Forum: Politik
Osteuropa: Trauer um die Briten, Angst vor Deutschlands Macht
AFP

Von Ungarn über Tschechien bis Polen: Überall in Osteuropa weinen selbst die Hardliner den Briten nach. Nachahmer sind hier nicht zu befürchten - dafür aber reichlich neue Forderungen an Brüssel.

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Tuolumne Meadows 26.06.2016, 01:53
100. Liebe osteuropäischen Brüder....

....ihr habt wohl den Schuss nicht gehört! Im Heute Journal wurde das heutige Treffen der Aussenminister der EU-Gründerländer als Zeichen gewertet!

Die Gründerväter hatten die EU nicht als reine Wirtschaftsunion im Sinn. Nein – über wirtschaftliche Zusammenarbeit sollten Verständnis und Vertrauen zueinander aufgebaut werden, um Trennendes aus der Vergangenheit zu überwinden und gleiche Werte zu betonen – für Frieden und Wohlstand seiner Mitglieder. Die EU ist eine Erfolgsstory – denn sie hat Frieden und Wohlstand für seine Gründerländer gebracht und ich bin froh, in einem seiner Länder aufwachsen und leben zu dürfen. Ein Privileg, das ich im Gegensatz zu vielen „EU-Bashern“ in diesem Forum zu schätzen weiss. Das Ziel war aber schon immer die politische Union Europas – und nicht „Geld für lau“ oder „Zugang für lau zu einem gemeinsamen Markt“. Wer diese Idee und die darauf beruhenden Werte nicht teilt, der ist schlichtweg dem falschen Club beigetreten!

Es ist ehrlich und konsequent, dass die Briten nun gehen, denn die haben sich mit dieser Idee nie identifiziert. Und jeder, der dies auch nicht tut und nur seine nationalen Egoismen in der EU ausleben will – da ist die Tür! Nationale Strömungen haben in der EU unserer Gründerväter nichts verloren und sie würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie sehen könnten, in welchem Zustand die Union sich heute befindet.

Wir haben keine Lust mehr, dass unsere Werte verwässert werden. Wir haben keinen Bock mehr drauf, dass die EU für nationale Interessen erpresst wird. Und wir sind es überdrüssig, von Rosinenpickern der EU verspottet und verhöhnt zu werden, weil wir an diese Idee und Werte unserer Gründerväter glaubem. Es muss gelten: keinen Sonderstatus für ein Land mehr, sondern gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle Mitglieder. Wer austreten will, der soll gehen – aber draussen ist dann draussen. Kein Membership-Light für lau mehr ohne entsprechende Verpflichtungen – z.B. für Länder wie die Schweiz. Es gibt nichts mehr zu verschenken. Wer dem Club betreten will, der ist willkommen – dann aber nur zu den bestehenden Bedingungen und dem Mut sich gemeinsam mit den Mitgliedern weiter zu entwickeln. Wer draussen ist, der ist draussen und sollte wie jeder Drittstaat behandelt werden – sonst kann der Bevölkerung eines Vollmitglieds nicht vermittelt werden, warum entsprechende Verpflichtungen der EU gegenüber eingegangen werden.

Das EU-Haus muss umgebaut, verbessert (demokratischer) und fit gemacht werden für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – damit Frieden und Wohlstand für seine Bewohner bewahrt bleibt. Dazu braucht es überzeugte Europäer – wie unsere Gründerväter, den den Mut haben, die Hand dem ehemaligen Feind zur Versöhnung entgegenzustrecken. Notfalls müssen die Gründerländer den nächsten Schritt wieder voran gehen – wie vor knapp 70 Jahren, um zu zeigen, dass auch dies eine Erfolgstory werden kann. Wer nichts wagt, der wird nichts gewinnen!

Quelle zum Europa der Gründerväter: http://europa.eu/about-eu/eu-history/founding-fathers/index_de.htm

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Karsten Kriwat 26.06.2016, 03:20
101. Brexit

Die Osteuropäer profitieren auch alle von der EU - von denen will keiner weg. Dann gehen eher noch die Dänen, die schon immer euroskeptisch waren und schon 1992 gegen den Vertrag von Maastricht gestimmt hatten. Danach hat man die Dänen dann nochmal abstimmen lassen - bis das Ergebnis "gepasst" hat...

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maxmarius 26.06.2016, 03:24
102. @ostseeland

mit wie vielen Mitteln wurde/wird eigentlich "Ostseeland" von der EU gefördert? Oder steht das immer nur zum Spaß auf den Bautafeln?

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steviespeedy 26.06.2016, 06:49
103. Die ewige Leier,

dass Deutschland von den Exporten in die EU profitiere wurde uns schon 1980 in der Schule erzählt.

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eunegin 26.06.2016, 06:59
104. Deutsche Führungsposition

Komischerweise höre ich immer wieder von (ost)europäischen Geschäftspartnern, dass man sich eine konsequentere deutsche Führungsrolle in der EU wünsche. Aber das sind nicht Politiker, das sind europäische Unternehmer, die Klarheit möchten.

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dominiks 26.06.2016, 07:09
105.

