Forum: Politik
Parlamentswahl in Spanien: Dem alten System droht der Zerfall
OSCAR DEL POZO / AFP

So polarisiert war Spanien seit Jahren nicht mehr: Bei der Parlamentswahl stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber, eine rechtsextreme Partei hofft auf den Durchbruch. Wer soll dieses Land künftig regieren?

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cybion 28.04.2019, 11:28
1. Weiteres Chaos nicht ausgeschlossen ...

Der aktuelle Dauerwahlkampf (Andalusien Wahl Dezember 2018, Nationalwahl heute, Kommunal- und Europawahl Ende Mai) ermüdet zwar die Bürger, führt aber leider nicht zu mehr Kommunikationsbereitschaft zwischen den Parteien und Blöcken. Ganz im Gegenteil: die ständige Schlagwortklassifizierung in "derecha (rechts)" und "izquierda (links)" wird praktisch nicht mehr durch politische Inhalte oder Parteiprogramme gefüllt.
Eine große Koalition (mit allen Nachteilen und Einschränkungen) ist schon durch die Persönlichkeitsprofile der Politiker undenkbar.
Wahlversprechen und -geschenke (dramatische Anhebung des Mindestlohns auf über 1000 €, Steigerung der ohnehin im europäischen Vergleich oben angesiedelten Renten / Pensionen etc.) sind Hypotheken für die aktuelle und zukünftige Entwicklung, die nach dem Motto: "gewählt werden und nach mir die Sintflut" als Dekret (da keine parlamentarische Mehrheit zur Beschließung von Gesetzen) verkündet werden.
Das Dauerthema katalanische Abspaltung führt leider nicht zur einzig möglichen Konsequenz: lasst sie ziehen, in Frieden, aber lasst sie ziehen: sie werden schon sehen, was sie davon haben.
Mit anderen Worten: die Gemengelage wird von Monat zu Monat unübersichtlicher und bremst die positiven Ansätze der wirtschaftlichen Erholung aus.
Sehr schade, denn die Bürger dieses liebenswerten und wunderschönen Landes hätten Besseres verdient (sagt jemand, der sich seit vielen Jahren häufig im Lande aufhält, ehrenamtlich in Nachbarschaftsvereinen mithilft und die Sprache perfekt spricht).

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dschmi87 28.04.2019, 11:47
2. Witzig wie hier um den heissen Brei

Rum geredet wird. Ich kenne Andalusien sehr gut, habe dort eine Zeit gelebt und auch 2 mal war ich dort im Auslandssemester. Ich studierte an der Universität Cadiz und lebte in Chiclana de la frontera. Andalusien war eigentlich damals und immer eine sozialdemokratische Hochburg... aber in spanischen Medien etc. Wird auch offen gesagt wieso die Rechten so stark geworden sind... was hat sich seit 2018 von Italien nach Spanien verlagert.
Ich erlebe wie sozialdemokratische Familien über Generationen hinweg auf einmal deshalb vor 6 Monaten rechts gewählt haben... für mich ist es kein Grund rechts zu wählen, aber es ist schon komisch... überall wo dieses Phänomen ist kommen rechte an die Macht. Wer den Zusammenhang leugnet macht rechte nur stärker wie in Italien derzeit zu sehen ist. Was denken Sie wieso Herr Macron derzeit in der Gunst der Franzosen wieder steigt, nicht nur weil er vieles abmildert. Er macht auch die Grenzen zu Italien, ohne Abkommen weitestgehend dicht und weißt sie auch an der Grenze ab. Wenigstens das haben deutsche Medien schon berichtet, dass er Macron in Sachen Migration nicht viel anders als Frau Le Pen ist.

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vernetzt weiblich denken 28.04.2019, 12:00
3. Der Markt der alles von alleine regelt

Weltweit regiert der Markt. Und regelt uns in rechte Revolten. Das Lebenswerte wird marktgerecht entwertet.
Es gibt zahllose Herde des Aufstehens gegen den Markt. Doch noch hat er überall die Hand drauf.

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dschmi87 28.04.2019, 12:18
4. Korrektur zum Kommentar Nr. 2

Nicht nur Italien sondern auch eben die Grenze zu Spanien. Darf sowas wirklich nicht mehr unterwegs schreiben...

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ExNeukoellner 28.04.2019, 12:25
5. Rechte Parteien haben in Spanien keine Chance

behaupteten bis etwa 2017 noch diverse politische Experten, da die
negativen Erfahrungen von knapp 40 Jahre Franco hier noch nachwirkten und viele Wähler den Franquismus bis zum Putschversuch 1981 noch selbst erlebt hätten. So kann man sich irren.

