Forum: Politik
Paragraf 218: Soll man bis zur Geburt abtreiben dürfen?
DPA

Beim Streit über das Werbeverbot für Abtreibungen geht es in Wahrheit um viel mehr. Die Jusos haben gerade einen Antrag auf Streichung des Paragrafen 218 beschlossen. Damit wären Schwangerschaftsabbrüche bis zum 9. Monat möglich.

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GoranBaranac 14.12.2018, 17:11
190. @sabinaz, Beitrag 183

Ihr Empfinden zum alleinerziehenden Leben ist Ihnen unbenommen. Aber alleine in meinem Umfeld habe ich ein Dutzend Frauen die alleinerziehend sind (alle Konstellationen, von Mann mit junger Blondine abgehauen bis einvernehmlich getrennt) und in keinem Fall sprechen die Betroffenen von einer Hölle die sie der schlimmsten Feindin nicht wünschen. Das Prekäre der Situation verniedlicht auch keine der Frauen aber jede bestätigt mir, dass man in in diesem Land durchaus auch als alleinerziehende Mutter ein würdiges Leben führen kann. Das Risiko für die Alleinversorgung aufzukommen kann in Deutschland kein Argument dafür sein sich die Freiheit nehmen zu wollen Kinder noch kurz vor Entbindung zu entsorgen. Wer wehrloses Leben für so wertlos hält sollte sich fragen was man mit ihm machen soll wenn er/sie als hinfälliger Senior in eine Situation gerät die der im Uterus ziemlich ähnlich ist.

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marcaurel1957 14.12.2018, 17:29
191.

Zitat von Koda
denn für Mord müsste wohl Heimtücke gegenüber dem Opfer vorliegen und ich glaube da gab es einmal ein Gerichtsurteil welches dieses Merkmal sogar dann ausschließt, wenn das Opfer ein Kleinkind ist oder bereits in den Kindergarten geht. Bei der Abtreibung wird ein begonnenes Leben getötet. Hätte man den Embryo / Fötus sich normal entwickeln lassen, würde es ein "normaler" Mensch werden, der genetisch bereits mit Gesicht, Haar- und Augenfarbe festgelegt ist. Wieso man da noch sagen kann, das sei ein "abtreibungswürdiger Zellhaufen" ist mir unerklärlich. Ich kann ja auch Frauen verstehen, die sich Sorgen machen, wenn sie fürchten ihr Kind nicht versorgen zu können. Aber selbst dafür gibt es den Sozialstaat, der gerade Kinder nicht im Stich lassen darf (im Idealfall). Und wenn das Abtöten eines Kindes weniger traumatisch sein soll als die Möglichkeit das Kind zur Adoption freizugeben, sollte auch hier der Staat liberaler werden und Müttern vor allem Gefühl geben können, das sie das Richtigere getan haben als das Kind abtöten zu lassen. Im Übrigen bin ich auch für ein MEHR an Aufklärung - auch nachträglich für Erwachsene, denn nicht nur Zuwanderer aus prüderen Gesellschaften haben da Nachholbedarf => viele hier aufgewachsene Männer benötigen im Punkto Verhütung Nachhilfe. UND: die Väter der Kinder sollten auch mehr zur Verantwortung gezogen werden. Eine Schwangerschaft entsteht IM NORMALFALL aus dem freiwilligen Geschlechtsverkehr ZWEIER geistig und emotional als REIF geltenden Erwachsenen. Und als Erwachsener sollte man wissen, dass man auch Verantwortung für seine Taten zu tragen hat.
Was hat der Spaß am Sex mit Verantwortung zu tun?

Ein 12 Wochennasciturus sieht entfernt primatenähnlich aus, hat aber ansonsten NICHTS mit einem Menschen zu tun, wenn dieser Zellhaufen entfernt wird, so ist dies sicher kein Problem.

Juristisch gesehen, kann man an einem Nicht geborenen KEINE Körperverletzung, keinen Totschlag und keinen Mord begehen, da diese Taten nur an einem „anderen“ Menschen begangen werden können.