Zitat von ntfl
Wenn man dem Pressetenor folgt, dann hat man jetzt also in der "Rest-EU" ganz grosse Furcht vor Deutschland. Wir sollten die Menschen deshalb also bruhigen und ebenfalls aus der EU austreten. Denn dann gäbe es offensichtlich ja keine Probleme in der EU mehr.
Natürlich. Weil die Mitglieder der EU hyperventilieren, sollen wir austreten? So weit kommt's noch.


Wer mehr Demokratie will, muss sich auch mit dem Ergebnis einverstanden erklären. Und wenn das Ergebnis wäre, dass mehr Flüchtlinge aufgenommen werden sollen, werde ich dir jetzt schon sagen, dass die Meisten der EU was husten werden.

Wenn Deutschland austreten würde, wäre irgendein anderes westliches, reiches Land dran.
Dieses Gemeckere über die EU und dem ach so mächtigen Deutschland ist wie der Vorwurf, "die Ausländer" würden den guten, arischen Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen: Ablenkung vor dem eigenen Versagen.

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gis 26.06.2016, 07:41
106. Der Artikel war

Zitat von gutmichl
So etwas liest man hier seltsamerweise nicht, daher erinnert mich die aktuelle Lage stark an die "Willkommenskulturberichte" des letzten Jahres.
vorhersehbar. So wie letztes Jahr die vielen Gegner der Willkommenskultur in den Medien nicht vorkamen oder verunglimpft wurden, so werden heute die Befürworter des Austritts als Provinzler und Bauerntölpel beleidigt.

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Sumerer 26.06.2016, 08:05
107.

Zitat von sudelnuppe
Es ist eben keine deutliche Warnung. Von ein paar Prozentpunkten abgesehen ist eine knappe 50:50 Entscheidung, die die ältere Generation den Jungen hinterlässt. Und GB hat auch keine Macht demonstriert, GB hat sich in Europa von der Macht verabschiedet. Es wird überall viele Jobs kosten. Die Briten werden jetzt die Erfahrung machen, dass sie im Rest Europas Ausländer sind, sie können nicht mal eben nach Frankreich einen neuen Job annehmen. Viel Bürokratie für was? Nationale Identität? Werden die Briten nun alle Fremdarbeiter rauskicken und Gurken und Salat selbst pflücken?
Ich war in den letzten Jahren sehr häufig in Großbritannien. Auch in mehr ländlichen Gebieten. Mit einer mehrheitlichen Brexit-Entscheidung habe ich schon gerechnet. Politisch ist die aber nun noch nicht verabschiedet. So verbissen sehe ich diese Vor-Entscheidung nun nicht.

Das Land befindet sich in einer Phase der Deindustriealisierung. Und wird, wie die meisten Nationalstaaten der EU, von Deutschland gegängelt. Obwohl es in der EU noch ein relativ hohes BSP hat.

Mit dieser Entscheidung wird zunächst einmal Druck gegenüber Deutschland aufgebaut. Das kann sich jetzt überlegen, ob es seine Wirtschaftspolitik so aufrecht hält. Oder ob es versucht Politik unter Partner zu betreiben.

Ich habe es ja selbst erlebt. Ich war in Großbritannien geschäftlich unterwegs. Und die Verhandlungen waren zum Teil würdelos. Partnerschaftlich lief da eigentlich zum Schluss nix mehr ab.

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ke_karolus 26.06.2016, 08:09
108. Der ehemalige Ostblock

Zitat von Ostseeland
Der Leim den die EU zusammhält heißt Kohle, Schotter, Kies oder schlicht Euro. Nichts anderes, es sind nur monitäre Interessen. Sollte es zu einer Umgestaltung der EU kommen und diese ehemaligen Ostblockländer weniger bekommen werden wir sehen wie weit der EU-Gedanke dort gediehen ist. Keiner sollte sich der Fantasie hingeben, dass dort glühende Europäer leben.
Natürlich nimmt man die EU-Transferzahlungen gerne. Aber:

Der ehemalige Ostblock - und das versehen viele hier in Deutschland nicht - hat Jahrzehnte unter der Sowjetunion gelitten. Das Hauptinteresse dieser Staaten - weit vor der Knete - wird immer die Westinregration und der damit verbundene Militärschirm sein.

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eschoeff 26.06.2016, 08:22
109. na ja

Zitat von decathlone
... die EU habe gemeinsame Werte und es gäbe harte Bedingungen für eine Aufnahme. Die osteuropäischen Länder und ihre nationalistischen Regierungen werden einmal als einer Sargnaegel der EU dastehen. Die Aufnahme dieser Länder in die EU war ein Fehler. Wir päppeln mit EU-Milliarden Nationalisten und Rassisten in diesen Ländern.
die EU so wie sie sich darstellt, kümmerst sich vor allem um Absatzmärkte und Billiglohnländer zur Produktion in den ärmeren Mitgliedsländern. Dann bestimmt sie die Krümmung der Gurken und jedes Land, allen voran die Merkelregierung, kocht dann noch mit der Umgehung des gültigen EU Rechts ihr eigenes Süppchen. Die Bedingungen für die Aufnahme stehen auf dem Papier, wurden aber schon deutlich mit der Aufnahme von Griechenland gebrochen. Da gäbe es sicher noch mehr Beispiele.

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