreditierter Begriff

Zitat von verdi
Was soll das? Zumwinkel verdient an einem Tag mehr. W.W.
Ich nehme an, dass man über Einkünfte Lafontaines gar nicht zu spekulieren braucht. Er wird sogar seine Nebeneinkünfte offenlegen, wie alle Bundestagsabgeordneten der Linken. Aber als "Erreger" (medizinisch: Bazillus, Virus) hat Lafontaine die Herren und Damen der Altparteien angesteckt mit dem Gerechtigkeitsfieber, das jetzt grassiert. Gern hätte man die Themen die er seit drei Jahren auf den Tisch packt eingenebelt und weiter auf Kosten der Arbeitenden, Arbeitslosen und Minirentner, Kinder und Jugendlichen "reformiert". Doch das Wort Reform ist dikreditiert durch die massenhafte Enteignung der Ärmsten im Lande, die ihre winzigen Ersparnisse der Agenda-Politik opfern müssen. Das schlimmste an diesem Saarländer ist, dass er etwas von Politik (von "Sorge um die Stadt", "Sorge um das Gemeinwesen") versteht.

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Promet 23.12.2007, 22:11
116. So ein Mist aber auch!

Da nehmen unsere "unabhängigen" Medien den Otto Normalverbraucher unter ein propangadistisches Dauertrommelfeuer, das uns die Vorteile eines völlig enthemmten Manchesterkapitalismus beibiegen soll, und was passiert, wir undankbaren Kretins zetteln immer noch so eine schwachsinnige Debatte über die Frage der "Sozialen Gerechtigkeit" an.

Das zeigt doch nur, selbst Rumpfdemokratien taugen zu nichts. Man muss immer auf so ein paar beschmierte Unterprivilegierte Rücksicht nehmen.

Nee, da gibt es sicherlich bessere Staatsformen. Selbst die BRD hat immer noch zu viel inhaltliche Demokratieelemente.

Aber ich bin sicher, auch diese werden verschwinden, bis Demokratie bei uns nur noch ein leeres label ist.

Oh wie schön sind China und Indien. Sklavenarbeit, Kinderarbeit, kein Sozialscheiß. Ja da kommen den Neokons Freudentränen in die Augen. Fette Kohle, geil, geil, geil.

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Edward Norton 23.12.2007, 22:19
117. Liebe Linken...

Seid gegrüßt Genossen.
Ich bewundere euch alle dafür, mit welchem Scharfsinn ihr wieder einmal die Welt auf den Punkt analysiert und erklärt wie einfach es doch wäre sie "gerecht" zu machen. Grandios muss ich sagen, "Gerechtigkeit für Alle" lautet unsere Parole, und alle Probleme sind gelöst. Wir hauen wieder das Geld raus für den "kleinen Mann", bis unser Haushalt so gut dasteht wie der, der DDR oder der UdSSR. Ich muss euch alle loben, ihr habt die Welt durschaut wie sie ist.
Westen, Usa, Kapitalismus, Merkel = Böse
Kommunismus, Sozialismus, Lafontaine = Gut

So einfach ist das nunmal. Schuld ist eben auch der böse böse Westen daran, dass der arme Onkel Stalin und seine herzensgute UdSSR es nicht geschafft haben, und dass die DDR am Ende nicht mehr viel Geld hatten.
Ausserdem ist es purer Zufall, dass es der Wirtschaft und den Menschen in Bayern und Baden-Württemberg in ganz Deutschland am besten geht. Und wenn dann liegt es höchstens an der tollen SPD Opposition.

Scheiß Neoliberale Säcke sind das alles, die uns fertig machen wollen. Sie haben auch dafür gesorgt, dass der gute Lafontaine zwar Finanzminister wurde und viel hätte ändern können, aber sie haben gemacht, dass er zurück getreten ist. Auch der Held Gregor Gysi wurde brutal dazu gezwungen aus seinem verantwortungsfollen Amt des Wirtschaftssenators von Berlin zurückzutreten, wegen den Bonus-Meilen.
Es wieder einmal der pure Zufall, dass Leute, wie die beiden Helden keine Verantwortung übernehmen dürfen und einmal ihre großen Sprüche in Taten umsetzten dürften, was ihnen aber die ja mit Sicherheit "gleichgeschalteten Medien" (erinnert an die NPD ? ) nicht gönnen.

Es leben die (vermeintlichen) Weltverbesserer!
Viva Lafontaine!

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mcgollum 23.12.2007, 22:41
118. natürlich!

Zitat von klaus1201
Einen kann sich dieses reiche deutsche Land sehr wohl leisten, was es sich auf Dauer nicht leisten kann, ist eine Regierung, die nur den füttert.
Natürlich können wir uns einen Sozialstaat leisten. Hartz4 ist auch eine Sozialleistung, oder nicht? Man bekommt etwas fürs nix-tun! Wir haben Krankenkassen und eine (bescheidene) staatliche Rente.
Jeder will, dass es Menschen in anderen Ländern der Welt besser geht. Also: Inder, Chinesen stellen Produkte her, verkaufen diese und verdienen mehr als vorher. Es istdoch nur logisch, dass wir nur ein Produkt kaufen. Entweder das Deutsche oder das indische. Er geizige Deutsche kauft das billigere aus dem Ausland auf Kosten der Deutschen Unternehmen und dadurch der Arbeiter.
Jeder will dass es der Welt besser geht, aber blos nicht auf eigene Kosten!
Natürlich gibt es Manager die zu viel verdienen, aber die sind in der Summe nicht relevant für die Gesamtwirtschaft. Dafür aber leichtes Ziel in den Medien.
Wer glaubt es könnte eine Welt ohne "Reiche" geben sollte lieber gleich auf den nächsten Baum klettern und mit Vögeln reden...hätte genauso viel Sinn...

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spectator11 23.12.2007, 22:46
119. Zusätzliche Arbeitsplätze

Zitat von Bernd3XL
Veränderungen können wir in unserer Demokratie, nur über dem Stimmzettel erreichen. Vor allem, es ist etwas unbequem, muss man sich Informationen besorgen und eine eigene Meinung bilden. Solange noch das gewählt wird, was der Oppa auch schon immer gewählt hat, denn er wusste es schon warum, ändert sich nichts. Aber Oskar und Gregor haben schon reichlich Sand ins Getriebe geworfen und ich hoffe, dass der alte Karren Dreiparteiensystem, endlich aus der Spur ausbricht!
Seien Sie ehrlich: Glauben Sie wirklich, dass bei einer Wahl von Lavontaine mehr Arbeitsplätze in Deutschland entstehen oder die Raffgier des Staates geringer werden würde?
Was allerdings nahe liegt, ist dass in diesem Fall wieder mehr Grenzschützer benötigt werden, um die Wohlhabenden von der Flucht aus dem Land abzuhalten. Hatten wir das nicht schon mal ähnlich in Deutschland?

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