Ungeborene werden NUR durch die §§218 ff StGB geschützt!

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calinda.b 14.12.2018, 17:31
192. Die Leute gehen nach Holland

Genau wie vor 40 Jahren. Solange die Christlichen am Ruder sind, wird das so bleiben.

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sabinaz 14.12.2018, 18:01
193. Herzlichen Dank,

Zitat von GoranBaranac
Ihr Empfinden zum alleinerziehenden Leben ist Ihnen unbenommen. Aber alleine in meinem Umfeld habe ich ein Dutzend Frauen die alleinerziehend sind (alle Konstellationen, von Mann mit junger Blondine abgehauen bis einvernehmlich getrennt) und in keinem Fall sprechen die Betroffenen von einer Hölle die sie der schlimmsten Feindin nicht wünschen. Das Prekäre der Situation verniedlicht auch keine der Frauen aber jede bestätigt mir, dass man in in diesem Land durchaus auch als alleinerziehende Mutter ein würdiges Leben führen kann. Das Risiko für die Alleinversorgung aufzukommen kann in Deutschland kein Argument dafür sein sich die Freiheit nehmen zu wollen Kinder noch kurz vor Entbindung zu entsorgen. Wer wehrloses Leben für so wertlos hält sollte sich fragen was man mit ihm machen soll wenn er/sie als hinfälliger Senior in eine Situation gerät die der im Uterus ziemlich ähnlich ist.
es ging mir auch nicht darum, alleinerziehenden Frauen ein schlechtes Gefühl zu geben. In Schwangerschaftsberatungsstellen ist es allerdings ein offenes Geheimnis, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Abtreibungen vorgenommen werden, weil der Mann das Kind nicht will (es geht um Erfahrungswerte; valide Umfragen hierzu habe ich keine gefunden, sonst hätte ich sie verlinkt). Und da alleinerziehende Mütter wegen der fehlenden Infrastruktur hierzulande ein krass erhöhtes Armutsrisiko haben, würde ich mich in einem solchen Fall ganz sicher für eine Abtreibung entscheiden. Wenn der Mann nach mehreren Ehejahren mit der jüngeren Blondine abhaut, ist das natürlich eine ganz andere Situation - dieses Risiko besteht immer, und das lässt sich auch nicht ändern. Mein Post bezog sich aber doch hauptsächlich auf den Kommentar. Und da wiederhole ich mich gern: Keine Frau, die nicht völlig daneben ist, würde erst im achten oder neunten Monat abtreiben. Es würde sich auch keine Ärztin/Arzt finden, die/der das macht. Deshalb wird hier ein Popanz aufgebaut. Wenden wir uns also doch lieber den echten Problemen zu: zu wenig Ganztageskindergärten und -schulen, die eine echte Bildungsoffensive wären, und es allen Müttern erleichtern würde, sich eine nennenswerte Rente zu erarbeiten.

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brohltaler 14.12.2018, 18:09
194. Mut der Minderheit!

Respekt vor diesen beiden jungen Frauen, die es gewagt haben in der aufgeheizten Gender-Atmosphäre eines Jusokongresses, sich gegen den dort herrschenden Mainstream zu stellen. Großen Respekt! Sie mussten sich für ihre "rhetorische Pathetik" rhetorisch knüppeln lassen. Wenn sie aber durch ihren Mut auch nur eine der im Saal sitzenden Frauen (und Männer!) zum Nachdenken über die egoistisch-kaltherzige Forderung der Mehrheit gebracht haben, dann hat sich ihr Mut schon gelohnt. Und dass die Darstellung dessen, was bei einer Abtreibung medizinisch geschieht, bei Feministinnen höchst ungern zu Gehör kommt, kennen wir bereits seit den frühen 70er Jahren. Die Kälte der Gegenrednerin allerdings lässt einen, da hat Fleischhauer recht, geradezu erschauern!