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bernteone 28.04.2019, 12:26
6. Das ist die Zukunft Europas

und kein Spanisches Problem . Schuld sind in erster Linie die Etablierten Parteien mit ihrer Blablabla Politik von gestern ohne das sich was ändert . Soziale Medien sind auch nicht zu verachten ..Wer die Medien kontrolliert , kontrolliert die Meinung . Das Internet lässt sich aber nicht kontrollieren , hier kann jeder alles zum.besten geben , ob es wahr ist oder nicht . Die Wahrheit ist nicht so interessant , eigentlich wurden die Wähler bis jetzt immer belogen . Die Geister die ich rief wohnen nicht in Spanien, Italien oder Ungarn , Sie sind in unzufriedenen Menschen zu Hause , die genug haben von der Politik für Unternehmer und Reiche . Einfach alles als rechts abzutun aber damit ist es leider nicht getan . Europa braucht wieder echte Sozialdemokraten .

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gatopardo 28.04.2019, 12:40
7. Tja, in kurzen Sätzen

Zitat von vernetzt weiblich denken
Weltweit regiert der Markt. Und regelt uns in rechte Revolten. Das Lebenswerte wird marktgerecht entwertet. Es gibt zahllose Herde des Aufstehens gegen den Markt. Doch noch hat er überall die Hand drauf.
ist es wohl so, wie Sie andeuten. Dann aber wiederum erinnern wir uns an die Planwirtschaft des real existierenden Kommunismus und ziehen den Markt als "notwendiges Übel" vor ? Natürlich ist von der ultrarechten Revolte wahrlich keine soziale Revolution zu erwarten, sondern eher erhebliche Zerstörungsversuche aller humanistischen Errungenschaften letzter Jahrzehnte. Vielleicht sollten wir Sorge tragen, zur sozialen Martkwirtschaft vergangener Jahre zurückzukehren ?

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Frietjoff 28.04.2019, 12:50
8. Dabei KÖNNTE die Antwort so einfach sein: maximale Autonomie

Dabei KÖNNTE die Antwort für Katalonien so einfach sein: MAXIMALE (wirklich tief gehende) Autonomie (ohne formale Unabhängigkeit).

Das funktioniert in
* Quebec (mittlerweile seit Jahrzehnten geräuschlos)
* Schottland (und hätte ohne den Brexit-Wahnsinn weiter funktioniert)
* Flandern (nicht ganz so geräuschlos, aber es funktioniert)
* Südtirol
* der Schweiz (die von Anfang an so angelegt ist)

Man möge sich daran erinnern, dass die katalanischen Separatisten nur deswegen die komplette Unabhängigkeit anstrebten (bzw. damit in der Bevölkerung Anklang fanden), eben weil Madrid weiter gehende Autonomie dummerweise verhinderte.

Also ist ein weiterer Dialog zwischen Madrid und Barcelona das einzig richtige.

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gatopardo 28.04.2019, 13:18
9. Wie recht Sie haben.

Zitat von Frietjoff
Dabei KÖNNTE die Antwort für Katalonien so einfach sein: MAXIMALE (wirklich tief gehende) Autonomie (ohne formale Unabhängigkeit). Das funktioniert in * Quebec (mittlerweile seit Jahrzehnten geräuschlos) * Schottland (und hätte ohne den Brexit-Wahnsinn weiter funktioniert) * Flandern (nicht ganz so geräuschlos, aber es funktioniert) * Südtirol * der Schweiz (die von Anfang an so angelegt ist) Man möge sich daran erinnern, dass die katalanischen Separatisten nur deswegen die komplette Unabhängigkeit anstrebten (bzw. damit in der Bevölkerung Anklang fanden), eben weil Madrid weiter gehende Autonomie dummerweise verhinderte. Also ist ein weiterer Dialog zwischen Madrid und Barcelona das einzig richtige.
Im Moment kann ich keine Umfrageresultate beisteuern, aber in meinem spanischen Umfeld würden sich die meisten für den Dialog mit Katalonien entscheiden, jedoch kaum jemand für die Unabhängigkeit. Die Föderation wäre ein Ausweg, die ja auch Sánchez und seine PSOE anstreben. Aber so wie es aussieht, wird er auch bei einer eventuellen Regierungsbildung wieder starken Gegenwind aus oppositionellen Kreisen bekommen.

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