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karl-felix 14.12.2018, 18:31
195. Das

Zitat von FrauTrallala
Aus biologischer Sicht ist das eine interessante Frage. Die Grenze von 3 Monaten ist natürlich völlig willkürlich aber für mich wenigstens noch irgendwie nachvollziehbar. Zumindest wenn man außer Acht lässt, dass für die Verwendung von Embryonen zu Forschungszwecken wesentlich strengere Regeln gelten. Aber je näher wir in Bereiche kommen, in denen ein auch außerhalb des Mutterleibs lebensfähiges Wesen existiert, desto eher wird es Mord. Wenn ich im 7.,8.,9. Monat abtreibe, wo ist da noch der große Unterschied zum töten eines Babys? Ob es nun im Bauch oder im Bettchen umgebracht wird, ist doch im Prinzip das gleiche, und das ist nach meinem Empfinden schlicht Mord.
haben wir vor 40 Jahren auch diskutiert , weniger aus biologischer als aus ethisch-religiöser Sicht.
Ich halte es da mit dem Rabbi Salomon , einem alten weissen Mann.
Der Mönch schäumt: Natürlich mit der Zeugung , der evangelische Pfarrer, lieber Bruder im Herrn - 3 Monate nach der Zeugung , weiß doch jeder.
Beide schauen den Rabbi an , na ja , sagt der , wenn ihr mich fragt fängt
das Leben an , wenn die Kinder aus dem Haus und die Katze tot ist .
Salomonische Weisheit, das war der gleiche Rabbi der auch über die Verwendung Kollekte urteilte . Der wusste, wann es sich nicht lohnte ein Thema zu diskutieren , müssig über den Beginn des Leben zu diskutieren .

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jackberlin 14.12.2018, 18:41
196.

Ich verstehe gar nicht, worüber sich so viele Leser empören. Es ist doch sehr verantwortungsvoll von der SPD, dafür zu sorgen, dass die Unterschicht ihren Nachwuchs problemlos entsorgen kann. Schließlich können sich viele Arbeiter und Arbeitslose kaum noch Kinder leisten, seit die SPD das Recht auf Grundversorgung eingeschränkt hat und für flächendeckende Mini-Löhne gesorgt hat. Im Grunde handelt es sich nur um eine konsequente Fortführung der Agenda 2010. Aber vielleicht sollte die SPD-Werbezentrale noch daran arbeiten, ihre Verachtung für die working poor und den Wert des Lebens nicht im Internet zu veröffentlichen. Manch einer könnte vermuten, dass er eine Wochenschauaufnahme des Nürnberger Treffens auf Phoenix sieht, wenn er den Redner*_*Innen*_*Diversen beim Juso-Feministen-Kongress zuhört. Gruselig.

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johannes48 14.12.2018, 18:49
197. Hier einmal eine fiktive Geschichte,

"Aborto" (Abreibung), die ich frei aus dem brasilianischen Portugiesisch übersetzt habe:
ABTREIBUNG: Hallo Mama, ich möchte dir sagen, dass ich sehr glücklich bin! Noch glücklicher, Mama, weil ich die Frucht deines Glücks mit Papa bin. Mama, es ist zwei Monate her, ich bin hier ein kleines Mädchen, mit meinem kleinen Körper noch in der Formation, aber glücklich für dich und Papa, um mich mit Liebe empfangen zu haben! Du weißt Mama, heute habe ich meinen kleinen Finger im Mund ... Ich bin verrückt hier raus zu kommen, um rennen zu können ... spielen! Es waren zwei Monate und drei Wochen, fast drei Monate ... Mama, eine Sache, die ich immer noch nicht verstehen kann. Ich bin so glücklich, aber du, wenn du dich hinlegst, so weinst du, dass du schluchzend schluckst, warum? Heute habe ich mit meinen kleinen Fingern gespielt und ich habe Schreie gehört, was ist passiert? Hast du gegen Papa gekämpft? Ich habe gehört, dass ihr morgen früh zum Arzt geht., Mama, mir geht es gut, was machst du bei diesem Arzt? Wir sind beim Arzt angekommen! Mama, gehst du ins Bett? Doktor, lüg nicht zu meiner Mutter, ich möchte mit meinen kleinen Fingern spielen, steh auf Mama! Du hast geschlafen, hilfst ... Hilfe, Mama, du ziehst mein Bein, jetzt meine Arme, ach! Hilf Mama, wach auf und sag ihnen, dass sie aufhören sollen, mich zu saugen! Ich habe meine Kraft und meine Sinne verloren ... Auf Wiedersehen, Mama! Mama, heute sind es 20 Jahre, du hast sie mich saugen lassen, meiner Geburt ausweichend, aber ich war mir sicher, dass ich nicht böse auf dich war oder Papa, ich bin hier mit dem Vater im Himmel und bete zu Gott, dass du jetzt glücklicher bist! Ich liebe dich Mama".

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markus.pfeiffer@gmx.com 14.12.2018, 18:50
198. Beendetes Leben

Das Leben entsteht biologisch betrachtet im Moment der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Wenn man etwas dazu tut, dieses Leben - egal in welchem Stadium - zu beenden, ist das eine (aus welchen Gründen auch immer herbeigeführte) Tötung dieses Lebens. Streng genommen gilt das z.B. schon für die Spirale als Verhütungsmethode, weil diese das Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter - also des bereits entstandenen Lebens - verhindert und dieses somit beendet. Ob man diese Tötung nun Mord nennt oder ein harmloseres Wort dafür findet, es bleibt die Auslöschung eines menschlichen Wesens.

Den Kompromiss des Bundesverfassungsgerichts vor 25 Jahren fand ich moralisch schwierig und eigentlich zu weitgehend. Flapsig gesagt: Wer (freiwilligen) Sex hat, weiß normalerweise über Vwerhütung Bescheid und auch darüber, dass trotz Vergütung immer ein Kind entstehen kann, wenn's "dumm" läuft. Das gehört nunmal zum Leben dazu...

Seit ich wählen darf habe ich aus (sonstiger) politischer Grundüberzeugung IMMER eine der Parteien gewählt, die sich jetzt für die Abschaffung von §218 einsetzen (Grüne, SPD, Linke), aber bei deren Haltung zur Abtreibung (auch bisher schon) immer ein leicht schlechtes Gewissen bei der Stimmabgabe gehabt. (Und nein, ich bin nicht religiös, das ist für mich einfach eine ethische und moralische Frage). Beim momentanen Stand der Diskussion muss ich aus moralischen Gründen wohl künftig eine andere Wahl treffen.

Beruflich arbeite ich mit Kindern (meist mit Kindern ohne aber auch mit welchen mit Behinderung) und habe auch selbst welche und ich kann nur Werben: gebt dem entstandenen Leben eine Chance! Jedes Leben, (fast) egal mit welchen Hindernissen belastet, hat so viele schöne und lebenswerte Momente, dass man ihm die Chance zu leben geben sollte. Wer gute gründe hat, sein Kind nicht selbst durchs Leben begleiten zu wollen/können, kann es immer noch zur Adoption freigeben, es gibt so viele ungewollt kinderlose Paare. Nehmt dem ungeborenen Kind nicht die Chance, sein leben so zu feiern wie ihr eures (hoffentlich) gefeiert habt, als dieses Kind entstanden ist!

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FinnSimmons 14.12.2018, 18:50
199. Mord?

Ist das wirklich Mord? Lassen wir doch die Wissenschaftler beraten bis wann es Sinn macht einen Schwangerschaftsabbruch grundlos und straffrei (also nicht nur ohne Strafverfolgung) zu erlauben und ab wann eine Begründung (also Medizinisch) benötigt wird. Insgesammt solten wir Frauen da befreien und ihnen vertrauen. Es gibt Gründe warum Frauen oder vielleicht sogar Paare abtreiben wollen und das sollten sie dann auch legal dürfen. Ohne jegliche Stigmatisierung. Und das man Kinderplanung betreiben kann, ohne das jemand drohend die hinter Paragraphen versteckte Moralkeule schwingt, erwarte ich in einem sekularen westlichen Land wie dem unseren schon.

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